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Münsteraner Forscher: Mikroplastik in Mineralwässern aus Mehrwegflaschen

30. Januar 2018 | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Wissenschaft | Forschung | Deutschlandfunk

Mikroplastik steckt offenbar auch in Mineralwasser. Münsteraner Forscher haben mit einer verfeinerten Messmethodik in Mineralwasser abgefüllt in PET-Flaschen Mikroplastik gefunden – keine Probe war frei. Die Folgen von diesem Plastik im Körper lassen sich derzeit noch nicht abschätzen.

Wer in Darena Schymanskis Labor in Münster kommt, könnte meinen, sie sammle Goldmünzen. In kleinen Petrischalen liegen Dutzende von ihnen sauber aufgereiht auf dem Labortisch, wie es scheint:

„Aber das sind in Wahrheit kleine Filter. Die haben eine ganz hauchdünne Beschichtung mit Gold. Filterfolien sind das.“

Die kreisrunden Goldplättchen haben winzige Poren. Selbst Teilchen, die nur ein paar Mikrometer messen, bleiben im Filter hängen und lassen sich dann analysieren. Die Lebensmittelchemikerin verwendet dafür ein spezielles Spektrometer:

„Jetzt schiebe ich das Verdeck hoch und entnehme den letzten gemessenen Filter. Das ist jetzt hier ein Mineralwasser medium. Mit dem bloßen Auge sieht man die Partikel nicht. Erst mit der Vergrößerung in dem Gerät.“

Winzige Kunststoffpartikel im Mineralwasser

Es geht hier um winzige Kunststoffpartikel. Und was die junge Forscherin bei ihren Analysen im Chemischen Untersuchungsamt in Münster herausgefunden hat, dürfte die Diskussion um das sogenannte Mikroplastik weiter befeuern. Man weiß, dass es in der Umwelt verbreitet ist. Man weiß, dass es Kosmetika zugesetzt wird. Doch die Messungen in Münster setzen jetzt noch eins drauf. Denn sie zeigen: Mikroplastik steckt offenbar auch in Mineralwasser, das heißt wir schlucken es tagtäglich mit Lebensmitteln:

„Wir haben 38 verschiedene Mineralwässer untersucht, die in Mehrwegflaschen und in Einwegflaschen und in Getränkekartons gekauft wurden. Und haben herausgefunden, dass sich vor allem in Mehrwegflaschen ein erhöhter Anteil an Mikroplastik-Partikeln findet.“

Gemeint sind hier die gängigen Pfandflaschen aus Polyethylen-Terephthalat, oder kurz PET. Mineralwasser aus solchen Mehrwegflaschen enthielt im Durchschnitt 120 Plastikpartikel pro Liter, der Höchstwert lag bei über 200. Keine der Proben war frei von solchen Spuren, auch nicht stilles Wasser.

Es sei davon auszugehen, dass der feine Kunststoffschnee überwiegend aus der Flaschenhülle stammt, zum Teil aber auch aus den Verschlüssen:
„Wir haben hauptsächlich PET gefunden, aber auch Polypropylen in den Mehrwegflaschen. Das korreliert sehr gut mit den Bestandteilen der Flasche. Denn die Flasche besteht aus Polyethylenterephthalat. Und fünf bis sieben Prozent Polypropylen korrelieren auch mit der Beschaffenheit der Flasche insofern, dass die Deckel aus Polypropylen bestehen, die Kappen.“

Man könne PET-Pfandflaschen bis zu 50mal wiederverwenden, heißt es. Dabei werden ihre Innenwände wohl aufgerauht, wie Darena Schymanski vermutet. Anders dagegen Einwegflaschen aus Plastik:

„Die frisch gespritzt sind und somit auch eine glatte Oberfläche haben. Und dadurch auch keine Angriffsfläche für zum Beispiel die Kohlensäure oder das Wasser.“

Welchen Schaden kann dieser Plastik-Feinstaub im Körper des Menschen anrichten?

Knapp 80 Prozent der nachgewiesenen Plastikpartikel lagen im unteren Messbereich zwischen fünf und 20 Mikrometern, sind also besonders klein. Das sei die Stärke der in Münster verfeinerten Messmethode, sagt Arbeitsgruppenleiter Christophe Goldbeck: Sie erfasse zum ersten Mal auch sehr kleine Teilchen.

Doch welchen Schaden kann dieser Plastik-Feinstaub im Körper des Menschen anrichten? Das lasse sich im Moment noch nicht beurteilen, sagt der Lebensmittelchemiker. Giftig ist Mikroplastik wohl nicht.

„Aber man weiß auf jeden Fall: Was unerwünscht ist, ist die Akkumulation im Körper. Das hört sich jetzt nicht nach so viel an, 200 Partikel. Aber stellen Sie sich vor: Sie machen das jeden Tag! Also sagt man: Es ist von den ersten Punkten der Risikoanalyse. Und je kleiner die Partikel, desto größer das Risiko letztendlich, dass sich das im Körper akkumulieren kann. Und dass das dann zu unerwünschten Effekten führen könnte eben halt auf lange Sicht.“

Goldbecks Team möchte das Verfahren weiter verfeinern und demnächst auch Nanoplastik analysieren – also Teilchen, die noch kleiner sind und noch tiefer in Körpergewebe eindringen können. Wichtig sei auch herauszufinden, wo genau sich PET-Partikel aus den Mehrwegflaschen lösen, bei welchen Prozessschritten. Dem Verband Deutscher Mineralbrunnen sind die Messergebnisse bekannt, wie er auf Anfrage mitteilte. Derzeit finde eine Einschätzung statt.

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Quelle:

Deutschlandfunk

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