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Menschlicher Schädel mit Trepanation aus der Keltenzeit. Keltenmuseum in Hallein (Salzburg). Bild: Wikimedia Commons, Wolfgang Sauber, Bildlizenz: CC BY-SA 3.0

Trepanationen – steinzeitliche Medizin, Bewusstseinserweiterung oder heiliges Ritual?

19. März 2019 | Bewusstsein | Spiritualität | Geschichte | Kultur | Kultur | Kunst | Musik | Medizin | connectiv.events

In Museen trifft man auf menschliche Schädel mit manchmal kreisrunden Löchern und auch dem unkundigen Laien fällt auf: Das ist kunstvoll gemacht worden und keine grobe Verletzung. Meistens findet sich dabei ein Schild, das erklärt, dass dieses runde Loch eine „Trepanation“ sei, die schon während der Steinzeit gemacht worden ist – und zwar ziemlich oft. Aber warum? Warum lassen sich Menschen ein Loch in den Kopf bohren? Und tut das nicht wahnsinnig weh? Und was ist mit Infektionen?

Auch heute macht man Trepanationen, zum Beispiel, um Gehirnsonden einzuführen. Diese Bohrungen bleiben auch offen und es wächst später nur Haut und Bindegewebe darüber. Das sind aber klare, medizinische Notwendigkeiten. Was haben die sich in der Steinzeit dabei gedacht?

 

 

Bart Huges, ein Vorkämpfer der Selbsttrepanation, war ein Medizinstudent in Amsterdam. Er war recht umtriebig in der hippen Drogenszene in den Sechziger Jahren und bekam bei einer LSD-Party die Idee, dass das Glück und das freie Bewusstsein nur eine Frage des Hirnblutdrucks ist, und ein Trepanationsloch diesen Druck stark vermindern würde und so eine Art Dauer-LSD-High sein könnte. Er setzte diesen Entschluss um und seine Selbsterfahrung machte die Runde. Einige nahmen diese Selbsttrepanationen vor, Immo Jalass wollte damit allen anderen den Weg zu einem erhöhten Bewusstsein weisen, Joe Mellen, ein Kunsthändler aus London schrieb das Buch „Borehole“ über seine Erfahrungen mit Trepanation und schrieb Rockmusik mit Titeln und Texte dazu, wie „Brainbloodvolume“ und „The Brain Robbery“:

 

 

Die Sache ist aber, genau wie die LSD-Trips, etwas aus der Mode gekommen. Einzelne Mutige machen es auch heute noch, um eine höhere Form des Bewusstseins zu erlangen. Waren unsere Vorfahren in der Vorgeschichte auch auf der Suche nach einer Bewusstseinsbefreiung und Glück? Warum machte man so etwas Gefährliches? Erstaunlicherweise zeigt sich, dass sehr viele diesen Engriff sogar lange überlebten. Zwar wuchsen die Löcher nie zu, aber die scharfen Knochenränder des Schädels verheilten und wurden rund und wuchsen das Loch schon ein Stückchen zu. Bis zu 15 Jahren Wachstum und Heilung kann man an gebrochenen Knochen oder solchen Schädelverletzungen diagnostizieren und das haben bemerkenswert viele unserer Vorfahren durchaus erlebt. Bis zu 73% der Steinzeitmenschen sollen es gewesen sein.

Auch heute noch werden bei archäologischen Grabungen immer noch Skelette mit trepanierten Schädeln ausgegraben. Viele davon liegen in Museumsvitrinen, Tausende in den Archivkellern in Pappkartons. Manche ausgegrabenen Skelette trugen das ausgebohrte Knochenplättchen noch an einem Lederriemen um den Hals. Es muss sich also um etwas sehr Bedeutsames gehandelt haben. Doch die Wissenschaft ist sich bis heute nicht einig, was das war.

Dabei wird es in Afrika und Polkynesien durchaus noch bis heute praktiziert. Meist will man damit dauerhafte Schmerzen im Kopf beseitigen, die vielleicht durch eine Kopfverletzung chronisch wurden oder durch neurologische Erkrankungen ausgelöst wurden. Es soll Fälle geben, wo man Wahnvorstellungen oder Depressionen als Besessenheit durch einen Dämon sieht und diesen durch das Loch entweichen lassen will. Es gibt Hinweise, dass das damals auch so gedacht war. Die frühesten, eindeutig identifizierbaren Trapanationen sind 7000 Jahre alt. Viele der uralten Schädel zeigen Schlageinwirkungen. Meist ist das Trepanationsloch dann auch direkt in dieser Region. Möglicherweise hatte man festgestellt, dass der Tod nach einer Schädelverletzung auch eintreten kann, weil das Gehirn anschwillt und wollte so Erleichterung schaffen. Manche alten Schädel tragen innen auch Spuren neurologischer Erkrankungen. Trepanationen könnten durchaus in vielen Fällen medizinische Eingriiffe der Urzeit gewesen sein.

