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Amazonas-Regenwald - keineswegs immer unberührte Natur, Bild: Pixabay

Amazonas war dichter besiedelt als gedacht

29. März 2018 | Geschichte | Natur | Umwelt | Wissenschaft | Forschung | Scinexx

Von wegen unberührt: Der Amazonas-Regenwald war schon lange vor der Ankunft der ersten Europäer von indigenen Völkern besiedelt. Neue Funde von Siedlungsresten am südlichen Rand des Amazonasbeckens zeigen nun: Das Ausmaß der menschlichen Zivilisation während der präkolumbianischen Zeit war womöglich deutlich größer als gedacht. Demnach könnten damals bis zu einer Million Menschen allein am Südrand der Regenwald-Ebene gelebt haben, wie Forscher berichten.

Der Amazonas-Regenwald ist nicht unberührt. Schon lange bevor die ersten Europäer ihren Fuß in diesen Dschungel setzten, lebten dort indigene Völker. Auf eine frühe Besiedlung vor tausenden von Jahren deuten unter anderem Gräben, Wälle und künstliche Hügel hin, die aus der Luft betrachtet geheimnisvolle, geometrische Erdbilder ergeben.Spuren von schwarzem, mit Pflanzenresten, Dung, menschlichen Fäkalien und Holzkohle angereichertem Boden, der sogenannten Terra Preta, zeigen zudem: Frühe Kulturen betrieben dort jahrhundertelang Landwirtschaft und hinterließen damit einen bleibenden Fußabdruck im Regenwald.

Dieses kreisförmige Erdbild ist das Relikt einer präkolumbianischen Siedlung im Amazonas-Regendwald. © José Iriarte

Belege menschlicher Besiedlung

Wie viele Menschen in der präkolumbianischen Zeit vor den 1490er Jahren im Amazonasbecken lebten und wie groß ihr Einfluss auf die Region war, ist jedoch umstritten. Besiedelten sie nur kleine Gebiete oder erschufen sie tatsächlich großräumige, domestizierte Landschaften? Um diese Frage zu klären, haben Forscher um Jonas de Souza von der University of Exeter nun Satellitenbilder vom Upper Tapajós Basin in Brasilien ausgewertet.

Auf den Aufnahmen entdeckten sie 81 bisher unbekannte, mutmaßlich archäologische Stätten mit insgesamt 104 Erdbauten. 24 dieser interessanten Stellen sahen sich die Wissenschaftler daraufhin genauer an. Dabei stießen sie auf Keramiken, polierte Steinwerkzeuge und auch die typische fruchtbare Erde der indigenen Landwirte: deutliche Belege für eine menschliche Besiedlung. Wie das Team berichtet, findet sich unter den Siedlungsresten alles, von kleinen Anlagen mit rund 30 Metern Durchmesser bis hin zu großen, hexagonal angeordneten Siedlungen mit Plätzen und Straßen.

Bevor die Europäer kamen

Das Besondere: Die Relikte stammen aus der Zeit zwischen 1250 und 1500 nach Christus und damit aus der Phase kurz vor der Ankunft der Europäer – und sie erstrecken sich entlang eines mehr als 1800 Kilometer langen Abschnitts am Südrand des Amazonas-Regenwaldes. „Unsere Funde zeigen, dass die Region während dieser Zeit bereits dicht von Menschen bevölkert war, die in befestigten Siedlungen lebten“, schreiben de Souza und seine Kollegen.

Doch wie viele solcher Siedlungen gab es im Bereich des südlichen Amazonasbeckens wohl insgesamt? Auf Grundlage der Verteilung und der Größe der bisher entdeckten Stätten schätzen die Forscher: In der südlichen Peripherie des Amazonas könnten sich 1000 bis 1500 Erdbauten finden lassen, auf einer Fläche von rund 400.000 Quadratkilometern.

Luftbildaufnahme der Fundstätte mit den beiden größten Siedlungen: Sie haben einen Durchmesser von 330 bis 370 Metern. © José Iriarte

Bis zu einer Million Menschen

Ihren Modellrechnungen zufolge könnten in der späten präkolumbianischen Phase demnach 500.000 bis eine Million Menschen allein am Südrand des Regenwaldes gelebt haben. „Die Tatsache, dass die von uns betrachtete Region hunderttausende Menschen ernährt haben könnte und gerade einmal sieben Prozent des Amazonasbeckens ausmacht, stellt alte Schätzungen von 1,5 bis zwei Millionen Einwohnern für das gesamte Becken deutlich in Zweifel“, konstatieren die Wissenschaftler.

Widerlegt sei damit auch die gängige Annahme, dass sich die indigenen Völker hauptsächlich entlang der Hauptwasserwege niederließen. Sie siedelten auch rund um kleinere Nebenflüsse in der Peripherie des Amazonasbeckens.

Große, vergessene Zivilisationen

Allein das territoriale Ausmaß der Besiedlung spricht dem Team zufolge dafür, dass im Amazonas-Regenwald ein Netzwerk von Gesellschaften mit vielfältigen Traditionen und soziokulturellen Strukturen etabliert war. Funde von unterschiedlichen Keramikstilen und Siedlungsmustern zum Beispiel aus dem brasilianischen Bundesstaat Acre sowie aus Bolivien untermauern diese Theorie.

Klar scheint aber in jedem Fall: Als Kolumbus und seine Gefolgsleute nach Südamerika kamen, müssen sie dort im Regenwald auf große Zivilisationen gestoßen sein – Zivilisationen, die heute in Vergessenheit geraten sind. (Nature Communications, 2018;doi: 10.1038/s41467-018-03510-7)

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Quelle:

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