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Der Feind im eigenen Garten

13. Juni 2018 | Autarkie | Freies Leben | Gesundheit | Ernährung | Natur | Umwelt | connectiv.events

Von Niki Vogt

Der sehr warme Juni mit den Regengüssen sorgt dafür, dass die Pflanzen im Garten geradezu explodieren vor Wachstum und Leben. Und selber Gärtnern macht ja auch Spaß. Eigenes Obst, Gemüse und Beeren dienen der Gesundheit und bringen frisches und gutes Essen ins Haus und überdies ist es eine Art der Krisenvorsorge. Bei so einem reichen Angebot finden sich leider auch ungebetene Gäste ein. Das musste ich leider auch erfahren. Besonders die Nacktschnecken sind in Divisionsstärke angetreten, fast höre ich abends die Trommeln und Trompeten, mit denen sie in hellen Scharen und zu allem entschlossen auf meinem Gemüsebeet einrücken. Im letzten Jahr haben sie einen unglaublichen Schaden angerichtet, in diesem Jahr bin ich schlauer.

Die Schnecke, der Gemüsefeind

Natürlich ist es ganz einfach, sich chemische Schädlingsbekämpfungsmittel zu holen wie Schneckenkorn. Das wirkt zwar tatsächlich, nach einigen Regengüssen löst es sich aber auf und sickert in den Boden ein, wo das Gift natürlich auch in das Gemüse Eingang findet. Das ist genau das, was wir nicht essen wollen. Außerdem dezimieren wir mit vergifteten Schnecken gleichzeitig auch Igel, Blindschleichen und Eidechsen, die die Plagegeister fressen. Also:“ Bad idea“, würde Arnie sagen.

Es gibt aber recht probate Methoden, die Schnecken vom Gemüse und Blumen fernzuhalten. Einmal die altbekannte Bierfalle. Sie wirkt, indem sie die Schnecken anlockt, die in die biergefüllte Schüssel kriechen und darin ertrinken. Nur leider tun das erstens bei weitem nicht alle Schnecken wunschgemäß, und zweitens muss man die Bierfallen wirklich ständig entleeren, weil sie schnell zu voll werden und die Neuankömmlinge wieder herauskönnendarüber hinaus erreicht so eine Bierschüssel mit toten Schnecken in der Sommerhitze sehr schnell einen Ekelfaktor, den ich hier lieber nicht beschreiben möchte. Für jemanden, der zuverlässig täglich die Fallen leert, ist die Methode aber nicht schlecht.

 

Die Nacktschnecke, in orange oder braun, ist der Feind des Gemüsebeetes und der Erdbeeren. Er kommt bei Einbruch der Nacht in Bataillonsstärke und säbelt alles nieder.

 

Einigermaßen wirksam ist auch ein Schneckenzaun, der aus einem Metallband mit scharf abgewinkelter Kante besteht. Das Profil sieht aus, wie eine 1. Die Schnecken kapitulieren in der Regel davor es sei denn, Gras oder Blätter hängen darüber. Schnecken gehen über weit mehr als sieben Brücken und nutzen zielsicher diese Einfallstore. Man muss also ständig aufpassen, dass der Schneckenzaun nirgends den Schnecken einen Zugang bietet. Billig ist die Methode auch nicht, vor allem, wenn das Gemüsebeet größer ist.

EinNaturschneckenzaunist viel billiger zu haben. Sammeln Sie Dornenzweige. Brombeerzweige, Schlehdornim Wald und am Feldrand wächst genug dergleichen. Flechten oder bündeln Sie die Zweige zu langen, dicken Würsten und legen Sie diese um ihr Gemüsebeet wie einen Zaun. Je stachliger, umso besser. Die vielen kleinen Stacheln von Himbeeren und Brombeeren sind erfahrungsgemäß ideal. Die verwelkenden Blätter unbedingt entfernen, denn Verwelkendes lockt Schnecken an, die Blätter decken die Dornen ab und dienen dann wieder alsBrücken.

