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Abzocke, Drohungen, Rufmord: Betrüger-Clan bringt deutsche Anleger um ihr Geld

14. Februar 2018 | Wirtschaft | Finanzen | Focus

Abzocker Rainer von Holst sitzt in den USA, fern der deutschen Justiz. Von dort bringt er mit seinem Clan Anleger um ihr Geld, die auf sichere Zinsen hoffen. Ein Reporterteam hat nun erstmals aufgedeckt, wie umfang­reich sein kriminelles System ist.

Manchmal nennt er sich Jan Faber, mal Peter Klein oder Allan Klein. Sein richtiger Name: Rainer von Holst. Als Clan brachte er Anleger und Unternehmen um Millionen. Seit 2015 lebt er in den USA und zieht von dort die Strippen. Seine Gefolgschaft, darunter seine Kinder und eine Schar Finanz­vermittler, helfen ihm. In Deutschland fielen zehn­tausende Anleger auf ihn herein. Etliche Unternehmen zwang er zur Zahlung eine Art Schutzgeld.

„Finanztest“ deckt erst­mals auf, wie umfang­reich sein kriminelles System ist. Unterlagen, die Insider der Investigativreporterin Ariane Lauenburg zugespielt haben, dokumentieren, wie Rainer von Holst Ahnungslose um zig Millionen Euro prellte. Anleger und Unternehmen berichten, wie sie in die Fänge des Netzes der Firmen­welten-Gruppe aus Biele­feld gerieten. Haupt­firma der Gruppe war die Firmen­welten AG. Sie umfasste rund 200 Unternehmen.

Wie funktioniert die Abzocke?

Von Rainer von Holst engagierte Finanz­vermittler unterbreiteten den Anlegern lukrative Finanzangebote. Firmen wie Enercrox, Halb­strom, Summi Viri, Wurst­welten oder ein Bank­haus von Holst boten Anlegern sichere sieben Prozent Zinsen für 90 Tage oder 15 Prozent für 180 Tage. Dafür sollten die Kunden ihnen ihr Geld über Part­nerschafts­verträge, Beteiligungen oder Darlehen übergeben. Das entspricht satten 30 Prozent Zinsen pro Jahr – ein unschlagbares Angebot – scheinbar.

Wer schon Geld verloren hat, ist besonders empfäng­lich

Die Angebote fanden schnell Interessenten, darunter waren auch Etliche, die gerade mit einer anderen Geld­anlage Verluste gemacht hatten. Gerade herein­gefallene Anleger sind für lukrative Zins­versprechen besonders empfäng­lich und für Finanz­vermittler leichte Beute. Sie haben wenig zu verlieren und sind daher bereit, voll ins Risiko zu gehen, um ihre Verluste wieder wett­zumachen. Das nutzte der von Holst Clan aus.

Rentner Armin Reese vertraute den Betrügern sein Geld an

Auch Rentner Armin Reese* aus Bayern fiel auf die Betrüger herein, wie „Finanztest“ berichtete. Er erinnert sich, dass ihm sein Berater, der Chef der GVA Gesell­schaft für Vermögens­aufbau KG, Volkmar Heinz, erklärte: „Ihre Geld­anlage ist absolut sicher.“

In E-Mails warb Heinz: „Die entscheidende Person im Hintergrund ist Herr Rainer von Holst, Unternehmer aus Deutsch­land und mitt­lerweile US-Staats­bürger mit Super­vernetzung und Kontakten in die Politik, Banken­welt und Wirt­schaft.“ Die Firmen­welten gebe es schon 25 Jahre. Zudem habe von Holst mit seiner Familie eine Bank in London mit 100 Millionen Pfund Eigen­kapital, die schuldenfrei sei und keine Verpflichtungen habe.

Vermittler zählen selbst zu den Opfern

Im Dezember 2015 investierte Rentner Reese 50.000 Euro, die er selbst kurz davor geerbt hatte. „Ich hätte wissen müssen, dass man so hohe Zinsen nicht garan­tieren kann.“ Er hat weder seinen Einsatz noch die Zinsen bekommen: „Das sind keine Firmen-, sondern Verbrecher­welten“, sagt er heute gegenüber „Finanztest“.

Finanzvermittler wie Volkmar Heinz haben angeblich selbst nicht begriffen, dass die Renditeversprechen zu gut klangen, um wahr zu sein. Einige der Vermittler behaupten, selbst bei Enercrox investiert zu haben. Der Firmenboss und Strippenzieher Rainer von Holst habe ihnen die Lügenmärchen in Seminaren eingetrichtert.

