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Nur zwei Pfleger sind in der Spätschicht neben mir eingeteilt. Sie sind im Dauereinsatz. Laufen von Zimmer zu Zimmer, da die Bewohner klingeln und Hilfe brauchen: Die eine schafft es nicht auf die Toilette, die andere braucht eine Bettpfanne, der Dritte Hilfe beim Anziehen und dem Vierten ist schwindelig

Hölle Pflegeheim: Wecken, waschen, füttern, Pillen geben – pflegen im Galopp

14. April 2019 | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Politik | Geo-Politik | Wirtschaft | Finanzen | connectiv.events

Die Heimaufsicht des Landkreises Lörrach hatte dem Pflegestift Dr. Max Picard in Schopfheim (Kreis Lörrach) den weiteren Betrieb „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ untersagt. Der Betreiber, die ProCurand GmbH, schloss das Heim Ende März. In ihrer „Anordnung zur Betriebsuntersagung“ beschreibt die Heimaufsicht in dürren Worten, was für Personal und Patienten der siebte Kreis der Hölle gewesen sein muss: „massive personelle Engpässe“, unbesetzte Leitungspositionen, die zu strukturellen Probleme führten, „gravierende Mängel“ in der Medikamentengabe, der Grundpflege, der Behandlungspflege und der Dokumentation. Mit anderen Worten, es ging nichts mehr und das Ganze war eine völlig heruntergekommene Wirtschaft. Zuletzt gab es noch 49 „Bewohner“, deren Pflege nicht einmal die gesetzlichen Mindeststandards erfüllte. Das Personal war so unterbesetzt, dass es hoffnungslos überfordert war.

Ein bedauerlicher Einzelfall? Keineswegs. Der vielzitierte Pflegenotstand ist so groß, dass eine menschenwürdige Versorgung und Pflege der alten Menschen in vielen Heimen nicht mehr möglich ist. Nicht, weil das Personal schlampig, desinteressiert oder gar herzlos wäre. Im Gegenteil: Die Pfleger leiden selbst darunter und geben ihr Bestes – müssen aber scheitern, weil sie es einfach nicht schaffen.

So wandten sich fünf Pflegerinnen, die bis Mai alle im Senioren- und Pflegeheim Haus Thomsen in Elmshorn gearbeitet haben, an die Zeitung „Elmshorner Nachrichten“. Sie wollen über ihre Erfahrungen berichten und das Leben für die Bewohner verbessern. Denn das, was sie während ihrer Arbeit erlebt haben, bezeichnen sie als „gefährliche Pflege“.

 

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Vor allem kritisierten die Frauen die personelle Unterbesetzung im Heim, berichtet die Zeitung. Wenn sie Glück hätten, seien die Pfleger und Pflegehelfer zu fünft in einer Schicht, manchmal sogar nur zu zweit oder zu dritt. Und das bei bis zu 48 Bewohnern. „Das führt dazu, dass wir uns alle die Hacken ablaufen und körperlich und psychisch am Ende sind“, erzählte eine Altenpflegerin. Mit Schmerzpflastern seien manche Heiminsassen geradezu sediert worden, weil die Pflaster zu lange nicht entfernt wurden. Medikamente wurden zu spät bestellt und es gab Lücken in der Medikamentenverabreichung, die hätten gefährlich werden können. Die körperliche Hygiene der alten Bewohner aufrecht zu erhalten war oft nicht so zu bewältigen, wie es hätte sein müssen. „Oberflächliche Katzenwäsche“ nannte es eine der Pflegerinnen: „Was wirklich los ist, sieht man dann erst bei der Intimpflege“.

Auch die Angehörigen waren unzufrieden und entsetzt. Eine Tochter bemängelte: Die Hygiene im Haus Thomsen ist unmöglich. Da bezahlt man so viel Geld, trotzdem hat meine Mutter fettige Haare und dreckige Fingernägel. Sie wird oft nur einmal in der Woche geduscht – dabei sollte das doch jeden Tag passieren.“ Auch die Kleidung war ungepflegt und schmutzig, der Pullover ihrer Mutter sei regelrecht dreckig. „Das ist einfach nur ekelhaft.“ Beschwerte sich die Tochter über den Zustand der Mutter, entschuldigte man sich, es sei einfach zu wenig Personal da. Die Zustände wurden so unhaltbar, dass Angehörige zwölf der Heimbewohner aus dem Haus herausholten und anderswo unterbrachten.

Aber auch einige Mitarbeiter hielten es nicht mehr aus. Acht sind innerhalb kurzer Zeit gegangen, schreiben die Elmshorner Nachrichten. Eine dieser Pflegerinnen, die für sich die Reißleine gezogen hat, war kurz vor dem Zusammenbruch. Sie hatte die Nachtwache zu absolvieren – und das ganz allein für das ganze Haus. Trat ein Notfall ein, war im wahrsten Sinne des Wortes Not am Mann: „Dann muss ich den Notarzt rufen, die Tür aufmachen, den Fahrstuhl holen und das Ganze dokumentieren – aber während dieser ganzen Zeit bleibt der Patient alleine.“ Innerhalb von drei Monaten gab es sechsmal einen solchen Notfall. Die Altenpflegerin begann, unter Panikattacken und Schlafstörungen zu leiden. Der Tag, an dem sie ihre Schicht antrat und feststellen musste, dass ein Heimbewohner verstorben war und schon zehn Stunden tot in seinem Bett lag, war der Tag, an dem sie sich entschloss zu kündigen.

