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Wandmalerei in einem Haus in Çatalhöyük (Bild: Pinterest)

Archäologe als Fälscher entlarvt

16. März 2018 | Geschichte | Wissenschaft | Forschung | Scinexx

Eklatante Täuschung: Der britische Archäologe James Mellaart ist posthum als Fälscher entlarvt. Der für seine Funde in Çatalhöyük und anderen Stätten Kleinasiens berühmte Forscher hat offenbar zahlreiche Dokumente, Hieroglyphen und angeblich prähistorische Wandmalereien selbst fabriziert. Das enthüllen nun Aufzeichnungen aus dem Nachlass des 2012 gestorbenen Archäologen. Seine Fälschungen täuschten auch zahlreiche Forscherkollegen.

Der britische Archäologe James Mellaart galt als einer der großen Pioniere der Archäologie und Geschichte Kleinasiens. Weltbekannt wurde er, als er Anfang der 1960er Jahre in Anatolien die Steinzeitsiedlung Çatalhöyük entdeckte und in einem ihrer Gebäude die möglicherweise älteste Karte der Welt. Auch weitere Fundstätten, sowie Dokumente und Hieroglyphen des kleinasiatischen Volks der Luwier beschrieb Mellaart in seinen Veröffentlichungen.

Erste Zweifel

Doch schon in den 1960er gab es auch Zweifel an einigen Funden des Archäologen. So publizierte Mellaart einige Jahre nach Entdeckung von Çatalhöyük detaillierte Zeichnungen von weiteren Wandgemälden, die er dort entdeckt haben wollte. Kollegen wiesen jedoch daraufhin, dass in den ursprünglichen Ausgrabungsberichten für diese Räume keinerlei Malereien dokumentiert worden waren.

Für Aufsehen sorgte 1962 zudem die Affäre um den angeblichen Schatz von Dorak. Mellaart berichtete damals, eine ihm unbekannte Frau habe ihm Fotos von antiken Fundstücken aus dem Nordwesten der Türkei gezeigt. Diese sollten von der Yortan-Kultur stammen, einem in der Nachbarschaft von Troja lebenden Volkes. Mellaart konnte jedoch nur selbst angefertigte Zeichnungen dieses „Schatzes“ vorweisen – weder die Fundstücke noch die junge Frau tauchten jemals auf.

Die Hieroglyphen von Beyköy

Eine entscheidende Rolle spielte Mellaart auch bei der Erforschung und Entdeckung von 3.200 Jahre alten Hieroglyphen im türkischen Beyköy. Die Hieroglyphen sind in Luwisch verfasst, einer Sprache, die damals in Kleinasien gesprochen wurde. Unter ihnen ist eine 30 Meter lange Inschrift auf einem Tempelfries, in der unter anderem ein trojanischer Prinz und mehrere Kriegszüge erwähnt werden – eine echte Sensation.

Doch das Ganze hat einen Haken: Die Ruinen von Beyköy sind schon seit mehr als 100 Jahren zerstört. Lange galten daher auch die Inschriften als verschollen. Doch Mellaart berichtete, er sei in den Besitz einer Abschrift gelangt, die im Jahr 1878 von einem Archäologen gemacht worden war – kurz vor Zerstörung des Tempelfrieses. 2017 veröffentlichte Mellaarts Sohn gemeinsam mit dem Schweizer Geoarchäologen Eberhard Zangger diese Abschriften – in gutem Glauben, sie seien echt.

Jede Menge gefälschte Entwürfe

Doch nun steht fest: Mellaart hat in großem Umfang geschummelt und gefälscht. Das haben Zangger und Mellaarts Sohn Alan herausgefunden, nachdem sie in den letzten Monaten die Dokumente in Mellaarts Arbeitszimmer eingehend untersuchten. Unter den Funden waren in Schiefer gekratzte Entwürfe angeblicher Wandmalereien aus Çatalhöyük, aber auch ein umfangreiches Dossier über den Dorak-Schatz.

Auch einen Großteil der angeblichen Inschriften mit Hieroglyphen könnte Mellaart frei erfunden haben. „Wir haben zwar keine „Prototypen‘ der luwischen Hieroglypheninschriften gefunden, aber Notizbücher von Mellaart, die belegen, dass er sich bereits als Student intensiv mit luwischen Hieroglyphen befasste“, berichtet Zangger. Und das, obwohl Mellaart immer behauptet hatte, die Schrift nicht lesen zu können.

Noch ist offen, ob auch das spektakuläre 30-Meter Fries von Beyköy eine komplette Fälschung ist. Aufgrund der Sichtung seines Nachlasses ist aber klar, dass viele der „Beweise“, die Mellaart für die Echtheit der Inschriften anführt, von ihm selbst erstellt wurden.

„Kreative“ Beweise

Damit ist klar: Der berühmte Archäologe James Mellaart war ein Fälscher. Die Dokumente in seinem Nachlass lassen daran keinen Zweifel mehr offen. „Mellaart scheint immer ähnlich vorgegangen zu sein. Er hat sich zunächst ein ungeheuer umfangreiches Wissen angeeignet. Dann hat er versucht, mit Hilfe dieses Wissens ein kohärentes Geschichtspanorama zu entwickeln“, erklärt Zangger.

Bis zu diesem Punkt sei dies völlig legitim und entspreche wissenschaftlicher Methodik. Nicht aber, was dann folgte: „Anstatt jedoch Theorien zu formulieren und zur Diskussion zu stellen, fabrizierte Mellaart Zeichnungen von Artefakten und Übersetzungen von angeblichen Dokumenten, die seine Hypothesen auch gleich belegen sollten“, so Zangger.

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Scinexx

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