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Bild von Andreas Lischka auf Pixabay

EPSTEIN SPECIAL: Fungierte Victoria’s Secret als Pipeline für junge Frauen? / Weitere Modehäuser und Pipeline aus Europa

22. August 2019 | Allgemein | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | connectiv.events

  • von Pierre Kranz
  • geschrieben am 01. August 2019

Im Jahr 2004 war Elisabetta Tai ein 21-jähriges italienisches Model mit großen Träumen.

Tai wuchs in Padua auf, eine kleine Gemeinde in der norditalienischen Region Veneto, nicht weit entfernt von Venedig.

Einen Monat nach ihrer Ankunft in Manhattan gab ihr ein Betreuer eine Adresse in der Upper East Side. Der Name dieses Mannes ist leider unbekannt. Er sagte zu Tai, er habe ein wichtiges Treffen mit einem Mann arrangiert, der eine große Einflusspersönlichkeit in der Modelszene sei.

Victoria’s Secret, gegründet 1977 von Roy Raymond, gehört zu den weltweiten Topadressen in der Modelbranche.

In einem Interview mit der New-York-Post erinnert sich Elisabetta Tai:

„Er sagte mir, dass dies eine der wichtigsten Personen im Modelbereich ist. Er sagte, dass dieser Mann für Victoria’s Secret verantwortlich ist und er mein Leben verändern kann.“

 

Epstein und Victoria’s Secret

Die Rede ist von Jeffrey Epstein. Wir erinnern uns. Epstein war ein langjähriger Weggefährte von Les Wexner. Der Milliardär aus Ohio ist Vorstandsvorsitzender von L Brands Corporation – der Muttergesellschaft von Victoria’s Secret. Als Wexner Ende der 80er Jahre auf der Suche nach einem neuen Finanzberater war, wurde er mit Epstein schnell fündig. Wann genau Wexner seinen Schützling als Finanzberater einstellte, ist nicht genau verifizierbar. Es muss im Zeitraum zwischen 1986 und 1989 gewesen sein.

Epstein begann Ende dieses Jahrzehnts mit der Verwaltung von Wexner’s Vermögen.

Das Vertrauen ins Epsteins Instinkten war derart ausgeprägt, dass er ihm die Vollmacht für sein Privatvermögen sowie seiner zahlreichen Stiftungen erteilte.

Nachdem 1992 die Mutter von Wexner erkrankte, die bis dahin Vorstandsmitglied der Wexner-Stiftung war, übernahm Epstein diesen Posten. Als Treuhänder der Wexner-Foundation war Epstein in alle finanziellen Angelegenheiten involviert, auch die Behandlung von Rechtsstreitigkeiten gehörte zu seinen Aufgaben.

Das New Yorker Anwesen, in dem Epstein seine Verbrechen begangen haben soll, wurde 1989 ursprünglich von Wexner für 13 Millionen Dollar gekauft. Nach einer Komplettrenovierung zog Wexner kurioserweise nie in sein Anwesen ein. Er bevorzugte sein Haus in Ohio, wo L Brands seinen Hauptsitz hat.

Im Jahr 2011, übertrug Wexner, mittels eines beiderseits vertrauten Treuhänders, die Immobilie auf die Firma Maple Incorporated, eine Gesellschaft mit Sitz auf den Jungferninseln der USA, welche unter Federführung von Epstein läuft. Das Überweisungsdokument von Nine East 71st Street Corporation an Maple Incorporated enthielt keinen gelisteten Kaufpreis, was darauf hindeutet, dass es keinen Geldfluss gegeben hat.

 

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 Der Fall Elisabetta Tai

Epstein veränderte schließlich Tai’s Leben, allerdings nicht nach ihren Erwartungen und Vorstellungen.

„Ich klingelte an der Türe dieser unglaublichen Villa und ein Butler öffnete. Es war atemberaubend. Es war ein sehr schönes Haus und ich sah etwa fünf Models herumlaufen, als ich hereinkam. Ich war so aufgeregt.“

Begrüßt wurde Tai von einer Frau mit kurzen schwarzen Haaren, die sie in Epsteins Büro führte. Die Frau war Ghislaine Maxwell, eine vermeintliche Mitverschwörerin, die nun immer häufiger als Komplizin genannt wird.

