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Beispiel Gleichberechtigung: Warum man kein Wort glauben darf, wenn die Medien über Studien berichten

8. September 2019 | Allgemein | Familie | Soziales | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Anti Spiegel

von Thomas Röper 

Der Spiegel hat uns heute mit einem Artikel über die „Geschlechtergerechtigkeit weltweit“ beglückt und beruft sich auf eine neue Studie. Wie immer schaue ich mir dann die Studie und die Organisatoren an. Und schon wird es sehr interessant.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich finde es selbstverständlich, dass Frauen und Männer gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Pflichten haben. Ich finde aber auch, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, sehe darin aber nur Vorteile. Frauen gleichen die Schwächen der Männer aus und umgekehrt. Daher finde ich das „Gegeneinander der Geschlechter“ in den Debatten im Westen befremdlich, um es ganz höflich auszudrücken.

Ich lebe schon lange in Russland und in Russland gibt es keinen Feminismus, keine Frauenquoten und keinen Geschlechterkampf. Trotzdem (oder wie ich meine, deshalb) sind Frauen in Russland viel häufiger in Führungspositionen vertreten, als in Deutschland. Ich habe zu dem Thema vor einiger Zeit einen ausführlichen Artikel geschrieben, die Hintergründe beleuchtet und alles mit Quellen belegt. In Russland besetzen Frauen ca. 40 Prozent der Führungspositionen und Russland steht damit auf Platz 5 in Europa, Deutschland steht mit ca. 30 Prozent hingegen auf Platz 20.

 

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Aber das hört man im Westen nicht gerne und daher weiß auch kaum jemand etwas davon. Auch der heutige Spiegel-Artikel führt Russland bei dem Thema als regelrechtes Entwicklungsland und daher wurde ich skeptisch.

Mit Umfragen, Studie und Statistiken kenne ich mich ganz gut aus und daher weiß ich, wie wichtig es ist, eine solche Studie selbst zu lesen und die zu Grunde liegende Methodik zu verstehen.

Man kann mit Studien und Statistiken durch die Auswahl der Kriterien alles mögliche beweisen, weshalb Winston Churchill (wenn ich mich richtig erinnere) gesagt hat: „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“

https://www.j-k-fischer-verlag.de/J-K-Fischer-Verlag/Vladimir-Putin-Seht-Ihr-was-Ihr-angerichtet-habt--8103.htmlMan muss also zuerst nachschauen, wer eine Studie, Umfrage oder Statistik in Auftrag gegeben oder erstellt hat, um zu sehen, ob da nicht schon vorher das Ergebnis klar war, dass am Ende nur noch bestätigt werden soll. Und da fängt es an: Die Organisationen, die hinter dieser Studie stehen, sind fast alles Frauenverbände. Das meine ich nicht negativ oder abwertend, aber es ist klar, dass sie von Spenden leben und es für sie wichtig ist, aufzuzeigen, dass alles ganz schlimm ist in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Wenn das Problem gelöst oder nur noch minimal wäre, dann würde niemand mehr spenden. Sie haben also ein Interesse und sind keine neutrale Organisation, die eine neutrale Studie erstellt.

Es ist also keine neutrale Studie und das sieht man auch sofort, wenn man in die Studie hineinblickt. Die Bewertungskriterien wurden so ausgewählt, dass die westlichen Ländern ganz gut dastehen und der Rest der Welt schlechter. Ergo: Armes Land bedeutet Nachteile für die Frauen. So steht es sogar beim Spiegel in der Überschrift. Nur hat die Armut eines Landes kaum etwas mit Chancengleichheit der Geschlechter zu tun, auch Männer haben es in armen Ländern schwerer, als in reichen Ländern. Aber wie wir gleich sehen werden, sind die Kriterien der Studie so gewählt, dass die Chancen von Männern und Frauen bei diesen Kriterien nicht verglichen werden und damit gar nicht in die Studie einfließen. Wie soll dann aber ein Vergleich zwischen den Geschlechtern möglich sein?

Ich werde nun eine Auswahl dieser Kriterien aufzeigen und wir werden sehen, dass sie keinerlei Aussagekraft zur Geschlechtergerechtigkeit haben. Wir können nicht alle Kriterien durchgehen, denn es sind ca. 50 und damit zu viele, um sie alle hier zu behandeln. Einige Kriterien in der Studie sind ja auch anwendbar, zum Beispiel die Frage, wer prozentual wie viele Steuern zahlt, also Männer oder Frauen. Diese Zahl lässt einen Rückschluss darauf zu, wie die Einkommen in einem Land verteilt sind. Das über die Steuern erheben zu wollen, ist zwar denkbar ungenau, aber immerhin nicht am Thema vorbei.

Dass die Studie trotzdem am Ende ein falsches Bild liefert, liegt an den Kriterien, die keinerlei Aussagekraft beim Thema Geschlechtergerechtigkeit haben und so die ganze Studie unbrauchbar machen.

Ein Punkt, der gefragt wird, ist zum Beispiel, wie sicher sich Frauen über 15 Jahren fühlen, wenn sie alleine in der Stadt unterwegs sind.

Ich war mal im Iran und dort gibt es in Sachen Frauenrecht sicher mehr als genug zu kritisieren, aber das Land ist ausgesprochen sicher und ich habe auch nachts Frauen alleine in der Stadt gesehen. Mehr noch: Ich habe dort viele junge Rucksacktouristinnen aus Europa kennengelernt, die das Land per Anhalter bereist haben. Die Perser sind ein Volk, in dessen Kultur Höflichkeit ganz groß geschrieben wird und das merkt man auf Schritt und Tritt in dem Land. Sicherheit von Frauen in der Stadt ist kaum ein Kriterium, um die Gleichberechtigung zu beurteilen.

