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Bild: Schanghai, Pixabay

„China ist ein schlafender Löwe. Wenn er aufwacht, verrückt er die Welt.“

13. Januar 2018 | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | Wirtschaft | Finanzen | Compact Online

Die brandneue COMPACT-Spezial bietet Grundlagenwissen über den entscheidenden Machtkampf des 21. Jahrhunderts: Die Partie, welche heute auf dem großen geopolitischen Schachbrett ausgetragen wird, findet nicht mehr zwischen westlichem Kapitalismus und sowjetischem Kommunismus statt, sondern zwischen dem globalistischen Westen und dem pluralistisch orientierten Osten, genau genommen zwischen den USA und China. Seit Jahrzehnten steuern beide Nationen unausweichlich in den Konflikt. Der könnte 2018 eskalieren. Dann plant der aufsteigende Industriegigant, sich aus dem Würgegriff des Petrodollars zu befreien. Napoleon sagte über das Reich der Mitte: „China ist ein schlafender Löwe. Lasst ihn schlafen! Wenn er aufwacht, verrückt er die Welt.“

China ist aufgewacht! Heute hat es das zweithöchste nominale Bruttoinlandsprodukt der Welt. In Shanghai erglänzen heute die höchsten Gebäude von ganz Asien. Die Neuen Seidenstraße sind das größte Entwicklungsprogramm seit dem Marshallplan. Die Kosten werden auf 1,1 Billionen Dollar geschätzt, 65 Staaten sind beteiligt, in denen etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung leben und drei Viertel der welt­weiten Energierohstoffe liegen.

Auf der anderen Seite die USA: eine astronomische Staatsverschuldung, eine kollabierende Infrastruktur, eine fantastisch aufgeblähte Papiergeldmenge, die nicht mehr durch reale Wertschöpfung gedeckt ist. Dennoch sind die Vereinigten Staaten noch der Motor der Weltwirtschaft. Diesen Titel – da sind sich die allermeisten Experten einig – wird Amerika jedoch in den kommenden 30 Jahren abgeben müssen. Zum ersten Mal seit 1871 wird die weltstärkste Wirtschaft dann ein nicht-englischsprachiges, nicht-westliches Land sein, dass keine klassische liberale Demokratie ist: China mit seinen derzeit 1,39 Milliarden Bewohnern.

Die Bedeutung dieses Epochenwandels machte Australiens ehemaliger Premierminister, der studierte Sinologe Kevin Rudd, vor zwei Jahren in einem vielbeachteten Vortrag wie folgt deutlich: „Wie Washington und Peking ihre Zukunft ausgestalten, hat Auswirkungen auf uns alle. Auf die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, welchen Fisch wir essen, die Qualität unserer Ozeane, welche Sprachen wir in Zukunft sprechen, welche Arbeitsplätze wir haben, welche politischen Systeme wir wählen und natürlich die große Frage von Krieg und Frieden.“

Der US-Geostratege Charles Freeman sagte 2011: „Es liegt in unserer DNA, sowohl der ame­rikanischen als auch der chinesischen, dass es zum Konflikt kommen wird. Alles ist dafür vorbereitet. Erstaunlich ist, wie friedlich es bisher geblieben ist.“

Nun gibt es viele Mittel des Krieges. Zum einen haben die USA in den letzten Jahren eine militärische Schlinge um die Volksrepublik gezogen, Basen aufgerüstet und Verträge mit regionalen Vasallen erneuert. Zum anderen sollte die durch Donald Trump inzwischen auf Eis gelegte transpazifische Partnerschaft TPP ausgerechnet den Platzhirsch, China, ausgrenzen.

Tatsache ist, das Peking im Rennen mit Washington die Nase vorn hat. Werden z.B. Handelszölle auf Importe erhöht, reagiert China, indem es einfach amerikanische Staatsanleihen verschleudert. Und während China und seine BRICS-Partner, allen voran Russland, gemeinsame Interessen leiten, fordert Amerika die Treue seiner „Verbündeten“ mit Waffengewalt und NSA-Erpressung ein. Gerade regionale Mitspieler wie Japan sind heute aber auf China wirtschaftlich viel mehr angewiesen als auf die USA. Der unverblümte Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, kündigte 2016 einen Lagerwechsel öffentlich an – und bezeichnete Barack Obama sogar als einen „Hurensohn“.

Die höflichen Chinesen würden sich so etwas nicht erlauben. Grund genug hätten sie. Im Gegensatz zu blöd gehaltenen Westlern erinnern sie sich genauestens an das Jahrhundert der Schande, welches Briten und Amerikaner für sie Mitte des 19 Jahrhunderts einläuteten.