Maxwell wurde von drei Frauen, darunter Virginia Giuffre, in Gerichtsakten beschuldigt, junge Frauen kontaktiert und rekrutiert zu haben. Zwei von ihnen behaupten, auch von Maxwell selber sexuell missbraucht worden zu sein.

Angekommen im Büro von Epstein stellte er Fragen über ihren Hintergrund und zu ihrer Lebensgeschichte. Währenddessen bemerkte Tai eine Massageliege neben dem Schreibtisch.
Tai hatte in ihrem Heimatland einige Modeljobs, allerdings nichts Großes, bevor sie nach Manhattan kam, um sich vorzustellen.

Noch während sie davon erzählte, ging Epstein zur Massageliege und fing an, seine Kleidung auszuziehen.

„Ich dachte, er würde sich auf eine Massage vorbereiten und dass jemand in den Raum kommt, um ihm eine Massage zu geben.“

Stattdessen legte sich Epstein nackt auf den Tisch und bat Tai sich zu nähern. Allmählich geriet sie in Panik.

„Er reichte ihr dann einen Vibrator. Ich bin erstarrt und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich griff nach dem Vibrator und warf ihm diesen zu. Mir war nicht klar, ob ich ihn getroffen habe. Ich hatte einen Blackout und rannte so schnell ich konnte aus dem Raum. Ich war so verängstigt, dass ich nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte, um die Haustür in dem riesigen Haus zu finden.“

Beim hilflosen Herumirren in der Villa lief sie dann Maxwell in die Arme. Sie packte Tai und fragte sie mit zorniger Stimme was sie denn hier machen würde.

„Sie sagte mir, dass ich nicht einfach gehen kann. Sie sagte, dass dieser Mann wichtig ist, dass er ein Freund von Bill Clinton ist.“

Ihrem Betreuer in den USA erzählte Tai nie, welche Szenen sich in der Epstein-Villa abspielten.

„Ich hatte zu viel Angst, jemanden davon zu erzählen. Ich war zu schüchtern und hatte Angst, dass jemand nach mir suchen würde, um mich zu erpressen oder vielleicht sogar noch schlimmer.“

 

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Investigative Journalisten und Modelagenten auf der Spur

In ihrem Buch TrafficKing: Jeffrey Epstein human trafficking case – beschreibt Conchita Sarnoff, eine investigative Reporterin, dass Epstein seine Tätigkeit für Les Wexner und die damit einhergehenden Verbindungen zur Modelfirma genutzt habe, um junge Mädchen für seine sexuellen Bedürfnisse zu gewinnen.

Dieser Erkenntnis schließt sich auch ein ehemaliger Modelagent aus Manhattan an, der unter der Bedingung der Anonymität ebenfalls zur Behauptung gelangt – Victoria’s Secret diente als Pipeline für Epsteins Netzwerk.

„Epstein bot den Models eine Art Hintertürchen an, sollte es auf normalen Wege nichts mit der Modelkarriere werden. Einige dieser Mädchen bissen tatsächlich an. Er versprach ihnen Anzeigekampagnen in Katalogen oder Magazinen. Dadurch verdiene man zwar keine Hunderttausende, aber dennoch springen bei solchen Kampagnen etwa 5.000 Dollar die Woche raus. Nicht alle Mädchen, die zu ihm geschickt wurden, bekamen einen Job, aber viele von ihnen schon.“

Wurde Tai also auch auf diese Weise zu Epstein „geschickt“?

Verängstigt kehrte Tai in ihre Heimat Italien zurück. Aus Angst vor Repressalien ging sie all die Jahre nie zur Polizei, aus Angst vor Einschüchterungen, aus einer tiefen Sorge heraus, ihre junge Modelkarriere dadurch irreparabel gefährden zu können.

Nun, nachdem Epstein Anfang Juli verhaftet wurde, ist sie nun bereit über die Geschehnisse in der Öffentlichkeit zu sprechen.

„Ich finde es schrecklich, einfach nur schrecklich, was er mir angetan hat und was er diesen Mädchen angetan hat. Es ist einfach nicht richtig, besonders bei einem jungen Mädchen. Diese Erfahrung hat mein Leben nachhaltig verändert. Es war schockierend zu erkennen, dass… wenn ich in Amerika Model sein wollte, von mir erwartet wurde, als Prostituierte zu arbeiten.“

 

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Maria Farmer und Alicia Arden

Auch die New York Times berichtet, Epstein habe sich während seiner Zeit bei Les Wexner als Rekrutierer für den Katalog der Dessousmarke ausgegeben. So behauptet das Model Maria Farmer, im Jahr 1996 von Epstein in Wexners Ohio-Villa sexuell missbraucht worden zu sein. Farmer habe vergeblich versucht die Polizei zu rufen und wurde dann 12 Stunden lang in der Villa festgehalten, ehe sie nach Hause gehen durfte.