Die Noten, die für die Heime vergeben werden, sind meistens gut, schreibt die „Welt“, aber die Realität sehe anders aus. So habe ein Heim in der Nähe Bremens mit tadellosen Bewertungen aufwarten können: Die Note der Qualitätsprüfer von den Medizinischen Diensten der Krankenkassen (MDK), die man im Internet einsehen kann, ist eine 1,2 – sehr gut.

Doch der alte, demente Vater von Stephan M. muss dort ein Martyrium durchlebt haben, wie er der „Welt“ erzählte:

Seit Wochen war er nicht richtig gewaschen worden, manchmal hatte er über Stunden im eigenen Kot und Urin gelegen. Der 91-Jährige lag wimmernd im Bett, die Hände zu Fäusten geballt, der Körper übersät mit blauen Flecken. Und es gibt Fotos, auf denen zu sehen ist, dass der alte Mann zuvor geschlagen worden sein muss.“

Untersuchungen eines Rechercheteams von correctiv vor Ort ergaben, dass die Bewohner sich dort oft wund liegen, weil sie nicht fachgerecht gelagert werden, dass alte Menschen dehydriert sind, weil niemand Zeit hat, ihnen Getränke anzureichen.

 

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Multiresistente Keime kommen auch in Pflegeheimen vor und nötigen dem Personal noch mehr Aufwand ab:

Nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit (LZG) NRW, das als fachliche Leitstelle die Landesregierung und die Kommunen in allen gesundheitlichen Fragen unterstützt, wurden 1456 MRSA-Fälle im Jahr 2012 gemeldet. 2013 waren es 1354, 2014 dann 1204 und 2015 schließlich 1160 Fälle (Stand Februar 2016). Die Zahl der MRSA-Infektionen ist rückläufig, aktuelle Zahlen zu Altenheimen liegen nicht vor.“

Durch den Personalmangel stellen auch oft die Helfer die Medikamente für die Bewohner zusammen, obwohl das zwingend von Fachkräften gemacht werden muss, genauso das Messen des Blutzuckers und Insulinspritzen zu setzen.

Eine kurze Beschreibung, wie sich der brennende Personalmangel auswirkt, ist erschreckend:

Nur zwei Pfleger sind in der Spätschicht neben mir eingeteilt. Sie sind im Dauereinsatz. Laufen von Zimmer zu Zimmer, da die Bewohner klingeln und Hilfe brauchen: Die eine schafft es nicht auf die Toilette, die andere braucht eine Bettpfanne, der Dritte Hilfe beim Anziehen und dem Vierten ist schwindelig, sein Blutdruck soll gemessen werden. Nebenbei müssen Protokolle über die Bewohner geführt werden. „Wir sind viel zu wenige“, sagen mir die Pfleger immer wieder. „Man kommt aber auch kaum noch an neue Leute ran. Weder an Fachkräfte noch an Helfer. Kurz nach dem Essen muss ein dementer Bewohner auf die Toilette. Dort angekommen, hat er vergessen, was er hier will. Ich setze ihn trotzdem darauf, leere den Katheter und warte. Bevor ich Waschlappen und Handtücher aus dem Lager hole, bitte ich ihn, sitzen zu bleiben. Doch als ich wiederkomme, versucht er schon, seine Hose hochzuziehen. Im letzten Moment kann ich ihn davon abhalten. (…) Die dementen Bewohner sind schwierig zu beschäftigen. Wissen oft nichts mit sich anzufangen. Einer von ihnen wandert durch das Haus, fragt, wo er wohne, und sagt immer wieder, dass er nach Hause müsse. Dabei löst er mehrmals den Feueralarm aus. „Das war ich nicht, das war ein Anderer“, behauptet er. “
Quelle: Füttern. Waschen. Weiter.

Die Welt zieht das Fazit:Offensichtlich zeichnen die Prädikate kein Bild der tatsächlichen Qualität. Stattdessen können Heime ein schlechtes Abschneiden bei zentralen Kriterien wie der Wundversorgung durch banale Dinge wie einen gut lesbaren Speiseplan ausgleichen. Von 77 Kriterien sind nur wenige medizinisch relevant. Das führt dazu, dass selbst bei schlechter Pflege ein Heim meist noch „sehr gut“ abschneidet. Und es führt zu der unrealistisch guten bundesweiten Durchschnittsnote von 1,2.“

Wer also einen Angehörigen in ein Pflegeheim bringen muss, sollte sich vor Ort selbst ein Bild machen und sich das Heim gut ansehen. Am besten, man spricht mit Angehörigen, die dort gerade Heimbewohner besuchen.

 

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