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Nach 400 Jahren fliegt der Waldrapp wieder am Himmel Europas

20. Juli 2018 | Natur | Umwelt | Wissenschaft | Forschung | connectiv.events

Der Waldrapp oder Nördliche Ibis ist vom Aussterben bedroht. Wildlebende Waldrappe gibt es nur noch weniger als 1000 Exemplare. Aber eine deutsche Gruppe führt diese Vögel wieder in Europa ein, wo sie einst zahlreich lebten. Das Team benutzt Ultraleichtflugzeuge, mit denen sie die Vögel auf ihrer Wanderungen nach Süden in Richtung Mittelmeer zu führen.

Mit seinem schwarzen Körper und den weiten Flügeln sieht dieser Vogel, der an einem lauen Sommertag durch das österreichische Salzachtal fliegt, auf den ersten Blick aus, wie eine Krähe. Doch sobald er auf der nahe gelegenen Wiese landet, wird klar: das ist ein ganz anderes Tier.

Die schillernden Federn des Vogels geben ihm ein fast magisches Aussehen. Sein langer, gebogener Schnabel ist ideal für die Jagd nach kleinen Tieren. Der seltsame Vogel trägt eine Frisur im Irokesen-Stil, das macht ihn unverwechselbar.

 

Der Irokesenschopf macht den Vogel unverwechselbar

 

Der Waldrapp oder Nord-Ibis ist eine Ibis-Art, die in der Wildnis stark gefährdet ist. In früheren Jahrhunderten kam die Art breitflächig in Nord- und Ostafrika, Kleinasien, Arabien und Teilen Europas vor. Schon die alten Ägypter verehrten diesen nördlichen Kahlkopf als eine Gottheit des Jenseits. In jahrtausendealten, altägyptischen Hieroglyphen ist er gut zu erkennen.

Heute existiert jedoch nur noch eine kleine Population von etwa 600 Wildvögeln in Marokko. Aber auch das ist eine Halbwildpopulation, der Bestand wird nur durch Nachzucht erhalten. In der Südtürkei gibt es noch eine kleine Gruppe von etwa 200 Vögeln und vielleicht ein paar vereinzelte im Osten Afrikas. Eine kleine Restpopulation in Syrien, die gerade mal sieben Vögel zählt, wurde im Jahr 2002 entdeckt, aber auch dieses Grüppchen schrumpfte auf einen einzigen Vogel im Jahr 2014, sozusagen der jetzte „Irokese“ dort. Damit gelten die Waldrappen im Nahen Osten jetzt als ausgestorben in Syrien. Der Syrienkrieg war der klassische Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

 

 

Heute ist der Bestand an Nordischen Ibisen in einem so schlechten Zustand, dass die weltweite Zoo-Population mit 1.600 Vögeln dieser Art größer ist, als die wilde.

Inzwischen wurden jedoch mehrere wiederansiedlungsprojekte für den nordischen Kahlkopf-Ibis oder Waldrapp (Geronticus eremita) gestartet, weshalb der beeindruckende Vogel tatsächlich wieder am nördlichen Rand der Alpen zu sehen ist – ein Lebensraum, in dem man ihn zuletzt vor fast 400 Jahren antreffen konnte. Bis zum 17. Jahrhundert noch wurde von Waldrappen in Teilen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz in und um Städte mit Burgen berichtet, auf denen Zinnensie gerne brüteten. Historische Aufzeichnungen darüber, wo der Vogel heimisch war, sind recht spärlich, mit Ausnahme von Städten wie Graz und Salzburg, wo Waldrappe, genau wie Weißstörche, unter Menschen lebten. Waldrappe tauchten in einem der ältesten und berühmtesten illustrierten Bücher Europas über einheimische Tierarten auf, dem Vogelbuch, 1557 veröffentlicht vom Schweizer Naturforscher Conrad Gessner. Ein paar Jahrzehnte später enden Berichte über diese Vögel. Zu starke Bejagung und das kühlere Klima werden als mögliche Ursachen dafür angesehen, dass der Vogel in Europa um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) von Himmel Europas verschwand.

 

Bild: Wikipedia, Robert F. Tobler

 

Heute ist die Wiederansiedlung dew Waldrapps Teil eines der ehrgeizigsten, aufwändigsten und umstrittensten Programme zur Wiedereinführung von fast ausgestorbenen Arten weltweit. Die Population von Waldrappen in den deutschen und österreichischen Zweigstellen des Projekts zählt nun 84 in Gefangenschaft gezüchtete und wiedereingeführte Vögel. Naturschützer bringen ihnen bei, im Herbst nach Süden zu ziehen, indem sie die Vögel in Ultraleichtflugzeugen in Richtung Mittelmeer führen. Während die meisten Wiederansiedlungsprogramme dazu beitragen, Arten wiederzubeleben, die in jüngster Zeit unter Lebensraumverlust, Wilderei oder anderen Formen der menschlicher Nachstellungen gelitten haben, zielt das Waldrapp-Projekt darauf ab, Ereignisse, die bereits vor Jahrhunderten stattfanden, wieder umzukehren. Die Gründer der Initiative behaupten, es sei das weltweit erste Projekt, das „die Wiedereinführung einer kontinental ausgestorbenen Wanderart und die Etablierung einer neuen Migrationstradition“ zum Ziel hat.

Manche prominente Zoologen und Naturschützer kritisieren den „aggressiv interventionistischen“ Ansatz des Projekts: Das Projekt konzentriert sich auf Wiedereinführung einer einzigen Art anstelle auf die Wiederherstellung eines Lebensraums oder Ökosystems. Es nutzt Technologie in Form von Geo-Locators und Flugzeugen. Und es konzentriert sich auf Vögel, die lange in Zoos gelebt haben.

