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Gewalt in der Geburtshilfe – Das erschreckende Ausmaß

11. November 2017 | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Hebammenwissen

Gewalt in der Geburtshilfe klingt wie ein Widerspruch in sich. Es wird doch niemand Frauen während der Geburt Gewalt zufügen – was soll man sich darunter vorstellen?

Viele Frauen erleben eine geringschätzige und missbräuchliche Behandlung während der Geburt. Sie erfahren psychische, physische und sexualisierte Gewalt. In einem Moment, wo sie besonders schutzbedürftig und verletzlich sind und auf die positive Unterstützung der Betreuungsperson angewiesen sind.
Ernst genommen werden diese Erfahrungen der betroffenen Frauen kaum – Gewalterfahrungen sind einerseits ein Tabuthema an sich. Darüber hinaus scheint allein das Ergebnis – das gesunde Kind, zu zählen – die Mutter ist eine Nebenerscheinung.

Formen von Gewalt während der Geburt

Zu Gewaltpraktiken und Gewalterfahrungen in der Geburtshilfe werden bisher keine offiziellen Daten erhoben. Nach Einschätzungen sind jedoch bis zu 50% aller Gebärenden von gewaltsamen Geburtserfahrungen betroffen.
Vor allem die Umstände und die Art der Behandlung sind dabei entscheidend, ob oder inwieweit das Vorgehen als missbräuchlich, verletzend oder gewaltsam wahrgenommen wird. Wird die Gebärende in einer schwierigen oder schmerzhaften Situation nicht ernst genommen und informiert, sondern übergangen, ignoriert oder belächelt, macht das aus der selben Situation eine ganz andere Erfahrung.

Gewalt in der Geburtshilfe hat viele Formen. Sie beinhaltet unter anderem in grober Art oder ohne Absprache und ausdrückliche Einwilligung vorgenommene Untersuchungen oder medizinische Eingriffe während des Geburtsverlaufs, die wie eine Vergewaltigung wahrgenommen werden.
Die massive Verletzung der Selbstbestimmung der Frau, Machtmissbrauch, wenn eine oder mehrere Personen die Schwangere gegen ihren Willen festhalten, die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch vorgesetzte Positionen während der Wehen und der Geburt, die Vernachlässigung der Frau während der Geburt, Drohungen, Bevormundung, Demütigung und verbale Beleidigung, die starke Verletzung der Intimsphäre.

Das beginnt mit abwertenden Äußerungen der Gebärenden gegenüber, sie solle sich nicht so anstellen, so leicht wie das Kind reinkommt, kommt es eben nicht wieder raus. Die Frau, die zum Liegen gezwungen wird – obwohl sie sich lieber bewegen oder eine andere Position einnehmen will. All die ungefragten, unangekündigten und groben vaginale Untersuchungen und Dehnungen am Muttermund. Wenn der Arzt sich plötzlich ohne Vorwarnung mit seinem ganzen Körpergewicht auf den Bauch der Frau wirft, um eine Wehe zu unterstützen. Der Einsatz von Zange oder Saugglocke, weil der Assistenzarzt noch diesen Eingriff braucht.
Es bedeutet, dass jegliche kritische Nachfrage erstickt wird mit dem Satz: “Sie wollen doch, dass ihrem Kind nichts passiert!”
Es bedeutet, dass Übergriffe jeder Art mit hergeholten Begründungen wegerklärt werden können.
Dass das Opfer keine Anerkennung als Opfer erfährt, sondern ihr die Botschaft vermittelt wird, dass sie nur durch das geburtshilfliche Team gerettet werden konnte und nun doch froh sein solle, „dass alles gut ausgegangen ist.“

Wie wirkt sich Gewalt unter der Geburt langfristig aus?

Die medizinische Geburtshilfe sieht nicht die Auswirkungen und tiefgreifenden Folgen ihrer Eingriffe unter der Geburt. Die von der Frau erlebte Verletzung wird durch das Personal als Rettung dargestellt. Die Frau wird damit erneut ihrer Wahrnehmung entmächtigt. Doch als gewaltsam erlebte Erfahrungen haben weitreichendere Auswirkungen als „nur“ auf den tatsächlichen Moment der Geburt. Die Betroffenen leiden oft noch Jahre später.

Verletzungen und Gewalterfahrungen im Zusammenhang mit der Geburt machen sich auf vielfältige Weise bemerkbar. Es können sich körperlich nicht erklärbare Symptome und Schmerzen entwickeln.
Oft quälen die Betroffene immer wiederkehrende Vorwürfe und das Gefühl des Versagens. Aus den Gewalterfahrungen können sich eine Depression oder posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.

Auswirken kann sich eine als traumatisch erlebte Geburt auch auf die Beziehung mit dem Neugeborenen, es kommt häufiger zu Stillschwierigkeiten  oder sogenannten Schreibabys. Oft leidet auch die Partnerschaft darunter.

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Quelle:

Hebammenwissen

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