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Die Hagia Sophia wird eine Moschee: Wie in Russland auf den türkischen Schritt reagiert wird

14. Juli 2020 | Allgemein | Familie | Soziales | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Kultur | Kunst | Musik | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Anti Spiegel

von Thomas Röper 

Die Hagia Sophia wurde von Erdogan in eine Moschee umgewandelt. Das Gotteshaus ist das vielleicht wichtigste Gebäude der orthodoxen Christen. Entsprechend schockiert ist man in Russland (und übrigens auch anderen, orthodoxen Ländern).

Da ich gefragt wurde, wie in Russland über Erdogans Schritt berichtet wurde, werde ich der Bitte nachkommen und übersetzen, wie das russische Fernsehen die türkische Entscheidung, die Hagia Sophia (oder „Heilige Sophia“ oder auch „Aya Sophia“) in eine Moschee umzuwandeln, am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ kommentiert hat.

 

https://genesis-pro-life.idevaffiliate.com/81.html

 

Beginn der Übersetzung:

Erdogan hat getan, was niemand glauben wollte

Am 10. Juli wurde die Hagia Sophia in Istanbul, die bis heute das beliebteste Museum der Türkei war, zur Aya-Sofia-Moschee. Der erste Gottesdienst findet in dieser Moschee am 24. Juli statt.

Da ist auf Initiative von Präsident Erdogan geschehen, der so demonstrativ die weitere Islamisierung des Landes fördert und damit seine Popularität steigern möchte. Es ist klar, dass sich die Türkei damit zunehmend vom säkularen Charakter des Staates, dem Vermächtnis des Schöpfers der modernen Türkei, Kemal Atatürk, entfernt. Es war sein Wille, dass die Heilige Sophia 1934 den Status einer Moschee verlor und zu einem Museum wurde, in dem Feindschaft verboten ist und zu dem Touristen und Pilger aus der ganzen Welt in Scharen gekommen sind: Christen und Muslime.

Es scheint, als hätte der so genannte „Universalpatriarch“ Bartholomäus mehr als andere daran interessiert sein sollen, das bestehende Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Aber er sitzt in Istanbul wie eine Maus in der Falle. Er wurde nur von den amerikanischen Geheimdiensten unterstützt und jetzt, nachdem er die Reste seiner Energie in Poroschenkos Kirchenspaltung in der Ukraine gesteckt und damit die Weltorthodoxie gespalten hat, ist das Istanbuler Patriarchat von Bartholomäus inhaltsleer geworden. Und sein schüchternes Quietschen zur Verteidigung der Heiligen Sophia war so still und verleumderisch, dass er von niemandem gehört wurde.

(Anm. d. Übers.: Das Thema ist im Westen unbekannt, daher erkläre ich es in aller Kürze: Auch in der orthodoxen Kirche gibt es formelle Hierarchien, wie in der Katholischen Kirche. Das Oberhaupt der Orthodoxen ist formaljuristisch der Patriarch von Konstantinopel, also Bartholomäus. Aber seit die Osmanen im 15. Jahrhundert Byzanz erobert haben, besteht diese Macht nur noch auf dem Papier.
Die ukrainische Kirche war eine Art „Unterabteilung“ des Moskauer Patriarchen, auch wenn sie ihren eigenen Patriarchen hatte.
Um den „russischen Einfluss“ zu beenden, hat Poroschenko eine Kirchenspaltung betrieben, die in der Ukraine für viel Unruhe gesorgt hat und bei der es wohl auch um die Reichtümer der Kirche ging. Poroschenko hat mit Bartholomäus ausgehandelt, die ukrainische Kirche aus dem Moskauer Patriarchat „herauszunehmen“ und seinem Volk das als Emanzipation der eigenen Kirche verkauft.
Tatsächlich untersteht die ukrainische Kirche nun jedoch direkt Konstantinopel, was für einige sehr unschöne Überraschungen in der Ukraine gesorgt hat, denn von einer freien, ukrainischen Kirche kann nicht die Rede sein. Der Patriarch von Konstantinopel versucht im Gegenteil, die ukrainische Kirche an einer weitaus kürzeren Leine zu führen, als es je ein Moskauer Patriarch getan hat
)

 

https://aquarius-prolife.com/de/

 

Was Präsident Erdogan selbst betrifft, so besteht er fest und hartnäckig auf seiner Position: „Die Anschuldigungen gegen unser Land im Zusammenhang mit der Aya Sofia sind Angriffe auf die türkische Souveränität. Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten der Gebetshäuser in anderen Ländern ein, genauso hat niemand das Recht oder die Vollmacht, sich in unsere Angelegenheiten im Zusammenhang mit unserem Heiligtum einzumischen“, sagte der türkische Staatschef.

