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(foto: dieUnbestechlichen / Internet)

3. OKTOBER 2017, EIN FEIERTAG

3. Oktober 2017 | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Die Unbestechlichen | YouTube

In dem Moment, als im Jahr 1990 der zweite Oktober um 23:59:59 Uhr in 00:00 Uhr des dritten Oktobers wechselte, war nach mehr als vierzig schmerzhaften Jahren die Einheit der beiden deutschen Teilstaaten vollzogen. Die Mauer war gefallen, die Schlachterei an der Zonengrenze hörte auf. Die Menschen lagen sich in den Armen. Alle auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude sangen aus voller Brust die Deutsche Nationalhymne, ein Fahnenmeer über den Köpfen in Schwarz-Rot-Gold, die Kirchenglocken läuteten im ganzen Land, wir alle weinten vor Glück. Es war, das schäme ich mich nicht zu sagen, für uns alle ein heiliger Moment. Für alle. Es waren nicht nur Deutschstämmige dabei. Auch türkische Freunde und Gäste von überall her hatten sich mit darunter gemischt, die Arme und die Herzen waren offen. Es war ein großer, erhabener Moment der Deutschen Geschichte und der Weltgeschichte.

Endlich war diese eiternde Narbe des zweiten Weltkrieges, diese widernatürliche Mauer quer durch Familien des deutschen Volkes weg, die Grenzzäune wurden abmontiert, wir waren wieder beisammen. Wir lernten Freunde aus den alten, neuen Bundesländern kennen, verbrachten die Ferien und verlängerten Wochenenden entweder in Mecklenburg oder bei uns damals im bayerischen Unterfranken. Wir haben viel voneinander erfahren. Im Supermarkt unseres Städtchens tauchten freundlich sächselnde Verkäuferinnen auf und unser Zahnarzt hatte eine attraktive Leipziger Kollegin in seiner Praxis eingestellt. Der örtliche Theaterverein freute sich über den Zulauf, und ein schwer sächselnder Wilhelm Tell sorgte für Heiterkeit bei der Premiere.

Wir fanden auch Freunde in Jena, und gemeinsam fuhren wir nach Weimar für ein Wochenende. Mein großer Wunsch war, das Weimarer Hoftheater und das Denkmal Schillers und von Goethes davor zu sehen. Wir beiden Familien standen gemeinsam vor den Statuen dieser beiden Titanen deutscher Kultur. Ich hätte noch ein Jahr vorher nie gedacht, dass ich diesen Moment erleben würde. Nie werde ich vergessen, wie wir alle – ohne Worte – wussten, dass wir dasselbe fühlten, uns an den Händen nahmen und eine ganze Weile dort andächtig und still zusammen standen. Selbst die Kinder hielten ausnahmsweise mal still und spürten, dass dies ein besonderer Moment war.

 

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