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Hobbywinzer: Der Wein erobert die Stadt zurück

27. Juni 2018 | Autarkie | Freies Leben | Geschichte | Kultur | Kultur | Kunst | Musik | Natur | Umwelt | FAZ online

Auf einem kleinen Hang mitten in der Stadt oder in einem Beet vor der Haustüre: Mitten in vielen Großstädten reifen Trauben, die Hobbywinzer dann zu Wein verarbeiten. Klappt das überhaupt?

Donnerstagvormittag, es ist Wochenmarkt auf dem Kölner Chlodwigplatz. Dicht an dicht stehen die Stände der Händler, Menschen eilen hin und her, zwischen Markt und den benachbarten Geschäften zwängt sich gerade ein Bus hindurch. Hinter all dem Gewusel, an der Mauer der Severinstorburg, sitzt in der Sonne ein Mann vor einer erdigen Fläche, aus der einige frisch gesetzte Reben hervorschauen. Thomas Eichert ist endlich da, wo er seit Jahren hinmöchte: auf seinem eigenen kleinen Weinberg mitten in der Stadt.

Nach langwierigen Auseinandersetzungen mit den Behörden durfte er den kleinen Hang bepflanzen, der sich neben dem historischen Tor und einem Stadtmauerrest erstreckt. Nun zieht er die letzten Drähte zwischen den Holzpfählen ein, an denen sich die Reben festhalten und die Trauben unter der Kölner Sonne heranreifen sollen.

 

 

Neu ist die Idee nicht

Weinbau in der Stadt, was soll das denn? Neu ist die Idee keineswegs. Auf der mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichneten Panoramaansicht der Stadt Köln von Arnold Mercator aus dem 16. Jahrhundert gibt es auf dem gut einmal einen Meter messenden Bogen neben der Bebauung noch etwas anderes zu sehen: Weinberge. Und das nicht zu knapp. Auf einer kolorierten Kopie des Mercatorplans im Kölner Weinmuseum lassen sich die Pflanzungen besonders gut erkennen: Die mit Reben bepflanzten Flächen innerhalb der Stadtmauern sind annähernd so umfangreich wie jene, auf denen Wohnhäuser, Kirchen und Klöster zu sehen sind. Im ausgehenden Mittelalter gab es in Deutschland etwa 300.000 Hektar Reben, rund dreimal so viele wie heute. Und ein größerer Teil davon stand eben gleich dort, wo die Menschen auch wohnten.

Aus den heutigen Großstädten sind die Landwirtschaft und auch der Weinbau aber nahezu verschwunden. In den immer weiter wachsenden Metropolen wird mittlerweile jeder verfügbare Quadratmeter mit Wohnanlagen, Büros und Parkplätzen bebaut. Deswegen ist Eichert, der sich selbst als Stadtwinzer bezeichnet, auch besonders froh, auf der gepachteten Fläche ein paar Dutzend Stöcke ziehen zu dürfen. Bisher konnte er nur in die Vertikale gehen, indem er Reben an Hauswänden emporklettern ließ und daraus Wein kelterte. An 30 Standorten in der ganzen Stadt kümmert er sich um die Südwandlagen, für seinen Einsatz wird er von den Hausbesitzern in Naturalien, sprich: Trauben entlohnt. „Mittlerweile mache ich das praktisch in Vollzeit“, sagt Eichert, ein Autodidakt. In der Südstadt, wo er auch wohnt, ist er bekannt wie ein bunter Hund: Kaum eine Minute vergeht, ohne dass ein Passant am Fuß seines Weinbergs freundlich grüßt, und die Wirtin einer benachbarten Kneipe bringt einen Kaffee herüber.

