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Syrischer Panzer während eines Luftangriffes

In Idlib droht die grösste humanitäre Katastrophe des 21. Jh.

10. September 2018 | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | infosperber

Die Weltgemeinschaft reagiert auf die erwartete Schlacht bei Idlib mit zunehmender Nervosität – mit gutem Grund.

Idlib ist die letzte Hochburg der sunnitischen Rebellen in Syrien. Die angekündigte Schlacht um diese relativ kleine Provinz im Nordwesten des Landes wird deshalb als die letzte, große Schlacht im Syrienkrieg gewertet. Im Konflikt um Idlib bilden sich allmählich drei große Interessen-Gruppierungen heraus, die je eine andere «Lösung» anpeilen.

Da ist zunächst das Lager um Damaskus. Die syrische Armee fühlt sich nach den grossen Niederlagen der Rebellen in den übrigen Provinzen am längeren Hebel und drängt auf eine «radikale» Offensive auf Idlib. Davon erhofft es sich, die «Terroristen» ein für allemal zerschlagen und die Macht Baschar al Assads konsolidieren zu können.

Eine Grossoffensive bei Idlib befürworten auch Moskau und Teheran. Russland hat auf Einladung von Damaskus nach 2011 seine militärische Präsenz im Land ausbauen können und verfügt heute über eine aufgewertete Marinebasis im Mittelmeerhafen Tarsus sowie einen Luftstützpunkt bei Hmeymim, nahe der Stadt Latakia. Die russische Flugwaffe war im Kampf gegen die aufrührerischen Sunniten all die Jahre führend. Auf Einladung von Damaskus sind nach Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 auch Tausende von iranischen Revolutionsgardisten sowie Milizen der libanesischen Hizbullah als Bodentruppen von Baschar Al-Assad nach Syrien gekommen. Nach der Niederlage der sunnitischen Opposition möchten nun auch Moskau und Teheran die Machtverhältnisse im Land lieber heute als morgen klarstellen.

Die Opposition westlicher Länder gegen die bevorstehende Schlacht auf Idlib hat dieses Lager verunsichert. Es mutmasst, der Westen wäre versucht, Damaskus um seinen offensichtlichen Sieg zu bringen, und reagiert nervös: Der russische Verteidigungsminister ließ Ende August etwa einen geheimen Plan der USA, Grossbritanniens und Frankreichs in Umlauf bringen. Demnach hätten die drei Länder bei Idlib einen Angriff mit chemischen Waffen zu verüben vor, um diesen Angriff dann zum Anlass zu nehmen, um in Syrien erneut zu intervenieren. Anfang September haben russische Flugzeuge nach einer 22-tägigen Pause erneut begonnen, Stellungen um Idlib zu bombardieren. In der ersten September-Woche hat schließlich ein großangelegtes Manöver der russischen Luft- und Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeer stattgefunden – wie der Kommandant der russischen Kriegsmarine Vladimir Krolow erklärte, wäre dies das «erste Mittelmeermanöver in der modernen russischen Geschichte» überhaupt.

 

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Auch die Türkei ist involviert

Nervös auf die bevorstehende Schlacht bei Idlib reagiert auch das zweite Lager, das sich um Ankara schart. Die Türkei hat nach zwei (völkerrechtswidrigen) Militäroperationen in Nordsyrien schätzungsweise 4’000 Quadrakilometer syrischen Territoriums besetzt und tritt im Kriegsschauplatz Syrien nun als wichtiger Akteur auf. Im Kampf um Einfluss auf die sunnitische Opposition konnte sich Ankara in den letzten zwei Jahren gegen Saudi-Arabien behaupten und hat sich als alleinige Schutzmacht der Rebellen etablieren können. Türkischen Quellen zufolge sind die rund 60’000 bewaffneten Rebellen Idlibs hauptsächlich von der Kaida-nahen Heyat Tehrir al Sham (HTS) und der von der Türkei unterstützten «Nationalen Befreiungsfront“ dominiert. Die Türkei befürwortet eine sogenannte «soft operation». Demnach sollte es bei dieser letzten grossen Schlacht nicht wie zuvor in Aleppo, in Ost-Ghuta oder Homs massive Angriffe der russischen Luftwaffe, sondern eine beschränkte Boden-Operation gegen diese Heyat Tehrir al Sham geben. «Gott bewahre! Wenn Raketen in Idlib einschlagen, dann gibt es ein Blutbad, ein Massaker», sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Ein Angriff wie in Aleppo würde womöglich den Exodus von Millionen neuer Flüchtlinge zur Folge habe, warnte auch der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu. Und diese würden zwar zunächst in die Türkei, dann aber nach Europa ziehen.

