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Gepanscht und verfälscht: Der große Honigschwindel

11. März 2018 | Autarkie | Freies Leben | Gesundheit | Ernährung | Natur | Umwelt | kurier.at

China überschwemmt den Weltmarkt mit gefälschtem Honig. Er dürfte auch in Österreich landen. Die Folgen können fatal sein.

„Sie lachen uns ins Gesicht“, sagt Norberto Garcia. Seit Jahren kämpft er gegen einen übermächtigen Feind, und er weiß: Es sieht nicht gut aus. Es geht nicht nur um ihn und um seine Branche. Es geht um alles. Und er fürchtet: „Wir können diesen Krieg nicht gewinnen.“ In die Schlacht wirft er sich trotzdem. Selbst wenn er dafür nach Premstätten bei Graz muss.

Frostige Stimmung in der Mehrzweckhalle

Mehrzweckhallen strahlen grundsätzlich etwas Tristes aus. Jene des Schwarzl-Freizeitzentrums in Premstätten ist keine Ausnahme. Trotz der Stoffbienen, die überall herumstehen. Auf der „Beecome“ treffen sich alljährlich Imker aus ganz Europa, Ende Februar fand sie in Österreich statt. Es ist kalt in der Halle, draußen ist es noch kälter und die Stimmung unter den Imkern ist frostig. Die Vorträge auf der „Beecome“ heuer heißen: „Der Wachsskandal“ oder „Varroamilben als Überträger des Flügelverkrüppelungsvirus“. Der Vortrag „Zukunft Biene“ klingt optimistischer, befasst sich aber hauptsächlich mit einer laufenden Studie über die Wintersterblichkeit von Bienenvölkern unter Österreichs Imkern. „Bitte schicken Sie ihre Zahlen erst ein, wenn wirklich alle Bienen tot sind“, sagt der Vortragende.

Die heimischen Imker leiden immer noch unter dem Bienensterben, auch wenn es weitgehend aus den Medien verschwunden ist. „Der Wachsskandal“ handelt davon, dass im Imkereibedarf erhältliches Bienenwachs immer öfter mit Stearin versetzt ist, das Bienen tötet. Aber das ist alles noch nicht der Krieg, den der Argentinier Norberto Garcia führt, seines Zeichens Präsident der Internationalen Organisation der Honigexporteure.

Das Problem beginnt mit einem Satz, der selbstverständlich klingt: Wer im Supermarkt zu Honig greift, geht davon aus, dass er Honig kauft. Honig, das ist laut der österreichischen Honigverordnung „der natursüße Stoff, der von Bienen erzeugt wird“. Es wird ihm nichts zugesetzt, es wird nichts entnommen. So war es seit Jahrtausenden, die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch. Honig war der erste Süßstoff, den der Mensch entdeckte; schon rund 10.000 Jahre alte Höhlenmalereien in Spanien zeigen Honigjäger. Aber bald könnte die Ära des echten Honigs vorbei sein.

Die Analysen erwischen oft die falschen

Falscher Honig im ganz großen Maßstab überschwemmt den Weltmarkt, sagt Honig-Exporteur Garcia – und zerstört seine gesamte Branche. In der EU ist Honig auf Platz 6 der gefälschten Lebensmittel, 1,4 von zehn Honigproben sind laut EU-Analyse verfälscht. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat im Jahr 2016 von 538 Proben 18 wegen eines Verstoßes gegen die Honigverordnung beanstandet.

Aber das Problem ist viel größer als diese Zahlen glauben lassen, sagen die Experten. Die meisten Verfälschungen würden nicht erkannt, sagt Walter Haefeker, der Präsident der Europäischen Erwerbsimker. Auch er warnt seit Jahren vor gefälschtem Honig und den Auswirkungen auf seine Branche. Er glaubt, dass die beanstandeten Proben sogar oft die falschen treffen: „Es gibt kommerziell motivierte und unbeabsichtigte Fälschungen. Durch den Klimawandel und extremes Wetter kommt es vor, dass Bienen fast verhungern und vom Imker zusätzlich gefüttert werden müssen – was den Honig verfälscht.“

