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Babys ohne Hände: Ärzte sind besorgt – können Umweltgifte die Ursache sein?

22. September 2019 | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Natur | Umwelt | connectiv.events

Gelsenkirchen, Dorsten und Datteln in NRW machten den Anfang. In Gelsenkirchen kamen innerhalb von zwölf Wochen gleich drei Säuglinge im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen mit jeweils einer fehlgebildeten Hand zur Welt. Eine Hebamme, Sonja Liggett-Igelmund, wurde auf die ungewöhnlich hohe Zahl an Babys, die alle mit derselben Fehlbildungen geboren wurden, aufmerksam und begann nachzusuchen. Dann meldeten weitere Hebammen genau solche „Ein-Händchen-Babys“ auch in Euskirchen und Thüringen. Gemeinsam ist den Fällen allen, dass den Kindern Finger fehlen und die Handfläche nicht voll ausgebildet ist, und dass jeweils nur eine Hand betroffen ist. Bei Sonja Liggett-Igelmund rissen die Anrufe nicht ab, seitdem sie die Sache am 12. September publik gemacht hat. „Es melden sich die ganze Zeit Eltern mit betroffenen Kindern bei mir“, sagte sie am Freitag, den 13. September gegenüber dem WDR. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es schon dreißig Fälle.

Der CDU-Bundestagsabgeodnete Detlef Seif berichtete dem Kölner Stadtanzeiger, dass er schon vor sechs Monaten diesem Phänomen nachgeforscht habe, sich aber keine öffentliche Stelle in der Verantwortung gesehen habe.

Nun will man in allen Kliniken Abfragen starten, um herauszufinden, ob es noch weitere dieser Fehlbildungen gibt. Bisher gibt es keine Stellungnahme aus dem Bundesgesundheitsministerium hierzu. Gesundheitsminister Jens Spahn ließ mitteilen, es lägen keine konkreten Erkenntnisse zu den Fällen vor. Statistisch werde bundesweit und kreisweit lediglich ermittelt, wie viele Menschen mit Behinderungen es insgesamt gebe. Darüber hinausgehende, individuelle, statistische Erhebungen, ob bei Neugeborenen eine Behinderung vorliege und um welche Art von Behinderung es sich handele, gebe es nicht.

Natürlich werden in den sozialen Medien und Leserzuschriften mögliche Ursachen diskutiert, die auch gern gleich als „haltlos“ abqualifiziert werden. Viele Kommentatoren gehen von Fötus-schädigenden Auswirkungen der Pestizide und Herbizide in der Landwirtschaft und deren Rückstände in den Nahrungsmitteln aus. Favorit allen voran ist Glyphosat. Andere fühlen sich an die Zeit erinnert, als gerade publik wurde, welche fatalen Wirkungen das Beruhigungsmittel „Contergan“ auf Ungeborene hatte und wie lange es dauerte, bis das überhaupt an dem Medikament festgemacht werden konnte.

 

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Doch der Leiter der Geburtshilfe an der Kölner Uniklinik, Berthold Grüttner, glaubt nicht, dass die Kinder wegen eines Pestizids behindert zur Welt gekommen sind. Dazu sei die Anzahl der betroffenen Babys zu klein. Auch ein Virus schließt er eher aus. Ein genetischer Defekt komme deswegen wohl nicht in Frage, da dann noch andere Familienmitglieder ähnliche Behinderungen haben müssten. Am ehesten glaubt er, dass sich die Kinder im Bauch beispielsweise mit der Nabelschnur verheddert haben und so Gliedmaßen abgeschnürt wurden.

Der „Focus“ wiegelt in einer „Kurzfassung“ ebenfalls etwas halbherzig ab: „Jährlich werden in deutschen Kliniken bei etwa 50 Neugeborenen Fehlbildungen an den Händen diagnostiziert. Das geht nach einem Bericht des FOCUS aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes hervor, die sämtliche klinische Meldungen in Deutschland dokumentiert. Demnach führen Fehlbildungen an den Händen von Babys die internationale klinische Klassifikation von Krankheiten (ICD) unter dem Code „Q71.3“. Laut Gesundheitsbericht wurden 2017 in deutschen Kliniken 47 Patienten mit diesem Code dokumentiert. Im Jahr zuvor waren es bundesweit 52 Fälle. In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass in einem Gelsenkirchener Krankenhaus in wenigen Monaten drei Babys mit fehlgebildeten Händen geboren wurden. Die Ursache für diese auffällige Häufung ist unklar.“

