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Bild: Pixabay, Sankt Andreas Kirche, Kiew

Flucht nach Österreich einzige Rettung? Fast 70 Journalisten in Ukraine getötet

2. Februar 2018 | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | Sputnik

Mit seiner spektakulären Flucht nach Österreich will Igor Guschwa (43) sein Leben gerettet haben. Aus Wien erhebt der Kiewer Journalist nun schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Eine lange Liste von Todesopfern zeigt, wie gefährlich Regierungskritiker in der unabhängigen Ukraine leben.

Für den Chefredakteur der regierungskritischen Onlinezeitung Strana.ru war die Flucht in die EU nach seiner eigenen Darstellung die einzige Möglichkeit, sein Leben zu retten: Er habe in der letzten Zeit wiederholt Morddrohungen erhalten. Die Polizei habe auf seine Anzeigen nicht reagiert.

„In der Ukraine kann ich nicht mit einem fairen Verfahren rechnen. Ich kann nicht damit rechnen, dass meine Rechte und Freiheiten verteidigt und mein Leben geschützt wird“, argumentiert der Chefredakteur. Er habe sich für Österreich als Zufluchtsort entschieden, „weil dieses Land neutral ist und keinem Militärblock angehört.“

Ob Österreich Guschwas Asylbegehren entsprechen wird, ist noch unklar. Die ukrainische Staatsanwaltschaft schloss bereits nicht aus, die Auslieferung des Journalisten zu fordern.

Präsident nennt seine Kritiker „Staatsfeinde“

Der Flüchtige behauptet: Der ukrainische Sicherheitsratschef Alexander Turtschinow habe einen fiktiven Prozess gegen ihn organisieren lassen, um ihn ins Gefängnis zu stecken. Staatschef Petro Poroschenko soll persönlich seinen Segen dafür gegeben haben.

Dieser Vorwurf scheint nicht völlig absurd zu sein: Präsident Poroschenko reagiert äußerst empfindlich auf Kritik, selbst dann, wenn sie von westlichen Medien kommt. Neun Monate nach seinem Wahlsieg hatte Poroschenko diejenigen Journalisten, die seine Entscheidungen kritisieren,  als „Staatsfeinde“ abgestempelt und den Geheimdienst SBU unmissverständlich beauftragt, gegen sie vorzugehen.

Regimekritiker leben gefährlich

Nach dem jüngsten Prozess gegen Reporter Wassili Murawizki, der bei Ausübung seines Berufes wegen Staatsverrat und Terrorismus angeklagt wurde, warnte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, dass kritische Massenmedien und Aktivisten in der heutigen Ukraine „ununterbrochen durch Regierung und paramilitärische Gruppen unter Druck gesetzt werden, die sie einschüchtern und mundtot machen wollen“.

In der Tat: Seit der Unabhängigkeit der Ukraine vor mehr als 26 Jahren sind in dieser ehemaligen Sowjetrepublik fast 70 Medienleute unnatürlichen Todes gestorben. Hier ist die Liste der spektakulärsten Anschläge, die am meisten Aufsehen erregten.

Wadim Bojko, gesprengt
Der 30-jährige Fernsehjournalist kommt am 14. Februar 1992 in seiner Wohnung in Kiew durch eine heftige Explosion und einen schweren Brand ums Leben. Der amtlichen Darstellung, der Fernseher sei explodiert, schenken Bojkos Kollegen keinen Glauben.

Georgi Gongadse, erwürgt
Der Gründer der oppositionellen Zeitung „Ukrainskaja Prawda“ wird am 16. September 2000 entführt. Einen Monat später wird die enthauptete Leiche des 31-Jährigen in einem Waldgebiet bei Kiew entdeckt. Ein hoher Mitarbeiter des Kiewer Innenministeriums bekennt sich zu der Tat, die vom damaligen Innenminister Juri Krawtschenko befohlen worden sein soll.

Igor Alexandrow, zu Tode geprügelt
Der 45-jährige Direktor der Fernsehgesellschaft Tor wird im Juli 2001 im eigenen Büro in Slawjansk mit Baseballschlägern zu Tode geschlagen. Alexandrow hatte zur Korruption recherchiert.

Korneljuk und Woloschin
Igor Korneljuk und Anton Woloschin kommen im Juni 2014 bei Lugansk ums Leben. Das Kiew-treue Nationalistenbataillon Ajdar soll das Fernsehteam aus Russland gezielt mit Minen beschossen haben.

Andrej Stenin
Der Fotokorrespondent kommt im August 2014 während eines Berufseinsatzes in der Ostukraine unter ungeklärten Umständen ums Leben. Nach russischen Angaben wurde der 33-Jährige durch den ukrainischen Geheimdienst SBU entführt. Die ukrainische Regierung bestreitet das.

Olga Moros
Die Chefredakteurin der Zeitung „Neteschinski Westnik“ wird am 15. März in ihrer Wohnung in der Stadt Neteschin mit gebrochenem Schädel tot aufgefunden. Aus der Wohnung verschwanden ein Notebook der Journalistin und Datenspeicher mit Recherchen.

Oles Busina
Der 45-jährige Buchautor, Journalist und TV-Moderator wird am 16. April 2015 vor seinem Haus in Kiew erschossen. Die beiden Tatverdächtigen werden Ende 2015 aus der Untersuchungshaft entlassen und unter Hausarrest gestellt.

Pawel Scheremet
Der namhafte Journalist wird am 20. Juni 2016 im Stadtkern von Kiew in seinem Auto in die Luft gesprengt. Der in Weißrussland geborene Scheremet war zuerst in Weißrussland und Russland als Journalist und Moderator tätig. 2011 zog er nach Kiew um, um für ukrainische Medien zu arbeiten.

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