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Die rätselhaften europäischen Kelten-Mumien von China

19. Mai 2018 | Allgemein | Geschichte | Wissenschaft | Forschung | connectiv.events

von Niki Vogt

Meistens denkt man ja bei Mumien an ägyptische Pharaonen, an Pyramiden oder vielleicht das glühendheiße Tal der Könige, mit den in die Felsen gehauenen, an den Wänden prächtig bemalten Grabkammern. Aber die Mumifizierung ist eine Kunst, die die Menschheit an vielen Orten und zu verschiedensten Zeiten beherrschte. MAnche Mumien sind sogar noch viel älter als die ägyptischen.

Alte Kulturen in Asien, Europa und Südamerika mumifizierten ihre wichtigen und hochstehenden Verstorbenen, Hohepriester, Fürsten, aber auch heilige Tiere. Die älteste menschliche Mumie stammt aus dem JAhr 5050 vor der Zeitenwende und wurde im Camerones Tal in Chile gefunden. Das ist eine ganze Weile, bevor die ersten bekannten ägyptischen Mumien einbalsamiert wurden.

Nicht immer werden tote Körper aber nur durch Menschenhand als Mumien konserviert. Manchmal verhindern außergewöhnliche Umweltbedingungen das verrotten der Körper. Zum Beispiel im Ewigen Eis der Pole oder auf Gebirgsgipfeln in großer Höhe werden Tote erhalten. Ötzi ist ein gutes Beispiel, der unter tauendem Gletschereis zum Vorschein kam. Immer wieder findet man auf den Gipfeln des Himalaya wieder gefrorene und vollkommen erhaltene Leichen von Bergsteigern, die einem Wetterumschwung zum Opfer fielen oder sich einfach nur überschätzt haben. Moorleichen dagegen werden durch das fehlen von Sauerstoff und die alles durchdringende Säure von Natur aus konserviert. Auch das andere Extrem, nämlich absolute Trockenheit und Hitze kann konservieren, wenn die Leiche schneller austrocknet, als sie verwesen kann. Diese Natürlich entstandenen Mumien nennt man „spontane mumien“ und man findet sie in ungewöhnlichen Umweltbedingungen überall auf der Welt.

Von Menschenhand konservierte Mumien gibt es noch bis in die Neuzeit. So liegt zum Beispiel in einem Mausoleum in Moskau neben dem Kreml der berühmte Revolutionsanführer und Vordenker Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, perfekt konserviert auf einem stets von frischen Blumen umgebenen Katafalk.

Eine halbnatürliche Mumie in der Atacama Wüste

 

In Asien gibt es viele antike, sehr gut erhaltene Mumien aus den verschiedenen Kaiserdynastien der chinesischen Geschichte. Immer wieder werden solche Mumien entdeckt. Seltsamerweise wurden in China aber auch mumifizierte Menschen gefunden, die eigentlich dort gar nicht hingehören. Die Ausgrabungen in der Taklamakan Wüste brachten eine Mumie nach der anderen ans Licht und mittlerweile sind es schon weit über Hundert solcher Mumien – die die Forscher völlig baff machten. Nein, es waren keine Aliens, die die Archäologen da ausgegraben haben, … sondern Kelten!

Niemand hätte gedacht, dass diese knochentrockene, höllenheiße Wüste in der Provinz Xinjan in Westchina die Ruhestätte für Hunderte von Kelten sein könnte, aber daran besteht kein Zweifel. Die Toten aus dem Tarim-Becken sind so gut erhalten, dass neben ihren biologischen Merkmalen wie Haare, Gesichtsschnitt und DNA auch Schmuck und Kleidung erhalten geblieben sind und sie eindeutig als Kelten identifiziert. Die Wissenschaft hatte noch nicht einmal eine Ahnung davon, daß es offensichtlich ein ganzer Stamm unserer Vorfahren aus unerfindlichen Gründen nach China verschlagen hat. Obwohl … der schwedische Asienforscher Sven Hedin hatte schon vor über hundert Jahren von europäisch aussehenden Mumien im Tarim-Becken berichtet …

Da es aber später so gut wie unmöglich wurde, nach China hineinzukommen, gerieten diese Berichte wieder in Vergessenheit.

The Taklamakan Desert

Nur Sand, Hitze und Trockenheit: Die Taklamakan Wüste im Westen Chinas

 

Der Sinologe Victor Mair von der Pennsylvania University in Philadelphia war in den 1980er Jahren aber in der Lage, wieder dorthin zu reisen. In der Hauptstadt der autonomen Provinz Xinjang, Urumqi, besuchte er das Museum – und fand dort einige der Mumien ausgestellt. Sie waren hochgewachsen, hellhäutig, hellhaarig mit den schmalen langen Nasen und langen Schädeln der Europäer. Doch wer waren sie? Und wie kamen sie dahin? Und wann war das? So langsam setzt sich das Puzzle zusammen, doch es ist noch lange nicht alles erforscht.

Die „schlafende Schönheit von Loulan“ wird diese Mumie genannt. Die Frau war zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 45 Jahre alt, hatte dickes, lockiges, kastanienbraunes Haar, das wie frischgekämmt aussieht, als Grabbeigaben hatte sie verschiedene Kämme und eine Feder, so wie Lebensmittelvorräte für ihr Leben im Jenseits.

