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Hybrid aus Mensch und Schwein Ein Ersatzteillager für Organe?

28. Januar 2018 | Medizin | Psychologie | Gesellschaft | Wissenschaft | Forschung | ARD

In Kalifornien haben Forscher erstmals ein Lebewesen aus Mensch und Schwein geschaffen. Sie wollen menschliche Stammzellen in Schweine-Embryos heranreifen lassen, um Gewebe und Organe zu reproduzieren – ein Ersatzteillager für Menschen.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Forscher schaffen  ein Mischwesen aus Mensch und Schwein. Aber warum? Warum sollte ein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen, diese beiden Lebewesen zu vermischen?

Es gibt allerdings gute Gründe für solche Experimente, sagt Carrie Wolinetz, eine der Spitzenforscherinnen an den amerikanischen National Institutes of Health, im Interview mit dem Radiosender NPR.

„Forscher machen das nicht einfach, weil sie es können, sondern weil sie damit schwerwiegende Krankheiten besser verstehen wollen – Krankheiten, die ganz normale Leute betreffen“, so Wolinetz.

Den Mangel an Spenderorganen beheben

Entscheidend sind dabei die Stammzellen: Der menschliche Körper besteht aus etwas 250 verschiedenen Zelltypen. Alle entwickeln sich im embryonalen Stadium aus Stammzellen – sie sind sozusagen das Ausgangsmaterial, aus dem später so unterschiedliche Organe wie Gehirn, Herz und Haut hervorgehen.

Die Forscher am Salk Institute for Biological Studies im kalifornischen La Jolla haben menschliche Stammzellen in einen Schweine-Embryo gespritzt und den Embryo in die Gebärmutter einer Sau eingepflanzt. Nach vier Wochen hatten sich die Stammzellen in die Vorläufer verschiedener Gewebetypen weiterentwickelt, zum Beispiel Herz-, Leber- und Nervenzellen.

Der Forscher Juan Carlos Izpisua Belmonte begleitete das Projekt am Salk Institute. Der britischen Zeitung „Guardian“ erklärte er: „Die Stammzellen können helfen, ein großes Problem in unserer Gesellschaft zu lösen: Den Mangel an Organen für eine Transplantation. Heute ist allein in den USA der Bedarf an Spenderorganen viermal so hoch wie das vorhandene Angebot.“

Ein langer Weg bis zu vollständigen Organen

Stammzellenforschung gibt es natürlich schon länger. Aber im Laborversuch in der Petrischale ist es nach Angaben der Forscher sehr schwierig, die Spezialisierung der Zellen anzustoßen oder gar ganze Organe zu züchten. Da soll das Schwein eine natürliche Umgebung liefern, in der Gewebe oder Organe heranwachsen.

Doch Izpisua Belmonte mahnt zur Vorsicht: Es sei nicht so einfach, die Natur nachzuahmen. Der Versuch, zu dem die kalifornischen Forscher jetzt im Fachblatt „Cell“ einen Artikel veröffentlichten, sei ein wichtiger erster Schritt, sagt der Projektleiter. Ein Schritt auf dem Weg zum erklärten Ziel – dem Züchten ganzer Organe.

„Davon sind wir immer noch weit entfernt. Wir müssen erst einmal im Labor verstehen lernen, wie Gast- und Wirtszellen interagieren. Wir versuchen, sehr sorgfältig und vorsichtig zu arbeiten, damit wir am Ende den Menschen helfen können“, erklärt Belmonte.

Aus Science Fiction wird Realität

Natürlich gibt es auch in den USA massive Kritik an solchen Forschungen. Unter anderem fragen Kritiker, was denn passiert, wenn sich die beiden Organismen zu sehr vermischen, also zum Beispiel im konkreten Fall menschliche Nervenzellen ins wachsende Schweingehirn eingebaut werden.

Stewart Newman, Entwicklungsbiologe am New York Medical College, warnt vor dem, was bei der Forschung alles entstehen kann: Schweine mit Menschengehirnen oder Menschen mit Tiergehirnen, die nur als Ersatzteillager dienen. „Science-Fiction-Schriftsteller haben sich Welten wie die Insel des Dr. Moreau oder Frankenstein ausgedacht. Das waren Spekulationen“, so Newman. Aber jetzt werde daraus Realität. „Wir können nicht einfach sagen: Wenn es möglich ist, dann sollten wir es auch tun.“

Stopp der staatlichen Förderung

Die Nationalen Gesundheitsinstitute haben 2015 zunächst einen Förderungsstopp für die Forschung mit menschlichen Mischlebewesen erlassen. Inzwischen ist eine Aufhebung des Moratoriums im Gespräch, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Zum Beispiel sollen niemals Menschen und enge Verwandte wie Menschenaffen zusammengeführt werden dürfen.

„Wir wollen sicherstellen, dass diese Forschung vorankommt, weil sie wichtig ist für unser Verständnis von Krankheiten und für unser Ziel, Menschen zu heilen“, erklärt Forscherin Wolinetz. „Wir wollen aber auch sicherstellen, dass es wegen der besonderen ethischen Bedenken dagegen eine zusätzliche Kontrolle dieser Projekte gibt.“

Die kalifornischen Forscher haben übrigens einfach ohne Förderung durch die US-Bundesregierung gearbeitet. Offenbar war es nicht besonders schwer, die nötigen Mittel für die Forschung auf dem freien Markt zu bekommen.

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https://www.tagesschau.de/ausland/hybrid-schwein-mensch-103.html
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Quelle:

Vineyard Saker

ARD

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