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Mit leicht überprüfbaren Belegen: Warum der Spiegel nichts weiter, als die Pressestelle der Nato ist

4. Juni 2020 | Allgemein | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Wirtschaft | Finanzen | Anti Spiegel

von Thomas Röper

In der Sendung „Die Anstalt“ wurden die deutschen Medien mal als „Pressestelle der Nato“ bezeichnet. Wie sehr das stimmt, zeigte nun wieder einmal der Spiegel, der die Vertreter der Nato gleich ihre eigenen Artikel schreiben lässt. Da hätte der Spiegel auch gleich auf die Pressestelle der Nato verweisen können.

In der Sendung „Die Anstalt“ haben die Protagonisten der Sendung aufgezeigt, über welche Verbindungen die deutschen Mainstream-Medien an die Nato gebunden sind und im Ergebnis wurden die deutschen Mainstream-Medien als „Pressestelle der Nato“ bezeichnet. Um das aufzuzeigen, wurden die Verbindungen mit Hilfe einer Schautafel erklärt (hier der Link zu dem Beitrag der „Anstalt“). Das hätte man auch einfacher aufzeigen können, wie der Spiegel nun mal wieder gezeigt hat.

Die Aufgabe der Medien ist es, kritisch zu hinterfragen und die Mächtigen zu kontrollieren. Ihre Aufgabe ist es nicht, deren Erklärungen einfach als Artikel zu veröffentlichen. Genau das hat aber der Spiegel getan. Unter der Überschrift „Biden-Berater über Nukleare Teilhabe – „Das trifft den Kern der transatlantischen Idee“ hat der Spiegel am 31. Mai einen „Gastbeitrag von Michèle Flournoy und Jim Townsend“ veröffentlicht. Immerhin hat der Spiegel in der Einleitung drauf hingewiesen, dass die zwei Autoren Berater von Joe Biden sind.

Es wäre ja noch nicht einmal etwas dagegen zu sagen, dass der Spiegel zu dem Thema nukleare Teilhabe die Vertreter der Transatlantiker (also der Nato) direkt und ungefiltert zu Wort kommen lässt, wenn er den Kritikern den gleichen Raum geben würde. Aber dem Spiegel würde es im Leben nicht einfallen, einen Putin-Berater zu dem gleichen Thema einen Gastbeitrag schreiben zu lassen. Die Leser können sich aber nur dann ein Urteil bilden, wenn sie die Argumente beider Seiten lesen können.

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Die atomare Teilhabe verstößt gegen den Atomwaffensperrvertrag

Ich berichte darüber immer wieder. Die atomare Teilhabe der Bundeswehr bedeutet, dass deutsche Piloten im Kriegsfall die in Deutschland gelagerten Atombomben auf den Feind (also Russland) abwerfen sollen.

Bevor man aber über dieses Thema diskutiert, sollte man wissen, dass das gegen das Verbot der Verbreitung von Atomwaffen verstößt. Diese von Politik und Medien so hochgelobte „Teilhabe“ ist ein direkter Verstoß gegen einen international bindenden Vertrag, den Deutschland auch unterschrieben hat. In den Artikeln 1 und 2 des Atomwaffensperrvertrages heißt es ganz deutlich und unmissverständlich:

„Artikel I
Jeder Kernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen und sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber an niemanden unmittelbar oder mittelbar weiterzugeben und einen Nichtkernwaffenstaat weder zu unterstützen noch zu ermutigen noch zu veranlassen, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper herzustellen oder sonstwie zu erwerben oder die Verfügungsgewalt darüber zu erlangen.
Artikel II
Jeder Nichtkernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper weder herzustellen noch sonstwie zu erwerben und keine Unterstützung zur Herstellung von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern zu suchen oder anzunehmen.“

Wenn also die USA ihre in Deutschland gelagerten Atomwaffen im Kriegsfall an die Bundeswehr weitergeben, verstoßen die USA gegen den Atomwaffensperrvertrag. Und wenn die Bundeswehr sie annimmt und an ihre Flugzeuge hängt, verstößt Deutschland gegen den Atomwaffensperrvertrag. Da die „nukleare Teilhabe“ aber genau das bezweckt, ist sie ein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag. Aber dazu findet sich im Spiegel nie auch nur ein einziges Wort.