Der Unterschied ist: Kommerzielle Fälscher wissen genau, wie sie Honiglabore austricksen können. Zwischen Honigfälschern und Honiganalysten gäbe es ein „Wettrüsten“, sagt Stephan Schwarzinger, der sich an der Universität Bayreuth mit Lebensmittelanalytik beschäftigt. „Wir haben ein ähnliches Problem wie die Dopingjäger: Die wissen nicht, mit welcher Substanz Athleten versuchen, ihre Leistung zu steigern, und wir wissen nicht, mit welchen Substanzen genau gestreckt wird“, sagt er. „Es gibt so viele verschiedene Sirupe, die beigesetzt werden könnten, dass man nie weiß, wonach man suchen muss“, sagt er.

Abhilfe schafft die 2015 eingeführte NMR-Analyse: Die Inhaltsstoffe des Honigs werden quantitativ erfasst und können individuell identifiziert werden. Es wurde zudem eine Datenbank an authentischen Honigprofilen erstellt –  Schwarzinger nennt diese Profile den „Fingerabdruck eines Honigs“. Mit dieser Datenbank werden neue Proben abgeglichen. Laut AGES wird die NMR-Analyse in Österreich nur bei Verdachtsfällen angewandt.

China: Dreh- und Angelpunkt der Ungewöhnlichkeiten

Selbst die Labore, die eigentlich Verunreinigungen im Honig aufspüren sollten, stehen in den Diensten der Fälscher; wenn auch unfreiwillig: „Plötzlich bekam ich also zwanzig Honigproben“, erzählt Etienne Bruneau, der ein Analyselabor in Belgien betreibt. „Man hat angesichts der Proben sehr schön gesehen, dass sie das Labor testen wollten.“ Die Fälscher versuchen herauszufinden, was von den Laboren erkannt wird und was nicht, indem sie selbst Proben hinschicken und analysieren lassen. „Sie fragen auch immer nach, was an der Probe auffällig war. Bei der nächsten Probe, die sie schicken, ist die Auffälligkeit nicht mehr da.“ Bruneau huscht ein verschmitzter Grinser über das Gesicht: „Ich sage ihnen nie die ganze Wahrheit.“

Norberto Garcia braucht gar keine Labore, um den Honigfälschern auf die Spur zu kommen. Seine Waffen sind Zahlen und Datenströme. „Wenn man sich die Evolution der Importe und Exporte anschaut, sieht man sofort, wenn etwas Ungewöhnliches passiert“, sagt Garcia. Und: „Es sind in den vergangenen Jahren viele ungewöhnliche Dinge passiert.“ Der Dreh- und Angelpunkt aller dieser Ungewöhnlichkeiten ist China, der größte Honigproduzent der Welt. Mit 474.000 Tonnen produziertem Honig dominiert das Land den Markt, die gesamte EU-Produktion lag bei 161.000 Tonnen, die Türkei war mit 81.000 Tonnen auf dem dritten Platz.

Der moderne Bienenstock besteht aus Stahlrohren

Das liegt nicht daran, dass die chinesischen Bienen besonders fleißig sind. Der moderne chinesische Bienenstock besteht nicht mehr aus Waben, sondern aus Stahlrohren. Chinesische Honigfabriken sehen aus wie Brauereien, erzählt Walter Haefeker, der eine dieser Fabriken besuchte. Dorthin wird der frisch von den Bienen geerntete Nektar geliefert. Bei echtem Honig wird der Nektar von mehreren Bienen in den Stöcken aufgesaugt, ausgespuckt und weitertransportiert.

Dass Honig eine heilende Wirkung nachgesagt wird, liegt an den Enzymen, die während dieses Prozesses zugesetzt werden. „Der Nektar hat einen Wassergehalt von rund 80 Prozent. Der Idealwert für fertigen Honig sollte bei 18 Prozent sein“, erzählt Haefeker. In den Honigfabriken wird der Nektar industriell zu Honig verarbeitet, dort findet der Prozess der Trocknung und Reifung statt. Das daraus resultierende Produkt ist nicht gesundheitsgefährdend, aber es fehlen alle positiven Eigenschaften, die dem Honig zugeschrieben werden.

