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50 Leute wollen mit Hakenkreuz-Binde ins Theater

19. April 2018 | Geschichte | Kultur | Psychologie | Gesellschaft | Der Spiegel

Das Theater in Konstanz bietet für die Aufführung „Mein Kampf“ Freikarten an, unter einer Bedingung: Die Besucher müssen eine Hakenkreuz-Binde tragen. Dutzende Interessenten haben sich bereits gemeldet – die Stadtverwaltung ist empört.

Für die umstrittene Aufführung von George Taboris schräger Theaterkarikatur „Mein Kampf“ in der Inszenierung von Regisseur Serdar Somuncu sind beim Theater Konstanz bereits viele Anfragen für Freikarten eingegangen. Bisher hätten sich rund 50 Interessierte gemeldet, sagte eine Sprecherin. Das Theater hatte an den freien Eintritt die Bedingung geknüpft, dass Besucher während der Vorstellung ein Hakenkreuzsymbol im Theatersaal tragen sollten.

Mit der Idee wollte das Theater nach eigenen Angaben zeigen, wie schnell man Menschen korrumpieren könne. Wer hingegen eine Karte kaufe, könne einen Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft tragen, hieß es beim Schauspielhaus.

Die Freikarten-Idee hat schon für Proteste gesorgt. So hatten etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodensee-Region und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz in einem offenen Brief unter anderem kritisiert, dass die Premiere am 20. April auf den Geburtstag von Adolf Hitler fällt. Darin heißt es: „Die Geschmacklosigkeit hat Programm. Die Premiere findet an Hitlers Geburtstag statt. Wir sind der Meinung, dass dieser bizarre ‚Marketing-Gag‘ (Somuncu) des Stadttheaters Konstanz nicht akzeptabel ist. Es gibt eine dritte Option: Man kann auch keine Theaterkarte kaufen!“

Die Stadt Konstanz hat sich gegenüber dem SWR klar von den Gebaren des Theaters distanziert. Dort hat man mittlerweile auf die Vorwürfe reagiert und angeboten, dass zahlende Zuschauer die Vorstellungen „auch ohne Symbole aus der NS-Zeit“ anschauen könnten.

Der Kabarettist Serdar Somuncu nennt sich selbst Hassias und warf vergangenes Jahr dem WDR Zensur vor. Der Sender hingegen ging gegen Somuncu wegen Beleidigung vor. Ebenfalls voriges Jahr stritt der Comedian mit n-tv, weil der Sender eine Folge von „So!muncu!“ aus dem Programm nahm. Auf der Bühne oder vor der Fernsehkamera feuert er obszöne Beleidigungen und infame Unterstellungen ab. Er suhlt sich in Klischees über Türken, Marokkaner und andere Migrantengruppen, und wenn das deutsche Publikum im Saal sich locker krakeelt hat, dann beleidigt er dieses als einen Haufen Nazi-Schweine.

Die Idee mit Hakenkreuz-Binde und Davidstern hatte übrigens Theaterintendant Christoph Nix, der auch das Premierendatum für „Mein Kampf“ festlegte, wie Serdar Somuncu dem Kultblatt verriet. Er selbst hätte davon abgeraten, weil „dieser Tag eine Symbolwirkung hat. Das Datum ist provokant, aber wir werden sehen. Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert, vorbereitet sind wir auf jeden Fall.“

 

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Quelle:

Der Spiegel

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