Oder eine andere Frage: Es wird in der Studie nach dem Anteil der Frauen gefragt, die genug Geld haben, um alleine zu wohnen.

 

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Was soll das für eine Aussagekraft haben, wenn man nicht auch vergleicht, wie der Anteil der Männer ist? In einem armen Land werden diese Zahlen zwangsläufig gering sein, sowohl bei Männern, als auch bei Frauen. Eine Aussage zur Geschlechtergerechtigkeit kann man aber erst treffen, wenn man das vergleicht. Die Studie tut das nicht, sie will ja ein möglichst schlimmes Bild über die Lage der Frauen zeichnen, um weiterhin Spenden für die Organisatoren zu generieren.

Ein weiterer Punkt ohne jede Aussagekraft über die Geschlechtergerechtigkeit, der aber in die Studie eingeflossen ist, ist die Frage der Verteilung des Reichtums in einem Land. Das ist ein sehr wichtiges Thema, aber was hat das mit der Geschlechtergerechtigkeit zu tun, wenn dabei nicht einmal nach den Geschlechtern gefragt wird?

Außerdem wurde gefragt, wie viel Prozent der Frauen im letzten Jahr in einem Land eine digitale Bezahlung getätigt oder Zugang zum Internet haben. Das waren zwei getrennte Fragen, die natürlich auch beide in die Wertung einfließen. Aber: Wenn ein Land in Sachen Digitalisierung noch in der Steinzeit ist, welche Aussagekraft hat das dann, wenn man nicht auch nach dem Anteil der Männer fragt?

Am schönsten war für mich die Frage, wie hoch der Anteil der Frauen ist, die mit dem Zustand der Straßen in ihrer Gegend zufrieden sind.

Wieder wurde nicht nach den Männern gefragt, eine Vergleichbarkeit zwischen den Geschlechtern ist also gar nicht möglich. In Russland zum Beispiel ist die Antwort auf die Frage klar: Die Russen sind mit dem Zustand ihrer Straßen nie zufrieden (oft auch zu Recht) und der schlechte Zustand der Straßen ist sogar schon in eine russische Lebensweisheit eingegangen. In Russland sagt man gerne, wenn jemand etwas Dummes sagt: „Russland hat zwei Probleme: Seine Dummköpfe und seine Straßen!“

 

Nur was sagt das jetzt über die Geschlechtergerechtigkeit aus?

Und so geht es in der Studie weiter. Ein weiterer Punkt ist der generelle Zugang zu Elektrizität in einem Land, was sicher wichtig ist, aber nichts über die Geschlechtergerechtigkeit aussagt. Oder die Frage, wie viel Prozent der Frauen zufrieden sind mit der Atemluft, auch hier wird zum Vergleich nicht nach dem Anteil der Männer gefragt.

Besonders wichtig scheint zu sein, bloß nicht zu früh zu heiraten. Es gibt sogar die Frage, wie viele Frauen zwischen 20 und 24 Jahren verheiratet sind. Wenn eine Frau oder ein Paar jung heiratet, scheint es nach Meinung der Autoren der Studie um ihre Gleichheit geschehen zu sein.

 

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Das soll an Beispielen reichen, die Liste ließe sich aber noch lange fortsetzen. Wir sehen, dass diese Studie keinerlei Aussagekraft zum Thema Geschlechtergerechtigkeit machen kann, bestenfalls kann sie über die wirtschaftliche und technische Entwicklung der Länder eine gewisse Aussage treffen, wobei dann andere Kriterien der Studie nicht wirklich passen.

Aber wer beim Spiegel liest schon eine Studie? Ich hoffe jedenfalls, dass Caroline Wiemann, die diesen Artikel geschrieben hat, die Studie nicht gelesen hat, sondern nur die zugehörige Presseerklärung der Autoren. Hätte sie die Studie gelesen und verstanden, hätte sie die Studie in der Luft zerreißen müssen, anstatt sie als Beleg für irgendetwas anderes, als die Voreingenommenheit der Autoren zu verwenden.

Aber stattdessen berichtet der Spiegel in drastischen Worten über die Nachteile der Frauen in der Welt.

Nicht falsch verstehen: Es gibt Ungerechtigkeit gegen Frauen, in vielen Ländern haben sie enorme Nachteile und werden sogar massiv unterdrückt. Und das muss geändert werden. Nur ist diese Studie nicht hilfreich bei der Frage, wie die Lage der Frauen in der Welt ist.

Die Studie soll stattdessen aufzeigen, wie toll wir im Westen leben, denn natürlich ist gemäß dieser Studie im Westen alles bestens, wie die Landkarte zeigt.

 

Wie blödsinnig die Studie tatsächlich ist zeigt, dass Saudi-Arabien bei der Geschlechtergerechtigkeit auf Platz 92 von 129 Ländern steht. Damit steht es zum Beispiel noch vor Indien. Indien macht zwar oft wegen Übergriffen gegen Frauen Schlagzeilen, aber Frauen dürfen dort studieren, arbeiten und in Indien war sogar schon eine Frau Premierministerin. Aber in Indien scheint es in vielen Regionen eben ein Problem mit Elektrizität, guter Luft, sauberem Wasser und ähnlichem zu geben, was in Saudi-Arabien alles hervorragend funktioniert. Und so hat es Saudi-Arabien laut der Studie beim Thema Geschlechtergerechtigkeit fast noch ins Mittelfeld geschafft.

Das war doch mal ein schönes Stück „Qualitätsjournalismus“ zum Wochenende!

 

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