Eine große Schneise aus Rindenmulch um das Beet ist auch eine Qual für Schnecken. Es muss aber schon mehr als einen Meter breit sein, um die gefräßigen Schleimkriecher nachhaltig zu demotivieren. Die Biester sind leider beharrlich.Neuer Rindenmulch verströmt auch ätherische Öle und riecht harzig, das mögen die ungeliebten Kriecher auch nicht. Unter den Rindenmulch sollte man eine gute Folie legen, denn sonst wächst sehr schnell Gras und Unkraut durch die Rindenschnipsel. Das sieht nicht gut aus und bietet den Schnecken feuchte, grüne Inseln, über die sie sich bis zum Gemüsebeet vor robben.

Legen Sie abgeschnittene Kohl- oder Salatblätter (am besten vonLieblingsfresspflanzen) außerhalb des Beetes als Lockvogel aus. Darauf stürzen sich die Schnecken zuerst und Sie können die Tiere abends in der blauen Stunde einsammeln und entsorgen. Noch ein Tipp zum Einsammeln: Bieten Sie Tagesverstecke an. Die Tiere scheuen Trockenheit und Hitze und verstecken sich tagsüber in feuchten und dunklen Ecken. Legen Sie Brettchen aus, Baumrindenstücke oder umgedrehte Blumentöpfe, unter die die Schnecken kriechen können und gucken Sie tagsüber nach: Da hocken sie, die Übeltäter. Aber auch dieser Tipp ist nur gut, wenn Sie die Tiere dann auch entsorgen. Ansonsten bieten Sie mit den Tagesverstecken beim Beet nur noch eine Wellnessoase für die Schnecken, die sich dann besonders wohl fühlen.

Häuschenschnecken, wie hier der Mädelsclub der Weinbergschnecken sind schon selten geworden. Verschont sie und gönnt ihnen ein paar Happen!

 

Wer gerne Mittelchen selbst herstellt, kann ja mal diesen Tipp probieren: Moos einsammeln und trocknen. Man weicht das getrocknete Moos in einem Liter Wasser einen Tag ein, drückt das Moos aus, gießt die Flüssigkeit durch ein Sieb in die Sprühflasche und sprüht die von den Schnecken gefährdeten Pflanzen damit ein. Man braucht zwei Hände voll getrocknetem Moos, um einen Liter Sprühmittel herzustellen. Allerdings gibt es Schnecken, denen auch das nicht den Appetit verdirbt.

Salbei mögen die kriechenden Plagegeister übrigens auch nicht. Wer soviel Zeit und Geld investieren will, eine Salbeihecke um sein Gemüse- oder Blumenbeet anzulegen, braucht dann kaum noch etwas gegen die Schnecken zu unternehmen.

Wer Schnecken von Hand einsammelt und entweder weit weg wieder aussetzt, oder sie in einem Eimer Salzwasser mit Spüli ertränkt, ist zwar nicht nett zu den Tieren, kann aber die Population niedrig halten und damit den Freßdruck auf die Gemüsepflanzen deutlich mindern. Nur eines: Nacktschnecken gibt es in rauen Massen. Sie haben die Häuschenschnecken schon fast vollkommen verdrängt. Also verschone ich die Häuschenschnecken und lasse sie auch an meinem Salat ein bißchen knabbern. Und die Tigerschnecken finden auch Gnade, denn sie fressen Schneckeneier und helfen, die roten und braunen Nacktschnecken kurz zu halten.

 

Alte Gärtnerweisheit: Die Tigerschnecke bring nicht zur Strecke!

 

Es gibt auch noch andere Pflanzen, die Schaden von unseren gehätschelten Gartenlieblingen abhalten. Schnittlauch und besonders Schnittlauchblüten zwischen den Erdbeerpflanzen verhindern das gefürchtete Schimmeln der Erdbeeren. Außerdem heißen Erdbeeren im Englischen nicht ohne GrundStrawberries(Strohbeeren). Legt man eine Schicht trockenes Stroh auf dem Boden zwischen den Erdbeerpflanzen aus, liegen die Beeren schön trocken und die Schnecken kriechen nicht so gerne darauf herum, um die Beeren anzufressen.

