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Cannabis: Zwischen Wissenschaft und Freizeitdroge

6. Oktober 2019 | Bewusstsein | Spiritualität | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Natur | Umwelt | Wissenschaft | Forschung | connectiv.events

Es gibt aktuell wohl keine umstrittenere Pflanzengattung als Cannabis. Zurückzuführen ist das auf die Inhaltsstoffe der Pflanze und deren Wirkung – Cannabis gilt in vielen Ländern als Droge und ist zudem illegal. In den letzten Monaten wurde Cannabis immer mehr zum Gesprächsthema in Deutschland. Grund dafür sind die wohl belegbaren und erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten diverser Krankheiten mit Hilfe von Cannabisölen und ähnlichen Produkten sein. Die damit einhergehende voranschreitende Legalisierung des Cannabiskonsums1 trägt ebenfalls zu dem steigenden Interesse an der Nutzpflanze bei. Uruguay war dabei das erste Land weltweit, welches Marihuana legalisiert hat2.

Legalisierung zu welchem Zwecke

Grund für die voranschreitende Legalisierung ist der erkennbare Nutzen von Cannabispflanzen in Bezug auf die Medizin. Viele stellen sich allerdings die berechtigte Frage: Wo hört der Rausch auf und wann fängt die medizinische Nutzung an? Vor allem in den letzten Monaten wurde dieses Thema vermehrt diskutiert.

In Deutschland wird aktuell noch strikt getrennt zwischen Menschen, die aus medizinischen Gründen auf die Wirkung von Cannabis angewiesen sind und denen, die die „Freizeitdroge“ illegal konsumieren. Denkt man an Marihuana, kommt selbst dem Laien sofort die psychedelische Wirkung von THC in den Kopf. Verbacken in Brownies oder in Form von überdimensionalen Joints, wird das Kraut oft in großen Mengen konsumiert und ist Bestandteil von so manch guter Party. Was aber eigentlich noch alles in der Pflanze steckt, ist Vielen nicht bewusst.

 

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Cannabinoide im Fokus der Medizin

Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse3. Insgesamt konnte man über 500 Inhaltsstoffe innerhalb der Gattung feststellen. Dazu zählen beispielsweise Vitamine, Proteine, Fettsäuren, Aminosäuren, Ätherische Öle sowie Cannabinoide. Jede Art der Cannabispflanze hat eine spezifische Zusammensetzung der Inhaltsstoffe4. Die zuletzt genannten Cannabinoide machen die Nutzpflanze für medizinische Anwendungen interessant und sind Grund für die aktuellen Bewegungen innerhalb der Rechtslage. Cannabinoide sind im Körper von Säugetieren bereits vorhanden (Endocannabinoide) und bezeichnen eine chemische Verbindung. Im menschlichen Körper befinden sich entsprechende Rezeptoren, welche das Andocken der Cannabinoide ermöglichen und die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn zur Folge haben5.

CBD, THC und co

Wissenschaftler haben ca. 120 verschiedene Phytocannabionide (natürlich vorkommende Cannabinoide in Pflanzen) in Cannabis sicherstellen können. Die meisten Pflanzenarten enthalten eine kleine Auswahl an Phyocannabinoiden in höherer Konzentration. Je nach Konzentration der enthaltenen Phytocannabinoiden fällt die Wirkung der entsprechenden Art auf den menschlichen Körper aus. Die Cannabinoide lassen sich in 12 Typen klassifizieren67:

 

Phytocannabinoid – Typ Wirkung
Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) psychoaktiv, schmerzlindernd, aufheiternd, muskelentspannend, appetitanregend
Cannabinol (CBN) antibiotisch, antiepileptisch, beruhigend, leicht halluzinogen, nicht psychoaktiv
Cannabigerol (CBG) antibiotisch, schläfrig, leicht psychoaktiv
Cannabichromen (CBC) antibiotisch, entzündungshemmend, beruhigend
Cannabidiol (CBD) antiepileptisch, beruhigend, nicht psychoaktiv
Delta-8-Tetrahydrocannabinol leicht psychoaktiv, appetitanregend, angsthemmend 8
Cannabicyclol (CBL) wenig erforscht 9
Cannabielsoin (CBE) wenig erforscht
Cannabinodiol (CBND) wenig erforscht
Cannabitriol (CBTL) wenig erforscht
Cannabidivarin (CBDV) antiepileptisch, krampflösend, nicht psychoaktiv
Tetrahydrocannabivarin (THCV) leicht psychoaktiv, appetitzügelnd, wirkt sich positiv bei Stress und Erschöpfung, Förderung des Knochenwachstums

 

