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Fotomontage: Niki Vogt, Bildmaterial: Pixabay

Massen-Kindesmissbrauchsfall Lügde: 155 Kinderporno-DVDs einfach verschwunden – wann beginnt das Zeugensterben?

23. Februar 2019 | Familie | Soziales | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | connectiv.events

Es klingt wie aus einem schlechten Film oder einer angeblichen Verschwörungstheorie. Es ist passiert, was immer passiert, wenn Behörden in Missbrauchsskandalen der Untätigkeit beschuldigt werden. Es sind Akten verschwunden, wie im Fall NSU, Dutroux, Mordfall Peggy, Kampusch und so weiter. Wann sterben die ersten Zeugen?

Im Fall des mehrfachen und andauernden Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold ist seit mehreren Wochen jede Menge Beweismaterial verschwunden. Ein ganzer Koffer voll und eine Hülle mit 155 Datenträgern sind seit dem 20. Dezember in der Kreispolizeibehörde Lippe vermisst. Das musste Herbert Reul (CDU), der Innenminister Nordrhein-Westfalens am Donnerstag in Düsseldorf vor der Presse eingestehen.

Das Abhandenkommen der Asservate sei überhaupt erst am 30. Januar bemerkt worden, was bedeutet, dass sich die Polizei einen ganzen Monat lang gar nicht um die Beweise gekümmert hat. Man gab sogar zu, nur drei CDs bisher überhaupt ausgewertet zu haben. Ob auf den Datenträgern mit 0,7 Terabyte Speicherplatz auch kinderpornografisches Material zu finden gewesen wäre, weiß niemand. Minister Reul flüchtete sich in Empörung: „Man muss hier klar von Polizeiversagen sprechen“. Ein kleiner Trost: Der größte Teil von 15 Terabyte Filmmaterial ist aber schon vorher von der Polizei gesichert worden. Nun sollen 15 Sonderermittler eingesetzt werden.

 

 

Die Polizei redet sich aus der Verantwortung

Die Behördenleitung hat am vergangen Montag einen unabhängigen, bislang nicht mit dem Fall betrauten Kommissariatsleiter beauftragt, diese Vorgänge zu untersuchen. Seit Mittwoch ist auch das Landeskriminalamt (LKA) NRW im Auftrag des Innenministeriums NRW mit der Untersuchung befasst. Die Kreispolizeibehörde Lippe begrüßt dieses Vorgehen und arbeitet uneingeschränkt mit dem LKA NRW zusammen. Die Kreispolizeibehörde Lippe hat ein großes Interesse an einer vollständigen und rückhaltlosen Aufklärung des Sachverhalts. Das ist mit Blick auf die betroffenen Familien auch unbedingt erforderlich. Notwendige Konsequenzen werden nach Vorliegen der Berichte zu ziehen sein.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert lückenlose Aufklärung:

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), fordert im Fall des verschwundenen Beweismaterials im Missbrauchsskandal in Lügde eine lückenlose Aufklärung. „In keinem Strafverfahren dürfen Beweismittel verschwinden. Das geht überhaupt nicht. Aber zunächst gilt die Unschuldsvermutung. Jetzt muss gründlich ermittelt werden. Nichts darf unter den Tisch gekehrt werden. Man muss transparent mit dem Fall umgehen“, sagte Rettinghaus der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen eine „Person“ wegen des Löschens von Daten. Ausgerechnet die Daten, die den Hauptverdächtigen belasten könnten sind gelöscht worden. Es wird untersucht, ob das absichtlich geschah, um den Hauptverdächtigen vor einer Anklage und so vor Strafe zu schützen Das wäre dann der Tatbestand einer Strafvereitelung.

 

 

Die Verdächtigen sind noch in U-Haft, haben Polizisten sie gedeckt?

Als Hauptverdächtige in der Sache sitzen ein 56-jähriger aus dem angrenzenden Ort Lügde und ein 33-Jähriger Mann aus Steinheim und ein 48-Jähriger Mann aus Stade in Niedersachesen ein. Die drei Männer stehen unter dem dringenden Verdacht, 31 minderjährige Opfer zwischen 4 und 13 Jahren missbraucht und Kinderpronografie verbreitet zu haben. Eine Strafanzeige im Dezember 2018 brachte den Stein überhaupt ins Rollen. Bis dahin waren die Täter auf dem Campingplatz lange Zeit ihren grässlichen Neigungen ungestört nachgegangen. Als die Ermittlungen begannen, tauchte gleich ein neuer, scheußlicher Verdacht auf. Es scheint, dass zwei Polizeibeamte diese Untaten gedeckt haben könnten, möglicherweise, weil sie die Täter persönlich kannten. Das soll jetzt geprüft werden. Aber auch die Jugendämter sollen in die Sache verstrickt sein und können Kenntnis von den Vorgängen gehabt haben oder in sträflicher Weise desinteressiert gewesen sein.

Denn schon 2016 sollen Hinweise auf sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz bei der Polizei in Lippe bekannt gewesen sein. Die Beamten telefonierten mit den Zeugen, die solche Dinge beobachtete hatten, taten aber weiter nichts, als die Sache an das Jugendamt weiterzuleiten. Die Staatsanwaltschaft Detmolt ermittelt nun gegen die Polizei, die es bei der Weiterleitung ans Jugendamt bewenden ließ und sich nicht einmal die Mühe nahmen, der Sache auf den Grund zu gehen. Das Jugendamt seinerseits befand es auch nicht für nötig, der Sache nachzugehen.So konnte ein Kind nach dem anderen in die Fänge der drei Verbrecher geraten und die Behörden schauten weg.

 

 

 

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