Nicht einmal ein Jahr nach dem Vorfall mit Farmer soll Epstein ein anderes Modell, Alicia Arden, in seinem Hotelzimmer in Santa Monica angegriffen haben. Eine Woche später gab sie ihre Erlebnisse bei der Polizei zu Protokoll.

„Warum sollte jemand, der so mächtig und erfolgreich ist wie Wexner, sich mit jemandem wie Jeffrey Epstein anfreunden. Ich verstehe es nicht.“

 Ein Sprecher von L Brands sagte der New York Times in einer Stellungnahme:

„Während des gesamten Zeitraums, welches vor fast 12 Jahren endete, war Epstein lediglich als persönlicher Vermögensverwalter von Herrn Wexner tätig. Niemals war er gesellschaftlicher Vertreter von L Brands oder autorisierter Rekrutierer für unsere Dessousmarkte.“

Wie wir sehen, begeben sich immer mehr mutmaßliche Opfer in das Licht der Öffentlichkeit. Sicher ist, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist, die Spitze eines Spinnennetzes unglaublichen Ausmaßes. Tagtäglich kommen neue Enthüllungen und Informationen ans Licht, was es unglaublich schwer macht, all diese Nachrichten zu erfassen und zu verarbeiten. Wenn Sie, liebe Leser, spannende Informationen haben, die uns vielleicht entgangen sind, können Sie diese gerne mit uns teilen. Wir bleiben dran!

 

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Weitere Modehäuser und Pipeline aus Europa

Skandale, Kontroversen, Verwerfungen… Es läuft nicht gut für das Modehaus Victoria’s Secret.

Der Dessous-Einzelhändler hat ohnehin ein Problem mit Vergangenheitsbewältigung und jetzt kommt auch noch Jeffrey Epstein hinzu. Seit 2015 hat Wexner’s Dessous-Imperium 20 Milliarden Dollar an Marktwert verloren.

Geschichte sollte er sein, längst Geschichte, bloß noch ein dunkler und mit der Zeit verblasster Fleck auf dem Revers der Modemarke. Doch egal mit wie viel Grad man versucht, diesen Fleck reinzuwaschen, es gelingt nicht, Epstein wirkt noch immer nach, wie eine omnipresente Geistererscheinung, ein Elefant im Porzellanladen.

Zwei Jahrzehnte war der Finanzmanager engster Vertrauter und rechte Hand des Vorstandsvorsitzenden Les Wexner. Bestens betraut mit allen Finanzaktivitäten erhielt Epstein sogar Prokura bei L Brands, der Muttergesellschaft von Victoria’s Secret.

 

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Models in der Manhattan-Villa

Zwar war er kein direkter Mitarbeiter von Victoria’s Secret, dennoch übte er großen Einfluss auf das Dessous-Unternehmen aus. So arbeitete er lange Zeit mit Chief Marketing Officer Edward Razek zusammen. Razek, ein älterer Mann aus den 40ern, gilt als echtes Schwergewicht in der Branche. Größen wie Heidi Klum, Daniela Pestova oder Tyra Banks verhalf er auf ihrer Karriereleiter stetig nach oben.

Freundschaftlich waren Epstein und Razek auch verbunden. 2005 etwa war Razek zum Beispiel Gast in Epsteins berüchtigter Manhattan-Villa. Begrüßt von jungen Frauen, die seinerzeit für Epstein arbeiteten – wir erinner uns, Epstein lockte junge Models unter falschen Vorsätzen regelmäßig zu sich nach Hause ein – erzählte er einem Mitgast von den bizarren Praktiken.

„Er erzählte mir, dass diese Models, die für Epstein arbeiteten, auch von Victoria’s Secret verwendet werden. Ferner erzählte er, die Mädchen seinen alle in der Major-League.“

Dieser Gast trägt den Namen William Mook. Mook ist Leiter von Mok Industries LLC in Ohio, eine Firma für Bergbau- und Metallverarbeitung. Bergbau… Das könnte noch interessant werden, denn Drohnenaufnahmen auf Epstein-Island zeigen unterirdische Luftschutzbunkeranlagen. Ob Mok Industries in dem Bau involviert war, kann indes nicht bewiesen werden.