„Es wäre viel besser, die Ressourcen darauf zu konzentrieren, den Aufwärtstrend in der marokkanischen Bevölkerung fortzusetzen und in der Türkei, die Teil der historischen Züchtungsgebiete ist, wieder aufzupäppeln“, sagt Armin Landmann, Zoologe an der Universität Innsbruck und a Mitglied des wissenschaftlichen Komitees von BirdLife Austria, einer führenden Naturschutzorganisation.

 

 

Das Waldrapp-Projekt wurde 2001 von Johannes Fritz, einem österreichischen Verhaltensbiologen, initiiert und konzipiert. Fritz begegnete den Waldrappen zum ersten Mal1997, als er am Konrad-Lorenz-Forschungsinstitut arbeitete. Dort wurden 10 Vögel aus dem Innsbrucker Zoo für ein Forschungsprojekt eingesetzt. Dann verschwanden diese 10 Vögel über Nacht. Ein paar Tage lang wurden sie für tot gehalten, vielleicht von Uhus getötet. Aber kurz darauf kamen Meldungen aus dem Norden, dass einzelne Vögel oder kleine Gruppen gesichtet worden waren. „Sie sind zur richtigen Zeit des Jahres – nur in die falsche Richtung – zu ihrem Zug nach Süden gestartet“, sagt Fritz. Er führt dies auf die eigentümliche Topographie der Gegend um das Forschungsinstitut zurück, die im Süden von scharfen Bergklippen abgeschlossen ist.

Fritz erinnert sich, dass die Idee, ein Wiedereinführungsprogramm zu entwickeln, bei etwas zuviel Arolla-Pinienschnaps und unter dem Einfluss des Hollywood-Films „Fly Away Home“ geboren wurde. In dem Film hilft ein Mädchen einem Schwarm von Kanadagänsen, ihre Zugroute wieder zu finden.

Im Jahr 2004 startete Fritz zum ersten Mal mit einem Vogelschwarm und einem Ultraleichtflugzeug, mit dem er den Waldrappen den Weg wies. NAchdem er sietrainiert hatte, ihm zu folgen. Unter großer Medienbeteiligung gelang es dem Team, zumindest einen Teil der endgültigen Vogelzugsroute zurückzulegen.

 

Bildquelle: http://waldrapp.eu/index.php/de/

 

Ein neues Wanderungsmuster musste etabliert werden. Statt traditioneller Stätten anzusteuern, musste ein Gebiet gefunden werden, das heute für die Vögel geeignet ist. In Zusammenarbeit mit dem WWF wählte das Team ein Naturschutzgebiet in der Toskana, Oasi Laguna di Orbetello, aus.  Dies war das Ziel der ersten erfolgreichen Waldrappwanderungen, die von Menschenhand durchgeführt wurden, nachdem die Vögel sorgfältig darauf vorbereitet worden waren, alleine in ein sicheres Refugium für den Winter zu ziehen.

 

 

Es brauchte jahrelange Ausbildung, um den ersten Schwarm von Waldrappen erfolgreich durch die Alpen zu bringen. 2011 ist der erste Vogel alleine in die Toskana ausgewandert. Der Vogel, genannt Goja, kehrte im folgenden Frühjahr sogar nach Burghausen zurück. „Das war unser Konzept“, erinnert sich Fritz. Aber im Herbst 2012 erschoss ein italienischer Jäger Goja und einen seiner Nachkommen. Dennoch fanden seit 2010 weitere vier vom Menschen unterstützte Reisen statt und die Zahl der Vögel, die zwischen Deutschland und der Toskana hin- und zurückwanderten, ist von 16 im Jahr 2014 auf 29 in diesem Jahr gestiegen. Ziel ides Projekts ist es, eine selbsterhaltende Population von rund 500 Vögeln zu erreichen, deren Brutgebiet bis in die Schweiz reicht.

Dieser Erfolg ermutigte Fritz, einen dritten Schwarm von Waldrappen am Bodensee zu gründen, bestehend aus 32 Jungvögeln. Fritz und sein Team sind gerade dabei, diese 620 Meilen lange Reise vorzubereiten. In sechs Flugetappen soll die Strecke in voraussichtlich 15 bis 20 Tagen zurückgelegt werden.

Die Zahl der Waldrappen in Deutschland und Österreich hat sich von 43 im Jahr 2014 auf 84 im Jahr 2018 fast verdoppelt.

In Syrien dagegen hat sich das Schicksal dieser Ibisart in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Ein italienischer Naturforscher, Gianlucca Serra, lebte und arbeitete von 2000 bis 2011 in Syrien. Er bemühte sich, die Restpopulation des Vogels in der Wüstensteppe nahe der antiken Stadt Palmyra 2002 wiederzufinden. Von den sieben wiederentdeckten Vögeln wurde 2009 ein beringtern und registrierter Vogel im Norden Saudi-Arabiens erschossen, so Serra. Drei von den Palmyra-Ibisen wurden 2013-2014 in Äthiopien gesehen. Einer dieser Vögel namens Zenobia kehrte im Frühjahr 2014 nach Palmyra zurück. Aber soweit Serra weiß – er war 2011 wegen des Bürgerkriegs aus Syrien geflohen – war 2014 das letzte Jahr, in dem Zenobia in Syrien gesehen wurde. Damit war auch in Syrien der Waldrapp augestorben.

Fritz sieht die Bedeutung seiner Arbeit in einem zukunftsorientierten Naturschutz: „Wir wollen nicht einfach eine unberührte Natur des Mittelalters neu erschaffen“, sagt er. „Wir wollen den Waldrapp in eine moderne Landschaft integrieren, die von Menschen für vielfältige Nutzungen geschaffen wurde.“

Bildquelle: http://waldrapp.eu/index.php/de/

 

 

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