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Bild: Walt Cisco, Dallas Morning News / Public Domain

JFK – blown away

25. Oktober 2017 | Geschichte | Politik | Geo-Politik | Telepolis

Einen Tag vor der Freigabe der JFK-Akten beweist die deutsche Presse erstaunliche Inkompetenz

Während Telepolis immer wieder darauf hinwies, dass diesen Donnerstag die Geheimhaltungsfrist für ca. 3.000 noch gesperrte Akten zum Kennedy-Attentat ausläuft, scheinen die konventionellen deutschen Medien erst aus dem Tweet des amtierenden US-Präsidenten am Samstag von diesem vor 25 Jahren angekündigten Ereignis Notiz genommen zu haben. Das Attentat auf JFK ist seit 54 Jahren der Lackmus-Test für die Qualität und Unabhängigkeit politischer Berichterstattung.

Der deutsche Rudeljournalismus versagte jedoch bereits im Ansatz. Was man im Blätterwald und im teuersten Rundfunksystem der Welt zum Kennedy-Attentat vernehmen konnte, löst Fremdscham aus. Durchweg halten es deutsche Qualitätsjournalisten für eine ausgemachte Sache, Oswald habe Kennedy erschossen, und wer das bezweifelt, sei ein Verschwörungstheoretiker – ganz so, wie es unstreitig die CIA 1967 in einem inzwischen freigegebenen Memo bei Einflussjournalisten bestellt hatte (50 Jahre „Verschwörungstheoretiker“).

Die größte deutsche Rundfunkanstalt, der WDR, hatte nichts Besseres zu tun, als über eine angebliche Verschwörungstheorie zu berichten, die Aliens hätten ihre Enthüllung durch Kennedy befürchtet und ihn daher gekillt. Auch die bei Geheimdienstthemen ohnehin mäßig zuverlässige Süddeutsche Zeitung stößt ins gleiche Bockshorn und gibt sich damit transatlantischer, als es die US-Medien tun. Auf der Atlantik-Brücke will man schließlich keinen unangenehmen Eindruck machen. Also hält man sich halt ans bewährte Narrativ.

Aus den Pressestimmen muss man schließen, dass der Elite der deutschen Journalisten zum Kennedy-Attentat nicht einmal der unstreitige Sachstand bekannt ist. Tatsächlich nämlich hatte bereits in den 1970er Jahren das House Select Committee on Assassinations (HSCA), das die Attentate auf die Kennedy-Brüder und Martin Luther King untersuchte, Schwächen des Warren-Report aufgezeigt und es als wahrscheinlich beurteilt, dass es beim Attentat in Dallas mehr als einen Schütze gegeben habe. Als man den CIA-Chefplaner für Mordanschläge, der ein geschworener Todfeind der Kennedys war, ausdrücklich auch zum Anschlag verhören wollte, lebte dieser überraschend ab (Der „amerikanische James Bond“ liquidierte nicht nur ausländische Staatschefs).

Die deutschen Redaktionen scheinen nicht einmal zu wissen, dass infolge des Films „JFK“ 28 Jahre nach dem Attentat die Skepsis wieder aufflammte und erst deshalb Anfang der 1990er Jahre ein Assassination Records Review Board (ARRB) eingerichtet wurde, dem wir den JFK-Act und einen Teil der nun freizugebenden Akten verdanken. Der Abschlussbericht des ARRB bestätigte einen Großteil der Schlussfolgerungen in Oliver Stones JFK, den deutsche Spitzenjournalisten für ein verschwörungstheoretisches Machwerk halten.

Vermutlich wissen die Edelfedern das deshalb nicht, weil ein Hamburger Lateinlehrer mit grünem Parteibuch alle deutschen Wikipedia-Artikel zum Kennedy-Attentat zensiert.

Weiter lesen auf:

https://www.heise.de/tp/news/JFK-blown-away-3870799.html
Bildredakteur:

connectiv.event

Textredakteur:

connectiv.events

Quelle:

Telepolis

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