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Digital Detox – Die erstaunlichen Effekte (m)eines „Handyfastens“

2. März 2020 | Allgemein | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Kultur | Kunst | Musik | Psychologie | Gesellschaft | connectiv.events

von Peter Andres, AC Blue Planet, Konstanz

Wer den einen oder anderen meiner bisherigen Aufsätze gelesen hat, weiß, dass ich sehr skeptisch bin, was „neue“ Krankheitsbilder und Störungen angeht. Das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders; American Psychological Association), quasi die Bibel der psychiatrischen Störungen, ist das beste Beispiel für viele willkürliche und empirisch nicht bewiesene Krankheiten, die alleine kraft Expertenabstimmung (!) ins Leben gerufen werden. Trotzdem ist nicht alles, was darin geschrieben steht, reine Erfindung. Manchmal fällt es sogar überaus leicht, eine neue Volkskrankheit mit bloßen Augen selbst zu diagnostizieren.

Smartphonesucht, die neueste Form sog. Mediensüchte, hat es als eigenständige Störung noch nicht in die DSM-Klassifikation geschafft. Aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass dies in der nächsten Ausgabe anders sein wird. Es gibt viel Forschungsbedarf, doch die bestehende Datenlage zeigt, dass wir es mit einem ernsthaften Problem zu tun haben.

Hier der Grund: Schon der „normale“ Smartphone-Nutzer greift täglich im Mittel zwischen 80 und 100 Mal zum elektronischen Begleiter. Die ca. 57 Millionen deutschen Smartphone-Besitzer benutzen es im Schnitt 3-4 Stunden am Tag. Laut Bundesärztekammer dient das Smartphone bei den Süchtigen der Flucht aus der Realität und dem Management der eigenen Gefühlslage. Sowohl Flucht (sog. Eskapismus) als auch die Gefühls-Management beruhten auf dem Wunsch, in eine imaginäre Welt einzutauchen und den realen Problemen des Alltags zu entfliehen. Die Betroffenen wollten ein subjektives Wohlbefinden hervorrufen, um Träume und Wünsche zu erfüllen.

Ob ein so geartetes tiefenpsychologisches Grundproblem allen Smartphone-Abhängigen eigen ist, ist streitbar. Fest steht, dass die psychologischen Nebenwirkungen der Smartphonesucht – von den medizinischen ganz zu schweigen – gravierend sein dürften. E gibt einen ganz einfachen Lackmus-Test, der zeigt, ob man süchtig nach dem Smartphone ist. Eine Sucht liegt vor, wenn es dem Betroffenen schwerfällt, sich das Problem der übermäßigen Nutzung des Smartphones einzugestehen. Wer diese rechtfertigt (rationalisiert), beschönigt oder verdrängt, ist wahrscheinlich betroffen.

Man wird sich der Sucht erst bewusst, wenn man auf den Gebrauch des Geräts verzichtet, also „handyfastet“. In der englischen Sprache hat sich der Begriff Digital Detox (digitales Entgiften) eingebürgert. Er wurde sogar in das Oxford English Dictionary aufgenommen. Ähnlich wie beim diätetischen Entgiften wird beim Digital Detox der Gebrauch elektronischer Geräte (TV, Computer, Internet, Smartphones etc.) eingeschränkt mit dem Ziel, sich vermehrt mit der realen Welt, sich selbst und der Natur zuzuwenden.

 

https://goldgrammy.de

 

Kurt Tucholsky sagte einmal, dass man Erfahrungen selbst machen müsste, da sie sich nicht vererbten. Da auch ich mir bei meinem intensiven Gebrauch des Smartphones nie und nimmer vorstellen konnte, dass ich „ohne“ sein könnte, trotzdem aber die Vorteile des teilweisen Verzichts einsah, entschloss ich mich, den Selbstversuch zu machen und einen festen Digital-Detox-Tag in der Woche einzuplanen.

Bereits am ersten Tag des Verzichts waren die Effekte so eindrücklich, dass mir die Vorteile des Handyfastens wie Schuppen aus den Augen fielen. Ich schaltete das Gerät auf Flugmodus, verzichtete aber sonst auf jeglichen Gebrauch. Der erste Effekt war eine deutliche Entschleunigung meiner Essgewohnheiten. Ohne Ablenkung von außen aß ich langsamer, bewusster und nahm die Gaumenfreuden viel intensiver wahr. Eine weitere Wirkung zeigte sich in der Interaktion mit meinen Mitmenschen. Ich war wesentlich aufmerksamer und „präsenter“, nahm meine Äußerungen und Signale und die meines Gegenübers viel bewusster war. Das hatte auch damit zu tun, dass meine Gedanken viel klarer waren und ich mich insgesamt deutlich zentrierter spürte. Und schließlich veränderte sich meine Wahrnehmung von Raum und Zeit. Der Tag schien plötzlich zwei, drei Stunden mehr zu haben, obwohl (oder gerade weil!) ich mich intensiver mit den Dingen des Alltags beschäftigte.

Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten. In meinem Fall musste ich ohne Smartphone manches Mal improvisieren bzw. wusste zunächst nicht, wie es ohne digitale Hilfe auch anders geht (z.B. ohne Navi). Dies war jedoch nur eine Bestätigung des massiven Wandels unserer Zeit, in den wir uns schleichend hineinbegeben haben – eine generelle Verweigerung der Errungenschaften der von vielen so benannten >>Digitalen Revolution<< wird eben zunehmend auch verunmöglicht bzw. erschwert.

Und genau das ist meine Erkenntnis: Trotz Wandel unserer Zeit, in der die virtuelle und digitale Welt immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist ein zeitweiser, bewusster Verzicht auf das Smartphone nicht nur möglich, sondern geradezu nötig. Zur Selbstzentrierung, zur Bewusstwerdung, zum Schutz.

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