 

 

Auch im Mittelalter waren Trepanationen nicht selten, wurden aber mit Einsetzen der Renaissance nicht mehr praktiziert.

Ein anderer Grund könnten aber sein, dass es sich um rituelle Schädelöffnungen handelt. Schon von Anfang an, als das Graben nach alten Gemäuern in Agypten und sonstwo nach den Zeugen der Vergangenheit zu graben unter Gebildeten und Reichen hoch in Mode war, haben Gelehrte, die solche Schädel fanden, vermutet, dass es bei den Schädellöchern auch um Eintrittstore oder Ausgänge für Geister aller Art handeln könnte. Belegen ließ sich das aber nicht, weil  – im Gegensatz zu den mutmaßlich medizinischen Eingriffen – Geister und Initiationsriten keine sichtbaren Spuen auf den Schädeln hinterlassen.

Doch Ausgrabungen 1997 in Russland, in der Nähe der Stadt Rostov-am-Don im äußersten Süden Russlands, förderten eine Art prähistorischen Friedhof zutage. Fünfunddreißig Menschen waren hier in zwanzig Gräbern beigesetzt worden. Die Art der Bestattung wies auf einen Zeitraum zwischen 5000 und 3000 Jahren v. Chr. hin. Dieses Zeitalter wird als „Kupferzeit“ bezeichnet. In einem der Gräber lagen die Skelette von fünf Erwachsenen, zwei Frauen und drei Männern. Sie waren zusammen mit einem Baby im Alter von ein bis zwei Jahren und einem jungen Mädchen in ihrer Mitte bestattet worden. Das war damals kein ungewöhnliches Grab, man beerdigte öfter mehrere Menschen zusammen.

Ungewöhnlich war jedoch, was mit ihren Schädeln passiert war: Die beiden Frauen, zwei der Männer und das jungeMädchen waren alle trepaniert worden. Jeder Schädel wies ein ovales Loch von mehreren Zentimetern Breite auf. Der Schädel des dritten Mannes zeigte Spuren von Arbeiten durch scharfe Gegenstände, aber kein richtiges Loch. Das Kleinkind hatte keine Anzeichen irgendwelcher Eingriffe am Schädel. Alle Trepanationen waren erstaunlicherweise anderselben Stelle, einem Punkt, den man „Obelion“ nennt. Er sitzt oben hinten am Kopf, wo man einen klassischen Pferdeschwanz ansetzt.

 

Der rote Punkt markiert in etwa die Stelle, wo die Obelion-Trepanationen waren. Bild: Zeichnung auf Seite 198 des „Cunningham’s Text-book of anatomy“ (1914), keine Urheberrechtseinschränkungen bekannt, via Flickr.com.

 

Das Besondere ist nicht nur die hohe Anzahl von Trepanationen, sondern die Stelle. Die Anthropologin Elena Batieva analysierte diese Funde. Solche Trepanationen waren im alten Russland kaum verbreitet. Weniger als ein Prozent aller gefundenen Trepanationen liegen auf dem Obelion. Bis dato hatte es nur einen Fall gegeben, mit einem Schädelloch an dieser Stelle am Kopf, und dieser Schädel wurde 1974 nicht weit von diesem prähistorischen Friedhof gefunden. Und hier gab es gleich fünf dieser äußerst seltenen Obelion-Trepanationen. Das hat auch einen ganz klaren Grund: Sich an diese Stelle heranzuwagen, ist extrem riskant. Der Obelionspunkt befindet sich nämlich direkt über dem „Sinus sagittalis superior“, wo sich Blut aus dem Gehirn sammelt, bevor es in die Hauptvenen des Gehirns fließt. Das Öffnen des Schädels an diesem Ort hätte zu schweren Blutungen und zum Tod geführt. Warum also haben die Kupferzeit-Bewohner Russlands solche gefährlichen Eingriffe machen lassen?

Die besagten Schädel zeigten auch keine Anzeichen von Verletzungen oder Krankheiten vor oder nach Durchführung der Trepanation. Es sah also alles so aus, als ob alle diese bestatteten Leute vollkommen  gesund und nicht aus medizinischen Gründen trepaniert worden ware. War ihre Trepanation ein Beweis für ein Ritual? Frau Batieva durchsuchte ganz Russlands unveröffentlichte, archäologische Aufzeichnungen, ob nicht noch anderswo solche seltsamen Obelion-Trepanationen entdeckt worden waren, aber nicht gemeldet wurden. Und tatsächlich landete sie zwei Treffer. Die Schädel von zwei jungen Frauen mit solchen Obelion-Trepanationen waren vor Jahren gefunden worden: eine 1980 und 1992. Jede von ihnen war weniger als 50 km von Rostow am Don entdeckt worden, und wieder zeigten beide keinerlei Anzeichen, dass sie aus medizinischen Gründen den Schädel geöffnet bekommen hatten.