Nicht nur das, der Honig wird oft gestreckt mit Reissirup, um ein Vielfaches billiger als Honig. In rauen Mengen, abertausenden Tonnen, wird in diesen Fabriken Honig gefälscht und in alle Welt exportiert. Die massenhaften Fälschungen passieren kaum verdeckt: Wer einfach nach „Rice syrup pass“ googelt, kann beim chinesischen Amazon-Pendant alibaba.com Reissirup bestellen, das damit beworben wird, dass es bei einer konventionellen Honiganalyse nicht erkannt wird. Auch ein „Honey Vaccum Concentrator“ ist dort frei erhältlich, das ist jenes Stahlkonstrukt, das die Biene ersetzt.

Während die NMR-Methode mit Sirup gestreckten Honig aktuell zuverlässig erkennt, ist unreif geernteter Honig auch mit NMR-Analyse „noch nicht einfach eindeutig nachweisbar, aber sie kann uns bereits einen Fingerzeig geben,“, sagt Stephan Schwarzinger, der intensiv an dieser Problematik forscht.

Honig unter falscher Flagge

Für Norberto Garcia fängt die Detektivarbeit mit dem Wissen um falschen chinesischen Honig erst an. Denn auf chinesischem Honig steht nicht unbedingt dieses Label. Die USA haben Honig aus China mit Strafzöllen belegt, seitdem steigen dort die Importe aus anderen asiatischen Ländern sprunghaft an. Das Schema ist immer dasselbe: China exportiert beispielsweise nach Thailand, und plötzlich exportiert Thailand Honig in ungeahnten Mengen – unter falscher, thailändischer Flagge.

Zwischen 2007 und 2016 haben sich die Honigexporte aus China, der Ukraine, Vietnam, Thailand und Indien von 2007 bis 2016 fast verdreifacht; sie stiegen von 89.500 Tonnen auf 270.000 Tonnen. Es sind neben China jene Länder, über die laut Garcia gefälschter Honig verschifft wird. Seit die Ukraine einen Handelsdeal mit der EU abgeschlossen hat, wurde auch von dort plötzlich Honig in die EU exportiert. Bei einem Naturprodukt wie Honig, just in den Jahren des großen Bienensterbens, ist ein solcher Anstieg der Produktion unmöglich – würde der Honig auf natürlichem Wege produziert werden.  Die Fälscher gehen dabei so raffiniert vor, dass dem Honig die Pollen – die auf die Herkunft hinweisen würden – entzogen und Pollen aus einem anderen Land zugesetzt werden.

Und in Österreich? Blicken wir zurück ins Jahr 2007: Aus China wurden 88 Tonnen Honig importiert, aus der Ukraine 69 Tonnen und aus Thailand gar keiner. Zehn Jahre später ist das Bild ein komplett anderes: Die Importe auf China sind auf 590 Tonnen angewachsen, jene aus der Ukraine auf 995 Tonnen und aus Thailand wurden 158 Tonnen eingeführt. Grundsätzlich liegen die Importe über die Jahre großen Schwankungen – nach den vorläufigen Zahlen dürften die Importe aus China im Jahr 2017 stark zurückgehen, dafür wurden 2015 fast 545 Tonnen Honig aus Thailand importiert. Aber der Trend zu Importen aus problematischen Herkunftsländern ist eindeutig. Zudem: Dass Honig aus Deutschland importiert wird, heißt nicht, dass es deutscher Honig ist – sondern nur, dass er aus Deutschland eingeführt wurde.

Billig heißt oft: gefälscht

Heißt das also, dass auch in Österreich gefälschter Honig erhältlich ist? Diese Frage ist zwar nicht definitiv zu beantworten, aber alle Indizien deuten darauf hin. Walter Haefeker formuliert es so: „Wer im Supermarkt teuren Honig kauft, kann sich nicht sicher sein, echten Honig zu bekommen. Wer sehr billigen Honig kauft, kann sich fast sicher sein, dass er verfälscht ist. Auch wenn er bestimmte Tests besteht.“

In den Supermärkten sind drei Herkunftsbezeichnungen finden: „Honig aus Österreich“, sowie „Mischung von Honig aus EU-Ländern“ und „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Wer Honig aus Österreich oder der EU kauft, kann darauf vertrauen,  diesen zu bekommen. Aber letztere Kennzeichnung heißt nur, „dass der Honig nicht vom Mars kommt“, sagt Walter Haefeker. Wer Honig aus Chile, aber nicht aus China kaufen will, kann diese Entscheidung als Konsument nicht treffen. Die Herkunftsbezeichnungen sind per EU-Richtlinie geregelt – allerdings hätte jedes Mitgliedsland und jeder Konzern die Möglichkeit, eine exaktere Herkunft anzugeben.