 

Eine der recht bekannten Mumien unter den vielen ist zum Beispiel der Cherchen-Mann. Die Mumie muß ca 3000 Jahre alt sein.Sie weist typisch nordische Gesichtszüge auf. hohe Wangenknochen und eine typisch europäische, schmale, lange Nase, rote Haare und einen roten Bart. Der Mann war über 1,80 Meter groß, er trug eine Rote Tunika in Köperwebart, karierte Beinlinge, die eine Webart aufweisen, die typisch für die Kelten der Bronzezeit war. Seine Mumie wurde zusammen mit denen von drei Frauen und einem Baby gefunden. Alle Körper waren hervorragend konserviert, besser, als die meisten ägyptischen Mumien.

Der „Cherchen-Mann“ mit rötlichen Haaren, rötlichem Bart, heller Haut und eindeutig europäischen Genen. Auch seine Kleidung entspricht der der europäischen Kelten der Bronzezeit.

 

 

Eine der Frauen, die zusammen mit dem Cherchen-Mann gefunden wurden, hatte fülliges, hellbraunes Haar, das heute noch  für sein Alter erstaunlicherweise seinen Glanz bewahrt hat. Das Haar war tadellos gekämmt und geflochten. Alle Körper waren sorgsaam und liebevoll zurechtgemacht und bekleidet worden. Auch das Baby war in ein qualitativ hochwertiges, braunes Tuch eingewickelt und mit roter und blauer Schnur umwickelt. auf jedem seiner Augen war liebevoll ein blauer Stein plaziert worden, seine Milchflasche, die aus einem Schafseuter gefertigt war, lag sozusagen in Reichweite neben dem Kindchen. Anscheinend hatte es hier ein liebevolles Begräbnisritual gegeben.

 

Die Dame mit den Zöpfen trug, wie viele andere Mumien auch, Tatoos auf der Haut. Sehr oft auch ein Oval auf der Stirn, das viele als ein „Drittes Auge“ interpretieren. Rechts eine Computerrekonstruktion, die das Gesicht dieser Frau zeigt, wie es wahrscheinlich einmal ausgesehen haben mag.

 

Kunstvoll tätowierte Hand einer Mumie aus dem Tarim-Becken

Die Mumie eines Babys. Die Decke und die Kordeln haben nichts von ihrer Farbigkeit verloren. Das Kleine wurde liebevoll für seine letzte Reise zurechtgemacht, mit Milchflasche neben sich.

 

China versuchte die Funde erst als „Einzelindividuen“, die irgendwie durch Zufall dorthingekommen sein sollen, abzutun. Doch die schiere Menge der geborgenen Mumien sprach eindeutig dagegen. Das chinesische Selbstverständnis ging immer davon aus, dass China ein aus sich selbst entwickeltes und entstandenes Reich mit einer ganz aus sich selbst heraus entwickelten Kultur sei. Doch mittlerweile bemüht sich China um wissenschaftliche Erkenntnisse.

Wissenschaftler der Universität Changchun haben bei 20 Mumien aus der direkten Umgebung des heute trockengefallenen Nur-Sees DNA-Proben entnommen und diese unabhängig voneinander untersucht. Das Ergebnis: Die genetische Verbindung zum Europa der Bronzezeit ließ sich einwandfrei belegen. Alle männlichen DNA Proben stammten ausschließlich aus Europa, bei den Frauen gab es ebenfalls eindeutig europäische Frauen, aber auch eine Gruppe asiatisch-sibirischer Frauen.

Garn, Webtechnik, Farben und Musterung sowie Beigaben und Schmuck gleichen haargenau den bronzezeitlichenen Stoffen und Beigaben aus Österreich, Deutschland und den skandinavischen Ländern.

Eine fast schon lustige Besondeheit fand sich bei den Mumien: Sie hatten Käsestücke mit ins Grab bekommen, die an ihren Hälsen und Brutkörben befestigt waren. Der Chemiker Andrej Shevchenko des Max Planck-Insitutes von Dresden konnte die steinharte, gelbe Masse analysieren und fand heraus, dass es tatsächlich Käse war, der aus der Zeit von etwa 1980 v. Chr. stammt. Fast viertausend Jahre alter Käse … so etwas muß wirklich Würze entwickelt haben.

Die weiteren Funde aus dem Tarim-Becken scheinen ziemlich sicher zu belegen, dass es sich um eine Siedlung von Bauern gehandelt hat. Die Weizen- und Gerstenkörner, die im Zusammenhang mit den Mumien gefunden wurden, sind eindeutig westlichen, europäischen Ursprungs, was bedeutet, die Siedler müssen das Getreide mitgeführt haben. Wahrscheinlich sind sie über Generationen ostwärts gewandert und haben sich immer wieder eine Weile angesiedelt, bis sie hier ankamen. Auch die Ziegen und Schafe, die sie als Vieh hielten und deren Überreste im Tarim-Becken im Zusammenhang mit den Bestatteten ausgegraben wurden, sind westlichen Ursprungs. Die Kelten, die im chinesischen Tarim-Becken lebten, waren offensichtlich keltische Bauern.

Bei den Linguisten wird seit der Entdeckung der «europäischer» Mumien diskutiert, ob diese Menschen möglicherweise das geheimnisvolle «Tocharisch» sprachen: „Diese Sprache war erst im 19. Jahrhundert entdeckt worden, als europäische Forschungsreisende mit buddhistischen Manuskripten aus dem 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr. zurückkehrten, die sie in den Oasenklöstern im Tarim-Becken gefunden hatten. Die Sprache entpuppte sich als ausgestorbener Zweig des Indogermanischen, mit Anklängen ans Keltische, Italische und Anatolische. Sie wurde tocharisch genannt, da man sie mit den «Tocharoi» in Beziehung brachte, einem in Berichten des antiken Historikers Strabon (64 v. Chr. bis 23 n. Chr.) erwähnten Nomadenstamm, der im 2. Jahrhundert v. Chr. Baktrien erobert haben soll.“ 

 

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