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Der nächste Schritt sind vollautomatisierte Roboterdrohnen

24. Oktober 2017 | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | nachdenkseiten

Der Einsatz von bewaffneten Drohnen wird in naher Zukunft einen „dystopischen Höhepunkt“ erreichen. Das sagt Emran Feroz, der gerade das Buch „Tod per Knopfdruck – Das wahre Ausmaß des US-Drohnen-Terrors oder Wie Mord zum Alltag werden konnte“ im Westend Verlag veröffentlicht hat. Feroz, dessen Eltern vor der sowjetischen Besatzung Afghanistans nach Österreich flüchteten, prangert im Gespräch mit den NachDenkSeiten die Doppelmoral im Zusammenhang mit dem Drohnenkrieg an. Einerseits, so Feroz, der als freier Journalist unter anderem für die New York Times und Die Zeit arbeitet, lege der Westen immer wieder großen Wert auf Rechtsstaatlichkeit, andererseits erlaube man es, dass Drohnen Menschen töten – ohne rechtsstaatliche Verfahren. Das Interview führte Marcus Klöckner.

Scharf geht Feroz auch mit den Medien ins Gericht. Die Berichterstattung, wenn es um den Einsatz von Drohnen gehe, verlasse sich zu sehr auf die Pressemitteilungen jener Stellen, die für die Ausführung der Drohnenschläge verantwortlich seien: „Es muss endlich damit aufgehört werden, so zu tun, als ob die Weiterverbreitung der Erzählungen, die sich in den Pressemitteilungen der Nato oder des Weißen Hauses finden, etwas mit Journalismus zu tun hat…Wenn Pressemitteilungen sozusagen eins zu eins wiedergegeben werden, dann ist das kein Journalismus, sondern PR.“

Herr Feroz, Sie haben ein Buch über den Drohnenkrieg geschrieben und befassen sich darin auch mit den Namen, die die Drohnen und andere Waffensysteme haben.
Was ist Ihnen aufgefallen?

Die Namen von Drohnen, aber auch von anderen Waffen, militärischen Flugzeugen und Helikoptern der Amerikaner sind uns allen durch die Nachrichten bekannt. Da ist, beispielsweise, die Rede von einem Apache Helikopter oder von Raketen mit Namen Tomahawk. 
Mir scheint: Gerade weil wir diese Namen so oft hören, nehmen wir sie als selbstverständlich hin, schließlich sind sie uns bekannt, vertraut. Aber hier muss man genauer schauen. 
Noam Chomsky hat in einem seiner Bücher diese Namensgebung hinterfragt und angemerkt, dass in den USA ein Genozid an den Ureinwohnern stattgefunden hat, der bis heute nicht richtig aufgearbeitet wurde. Dessen ungeachtet aber geben die Militärs ihren Waffen, Flugzeugen usw. Namen, die im direkten Zusammenhang mit den Menschen stehen, die in ihrem Land abgeschlachtet wurden. Man stelle sich einmal vor, was wäre, wenn die Bundeswehr ihre Waffensysteme mit den Namen „Jude“ oder „Zigeuner“ belegen würde.

Ein krasser Vergleich.

Ja, aber so ist es doch. Ich finde diese Namensgebung zynisch und abartig.
Denken Sie nur an die Operation, unter der man gegen Osama bin Laden vorgegangen ist.

Ihr Codename war „Geronimo“.

Richtig. Und Geronimo war ein großer Indianerführer, der den Aufstand gegen die Einwanderer angeführt hat. Damals, als die Operation gegen bin Laden ausgeführt wurde, haben sich die Verwandten von Geronimo in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet und darüber beschwert, dass der Name Geronimo für diesen Einsatz verwendet wurde. 
Nun zu den Drohnen. Da gibt es Drohnen, die heißen Predator, also Raubtier, und Reaper, das heißt übersetzt Sensenmann.
Hier entsteht ein Bild vor dem inneren Auge, das die Realität beschönigt. Die Drohnenangriffe werden quasi als etwas Natürliches dargestellt. Ein Raubtier tötet ein anderes Tier. Ein Gepard reißt und tötet eine Gazelle. Das ist zwar nicht schön. Aber das ist normal, das ist die Natur. Und der Sensenmann, also der Tod, der ereilt eben auch jeden irgendwann einmal. So ist das Leben. Am Ende steht der Tod. Aber wenn man mit diesen Bildern, die natürliche Vorgänge beschreiben, den Drohnenkrieg skizziert, dann pervertiert man die Realität. Der Tod ist Normalität. Nicht normal ist es, wenn Menschen im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel von einer Drohne angegriffen und bei einem Angriff mitten aus ihrem Leben gerissen werden.

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Bildredakteur:

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Textredakteur:

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Quelle:

nachdenkseiten

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