Die für die medizinische Nutzung relevanten Cannabinoide sind vor allem Cannabidiol (CBD) und Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC)10. THC ist bei vielen als psychoaktiver Stoff bekannt. Er wird jedoch auch in der Medizin eingesetzt. Bekannt ist die Anwendung von THC bei MS (Multiple Sklerose) Patienten. THC wird ein schmerzlindernder Effekt nachgewiesen, ebenso soll der Stoff euphorisierend und appetitanregend wirken, weshalb er bei Appetitlosigkeit, Übelkeit neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird11. HIV-Patienten könnten ebenfalls von der schmerzlindernden Wirkung von THC profitieren. THC soll als natürliches Beruhigungsmittel und damit bei Schlafstörungen als Einschlafhilfe behilflich sein. 12

Der bis vor Kurzem noch kaum erwähnte Stoff ist CBD. Er wirkt sich laut mehreren Studien ähnlich positiv auf den Körper aus bis auf den großen Unterschied, dass er nicht psychoaktiv ist und damit keinen Rausch verursacht.13

 

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CBD im freien Handel

Cannabidiol wird aus der weiblichen Cannabispflanze gewonnen. Der Wirkstoff CBD ist im Vergleich zum psychoaktiven THC frei in Deutschland erhältlich. Eine berauschende Wirkung ist dadurch also nicht möglich, da das CBD als geringfügig bis gar nicht psychoaktiv eingestuft wird. Aus diesem Grund ist es auch möglich CBD-Produkte im freien Handel zur Verfügung zu stellen. Die Auswahl ist nicht klein. CBD-Öl, CBD-Tee, CBD –Blüten oder CBD-Kekse. Ein gewisser Restanteil THC (unter 1%) ist dabei allerdings doch noch vorhanden. Laut Richtlinien der Bundesrepublik Deutschland, dürfen CBD-Produkte maximal einen THC-Gehalt von 0,2 % aufweisen. Somit fallen sie nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG).14

Die aktuelle Rechtslage um CBD

Was in Deutschland unzweifelhaft nicht erlaubt ist, ist der Verkauf von CBD-Blüten. Das Betäubungsmittelgesetz sieht nur eine Ausnahme vor. Dazu muss ausgeschlossen werden, dass ein Missbrauch zu Rauschzwecken stattfinden kann. Laut dem Gesetzgeber besteht also auch bei Blüten mit einem THC Gehalt unter 0,2% immer noch die Möglichkeit, dieses zu extrahieren. Natürlich finden sich auch hier Schlupflöcher. 15

Rein juristisch betrachtet liegt der Handel mit CBD-Produkten (CBD-Öl, CBD-Tee etc.) in der Grauzone. Die mögliche Wechselwirkung mit anderer Pharmazie ist kaum bis gar nicht erforscht. Für legal erklärt wurden CBD-Produkte von der Rechtsseite noch nicht (Stand 10.08.19). Produkte mit minimalem THC-Anteil sind trotzdem für „gewerbliche und wissenschaftliche Zwecke“ nutzbar. Der Verkauf für den nicht-kosmetischen Eigengebrauch ist damit allerdings schon wieder strafbar. 16 Bevor Lebensmittel mit CBD-Gehalt in Verkehr gebracht werden, muss eine pharmakologische Wirkung und damit eine Einstufung als Arzneimittel ausgeschlossen werden. 17

CBD-Produkte als Novel Food?

Außerdem muss sichergestellt werden, dass es sich nicht um ein „neuartiges“ Lebensmittel handelt. Ein weiteres Hindernis im Verkauf von CBD-Produkten ist nämlich die Einordnung in den Bereich Novel Food. Novel Food bezeichnet neue Lebensmittel, welche zum Teil mit genetischen Hilfsmitteln entwickelt wurden. 18 Lebensmittel, welche bereits vor dem 15. Mai 1997 in großen Mengen verzehrt wurden, gelten nicht als Novel Food. Daher werden Produkte, welche von Natur aus CBD enthalten, nicht als solches gekennzeichnet. Wenn allerdings das CBD extrahiert und nachträglich einem Produkt beigefügt wird, bedarf der Vertrieb einer gesonderten Zulassung. 19 Was aber, wenn das Extrakt in der jeweiligen Zusammensetzung bereits vor dem 15. Mai 1997 als Lebensmittel in großem Umfang konsumiert wurde? In diesem Fall ist es möglich, den Antrag gemäß Novel-Food-Verordnung zu umgehen. 20 Allerdings wurden am 20. Januar dieses Jahrs die Einträge im Novel Food Catalogue zu Cannabis Sativa L. geändert. Danach gelten nur aus Hanfsamen hergestellt Produkte als Lebensmittel. Außerdem gab es einen Neueintrag zu Cannabinoiden. Dieser besagt, dass die Einzelsubstanz Cannabidiol als neuartiges Lebensmittel eingestuft wird. 21 22

Die Rechtslage bleibt also schwammig. Damit Händlern sowie Endkunden ein Verstoß gegen das BtMG erspart bleibt, gilt es weiterhin Unklarheiten zu beseitigen.