Drei Aufnahmen habe ich hier und hier und hier für Sie verlinkt.

Epsteins Zusammenarbeit mit Wexner und L Brands endete offiziell im Jahr 2007, anderthalb Jahre nachdem der Milliardär in mehreren Fällen von sexuellem Missbrauch in Florida angeklagt wurde.

 

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Jean-Luc Brunel und die Pipeline aus Europa

 Sie sind bizarr und verstörend. Botschaften, Notizen, die im Zuge von Ermittlungen im Oktober 2005 in Epsteins Villa gefunden wurden. Sie geben einen düsteren Einblick in die Welt und Gedanken eines Pädophilen.

2005 war Epstein akribisch auf der Suche nach besonders jungen Mädchen. Gerichtsdokumente zeigen, wie Brunel ihm unterstützend zur Seite stand. Zwei 8-jährige Mädchen sollten unter dem Vorwand Russischunterricht zu geben in die USA reisen. In einem durch die Ermittlungsbehörden beschlagnahmten Notizblock aus Epsteins Villa, sind zahlreiche Nachrichten dokumentiert, die für Epstein notiert und ihm daraufhin zugetragen wurden, darunter auch eine von Brunel. Die erste Nachricht stammt vom 1. April 2005.

„Er (also Brunel) hat zwei Lehrerinnen für dich, die dir russisch beibringen können. Sie sind beide

8 Jahre alt und nicht blond. Der Unterricht ist kostenlos und du kannst heute die 1. haben, wenn du zurückrufst.“ 

Ein Foto jener Notiz habe ich hier für Sie verlinkt.

Die besagten Notizen wurden als Beweismittel gegen Epstein von Anwalt Bradley Edwards vorgelegt, der seit 2008 mutmaßliche Opfer von Epstein juristisch vertritt. Ein Gericht, was sich auf die Nachrichten bezog, sagte in einem Prozess:

„In Anbetracht der Umstände des Falles deutete diese Nachricht an Edwards darauf hin, dass Brunel zwei achtjährige Mädchen für Epstein zum sexuellen Missbrauch vermittelt haben könnte.“

Edwards ist einer der Anwälte, der auch die bereits bekannte Virginia Giuffre vertritt. Diese sagte laut Gerichtsakten aus:

„Brunel hat junge Mädchen im Alter von bis zu 12 Jahren in die Vereinigten Staaten bringen lassen, um sie an seine Freunde, insbesondere Epstein, vermitteln zu können. Er bietet ihnen einen Job als Model an. Viele dieser Mädchen kamen aus armen Verhältnissen und so lockte er sie mit dem Versprechen, gutes Geld zu verdienen.“ 

 

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MC2 Model Management

Laut einer Aussage unter Eid eines ehemaligen Buchhalters von der Firma MC2 Model Management, investierte Epstein eine Millionen Dollar in das Unternehmen. MC2 arbeitet eng mit dem amerikanischen Modeunternehmen Victoria’s Secret zusammen.

Inhaber von MC2 ist der bereits erwähnte Jean-Luc Brunel. Brunel ist kein unbeschriebenes Blatt, denn auch er wurde in einer Zivilklage von Virginia Giuffre beschuldigt, Drahtzieher im verworrenen Sumpf des Missbrauchsnetzwerk gewesen zu sein.

Im wurde zu Last gelegt, Mädchen im Alter von höchstens 12 Jahren zu sexuellen Zwecken in die USA geschleust zu haben, um diese Epstein zur Verfügung zu stellen. Während der Inhaftierung von Epstein 2008, besuchte ihn Brunel im Gefängnis.

Mehr noch; nach der Inhaftierung und der darauf folgenden Distanzierung von Epsteins seitens Wexner, arbeiteten die beiden Unternehmen weiterhin zusammen. Mindestens drei MC2-Models traten 2015 bei einer Modeschau von Victoria’s Secret auf und posierten zudem für ihre Kataloge und Website.

MC2 hat auf eine Anfrage nach einem Kommentar nicht reagiert. Ein Vertreter von L Brands weigerte sich, über die bereits abgegebenen Aussagen hinaus Stellung zu nehmen.

 

https://baden.jungbrunnen.tips

 

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