Knoblauchzehen oder Knoblauchpflanzen vertreiben angeblich Wühlmäuse. Hier kann ich aber keine eigenen Erfahrungswerte beisteuern, ob das zuverlässig wirkt. Als sehr wirksam haben sich in unserem Garten die „Klappermühlen“ erwiesen. Das sind eine Art Windräder, die, während sie sich drehen, eine Stange in einem Rohr drehen und dabei unablässig klappern (außer bei Windstille). Das Rohr muss fest im Boden eingegraben sein. Dadurch leitet der Boden die Schallwellen relativ weit, was die Tiere nervt und vergrämt so die Wühlmäuse und Maulwürfe. Es tut ihnen keinen Schaden, aber sie gehen woanders hin.

Marienkäfer vertilgen Unmengen an Blattläusen und sorgen bei genügender Anzahl dafür, dass diese sich nicht so breit machen können.

 

Rosen und Johannisbeeren leiden besonders an frischen Trieben schnell unter Blattlausbefall. Pflanzen Sie Lavendel als Teppich zwischen die Rosen, und Sie werden relativ sicher keine Blattläuse und keine Ameisen mehr finden. Es sieht außerdem sehr hübsch aus. Brennnesselsud hilft allerdings auch gut gegen Blattläuse. Man füllt einen großen Topf locker mit Brennnesselpflanzen, gießt mit Wasser auf, lässt das ganze zwei Tage stehen, gießt das grünliche Wasser in eine Gießkanne mit Duschkopf oder lässt es durch ein Sieb in eine Sprühflasche laufen und besprüht /begießt die befallenen Pflanzen.

Eine andere Methode sind Marienkäfer oder – noch besser –  Marienkäferlarven. Die letzteren kann man sogar im Internet bestellen und auf den Pflanzen ausbringen, sie sind noch um ein Vielfaches gefräßiger, als der fertige Marienkäfer. Sie haben den Vorteil, dass sie sich sofort um die Läuse kümmern und sich regelrecht durcharbeiten. Da die Larven keine Flügel haben und nicht schnell laufen können, fliegen sie einem auch nicht gleich wieder davon, sondern tun ihren Job! Während der Sommermonate, wo der Siebenpunkt als Käfer lebt, vertilgt so ein hübsches Glückskäferchen etwa 4.000 Blattläuse.

Fängt er Blattlausbefall gerade erst an, ist es sinnvoll, die befallenen Triebe und Blätter einfach abzuschneiden und wegzuwerfen. Manchmal braucht es dann kaum eine weitere Behandlung.

Bei kräftigen Pflanzen lassen sich die Läuse auch einfach mit einem scharfen Wasserstrahl stark dezimieren. Dem Rest der Viecher kann man noch zusätzlich mit Schmierseifen- oder Spüli-Spray zu Leibe rücken: 1 Eßlöffel pro Liter Wasser auflösen und aufsprühen. Übrigens: es reicht auch, Schaum aus Geschirrspülmittel auf die blattlausbefallenen Stellen zu packen. Wenn der Schaum zerfallen ist, sind die Läuse ebenfalls Geschichte. Und eine andere Beobachtung hat sich ebenfalls als wirksames Mittel erwiesen: Gießen Sie einfach kalt gewordenen schwarzen Tee oder Kaffee über die befallenen Pflanzenteile, das tötet die Läuse ziemlich zügig.

 

Die Gemüseflige legt ihre Eier am Stengel der Gemüsepflanze ab. Die schlüpfenden Maden fressen sich durch die Stengel und Wurzeln und zerstören die Pflanze.