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Der Verstoß gegen Atomwaffensperrvertrag wird in Deutschland nie erwähnt

Stattdessen werden die Leser mit Debatten zwischen Teilen der SPD und der CDU abgelenkt, wenn Teile der SPD mal wieder den Abzug der amerikanischen Atomwaffen fordern. Dann werden in den Medien fleißig die Argumente ausgetauscht, wobei die Befürworter erheblich mehr Raum in den Medien bekommen und uns erklären können, wie wichtig diese atomare Teilhabe angeblich für die Nato ist und wie viel Einfluss Deutschland damit angeblich über die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen hat. Gerade so, als würden die USA in Berlin vor dem Einsatz von Atomwaffen um Erlaubnis bitten.

Aber dieser Unsinn wird gesagt und von den Medien fleißig verbreitet. Am 3. Mai berichtete der Spiegel über den Streit zwischen SPD und CDU, am 4. Mai erfuhren die Spiegel-Leser, dass Außenminister Maas gegen einen „deutschen Sonderweg bei Atomwaffen“ ist und am 8. Mai durften uns transatlantische Hardliner im Spiegel in einem Gastbeitrag nochmal erklären, warum die atomare Teilhabe eine tolle Sache ist.

Der Gastbeitatrag vom 8. Mai war ein klassisches Beispiel für Meinungsmache, denn eine Autorin war von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Über diese Stiftung habe ich oft berichtet, daher hier nur kurz: Die Stiftung mit dem unschuldig klingenden Namen wurde 1962 unter Regie der CIA gegründet. Früher konnte man das noch bei Wikipedia lesen, heute steht davon nichts mehr dort. Die Gründung erfolgte unter der Regie von Klaus Ritter, einem der Gründer des BND, und zwar nachdem er ein Jahr in den USA gewesen war und sich dort in die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch vom Geheimdienst kontrollierte Think Tanks mit schönen Namen informiert hat. Angespornt wurde er dabei von US-Eliten, wie dem damals aufstrebenden Henry Kissinger.

Die Stiftung wurde also als Propaganda-Instrument gegründet, um die öffentliche Meinung in Deutschland in die gewollte – transatlantische – Richtung zu beeinflussen. Daran hat sich bis heute nichts geändert und der Gastbeitrag vom 8. Mai, den der Spiegel veröffentlicht hat, zeigte das einmal mehr deutlich. Unter dem Deckmantel, (unabhängige) „Experten“ zu Wort kommen zu lassen, dürfen die Mitarbeiter der Propaganda-Stiftung in allen Mainstream-Medien die transatlantische Denkweise unter das Volk bringen.

Man kann ja zu einem Thema unterschiedlicher Meinung sein, aber warum wird bei dem Thema immer verschwiegen, dass die atomare Teilhabe ein Bruch des Atomwaffensperrvertrages ist? Und warum sagen das eigentlich die angeblichen Kritiker der SPD, die öffentlich gegen US-Atomwaffen in Deutschland sind, nie? Könnte das daran liegen, dass dann die meisten Leser den Argumenten der Befürworter der atomaren Teilhabe nicht mehr folgen würden?

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Dauerberieselung im Spiegel: „atomare Teilhabe ist nötig!“

Nun hat der Spiegel nachgelegt und wieder einen Gastbeitrag veröffentlicht, dieses Mal von ehemaligen Mitarbeitern des Pentagon und der Nato, die heute Berater von Joe Biden sind. Und wenig überraschend wird wieder für die atomare Teilhabe getrommelt und wieder wird der Atomwaffensperrvertrag mit keinem Wort erwähnt. Das hat also System beim Spiegel und bei den anderen „Qualitätsmedien“.

Wenn aber die Vertreter der Nato so offen ihre eigenen Erklärungen als Artikel beim Spiegel veröffentlichen können, was ist der Spiegel dann anderes, als die Pressestelle der Nato?

Bitte, bitte, widerlegt meine wirre Verschwörungstheorie!

Lieber Spiegel, beweise mir, dass ich mit meiner Kritik falsch liege und veröffentliche für jeden „Gastbeitrag“ der Nato-Versteher auch einen Gastbeitrag der „Russlandversteher“, in dem die genauso unkommentiert ihren Standpunkt erklären können.

Solange das nicht passiert, werde ich das ehemalige Nachrichtenmagazin als „Pressesprecher der Nato“ und als „Propaganda-Instrument“ bezeichnen, denn wer nur einseitig berichtet, ohne die Gegenseite gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen, der betreibt per Definition Propaganda.

 

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https://www.j-k-fischer-verlag.de/J-K-Fischer-Verlag/SPIEGLEIN-SPIEGLEIN-in-der-Hand-wer-luegt-am-meisten-im-ganzen-Land--9700.html

Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen Buches lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2019 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

 

 


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