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Bild: Das "Casa Mia" auf Google Street Views

Belagerungskrieg gegen Münchner Restaurant: Wirt wird ruiniert, weil er die falschen Gäste bediente

11. Mai 2018 | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Die Unbestechlichen

Von Niki Vogt

Es war im Frühjahr 2016, als einige aus dem Bezirksausschuss des Münchner Stadtteils Sendling gewahr wurden, dass sich im sehr beliebten italienischen Ecklokal „Casa Mia“ jeden Montag gar fürchterliche Wesen tummeln. Mitglieder der Pegida-Bewegung fanden sich dort ein und niemand hatte das bis dato so richtig gemerkt. Vielleicht fielen diese Ungeheuer deshalb niemandem auf, weil sie friedliche Gäste waren und ihre Zähne nur ins Essen gruben und nicht in die Kehlen der anderen Gäste, vielleicht, weil sie eben nicht mit Glatze und Springerstiefeln Naziparolen grölten, sondern sich tückischerweise genauso benahmen und genauso aussahen, wie alle anderen auch.

Aber irgendjemand muss wohl mal näher am Tisch der Bestien gesessen haben und vielleicht ein paar Fetzen der Gespräche aufgeschnappt haben, und was ein guter Systemknecht ist, der weiß, welche Pflicht dann ansteht: Das Denunzieren. Fortan sind die Kommunalpolitiker „alarmiert“. Sie machen sich auf in die Höhle der Dämonen und klären den Wirt Giovanni Costa auf, wer da in seinem Restaurant speist. Zwei Briefe werden dem Gastwirt überreicht, einer vom Ausschussvorsitzenden, der zweite vom Oberbürgermeister. Im ersten Brief vom Ausschussvorsitzenden Markus Lutz (SPD) wird der Gastwirt aufgefordert, die bösen, rechten Pegida-Leute nicht mehr in seine Gaststube einzulassen. Der Zweite Brief ist vom Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und einem Vertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Dieser spricht alle Gastronomen Münchens an. Schöne Worte findet dieser Brief, er kündet von Weltoffenheit und Buntheit, droht aber mit erhobenem Zeigefinger:

Bedauerlicherweise gab es auch 2014 wieder eine Reihe von Fällen, in denen Gaststättenbetreiber ihre Räumlichkeiten extrem rechten Gruppierungen überlassen haben – zumeist aus Unkenntnis, um wen es sich dabei handelt, und aus Unsicherheit angesichts der eigenen juristischen Möglichkeiten.“

Beiliegend erhält Giovanni Costa Aufkleber á la „Hunde müssen draußen bleiben“, die er an seine Fenster kleben soll: „München ist bunt . . . auch in Gaststätten und Hotels“. Außerdem, so bittet der Brief des Oberbürgermeisters nachdrücklich, mögen doch die Gastronomen ihre Speisekarten überprüfen, nicht, dass darin solche politischen Inkorrektheiten lauern wie „Zigeuner(schnitzel)“, denn das sei rassistisch und passe nicht zur weltoffenen und toleranten Stadtgesellschaft.

Giovanni Costa lebt seit 30 Jahren in Deutschland, ist offenbar noch nicht wirklich integriert in diese weltoffene, bunte Stadtgesellschaft und versteht nicht, dass er gerade einen Vorschlag gemacht bekam, den er nicht ablehnen kann. Er zeigt sich störrisch. Die Pegidanten hätten doch nur Spaghetti gegessen, Bier getrunken und niemanden belästigt. Daraufhin habe man ihm gedroht, dass, sollte Wirt Costa kein Hausverbot gegen die Pegida-Leute verhängen, er „mächtig Ärger bekommen“ werde. Giovanni Costa bleibt jedoch standhaft. Die Leute haben sich ordentlich benommen, er sieht keinen Grund, sie rauszuschmeißen. Die Emissäre der Heiligen Inquisition gehen zwar, aber das ist erst der Anfang.

