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Landkreis Altötting: Kunststoffhersteller vergiftet seit 12 Jahren Trinkwasser – aber die Behörden wiegeln ab

26. März 2018 | Gesundheit | Ernährung | Natur | Umwelt | Politik | Geo-Politik | Die Unbestechlichen

von Niki Vogt

Das bayerische Altötting, nordöstlich von München, ist eine wunderschöne Gegend, das hübsche Barockstädtchen ein Touristenmagnet, die alte Gnadenkapelle stets gut besucht. Malerisch, gemütlich, urwüchsig, vermittelt das Städtchen bayerische Lebensweise, eine gesunde Umwelt und g’sunde, bodenständige Leut‘. Gottesfurcht und Frömmigkeit dazu, denn Altötting ist ein Wallfahrtsort.

Wallfahrtsorte verfügen oft über besondere Quellen und heilende Wässer. Aber in Altötting ist das Gegenteil der Fall. Aus den Wasserhähnen von Altötting und den umgebenden Ortschaften kommt vergiftetes Wasser. Und das nicht erst seit Neuestem.

Schon 2006 hatten dort Mitarbeiter der Umweltschutz-NGO „Greenpeace“ im Wasser des Flüßchens Alz erhöhte Werte einer Chemikalie gemessen, die offensichtlich aus dem nahe liegenden Chemiepark Gendorf stammte: Perfluoroktansäure (PFOA). Die Aktivisten fingen damals das Abwasser aus dem Chemiepark auf und pumpten es zurück in das Werk. Der Chemiepark ist ein wichtiger Arbeitgeber in der ländlichen Region. Viele Bürger gingen bisher vertrauensvoll davon aus, die dort ansässigen, großen Betriebe hielten sich schon gewissenhaft an Höchstwerte und niemand wollte sich mit unbotmäßigen Fragen irgendwelche Scherereien holen.

PFOA ist ein sehr widerstandsfähiger und stabiler Stoff. Es wird als Emulgator für die Herstellung von bestimmten Kunststoffen (Polymeren), insbesondere zur Herstellung des Materials Polytetrafluorethylen (Teflon) benutzt. Der Stoff kann auf die verschiedenste Weise in die Umwelt und von da aus in den Körper gelangen. Im Normalfall sind die Hauptverunreinigungsquellen Teppiche, die mit einer schmutz- und wasserabweisenden Schicht ausgerüstet sind und Feuerlöschschaum. Aber auch Dünger aus der Landwirtschaft gehört dazu.

PFOA ist ein sehr stabiles Molekül und sehr schwer zu zersetzen und abzugebauen. Daher sammelt es sich im Lauf der Jahre im Körper an, es ist „bioakkumulativ“. Ist die Chemikalie erst einmal im Blut, halbiert sich die Konzentration erst nach drei Jahren. Es dauert viele weitere Jahre, bis sie ganz abgebaut ist.

Versuche mit dieser Substanz an Nagetieren und Studien an Fabrikarbeitern, die PFOA in erhöhtem Maße ausgesetzt waren, haben gezeigt, dass der Stoff leberschädigend, reproduktionstoxisch (Fehlbildungen bei Embryonen) und krebserregend sein kann. DuPont, der Hersteller von Teflon, ist in den Staaten schon des öfteren zu Schadensersatz wegen der nachweislichen Verursachung von Gesundheitsschäden durch PFOA verurteilt worden. Das Gift sorgte für Nierenschäden, Schilddrüsenprobleme und Unfruchtbarkeit, allerdings in deutlich höheren Konzentrationen als im bayerischen Alztal.

Ab dem Jahr 2020 ist der Stoff durch EU-Richtlinien verboten.

Im Chemiepark Gendorf in der Gemeinde Burgkirchen, dem größten Chemiepark Bayerns, wurde PFOA noch bis 2008 verwendet. Der Chemiepark hatte eine behördliche Genehmigung, die Chemikalie in einer Konzentration von 1000 Mikrogramm pro Liter in die Alz zu entsorgen. Dazu kommt noch das Verteilen von PFOA durch die Luft über den entstehenden Feinstaub. Aus der Luft und dem Fluss kam das Zeug in den Boden, sickerte ins Grundwasser und gelangte so über das Trinkwasser ins Blut der Tiere und Menschen im Landkreis Altötting.