Erdogan nennt die Sofia „unser Heiligtum“, wie eine Trophäe. Die Kathedrale wurde in der Mitte des 5. Jahrhunderts von Kaiser Justinian I. in Konstantinopel erbaut. Der Tempel, der die Menschen mit seiner Pracht und Größe erschlug, war fast tausend Jahre lang das wichtigste Symbol des orthodoxen Byzanz und der größte christliche Tempel der Welt.Nach dem Besuch der Kathedrale der Heiligen Sophia waren die Botschafter des russischen Prinzen Wladimir Sviatoslavovitsch so beeindruckt von der Schönheit und der Pracht der Anbetung, dass sie beschlossen, Russland gemäß dem östlichen – orthodoxen – Ritus zu taufen.

Mehr als neun Jahrhunderte lang blieb die Kathedrale von Sofia die Residenz des Patriarchen von Konstantinopel und der Ort der Krönung der byzantinischen Kaiser. Aber nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahre 1453 wurde die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches in Istanbul umbenannt, und die Kathedrale der Heiligen Sophia wurde sofort in die Hagia Sofia Moschee umgewandelt. Die Türken übermalten die christlichen Fresken im Tempel. Vier Minarette wurden errichtet und die Mausoleen der Sultane und Madrassas wurden um die Kathedrale herum gebaut. Erst unter Atatürk wurden die unschätzbaren Fresken wieder freigelegt. Und das Gebäude wurde für alle geöffnet.

Es ist klar, dass Erdogans aktueller Schritt im Kreml, gelinde gesagt, für Verwunderung sorgte: „Wir können das nicht kommentieren, es ist eine innere Angelegenheit der Republik Türkei. Ich kann nur sagen, dass wir natürlich hoffen, dass Sofias Status als Weltkulturerbe berücksichtigt wird. Neben dem touristischen Wert hat Sofia einen heiligen, spirituellen Wert. Natürlich erwarten wir, dass all dies von unseren Kollegen und Partnern berücksichtigt wird“, sagte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten.

 

https://tina-knabe.de/

 

Um den Eindruck zu entschärfen, beruhigt Erdogan: „Da sie kein Museum mehr ist, ist der Eintritt in die Aya Sofia nun frei. Wie bei anderen Moscheen werden die Türen der Aya Sofia für alle offen sein: Für Einheimische, Ausländer, Muslime und Vertreter anderer Religionen.“

Wir haben das gehört… Dennoch findet Erdogan leicht Rechtfertigung in amerikanischem Verhalten. Wir erinnern uns an das vergangene Jahr, als Präsident Trump Jerusalem, einen heiligen Ort der Muslime, offiziell als Hauptstadt des jüdischen Staates Israel anerkannt hat. Daraufhin versprach Erdogan als Reaktion, die Hagia Sofia in eine Moschee zu verwandeln. Niemand hat es geglaubt. Aber Erdogan hat es getan. (Anm. d. Übers.: Das wird in den „Qualitätsmedien“ bei den aktuellen Berichten über die Hagia Sofia gerne vergessen: In der Tat hat Erdogan diesen Schritt vor einem Jahr als Reaktion auf die Verlegung der US-Botschaft aus Tel-Aviv nach Jerusalem angekündigt)

Nun, da die UNESCO erklärt, dass die Heilige Sofia ein Kulturerbe ist und sie erklärt, es sei notwendig, die UNESCO zu konsultieren, spuckt Erdogan auf die UNESCO. Und warum? Weil sich auch Donald Trump nicht um die UNESCO geschert hat, als die USA die Organisation 2017 verließen. Was haben wir erwartet? Ein schlechtes Beispiel ist ansteckend.

Unterdessen sieht der Moskauer Patriarch Kirill in Erdogans Schritt eine Bedrohung: „Die Bedrohung der Heiligen Sofia ist eine Bedrohung für die gesamte christliche Zivilisation und damit für unsere Spiritualität und Geschichte. Bis heute ist die Heilige Sophia für jeden russisch-orthodoxen Menschen ein wichtiger christlicher Schrein. Es ist die Pflicht eines jeden zivilisierten Staates, das Gleichgewicht zu wahren: Widersprüche in der Gesellschaft zu versöhnen, anstatt sie zu verschärfen, die Vereinigung der Menschen zu fördern, sie nicht zu spalten“, sagte das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche. Die Erwartungen wurden geäußert. Hoffentlich werden sie erhört.

Ende der Übersetzung

 

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