 

 

Von nun an ist „Casa Mia“ Kriegsgebiet. Die NZZ schreibt: „Kurz nach dem Gespräch zwischen Dill und Costa prangt ein Graffito an der Fassade des Lokals: «Nazis verpisst euch». An den Fenstern kleben antifaschistische Aufkleber. «Zufall?», fragt Giovanni Costa. Kommunalpolitiker Dill beteuert, mit der Sachbeschädigung nichts zu tun zu haben. Wenig später ruft die Münchner Pegida-Gruppe im Internet zu Solidaritätsbesuchen im «Casa Mia» auf. Damit ist das Drama perfekt. Nun steht Costa öffentlich als Freund der Schreihälse da.“

Die normalen Gäste bleiben immer mehr aus. Die Umsätze brechen ein Wirt Costa muss Leute entlassen, obwohl die Pegida-Anhänger seit einem Jahr nicht mehr da waren. Die Brauerei kündigt ihm den Pachtvertrag.

Der Spiegelredakteur Jan Fleischhauer, einer der Wenigen, die in diesem Blatt noch ganz vernünftige Beiträge schreibt, berichtet von dem Fall und stellt, wie die NZZ die Frage, ab wann denn soviel Toleranz und Weltoffenheit in Intoleranz umschlägt – und muss Kollegendresche einstecken. Er verharmlose die rechten Umtriebe und betreibe die Sache der Rechtspopulisten.

Dennoch haftet der „Casa Mia“-Affäre der ungute Ruch an, dass hier antifaschistischer Terror die Existenz einen unschuldigen Mannes ruiniert hat, nur weil er nicht willens war, Gäste, die sich in seinem Lokal nichts zuschulden hatten kommen lassen, hinauszuwerfen. Und dass Oberbürgermeister und Kommunalpolitiker den Terror initiiert und gedeckt haben.

Da musste gegengesteuert werden. Die linkslastige Huffington Post stellt die ganze Geschichte in ein völlig anderes Licht. Die Gäste seien ausgeblieben, weil der Wirt Pegida-Anhänger bewirtet habe. Das habe die Besucher nachhaltig vergrault. Die Erpressung der Kommunalpolitiker mutiert dabei zum „Hilfsangebot“. Jajaaa, lenkt man ein, schon, richtig, „es kam zu vereinzelten Demonstrationen“, ja, es gab auch Wandschmierereien. Aber kaputt gegangen ist der Laden, weil die Gäste nicht mit Pegida-Leuten in einem Lokal sitzen wollten. Die Proteste der örtlichen Zivilgesellschaft sind edel, hilfreich und gut, und der Gastwirt ein aggressiver Unbelehrbarer.

 

 

Die „Proteste der örtlichen Zivilgesellschaft“ erweisen sich nach kurzer Recherche als massiver Terror. Linksaktivisten Trommeln von außen gegen die Scheiben, Polizei muss auffahren und „die jungen Leute“ vertreiben. Alle Briefkästen im Viertel werden mit einem Lokalblättchen beschickt, die unter dem Titel „Braunes Bier für Sendling“ gegen den Wirt, das Casa Mia und die Pegida-Gäste hetzen. Die lokale Stammkundschaft wurde bedrängt, das Lokal zu meiden. Die „örtliche Zivilgesellschaft“ umstellt das Lokal regelmäßig mit Kameras und filmt die Gäste. Immer wieder taucht die Polizei auf, oft, weil Wirt Costa sie rufen muss, weil seine Gäste von der örtlichen Zivilgesellschaft belästigt werden. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung war der Verfassungsschutz mehrfach da, das Lokal steht offensichtlich unter Beobachtung.

Verschiedene Münchner Zeitungen berichten höchst tendenziös. „Sendling – Wo sich Pegida zum Essen trifft – In einem Sendlinger Restaurant treffen sich regelmäßig Münchner Pegida-Anhänger. Der Verpächter des Lokals, Linksaktivisten und der Bezirksausschuss wehren sich dagegen

Aber nein, die Gäste bleiben nur deshalb fern, weil hin und wieder Pegida Leute dort waren. Mit linkem Terror und Belästigung der Gäste hat das natürlich nichts zu tun. Gastwirt Giovanni Costa hat das Lokal geschlossen und ist wieder nach Sizilien zurückgegangen. Soviel gutmenschliche Toleranz war ihm doch zu beängstigend.

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Quelle:

Die Unbestechlichen

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