 

Gemüsefliegen (Kohlfliege, Karottenfliege, Zwiebelfliege oder Wurzelfliege) sind ebenfalls eine scheußliche Plage. Sie legen ihre Eier an den Stamm der Pflanze, knapp unter die Erdoberfläche. Die schlüpfenden Larven fressen as Gemüse von innen auf, die Pflanze stirbt. Sie erkennen das an den rostbraunen Fressgängen im Gemüse. Wirksames Gegenmittel: Ab April ein sehr feinmaschiges Netz über das Beet spannen, dabei Acht geben, dass am Rand keine Schlupflöcher bleiben. Ideal sind Drahtbögen, über die man die Netze spannt. Lieblingsopfer der Gemüsefliege sind Radieschen, Möhren, Kohlsorten, sogar Lauch und Zwiebeln.

Ameisen mögen keinen Lavendel, aber auch keine Säure. Haben Sie zum Beispiel eine Ameisenautobahn auf der Terrasse, beträufeln Sie die mit Zitronensaft oder Essig, dann ist schnell das Verkehrsaufkommen beruhigt. Führt diese Straße allerdings zu einem zuckrigen Paradies (zum Beispiel auch zu Blattläusen!) werden die Ameisen die Straße nur ein Stückchen weiter verlegen. Dann müssen Sie die Nahrungsquelle entfernen. Ameisen schaden den Pflanzen nicht direkt und sind wichtige Bewohner einer intakten Umwelt. Nur, wenn sie sich Blattlauskolonien anlegen, dann sorgen sie ganz aufopferungsvoll für ihre Zuckerlieferanten, die Blattläuse, und beschützen sie vor Freßfeinden, so dass dieLäuse sich ungestört explosionsartig vermehren können und die befallenen Pflanzen vollkommen aussaugen.

 

Eine Methode, Schädlinge einigermaßen fernzuhalten, hervorragende Erträge zu erzielen und seinen Rücken zu schonen ist ein Hochbeet. Es erfordert nur einmal den Aufwand des Zusammenbaus. Bauen Sie aus Pfählen und Brettern eine großeKisteohne Boden auf. Die ideale Höhe ist bis zu Ihrer Taille. Die untere Hälfte füllen Sie mit Ästen und Zweigen. Hier bringen Sie Gartenabfälle sogar noch nutzbringend unter. Die dicksten Äste legen Sie zuunterst, nach oben hin legen Se immer dichter immer feinere Zweige. Darauf kommt eine Schicht weicherer und feinerer Gartenabfälle wie Unkraut, Blätter, Rasenschnitt oder Gemüseabfälle. Die oberen dreißig Zentimeter bestehen aus einer Schicht guter Blumenerde oder im Idealfall aus reifem Kompost.

Die unteren Schichten im Hochbeet kompostieren langsam und wärmen die obere Erdschicht immer leicht, so dass die Pflanzen im Frühjahr früher wachsen und im Herbst etwas länger leben. Durch die Astschicht unten entsteht auch kein Nässestau. Die Schädlinge aus dem Erdreich kommen nur sehr bedingt oben in das Beet hinein, Schnecken kann man unten auf dem Boden durch geeignete Maßnahmen (siehe oben) leicht am Hochkriechen hindern. Macht man die Eckpfosten entsprechend höher, kann man leicht ein Netz gegen fliegende Schädlinge darüber spannen. Und man ackert nicht so anstrengend in gebückter Haltung auf dem Boden herum. Unkrautsamen findet auch nicht so schnell dort hinein, man spart eine Menge Unkrautzupfen. Ich kann es nur empfehlen.

Eine Schicht Heu oder Stroh, Pflanzenabfälle und Rasenschnitt auf dem Boden zwischen den Gemüsepflanzen verhindert Unkrautwuchs, zu starke Wasserverdunstung, fördert das gesunde Bodenleben und düngt durch Verrottung. Nur schimmeln darf die Schicht möglichst nicht. Daher immer mal ein bisschen umdrehen und lüften.

Der natürliche Weg zu einer prachtvollen Ernte und gesundem Gemüse ist möglich, allerdings erfordern sie ein bisschen Wissen und Erfahrung.

Quelle: eigene Erfahrung.

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