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Ein schwuler Callboy aus Rom packt in einem Buch und einem Beweisdossier über seine geistlichen Kunden aus und tritt einen riesigen Skandal los. Er geißelt die Doppelmoral und Scheinheiligkeit derer, die anderen Moralpredigten halten, selbst jedoch lasterhaft und ausschweifend leben. (Bild: Priesterweihe, pixabay, Javier Ocampo Zuluaga)

Callboy im Vatikan packt aus: Er hatte Dutzende Priester als Kunden – ein Netzwerk von schwulen und pädophilen Priestern

17. April 2019 | Bewusstsein | Spiritualität | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | connectiv.events

 

Der nächste Sexskandal erschüttert die katholische Kirche. Nicht nur, dass so und so viele Priester, Mönche und auch Nonnen schon wegen Kindesmisshandlung und sexuellem Kindesmissbrauch bestraft wurden, mehrere hochrangige Kardinäle schon verurteilt worden sind und die Aufdeckungen nicht abreißen – nun hat auch noch ein Callboy ein Buch geschrieben und ausgepackt. Etwa 40 katholische Priester benennt er darin beim Namen. Francesco Mangiacapra hat nur einen Teil der Kunden öffentlich gemacht. Er hatte viele Kunden. Und irgendwann stieß ihm die ganze hypermoralische Heuchelei bitter auf. Er wollte und konnte nicht mehr schweigen. Nun hat er eine Menge seiner Kunden verloren, aber es geht ihm besser und er fühlt sich erleichtert. Er will nicht die Kirche in den Dreck ziehen, sagt er, denn es gebe viele gute Priester und anständige Menschen dort. Aber er wolle diejenigen beseitigen, die mit ihren Taten die Kirche in den Dreck ziehen.

Der 30jährige, homosexuelle Callboy schrieb aber nicht nur das Buch. Er händigte dem Erzbischof von Neapel, Crescenzio Kardinal Sepe, auch Beweismittel aus: 1200 Screenshots von Chatverläufen und sehr intimen Fotos. Dieses Dossier wurde inzwischen an den Vatikan weitergeleitet. Es sind 1233 Seiten voll mit Beweisen, die er in Jahren gesammelt hat. Kardinal Sepe hat gegenüber der Tageszeitung „La Repubblica“ die Echtheit dieser Beweise bestätigt und von „schwerwiegenden Fällen“ gesprochen. Es sollen Sätze in den Chats stehen, wie „Ich möchte dich einen Tag lang als Sklaven halten“ und „Ich will alles lecken“. der Stern, der den jungen Italiener besuchte, fragte ebenfalls nach Beweisen, die ihnen Francesco Mangiacapra auf seinem Handy sofort zeigt. Den Stern-Redakteuren wird dabei zweierlei bewusst:

Schnell bereut man den Blick auf Mangiacapras Smartphone. Es sind nicht nur die expliziten Chatverläufe seiner Kunden, sondern auch Fotografien zu sehen, die nackte Priester in eindeutigen Posen zeigen, einer ejakuliert, während im Hintergrund eine Madonnenstatue zu sehen ist. Kein schöner Anblick. Dazu hat der 37-Jährige jeweils Bilder gestellt, auf denen seine zahlenden Sexualpartner bei der heiligen Messe oder in anderen kirchlichen Zusammenhängen zu sehen sind. Inzwischen ist das Konvolut vermutlich beim Vatikan eingetroffen. Man mag es sich kaum vorstellen, was das für die Betroffenen bedeutet.

 

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Ziemlich unangenehm, denn Mangiacapra hat die Fotos der Priester in vollem Ornat und in bräsiger Selbstherrlichkeit direkt danebengestellt. Das verschärft noch die Abscheu und lässt ahnen, wie widerlich es sein muss, diesen, als Moralapostel und Predigern daherkommenden Männern, in Praktiken und Begierden zu Diensten zu sein, die kaum ein Normalbürger kennt und auch nicht kennen möchte. Diese Scheinheiligkeit ist schon entsetzlich und abschreckend. Dabei führen diese Männer auch noch ein Luxusleben. So erzählt Mangiacapra beispielsweise von Pfarrer Don Luca Morini, der sich von dem Geld der Gläubigen ein teures Luxus-Leben mit Kokain und Escorts (schöner Ausdruck für Edel-Prostituierte) finanziert haben soll. „Dank meiner Enthüllungen wurde er nun in den Laienstand versetzt“, so Mangiacapra.