 

https://connectiv.events/referent/arthur-traenkle/

Nahrungsergänzungsmittel oder medizinisches Produkt

Die meisten CBD-Öle gelten als Nahrungsergänzungsmittel. Dafür bedarf es keinerlei Zulassung, da es sich um ein Lebensmittel handelt. Dies ist allerdings auch der Grund, weshalb es Händlern nicht gestattet ist, eine Dosierungsempfehlung auszusprechen. Auch die Wirkung im Einzelnen aufzugliedern ist unzulässig, da es sich um Nahrungsergänzung handelt. Eine pharmakologische Wirkung darf also nicht vorhanden sein. Ob das so sinnvoll ist, ist fragwürdig. Wird CBD nicht als medizinisches Produkt gesehen, fällt auch die Kontrolle weg. Die Wirkung muss für Medikamente nachgewiesen sein. Bei Nahrungsergänzungsmitteln fällt dieser Punkt weg. Die Zusammensetzung der Produkte muss ebenfalls nicht in dem notwendigen Maß überprüft werden. Dies wird von Betrügern als Sprungbrett genutzt um Kunden schlechte Produkte mit einem hohen Wirkungsversprechen zu verkaufe. 2 von 3 in Europa gekauften Produkte hatten einen anderen CBD-Gehalt, als auf dem Etikett angegeben wurde. Eine Vielzahl enthielt sogar gar kein CBD. 23 Also Augen auf beim CBD-Kauf!

CBD als Heilmittel

Wieso die Nutzung von CBD nicht länger in der Kritik stehen sollte? Grund dafür sind zahlreiche Studien, die sich mit der Wirkung dieses Inhaltsstoffes auseinandersetzen. Laut diesen wirkt CBD antientzündlich, angstlösend und entspannend. 24 25 Das beruhigende und neuroprotektive Gegenstück zu THC also. Mit Hilfe dieser Eigenschaft können verschiedene Krankheitsbilder behandelt werden.

Nervosität, Kopfschmerzen und Entzündungen stehen weit oben auf der Liste26. In einer Gesellschaft, in der sich jeder zweite von Burnout bedroht fühlt27, kommt einem ein natürliches Beruhigungsmittel ganz recht. Neben Alltagssymptomen, soll CBD auch bei schwerwiegenden Krankheiten unterstützen und zur Besserung beitragen. Beispielsweise kann die Einnahme dieses Wirkstoffs sich positiv auf Morbus Crohn-Patienten auswirken28. Erste Studien zeigen, dass CBD Anfällen von Epileptikern entgegenwirken kann29. Durch die schmerzlindernde Eigenschaft, kann CBD bei Migräne helfen30. Einige Frauen berichten von Besserung bei Regelschmerzen durch die Einnahme von CBD-Ölen.

Eingenommen werden kann das Öl oral. Dazu träufelt man ein paar wenige Tropfen des Öls unter die Zunge.

 

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Wie CBD im menschlichen Körper wirkt – das Endocannabinoid-System

Das Cannabidiol interargiert mit dem Endocannabinoid- System unseres Körpers. Das Endocannabinoid-System ist Teil des menschlichen Nervensystems. Es ist für die Produktion von Anandamid zuständig.31 Dieser Neurotransmitter gehört genau wie CBD auch zu den Cannabinoiden. Allerdings zu den körpereigenen, den Endocannabinoiden.

Diese sind verantwortlich für mehrere wichtige Abläufe in unserem Körper. Sie regulieren das Immunsystem, unser Schmerzempfinden, Ängste und den Appetit. Sogar unsere aktuelle Stimmungslage wird durch die körpereigenen Cannabinoide reguliert. Sie unterstützen den Körper bei der Regeneration, Stoffwechselprozessen und Fettverbrennung. Cannabinoide regulieren die Körpertemperatur. Auch die Qualität deines gestrigen Schlafes ist abhängig von diesem komplexen System. Das oberste Ziel ist dabei immer, das innere Gleichgewicht aufrecht zu erhalten (Homöostase). Gerät dieses Gleichgewicht außer Kontrolle, kommt es zu Beschwerden. Von leichten Kopfschmerzen bis hin zu schweren Krankheitsbildern. An dieser Stelle werden unter anderem Cannabinoide eingesetzt. Können nicht genug körpereigene Cannabinoide erzeugt werden, tritt ein sogenannter Endocannabinoid-Mangel ein. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass Phytocannabinoide an dieser Stelle helfen können. Durch Hinzugabe kann ein Mangel ausgeglichen und das System entlastet werden. Durch die Interaktion von CBD mit dem Endocannabinoid-System, wird es dem Körper ermöglicht, sich selbst zu regulieren. 32

Die Selbstregulierung kann nur stattfinden, wenn der Körper auch von den hinzugefügten Cannabinoiden weiß. Dies geschieht mit Hilfe von Rezeptoren. Das Prinzip dahinter ähnelt einem Schlüssel-Schloss-Mechanismus.

Exkurs ins Gehirn

Um verstehen zu können –> weiter lesen

 

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