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Die „armen“ griechischen Reeder werden von ihrer Schuldenlast befreit

16. Oktober 2017 | Wirtschaft | Finanzen | Telepolis

Seltsame Kredittilgung bei staatlich unterstützer Bank

Ein Artikel der englischen Ausgabe der Financial Times behandelt einen handfesten griechischen Bankenskandal. Zehn Vorstandsmitglieder der Bank sind von ihren Posten zurückgetreten. Es geht darum, dass die Piräus Bank offenbar gezielt einer bestimmten Personengruppe einen Schuldenschnitt ermöglichte.

Erst durch die Veröffentlichung in der FT wurde die griechische Presse dazu gedrängt, selbst über das Thema zu berichten. In einer der wenigen Reportagen zum Thema schreibt die Kathimerini, dass die Piräus Bank eventuell Schaden erlitten hätte. Den klaren Vorwurf, dass Bankmanager mit Tricks Krediten von Reedern einen Schuldenschnitt bescherten, liest man nicht. Denn schließlich ist die Bank einer der größten Werbekunden der gesamten Print-Presse.

Über eine mögliche neue Rekapitalisierung der bereits mehrfach mit frischem staatlichem Geld gestützten griechischen Banken ist ein Streit zwischen dem Internationalen Währungsfonds und der EU entbrannt. Der IWF behauptet, die Kapitaldecke der Banken sei zu dünn.

Die griechische Regierung hat elektronische Versteigerungen des Besitzes säumiger Schuldner eingeführt, nachdem die bisher übliche Art der Auktion von beschlagnahmten Immobilien vor Gericht am Aktionismus linker Splitterparteien und von Verbraucherschutzbewegungen scheiterte. Die Aktionisten setzten vor Auktionen die Notare in Büros fest, so dass sie der bis dato vorgeschriebenen Pflicht der physischen Anwesenheit vor Gericht nicht nachkommen konnten. Sie stellten potentiellen Käufern nach und blockierten die Gerichtseingänge.

Nun können die gepfändeten Immobilien mit einem Mausklick unter dem Schutz der Anonymität des Internets ersteigert werden. Gleichzeitig hat die Regierung auch sich selbst einen leichteren Zugang zu Sach- und Geldwerten zahlungsunwilliger oder -unfähiger Bürger gewährt. Täglich werden tausende Konten von Griechen gepfändet, die mehr als 500 Euro entweder an Steuern oder Sozialabgaben schulden.

Dabei sind seit dem offenen Ausbruch der Krise 2010 viele Griechen eher schuldlos in die Schuldenfalle gegangen. Vielfach gekürzte Renten und Gehälter, steigende, einkommensunabhängige Steuerbelastungen, neuartige Sozialabgaben und ein Wertverlust von Immobilien, der oft höher als fünfzig Prozent liegt, haben sämtliche Lebensplanungen durcheinander gebracht. Oftmals sind die überschuldeten Bürger selbst Opfer der Zechprellerei ihres Arbeit- oder Auftraggebers oder aber auch neuer Gesetze.

Ein Beispiel ist ein bekannter Pressefotograf mit zahlreichen Veröffentlichungen in internationalen Medien. Einer seiner früheren Arbeitgeber blieb die Bezahlung der Sozialabgaben schuldig, obwohl dies im gegenseitigen Vertrag festgeschrieben war und obwohl dem Fotografen monatlich ein – wie sich herausstellte gefälschtes – Dokument der Zahlung vorgelegt wurde. Dagegen blieb der Auftraggeber das Honorar oft schuldig.

 

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Quelle:

Telepolis

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