Die Gelsenkirchener Klinik hingegen findet diese plötzliche und schnelle Häufung auffällig und gab auf ihrer Webseite eine öffentliche Erklärung: „In der geburtshilflichen Abteilung des Sankt Marien-Hospitals Buer sind zwischen Juni 2019 und Anfang September 2019 insgesamt drei Kinder mit einer isolierten einseitigen Handfehlbildung geboren worden. Bei diesen Kindern, die alle pränatal nicht von unserer Klinik gesehen wurden, wurden keine weiteren Fehlbildungen diagnostiziert. Wir konnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen. Alle Familien wohnen im lokalen Umfeld. Fehlbildungen dieser Art haben wir viele Jahre lang nicht gesehen. Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig.“

Mehr, als dass es eine ungewöhnliche Häufung ist, kann man anscheinend noch nicht mit Sicherheit sagen. Da statistisch pro zehntausend geborenen Kindern nur sieben mit einer Handfehlbildung auf die Welt kommen, ist die Häufung der letzten Zeit in der Tat auffällig. Alarmierend ist: In Frankreich gibt es schon seit Jahren eine signifikante Häufung dieses Fehlende-Hand-Phänomens (Bébés sans mains). Die Fälle sind zu häufig und zu ähnlich, um rein zufällig zu sein.

In Frankreich hat daher ein ehemaliger Beamter im französischen Landwirtschaftsministerium, der 69jährige Hervé Gillet, akribisch und methodisch recherchiert, um mögliche Zusammenhänge zwischen dem Einsatz bestimmter Pestizide und den Fehlbildungsfällen zu erforschen. Er kommt zu einer ziemlich „explosiven Hypothese“.

 

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Herr Gillet hatte in seinem Berufsleben viel mit Pestiziden zu tun gehabt und auch mit den Forschungen des INRA (Nationales Institut für Agrarforschung) in Rennes. Als im Oktober die Nachrichten von „Babys ohne Händen“ die Gazetten beherrschte, wurde er aufmerksam. Man versuchte damals, die Hypothese der Pestizid / Herbizid-Einwirkung auszuschließen, was jedoch nicht gelang. Er fing an zu recherchieren und veröffentlichte seine Ergebnisse und Hypothesen. Daraufhin wurde er von den französischen Gesundheitsbehörden nach Paris gerufen, um seine Arbeit vorzustellen. Seinen Ermittlungen zufolge ist es plausibel, dass Pestizide genau diese Wirkung auf Ungeborene haben. Bestandteile der Pflanzenschutzmittel haben sich nachweislich in den Böden, in der Luft, in den Gewässern, im Grundwasser verbreitet. Die Toxizität für den Menschen ist ebenfalls belegt. Im Ort Guidel beispielsweise, lagen die vier Häuser, in denen Kinder in kurzem Abstand ohne Hände zur Welt kamen, nah beieinander und waren von Feldern umgeben.

Gillet hatte für seine Arbeit in dieser Umgebung sehr genau die Art der dort genutzten Kulturpflanzen, die verwendeten Pflanzenschutzmittel, die Wetterverhältnisse, topografische Daten in Bezug auf die Wohnorte der betroffenen Babys (bzw. deren schwangerer Mütter) ermittelt und untersucht. Er beschäftigte sich ausgiebig mit der Zusammensetzung der Pestizide, den Wirkstoffen und deren Giftigkeit. Alle 16 Fälle in der Region betrafen Familien, die auf dem Land in der Nähe von Maisfeldern und Sonnenblumenfeldern wohnen.

Seine Vermutung nach Gewichtung aller bekannten Faktoren: ganz besonders gefährlich sind „isolierte Parzellen, die von Hecken umgeben sind und dadurch vielen Schädlingen günstige Bedingungen bieten – was zu einer erhöhte Ausbringung von Schädlingsbekämpfungsgiften führt. Führen dann noch extreme Wetterlagen (sehr trocken oder sehr regnerisch) dazu, dass besonders häufig gespritzt wird – und das in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft von Müttern in der Umgebung (was der Fall war), ist die Missbildung aufgrund von Pestiziden sehr plausibel. Hervé Gillet sieht „ein bestimmtes Produkt an vorderster Front“ verantwortlich für die Schädigung der 16 Babys aus der Umgebung. Es handelt sich möglicherweise um Glyphosat. Eine geschädigte Familie hatte auch gegen das Produkt „X“ geklagt.