Es ist keineswegs übertrieben, dass Amerika mit Geldern groß wurde, die aus dem illegalen Handel mit Opium nach Asien stammten. Präsident Franklin D. Roosevelt und Ex-Außenminister John Forbes Kerry sind nur zwei amerikanische Spitzenpolitiker, die Familien entspringen, welche aus dem Handel mit Schlafmohn stinkreich geworden sind. Versuche Chinas, den für das Kaiserreich verheerenden Drogenhandel zu stoppen, quittierten Briten und Amerika zweimal mit Bomben aus den Kanonen ihrer Marinen. Auf die gleiche Art erzwangen sie auch die wirtschaftliche Öffnung des Landes des Lächelns.

Dass Chinesen den Bau der transkontinentalen Eisenbahn auch dort fertig brachten, wo europäische Arbeiter vor dem Granitstein der Sierra Nevada kapituliert hatten, dankte Amerikas Regierung ihnen 1882 mit der Suspendierung weiterer Einwanderung. Als am 28. Oktober 1886 im Hafen von New York die Freiheitsstatue eingeweiht wurde, war ihr Volk von der eingravierten Einladung, „Gebt mir Eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen“ per Gesetz ausgenommen.

Nach Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 belächelte die US-Regierung China schließlich als Nebenschauplatz des Kalten Krieges – und Mao und seine Genossen als Hand­puppen Moskaus. Trotz eindringlicher Warnungen von Vermittlern des State Department, die Mao kennengelernt hatten, bekannte sich das Weiße Haus weiterhin zu dessen Gegenspieler, dem nationalistischen Diktator Tschiang Kai-shek. Nachdem dieser vor Maos Truppen nach Taiwan flüchten musste, erklärte es die winzige Insel zur Republik China. Maos Volksrepublik mit über 500 Millionen Menschen erkannte es bis 1979 nicht offiziell an.

„Wenn die Vereinigten Staaten 1945 bereit gewesen wären (…) einige ihrer Illusionen über China aufzugeben“, so ein Fernostexperten des US-Außenministeriums später, „zu verstehen, was in diesem Land stattfand und eine realistische Politik in Amerikas eigenem Interesse gewählt hätten, dann wäre es wahrscheinlich niemals zum Krieg in Korea und Vietnam gekommen“.

Nun hat sich das Blatt gewendet, und der chinesische Drache hat begonnen zu fauchen. Wussten Sie, dass Chinas Präsident Xi Jinping Obama bei dessen letztem Besuch aus dem Hinterteil des Flugzeugs aussteigen ließ – ohne roten Teppich? Chinesen sind die besten Gastgeber der Welt und Symbolismus bedeutet alles. Heute darf sich Peking das erlauben: Die dort sitzende Asiatische Infrastrukturinvestmentbank macht der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds mächtig Konkurrenz und mit dem Schanghai-Pakt formiert sich gewissermaßen eine Anti-Nato heraus. Das erfahren wir in unseren Tagesthemen freilich nicht.

Chinas Meisterstück steht jedoch noch aus und birgt die größte Kriegsgefahr: die geplante Abkopplung vom wertlosen US-Dollar. Seit Jahren häufen China und Russland immense Goldbestände an. Parallel dazu haben beide  unabhängige Zahlungssysteme entwickelt. CIPS lautet Pekings Alternative zum amerikanisch-kontrollierten SWIFT-System.

2018 werde China – das erste Land überhaupt, das Papiergeld benutzte – auch versuchen, dem Würgegriff der USA beim Handel mit Öl zu entkommen. 1974 einigten sich Henry Kissinger und das saudische Königshaus darauf, dass nahezu jede Transaktion im globalen Ölgeschäft in Dollars abgerechnet werden muss. Pekings Plan sieht vor, börsengehandelte Termingeschäfte mit Öl, sogenannte oil-futures, fortan in Yuan abzurechnen, die auf den Devisenmärkten in Schanghai und Hongkong vollständig in Gold umrechenbar sein sollen. Der Greenback spielt in diesem an Chinas Börse bereits vielfach simulierten Szenario keine Rolle mehr.

Wenn Peking damit davon kommen sollte, stehen die Chancen auf eine neue Weltordnung langfristig tatsächlich nicht schlecht. Über das universalistische Konzept der westlichen Globalisten könnte dann ein Pluriversum der Völker und Kulturen triumphieren wie beispielsweise Alexander Dugin glaubt. Oder?

Das ganze Lagebild lesen Sie nur in COMPACT-Spezial „USA gegen China – Endkampf um die neue Weltordnung“. Erscheint 27. Januar 2018 – jetzt vorbestellbar. Hier das Inhaltsverzeichnis lesen und vorbestellen.

Vogelkäfige mit zwitschernden Vögeln im Park, Schangnai, Bild: Pixabay

 

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