Aber irgendwie war das niemandem so recht bewusst und erst drei Jahre später gab es in Haiming die ersten, einzelnen Bluttests, bei denen erschreckende Werte gemessen wurden. Das Umweltbundesamt hält 2 µg PFOA pro Liter Blut für unbedenklich, gemessen wurden Werte von 40 bis zu 100 µg/Liter. Das Zwanzig- bis Vierzigfache.

Daraufhin baute die Gemeinde Haiming einen Aktivkohlefilter in ihren Wasserbrunnen ein. Sehr löblich, nur die anderen Gemeinden sahen sich noch zu keinerlei Aktionismus gedrängt. Sie setzten auch keine breiten Blutuntersuchungen der Bevölkerung an. Erst weitere sieben Jahre später, im Herbst 2016, blies das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zur Attacke: Repräsentativen Zahlen von Blutproben sollten entnommen und geprüft werden, um den Dingen auf den Grund zu gehen.

Das Deutsche Rote Kreuz rückte an und ließ die Gemeinde Emmerting zur Nadel. In den Proben betrug die Konzentration der PFOA-Werte das Zwanzigfache dessen, was als unbedenklich gilt. Aber auch danach erfolgte weiter nichts in der Sache. Noch im Oktober 2016 hatte das Gesundheitsamt Altötting verlautbart, das PFOA im Blut der Alztalbewohner rühre von Goretex-Kleidung und der Verwendung von Teflonpfannen her, und nur minimalst von Trinkwasser.
Erst, als die Passauer Neue Presse einen Artikel darüber veröffentlichte, wurden die Leute wach.

Plötzlich ruckten die Köpfe hoch im beschaulichen Tal. Emmerting machte eine Informationsveranstaltung zum Thema PFOA. Das war kein leichter Gang für die Verantwortlichen. Bürgerwut lag in der Luft. Der Bürgermeister Stefan Kammergruber organisierte eine Informationsveranstaltung in der örtlichen Turnhalle, die bis auf den letzten Platz vollbesetzt war. Viele mussten stehen und knubbelten sich an den Wänden entlang. Erster Punkt, der schon für Grummeln sorgte war, dass weder der Landrat Erwin Schneider, noch Vertreter der verursachenden Firmen Dyneon und Infraserv dabei waren. Sie seien bei anderen Infoveranstaltungen im Landkreis unterwegs, hieß es.

Bürgermeister Kammergruber hatte von dem Sachstandsbericht zu PFOA erst wenige Tage vorher gehört, und so konnte er eigentlich nur den wenig tröstlichen Fakt mitteilen, dass die etwa zwanzigfach erhöhten Werte nicht nur die Emmertinger betreffen, sondern alle Bewohner des Alztales. Vorwürfe wegen Vertuschung wurden laut. Niemand habe gewusst, welche Gefahr das Trinkwasser für alle darstellte.

Und wieder setzte das herumschubsen der heißen Kartoffel „Verantwortung“ ein. Nichts sei vertuscht worden. Dr. Franz Schuhbeck, zuständig für Trinkwasserhygiene im Landratsamt, konnte beweisen, diesen Bericht schon im Dezember 2016, einen Tag vor Heiligabend, auf die Internetseite des Landratsamtes eingestellt zu haben, wo er nicht viel Beachtung fand. Dr. Schuhbeck fand diese Ergebnisse auch keineswegs überraschend, da es ja schon lange bekannt war, dass Dyneon Goretex-Stoffe produzierte, wozu man perfluorierte Tenside einsetzte und PFOA ganz offiziell in die Alz einleiten durfte. Schuhbeck wusste auch, dass sich PFOA im Blut der Leute ansammeln würde. Dafür war die Chemikalie bekannt.

Seit der Greenpeace-Aktion 2006 wurde die Konzentration im Trinkwasser jährlich untersucht. Dyneon verzichtete seit 2008 auf den Einsatz von PFOA. Da war das Zeug aber schon im Erdreich und im Grundwasser.