 

 

Im Juni, August und November 2016 tauchten drei weitere Fälle um den Berre-See in Frankreich auf. Nach den Orten Ain, Morbihan und Loire-Atlantique kamen im Umkreis von Vitrolles drei kleine Mädchen mit Fehlbildungen an armen und Händen zu Welt, alle drei Familien lebten um diesen See herum, der stark durch die dort ansässige Petrochemie belastet ist.

Auch in Deutschland gibt es deutliche Hinweise darauf, dass die Missbildungen mit Giften in der Umwelt zu tun haben könnten. Detlev Katzwinkel, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Martinus Krankenhaus in Langenfeld, fühlt sich an das Jahr 1996 erinnert. Zu dieser Zeit war Dr. Katzwinkel Oberarzt in der Geburtshilfe an der Klinik in Opladen. Damals gab es in seiner Klinik innerhalb von zwei Jahren fünf Neugeborene mit jeweils einem fehlgebildeten Händchen oder Ärmchen. Damals habe man festgestellt, dass die Mütter alle im Umfeld der alten Giftmülldeponie Dhünnaue an der Leverkusener Autobahn-Rheinbrücke lebten. Dr. Katzwinkel informierte das Gesundheitsamt – doch man hatte kein Interesse und reagierte nicht.

 

In Leverkusen sind in den 90er Jahren Babys mit missgebildeten Händen geboren worden. Alle Mütter wohnten nahe der Deponie an der A1-Brücke.

Gepostet von General-Anzeiger Bonn am Donnerstag, 19. September 2019

 

Die Giftmülldeponie war jahrelang geschlossen, wurde aber kürzlich wieder in Betrieb genommen. Dr. Katzwinkel sieht das sehr kritisch: „In meinem Fall damals ist man dem nicht nachgegangen. Man stelle sich vor, damals wäre eine Ursachenforschung zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen Zusammenhang mit der Deponie gibt. Glauben Sie, man würde das Ding heute wieder aufmachen?“

Ein Zentralregister, wie es seit 1990 – nach den gehäuften Trisomie-Babys durch das Reaktorunglück in Tschernobyl – in Mainz eingeführt wurde, könnte hier der Sache auf die Spur kommen. In einem zentralen Geburtenregister müssten Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen aller geborenen Kinder dokumentiert werden, aber auch alle möglichen Risikofaktoren während der Schwangerschaft der Mutter. Beispielsweise, ob sie Medikamente genommen hat, die dazu geführt haben könnten. Dr. Katzwinkel drängt darauf, so ein bundesweites Melderegister für Missbildungen einzuführen: „Es würde viel helfen zu wissen, welche Missbildungen sich genetisch nicht erklären lassen.“

Auch Christian Schaaf, Direktor der Abteilung Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg, will solche Fehlbildungen erfassen, archivieren und genau untersuchen. Grundsätzlich, so sagt er,  gibt es hier drei Kategorien bei Fehlbildungen von Händen oder Füßen: Deformationen, Disruptionen und Dysplasien.

„Wenn eine Fehlbildung deformationsbedingt ist, waren mechanische Einflüsse während der Entwicklung im Mutterleib im Spiel. „Typisches Beispiel sind Klumpfüße, die durch einen Mangel an Fruchtwasser entstehen können. Der Embryo kann sich dann nicht ausreichend bewegen und Waden- und Fußmuskulatur entwickeln sich dadurch nicht richtig“, erläutert der Experte.“

Disruptionen sind Fehlentwicklungen, die durch äußere Einflüsse entstehen: Die betroffenen Körperteile sind  zwar normal angelegt, werden aber beispielsweise durch eine Infektion der Schwangeren oder ein Medikament wie Contergan, durch Drogen oder Umweltgifte verursacht.

Ist eine Dysplasie der Grund für eine Fehlbildung, sind es Erbinformationen in den Genen, die fehlerhaft sind und dadurch läuft die Entwicklung und das Wachstum des Embryos nicht normal ab.  Bei genetischen Ursachen kommt es jedoch selten vor, dass Fehlbildungen einseitig auftreten. Typischerweise sind bei genetischen Anomalien beide Hände oder Füße betroffen.

Fehlbildungen der Hände entstehen in einem sehr frühen Stadium zwischen der fünften und achten Schwangerschaftswoche.

 

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