Warum das nicht passiert? „Konkreter kann man hier nicht werden, weil sich die Herkunft der gewünschten Qualität von Jahr zu Jahr ändern kann“, sagt beispielsweise Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann; Hofer argumentiert ähnlich. Wahrscheinlich ist das nicht die ganze Wahrheit: „Ich war in Südafrika, da stehen auf jedem Etikett alle Herkunftsländer“, sagt Walter Haefeker. Das zusätzliche Problem sei: „Je mehr der Honig gemischt ist, desto schwieriger sind Fälschungen zu erkennen“, sagt Schwarzinger. Anfang März verabschiedete auch das EU-Parlament eine Resolution, in der eine bessere Kennzeichnung gefordert wird – und härtere Strafen für Fälscher.

Woher der Honig in Österreichs Supermärkten kommt

Lediglich zwölf Prozent des von Hofer verkauften Honigs stammt nach Angaben des Konzerns aus Österreich; bei den Herkunftsländern ist China zwar nicht zu finden, dafür die Ukraine, Thailand und Vietnam. Hofer gibt aber an, seinen Honig nach der NMR-Methode zu testen, die Verfälschungen durch Reissirup zuverlässig entdeckt. Rewe – zu dem Konzern gehören Billa und Merkur – verwendet bei seinen Eigenmarken zu 46 Prozent österreichischen Honig, macht aber keine Angaben, woher der ausländische Honig kommt, weil die Herkunft „von der aktuellen Rohstoffsituation und Ernte abhängt“.

Auch Spar ist wenig auskunftsfreudig, was die Herkunft des Honigs bei ihren Eigenmarken angeht: Die Fragen, welchen Anteil österreichischer Honig hat und aus welchen Ländern der nicht-österreichische Honig kommt, bleiben seitens Spar unbeantwortet. Nur so viel: „Der Honig unter den Spar-Eigenmarken unterliegt natürlich einer genauen Qualitätskontrolle.“ Bei Rewe werden alle Eigenmarken „mindestens einmal im Jahr von einem akkreditierten Prüfinstitut kontrolliert“.

Wie gut diese wirklich ist, ist für den Konsumenten nicht nachvollziehbar. „Jeder in der Branche weiß, wie dieser Honig produziert wird“, sagt Haefeker. Und deshalb gibt es bei Kontrollen zwei Möglichkeiten: „Wer mit Honiglaboren spricht, hört oft, dass die Supermärkte nicht herausfinden wollen, ob sie betrogen werden. Sie wollen wissen, ob der Honig amtliche Lebensmittelkontrollen bestehen wird“, sagt er. Es ist wichtig anzumerken, dass es sich hier um eine allgemeine Anmerkung Haefekers und keinen konkreten Vorwurf an österreichische Supermärkte handelt.

Fakt ist: Problematischer Honig wird nach Österreich importiert und für den Konsumenten ist oft nicht nachvollziehbar, woher der Honig in den Supermarktregalen stammt. Für Honig, der beispielsweise in Lebkuchen oder Fruchtsäften verarbeitet wird, gilt dasselbe.

Der verfälschte Honig ist natürlich weit billiger als echter; und der Preis des chinesischen Honigs ist ein weiteres Indiz dafür, dass wohl nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Ein Kilo Honig, das die EU nach China exportierte, hatte im Jahr 2017 einen durchschnittlichen Preis von 5,23 Euro. Ein Kilo Honig, das aus China in die EU importiert wurde, kostet 1,51 Euro – also ungefähr ein Viertel. „Jeder Einkäufer weiß, dass aus China problematische Honige kommen und es muss ihnen klar sein, dass es kein authentisches Produkt mehr sein kann, wenn es einen gewissen Preis unterschreitet“, sagt Schwarzinger.