 

 

Viel leichter mit dem ebenerdigen urbanen Anbau hat es die Stadt Nürnberg ihrem Bürger Patrik Fritz gemacht. Vor seinem Haus, direkt unterhalb der Burg, wurde vom „Servicebetrieb Öffentlicher Raum“ für eine Brache ein „Pflanzbeetpate“ gesucht. Dieser durfte das Ganze nach seinem Gusto bewirtschaften, solange er dies entgeltfrei täte. Fritz, leidenschaftlicher Weintrinker und mit einem Winzer verschwägert, griff zu und legte seinen kleinen Wingert im gemischten Satz an. Dabei werden verschiedene Rebsorten nebeneinandergepflanzt und auch zusammen vergoren, eine traditionelle Verfahrensweise, die etwa in Wien wieder fröhliche Urständ feiert. Fritz hat sich jedoch den fränkischen und darunter nicht unbedingt den bekanntesten Trauben verschrieben: etwa der Rebsorte Adelfränkisch, die fast nirgends mehr steht. „Ich will aufbegehren gegen den Wein-Mainstream“, sagt Fritz. Doch ob er sein erstes Nürnberger Gewächs im kommenden Jahr, wenn die Pflanzen zum ersten Mal tragen, überhaupt wird keltern können, steht noch keineswegs fest. „Da sind zum einen die Vögel“, erklärt er. „Und zum anderen die Passanten.“ Aber warum dann partout aus der Stadt heraus der von ihm angeprangerten Rebsorten-Monotonie Paroli bieten? „Das hat einfach logistische Vorteile: kurze Wege, und ich sehe sofort, wenn etwas nicht stimmt.“ Und die Eignung des Stückchens Land für den Weinbau? Der Boden sei gut, und die Abstrahlwärme von der Burgmauer helfe den Trauben, auszureifen. Mit dem Mini-Weinberg wolle er ein Kleinod vor Ort erschaffen, das trotz der leichten Extravaganz durch seine regionale Prägung eingebettet sei in seine Umgebung. Außerdem sieht Fritz sich als Bindeglied zwischen dem Urban Gardening der Hipster und den „etwas älteren und seriöseren“ Winzern.

Doch es sind nicht nur die One-Man-Shows, die den Weinbau zurück in die Städte tragen. Der Verein Weingarten Berlin zählt 35 Mitglieder und pflegt mitten in Pankow 650 Rieslingstöcke sowie 200 Reben anderer Sorten. Die Entstehung der Pflanzung ist „fast wie eine Schnapsidee geboren worden“, sagt, auch wenn das Bild nicht hundertprozentig passt, der Vereinsvorsitzende Frank Pietsch. In dieser verschlungenen Geschichte spielen das Wiener Stadtweingut „und noch so’n Spitzenwinzer“ eine Rolle, das Bezirksamt Pankow und die Städtepartnerschaft Berlins mit Moskau. Die ganze Geschichte erzählt Pietsch bloß, wenn man sich wundert, dass das Areal am Wasserturm auch „Wiener Weingartl“ genannt wird.

Das Keltern der Trauben überlässt man den Profis

Auch hier scheint das urbane Winzern keine Sache der Hipster, die Vereins-Mitglieder seien „alles sachliche Leute“, die meisten über 40. Auf der Vereins-Agenda finden sich Termine wie „Jahresrebschnitt“, „Ausbrechen von Stammtrieben“ und „Einhängen der Fruchttriebe“ sowie der Wunsch nach einem „guten Weinjahr“ auf dem Areal vor dem alten Wasserturm. Viele Zugezogene seien unter den Mitgliedern, etwa aus Franken: „Die nehmen gerne eine von unseren 1000 Halbliterflaschen mit in die Heimat, als Gag.“ Das Keltern der Trauben überlässt man allerdings den Profis: Das renommierte sächsische Weingut Schloss Proschwitz kümmert sich um Vinifikation und Abfüllen. Da das neben ein paar anderen Posten durchaus Geld kostet, muss der Verein auf Veranstaltungen einen Teil des Berliner Gewächses verkaufen, damit die Mitglieder ihrer Liebe zum Weinbau auch weiterhin ohne überhöhte Beitragszahlungen nachgehen können. In früheren Zeiten hätten auch in der heutigen Hauptstadt Weingärten durchaus zum Stadtbild gehört, von 2000 Hektar im Mittelalter spricht der promovierte Agrarwissenschaftler Pietsch. Siedler aus Franken und dem Rheinland hätten den Wein seinerzeit aus ihrer Heimat nach Berlin gebracht.

 

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