2006 lag lag der PFOA-Wert im Emmertinger Trinkwasser noch bei 0,16 Mikrogramm, 2010 bei 0,12 Mikrogramm, 2011 sank er auf 0,05 Mikrogramm, 2013 vervierfachte er sich auf 0,22 Mikrogramm, 2015 stieg er weiter auf 0,25 Mikrogramm und überschritt im Juli 2016 mit 0,338 Mikrogramm erstmals den damaligen, offiziellen Grenzwert von 0,3 Mikrogramm.

2016 wurde der offizielle Grenzwert auf 0,1 Mikrogramm gesenkt. Jetzt gab es dringenden Handlungsbedarf. Einige Brunnen im Öttinger Forst waren besonders stark belastet und wurden von der Wasserversorgung abgekappt. Das verschaffte etwas Luft: November 2016 fiel der PFOA-Wert stark, er lag jetzt sogar unter dem neuen Höchstwert von 0,1 Mikrogramm.

Dr. Schuhbeck sah keinen Grund mehr zum Alarmismus, und so schlummerte der brisante Bericht etwa ein Jahr unbemerkt irgendwo auf der Internetseite des Landratsamtes. Der Titel war wenig informativ, klang überhaupt nicht alarmierend und wer sich nicht schon bereits gut informiert hatte, wusste auch dann, wenn er zufällig darüber stolperte, nichts damit anzufangen.

Die Emmertinger auf dem Info-Abend hakten nach. Man wolle wissen, wie gesundheitsgefährdend diese Konzentration von PFOA im Trinkwasser und im Blut denn jetzt wirklich seien, denn manchem kam siedendheiß zu Bewusstsein, dass man sich dieses Gift unbesorgt sei 12 Jahren in den Körper geholt und dort angesammelt hatte. Ein Dr. Hermann Fromme vom bayerischen Landesamt für Gesundheit versuchte sich in Beschwichtigung, allerdings ohne großen Erfolg.

Erhöhte PFOA-Werte im Blut bedeuteten nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefahr, versuchte er zu beruhigen: „Mit einer Sicherheit von 99,9 Prozent können sie davon ausgehen, dass sie nicht mit gesundheitlichen Schäden rechnen müssen“ und dass die Krebsgefahr etwa so riskant sei, wie das Essen von rotem Fleisch. Als er aber gleichzeitig unmissverständlich klar machte, dass die Wasserversorger unter allen Umständen die PFOA-Konzentration unter 0,1 Mikrogramm pro Liter halten und dass dazu das Trinkwasser noch über Jahrzehnte gefiltert werden müsse, warfen ihm die Bürger Verharmlosung und Herunterspielen des Problems vor.

Man wird in Altötting, Neuötting und Winhöring nun erst einmal auf Wasser aus Tiefbrunnen ausweichen, das PFOA-frei ist. Ein Brunnen in Raitenhaslach erwis sich ebenfalls als PFOA-frei und versorgt nun Burgkirchen, Kastl, Emmerting und Mehring im Alztal. Doch die benötigten Wassermengen könnten diese „Ausweichbrunnen“ schnell an ihre Grenzen bringen.

Die verursachenden Firmen würden die Kosten des Filterns bis 2050 übernehmen, erfuhren die Anwesenden. Beruhigend fanden sie das aber nur sehr bedingt. Denn dadurch wurde unmissverständlich klar, dass der Stoff mindestens bis zu diesem Zeitpunkt, also über 30 Jahre noch weiter im Grundwasser, Trinkwasser, Boden, Obst und Gemüse vorhanden sein und sogar noch weiter ansteigen würde. Und dass eine Filterung auf unter Höchstwert nur eine Verlangsamung des Anstiegs der Blutwerte auf weitere Höhen darstellt. Die Bevölkerung des Alztales wird also noch weit über 30 Jahre lang PFOA in ihrem Blut und ihren Körpern ansammeln. Auf welche Werte sie dabei kommen wird, und welche Gesundheitsschäden ihnen dadurch bevorstehen, ist noch gar nicht absehbar.

Eine echte Lösung des Problems ist das alles nicht, wurde den Bürgern klar. Das Problem wird noch die Kinder der jetzt geborenen Kinder betreffen.

 

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Quelle:

Die Unbestechlichen

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