Der Effekt: Was als Honig verkauft wird, ohne Honig zu sein, drückt die Preise für alle jene, die Honig authentisch erzeugen. Norberto Garcia schätzt den jährlichen Schaden durch verfälschten Honig für ehrliche Imker auf 600 Millionen Euro. In den USA ist der Verkauf von Honig für viele Imker nur noch ein Nebenerwerb. Sie schicken ihre Bienenvölker Frühjahr für Frühjahr nach Kalifornien, wo 400.000 Hektar Mandelbäume stehen. Imker aus den gesamten Vereinigten Staaten sichern ihren Lebensunterhalt damit, dass ihre Bienen diese Mandelbäume bestäuben. „Absolut verrückt“ sei das, sagt Garcia. „Das stresst die Bienen so sehr, dass diesen Winter in den USA bereits 40 Prozent der Bienen gestorben sind.“ Das endet in einem Teufelskreislauf: Die Bienen werden immer weniger, und die US-Amerikaner damit immer abhängiger von importiertem Honig – oftmals falschem Honig.

Österreich produziert zu wenig Honig

Stefan Mandl, er vertritt als Präsident der Österreichischen Erwerbsimker seine rund 1000 Berufskollegen, will trotzdem nicht in Krisenstimmung verfallen. Nicht dass er das Problem ignorieren würde – er hat Norberto Garcia zur „Beecome“ eingeladen und sagt auf der Bühne scherzhaft, dass seine heimischen Imker „eine Watschn“ bekommen würden, sollten sie mit solchen Methoden arbeiten. Aber Mandl vertraut auf den Konsumenten und glaubt, dass das Problem im Land zu lösen wäre.

Die Sache ist für ihn ganz simpel: „Honig ist eines der wenigen landwirtschaftlichen Produkte, bei dem wir keinen Überschuss produzieren“, sagt er. Im Gegenteil: Der Selbstversorgungsgrad bei Honig liege bei rund 50 Prozent. „Das ist schade, denn von den Voraussetzungen her könnten wir uns selbst versorgen – wir könnten zehn Mal so viele Bienenvölker haben.“

Die heimischen Konsumenten müssten zwangsweise zu importiertem Honig greifen, weil es nicht genug österreichischen gibt. „Der Honig, der Ihnen schmeckt – das ist in der Regel der Honig aus ihrer Region“, sagt Mandl. „Weil wir geprägt sind auf die Geschmäcker und Gerüche aus unserer Kindheit, dazu gibt es auch Untersuchungen.“ Der höhere Preis würde da keine Rolle spielen. Die Österreicher konsumieren pro Jahr etwa 1,4 Kilogramm Honig, also rund drei Halblitergläser. „Da ist es komplett egal, was der kostet.“

Es geht um alles

Trotz Mandls Optimismus sind Imker durch die Entwicklungen der vergangenen Jahre aber in einer schwierigen Lage: Sie leiden unter dem billigen, gepanschten Honig. Aber sie haben auch Angst, dass der Schwindel publik wird. Schlagen sie Alarm, könnte das Image des Honigs insgesamt darunter leiden. „Viele Imker sagen ‚Wenn wir damit an die Medien gehen, kauft niemand mehr Honig‘“, erzählt Norberto Garcia. Deshalb führt er seinen Kampf oft alleine, „manchmal fühle ich mich wie Don Quixote“, sagt er. Der Betrug am Konsumenten, der Schaden für Imker, der drohende Imageverlust für den Honig – all das sei schlimm. Aber nicht das Schlimmste.

„Der ökonomische Schaden ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Garcia. Aber wenn Imker nicht mehr überleben können, werden die Bienen weniger. Werden die Bienen weniger, bleiben Pflanzen unbestäubt. Wenn die Pflanzen unbestäubt bleiben, leidet die Biodiversität, der gesamte ökologische Kreislauf. Sterben Tiere und Pflanzen aus. Deshalb geht es bei dem Kampf, den Garcia führt, nicht nur um den Honig. Es geht um alles.

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