Zahlungsverzögerungen wurden mit Lügen begründet

Anleger und Unternehmen ließen sich gleichermaßen vom Von-Holst-Clan beeinflussen. Mitarbeiter berichten „Finanztest“, dass Firmen­welten-Aufsichts­rat Rainer von Holst seine als Vorstand einge­setzte Tochter Anne angewiesen habe, lästige Kritiker auszuschalten und Anleger hinzuhalten.

Ab 2016 behaupteten Vater und Tochter: Erpresser- und Hacker­angriffe auf Firmencomputer seien schuld daran, dass sich die Zahlungen an Anleger verzögerten. Der Strippenzieher von Holst schrieb Mitarbeitern, Interes­senten und Part­nern: „Ich gebe Ihnen mein Ehren­wort, dass Ihre private Hebel­investition in unsere Produkte Halb­strom, Enercrox und Bank­haus Rainer von Holst banken­üblich besichert sind und kein unerlaubtes Bank­geschäft darstellen.“

Auch Anne von Holst vertröstete nach Informationen von „Finanztest“ die Anleger: Tag und Nacht habe man daran gearbeitet den Schaden durch Hacker­angriffe aufzuarbeiten. Sie versprach: „Alles wird gut.“ Groß­zügig bot sie Anlegern einen Zahlungs­aufschub von 180 Tagen an. Das war Mitte 2016. Doch das waren nur leere Versprechen.

Firmen gingen Pleite

Stattdessen ging im April 2017 als erstes die Firmen­welten AG pleite. Einige Monate darauf die Wurst­welten GmbH. Die Geschäfte konnten nicht mehr rückabgewickelt werden, da die Firma bereits vermögenslos war und mangels Masse vom Amts­gericht Duisburg aufgelöst wurde.

Spätestens jetzt wussten Anleger, wie es um ihr Geld stand – nämlich schlecht. Anne von Holst, bisher fürs Abwimmeln zuständig, war plötzlich nicht mehr erreich­bar. Kündigungsschreiben der geprellten Kunden kamen mit dem Vermerk „Adresse nicht ermittel­bar“ zurück. Nicht verwunderlich, denn in der Bahnhof­straße 4 in Biele­feld, die als Haupt­sitz vieler Firmen angegeben ist, befinden sich nach Finanztest-Recherchen ohnehin nur Briefkästen.

Der Chef bedrohte Anleger

Um Kunden, die besonders hartnä­ckig ihr Geld forderten, kümmerte sich Chef Rainer von Holst persönlich. Rentner Reese teilte er mit, dass er sein Geld angewiesen habe. Als dieser mahnte, weil das Geld nicht kam, schreibt von Holst: „Ihre Vorgehens­weise erfüllt u. a. den Straftat­bestand der Nötigung.“ Er werde das Geld nun bei Gericht hinterlegen und eine recht­liche Klärung veranlassen.

Neben der Abzocke von Privat­anlegern gehört seit Oktober 2016 scheinbar auch eine Art Schutzgeld­erpressung von Unternehmen zu den Einnahme­quellen von von Holst. Damals ging sein Internetportal „Gerlachreport“ online.

Justiz hat bislang wenig erreicht

Bislang haben Geschädigte wenig erreicht. Mehrere Staats­anwalt­schaften haben Ermitt­lungs­verfahren gegen Rainer von Holst im Laufe der Jahre „wegen Abwesenheit des Beschuldigten“ einge­stellt. Seit einiger Zeit laufen alle Verfahren wegen Rufschädigung, Beleidigungen, Verunglimpfung, übler Nach­rede, falscher Tatsachenbe­hauptungen, Erpressung und Nötigung bei der Abteilung Cyberkriminalität der General­staats­anwalt­schaft in Bamberg zusammen. Zum Stand der Ermitt­lungen wollte sich die Behörde gegenüber „Finanztest“ nicht äußern. „Um den Ermitt­lungs­erfolg nicht zu gefährden“, hieß es.

Außerdem befragt die Kriminalpolizei Augsburg seit August 2017 ­­Geschädigte. Davor wurden Wohnungen und Büros der Von-Holst-Firmen durch­sucht. „Die Staats­anwalt­schaft Augs­burg hat gegen sieben Verantwort­liche Ermitt­lungen wegen Betrugs einge­leitet“, erklärt Ober­staats­anwalt Matthias Nick­olai gegenüber „Finanztest“. In diesem sehr komplexen Fall sei noch umfang­reiches Beweismaterial auszuwerten, sodass mit einem Abschluss der Ermitt­lungen nicht in den nächsten Wochen zu rechnen ist.

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Quelle:

Focus

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