 

Einer von vielen Schädeln aus Monte Alban in Mittelamerika. Der Schädel wurde deformiert. Möglicherweise dienten die verschiedenen Trepanationen medizinischen Zwecken, um Schmerzen oder zu hohen Innendruck zu entlasten. Monte Alban ist der einzige Ort im prähispanischen Mittelamerika, wo man Trepanationen machte. Bild: Flickr.com, Travis, Bildlizenz: CC BY-NC 2.0

 

Nun hatte Frau Batieva insgesamt acht solcher ungewöhnlicher Schädel, die alle in einer kleinen Region im Süden Russlands gefunden wurden und möglicherweise alle ungefähr gleich alt waren. Ein Jahrzehnt später kam noch mehr ans Licht: 2011 wurden 137 Skelette aus der Kupferzeit geborgen, etwa 500 Kilometer südlich von Rostow am Don. Und hier waren es neun trepanierte Schädel. Fünf hatten offensichtlich medizinische Gründe wegen Schädeltraumata. Doch vier waren ebenso unverletzt und ohne medizinische Indikation – und auch Obelion-Trepanationen. Nun hatte man eine sehr konkrete Spur und eine Theorie und arbeitete das Gefundene wissenschaftlich auf. Die Theorie: Südrussland könnte ein Zentrum für rituelle Trepanation gewesen sein.

Maria Mednikova von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau ist eine Expertin für russische Trepanation. Sie glaubt, dass Trepanationen in bestimmten, gefährlichen Bereichen des Schädels möglicherweise durchgeführt wurden, um „Transformationen“ irgendeiner Art zu erreichen. Man habe damals geglaubt, durch das Trepanieren an dieser Stelle am Kopf, ganz besondere Fähigkeiten erwerben zu können, die normale Mitglieder der Gesellschaft nicht hätten. Dafür ging man offensichtlich bewusst das Risiko ein, auch daran sterben zu können. Denn einer der 12 Schädel gehörte zu einer Frau unter 25 Jahren, die an einem der Standorte in der Nähe von Rostow am Don begraben worden war. Das Trepanationsloch zeigte keine Anzeichen einer Heilung, was wahrscheinlich bedeutet, dass sie während ihrer Operation oder kurz danach starb.

 

 

Die Besitzer der anderen Schädel hatten mehr Glück. Sie scheinen ihre Operationen überlebt zu haben. Ihre Schädel zeigten eine Knochenheilung an den Rändern der Trepanationslöcher – wenngleich auch der Knochen nie vollständig über die Löcher gewachsen war. Drei der 12 Schädel zeigten nur leichte Anzeichen einer Heilung im Bereich des Trepanationslochs, was darauf schließen lässt, dass ihre Besitzer nur zwei bis acht Wochen nach der Operation überlebten. Zwei dieser Personen waren Frauen zwischen 20 und 35 Jahren. Der dritte war eine ältere Person zwischen 50 und 70 Jahren, deren Geschlecht nicht ermittelt werden konnte. Die anderen acht Schädel zeigten eine fortgeschrittenere Heilung. Nach dem geltenden Wissensstand über Knochenheilung überlebten diese Individuen anscheinend ihre Operation um mindestens vier Jahre. Die Gruppe aus dem zuerst beschriebenen Grab gehörte zu den Glücklichen: Die beiden Männer, die zwei Frauen und das Teenager-Mädchen lebten alle noch jahrelang mit ihren Obelionlöchern. Die Teenagerin, die einer Skelettanalyse nach bei ihrem Tod zwischen 14 und 16 Jahre alt gewesen war, muss mit höchstens 12 Jahren trepaniert worden sein, vielleicht sogar noch deutlich vorher.

Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass es damals, in der Kupferzeit doch medizinsiche Gründe gewesen sein könnten, aus denen das gemacht wurde, wenngleich auch bei den Obelion-Schädellöchern keinerlei Anzeichen dafür zu finden waren. Aber die These von Frau Batieva und ihrer Kollegin, es habe sich wahrscheinlich um rituelle Trepanationen gehandelt, hat einiges für sich. Was diese Operation nun wirklich an Bewusstseinserweiterung oder religiöser Bedeutung für die Menschen damals gebracht hat … wir wissen es leider nicht.

 

 

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