 

Der Buchautor und Callboy des Vatikans, Francesco Mangiacapra, (Bild: Facebookaccount Francesco Mangiacapra)

 

Vor sieben Jahren, im Alter von 30 begann der junge, gutaussehende Francesco Mangiacapra seine Dienste als schwuler Callboy anzubieten. Nach und nach nahm die Anzahl der Kleriker unter seinen Kunden zu. „Ich bemerkte, dass sie eine Art Netzwerk gebildet haben und sich in ihren Chatgroups untereinander über die „escorts“ austauschten, die ihnen am liebsten waren. Das sind nicht einzelne, verirrte Seelen, die ihre sexuelle Not befriedigen, sondern das hat System.“ Bald gehörte Mangiacapra zu den „Insidertips“ und wurde viel gebucht. Er arbeitete quer durch Italien, nicht nur in Rom, bis Sizilien hinunter wurde er gebucht. Sogar einen Kleriker aus Bamberg hatte er als Kunden, der ihn buchte, wenn er nach Rom kam, erzählt er. Es gebe zahllose Callboys in Italien, die als Escorts für geistliche Kunden arbeiten, sagt er. Darauf angesprochen, ob er nicht seinen Berufsstand in Misskredit bringe, denn Diskretion sei ja eine Grundvoraussetzung, sagt Francesco Mangiacapra:

Interessanterweise ist das die erste Frage, die mir meistens gestellt wird. Ich würde normalerweise nie einen Kunden verraten. Wenn ein Mann seine Gattin mit einem Escort betrügt, ist das allein seine Sache, das muss er mit sich und seiner Frau ausmachen. Aber Priester sind Leute, die sich eine moralische Funktion zuschreiben, auf ihren Kanzeln stehen und ein Weltbild predigen, gegen das sie selbst verstoßen.

Dass katholische Priester ein Pädophilieproblem haben, ist dem Callboy wohlbekannt. Auch er wurde nach „jüngeren Sexpartnern“ gefragt. Es werden nun im Vatikan erste Konsequenzen gezogen. Ob aus Überzeugung, oder weil es einfach nicht mehr zu umgehen ist, sei dahingestellt. In Bamberg wurde der deutsche Pfarrer suspendiert, der sich bei seinen Terminen in Rom mit Francesco Mangiacapra regelmäßig traf. Einige andere mussten ihr Amt ebenfalls niederlegen. Das sind letztendlich aber Bauernopfer, die man in Rom wohl bringen muss. Dass sich etwas ändern wird im Vatikan, glaubt auch Mangiacapra nicht. Man werde nur neue Mittel und Wege finden. Es gibt auch bisher keine offizielle Reaktion des Vatikans zu dem Skandal. Man fühlt sich letztendlich sicher.

Das ist eine Haltung, die Francesco Mangiacapra bei den Priestern stark aufgefallen ist. Er beschrieb die Einstellung  seiner geistlichen Kunden als „Allmachtsgefühl“:

Sie fühlen sich in ihrer Überlegenheit und Sonderrolle derart sicher, dass sie sich kaum um Privatsphäre bei den Treffen scheren. Verheiratete Männer sind da anders, die haben ständig Angst, entdeckt zu werden. Priester verhalten sich, als könne ihnen keiner etwas anhaben. Und wieso sollten sie nicht? Den meisten, die auffliegen, drohen von der Kirche ohnehin keine Konsequenzen. Es genügt, einen Satz der Reue gegenüber den Vorgesetzten zu äußern, danach geht es munter weiter. Von wegen mea culpa.

 

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