Das Gespenst einer neuen Flüchtlingswelle liess die Regierungen in so manchen Hauptstädten erschaudern. Die EU-Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben Russland und Iran dazu aufgerufen, bei ihren Syrien-Gesprächen gestern Freitag die bisher vereinbarte Waffenruhe aufrechtzuerhalten. Eine militärische Eskalation im Nordwesten des Bürgerkriegslandes könne «katastrophale humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung» haben, hiess es letzten Mittwoch in einer Erklärung. Die USA würden «sehr wütend», wenn die syrische Regierung Zivilisten töte, sagte Trump am Mittwoch während eines Treffens mit dem Emir von Kuwait im Weissen Haus. Wenn es «ein Gemetzel ist, wird die Welt sehr, sehr wütend werden», auch die USA, doppelte er nach.

 

 

Die UNO tut ihr Möglichstes – ohne Kompetenzen

Es gibt eine dritte Gruppierung, die dem erwarteten Desaster hilflos gegenüber steht: die UNO und die unterschiedlichsten Menschenrechtsorganisationen. Diese gehen davon aus, dass die letzte, grosse Schlacht im Syrienkrieg, falls sie stattfindet, schon rein arithmetisch zu einer humanitären Tragödie führen müsse. Auf rund 60 bis 70 Tausend werden die bewaffneten Rebellen in Idlib geschätzt. Die meisten davon sind Dschihadisten, die über Panzer, Artillerie und bewaffnete Drohnen verfügen. Und, wie ihre Führer erklären, auch bereit seien, zu sterben.

Nochmals so viele Männer hat auch das syrische Regime um Idlib zusammengezogen. In Idlib sollen also mindestens 120’000 schwer bewaffnete Kämpfer aufeinanderstossen. Die einen wollen alles gewinnen, die anderen haben nichts mehr zu verlieren. Eine Schlacht würde «Tausende, wenn nicht Hunderttausende von Menschen in die Flucht treiben», sagte der Kommunikationschef des ICRC in Syrien, Pawel Krzysiek. Eine Grossoffensive auf Idlib könnte die «grösste humanitäre Katastrophe im 21. Jahrhundert» auslösen, warnte auch der UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock.

Rund drei Millionen Menschen leben heute in der Provinz Idlib. Die überwältigende Mehrheit von ihnen sind Flüchtlinge, die nach den Niederlagen der Rebellen hierher gezogen waren. Sollten sie erneut in die Flucht getrieben werden, wüssten sie nicht wohin zu ziehen. Denn die Türkei hält laut Presseberichten ihre Grenzen zu Syrien geschlossen.

Vor allem diese letzte Gruppe hofft noch auf einen Kompromiss. Gestern Freitag wollten sich die Präsidenten von Russland und Iran als Unterstützer von Damaskus und der Präsident der Türkei als Schutzmacht der Opposition in Teheran zusammen treffen und über die Krise beraten. Ob es ihnen tatsächlich gelingt, trotz ihrer unterschiedlichen Interessen die Katastrophe noch abzuwenden, bleibt vorerst dahingestellt. Eine erste Meldung am späten Freitagabend besagt, dass keine Einigung erzielt werden konnte.

 

 

 

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