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Nach fast 1000 Jahren: Ein Paar feiert traditionelle Wikinger-Hochzeit in Norwegen

26. Oktober 2018 | Familie | Soziales | Geschichte | Kultur | Kunst | Musik | connectiv.events

Die Hochzeit soll meistens ein ganz besonderer Tag sein. Nur wenige wollen eine ganz simple Trauung mit möglichst wenig Aufwand. Es gibt ganze Fernsehsendungen mit den ausgefallensten Hochzeiten. Der Kracher sind immer Hochzeiten, wo der Bräutigam seine Auserwählte um ihre Hand bittet und in dem Moment, wo sie „Ja!“ sagt, entpuppt sich beispielsweise das gesamte Restaurantpersonal als eingeweiht, aus allen Ecken kommen die Verwandten und Freunde und bevor sich die Braut noch davon erholt hat, wird die ganze Kulisse für die Trauung aufgebaut einschließlich einer bombastischen Wolke aus weißer Seide und Spitze als bereits fertiges Brautkleid hervorgezaubert. Es gibt Game-of-Thrones-Hochzeiten, Star-Wars-Hochzeiten … so ziemlich alles.

 

 

Etwas ganz besonderes hat sich ein norwegisches Paar einfallen lassen. Sie haben sich in einer authentischen Wikinger Zeremonie verheiratet. Und es war auch wirklich alles dabei und alles auch komplett originalgetreu, von den Materialien, der originalgetreuen Fertigung und dem Ablauf. Die Langboote waren ebenfalls original, wie damals gebaut, ein heidnischer Priester, der die ganzen Rituale kannte. Das Brautpaar war zwar – beide! – christlich erzogen worden, aber an diesem Tag kam die alte, heidnische Natur offenbar doch wieder durch.

 

Das Brautpaar trifft sich am Landungssteg. Si wie ihre Vorfahren vor tausend Jahren. Bildnachweis: PA Real Life / Patrick Aguilera

 

 

Das Wort „Heide“ bedeutet aber nicht „ungläubig“ oder „atheistisch“. So wurde es nur im Frühmittelalter definiert, als sich die Christen mit Feuer und Schwert in Mittel- und Nordeuropa durchsetzten. „Heide“ wurde zum Schimpfwort für die Nicht-Christusgläubigen und wurde lustigerweise auch für Moslems benutzt. Das Wort „Heide“ kommt vom Nordischen „heiðin“ und stammt von der nordischen Bezeichnung für Waldland, nämlich „die Heide“ ab, eine Landschaft mit Lichtungen, Feuchtbiotopen, Wald, Gebüsch und zuweilen Mooren. Da unsere Vorfahren statt in Tempeln oder Kirchen ihre Götter zu verehren, sich ihnen in der freien Natur – nämlich auf der Heide, auf Lichtungen, in heiligen Hainen – am nahesten fühlten, bezeichneteten sich auch selbst als „Heiden“. Das Heidentum ist die Naturreligion, die die alten Götter der Asen und Wanen verehrt, also Odin (Wotan) und Thor (Donar) als führende Gottheit des Asen und des Wanengeschlechtes der Götter.

Ein nordischer Dichter, der Skalde (Dichter, Barde) Eyvindr Skáldaspillir (Gesprochen: Eijwind’r Skauldaspittl’r, der „Bardenverderber“) schrieb ein ein Kurzgedicht zum Tode König Hakons ( Hákonarmál Strophe 21):

Deyr fé,
deyja frændr,
eyðisk land ok láð;
síts Hákon
fór með heiðin goð,
mörg es þjóð of þéuð.

Das Vieh stirbt,
Die Freunde sterben,
Das Land und das Reich veröden.
Seit Håkon
fuhr zu den heidnischen Göttern,
Wird schwer das Volk geplagt.

 

Ein Wikingerhof mit Langhaus, Wirtschaftsgebäuden und Bootsschuppen. (Bild: Shutterstock)

 

 

Elisabeth und Rune Dalseth entschieden sich also für einen heidnische Hochzeitszeremonie mit einem heidnischen Priester, der die beiden nach altem Ritus am Ufer eines Sees in Norwegen traute. Natürlich waren sie alle in originalgetreuen Kleidern da und statt einer Limousine fuhren die beiden Hochzeiter in Wikinger-Drachenbooten vor. Es war allerdings kein großes Problem, die ganzen „Zutaten“ aufzutreiben: Beide sind Mitlieder einer Bewegung der norwegischen Wikinger-Wiedererweckungs-Bewegung. Die norwegischen Wikinger sind eine 6000 Kopf-Starke Gruppe und selbstverständlich haben sie alles, was sie für ihr zweites Leben brauchen. Vom Schwert über’s Kochgeschirr, Kleidung, Musikinstrumente, Schuhe, Drachenboote und Langhäuser ist alles da.

Die Religion des Heidentums gibt es übrigens auch noch. Auf Island ist das Heidentum neben dem Christentum Staatsreligion. Dort heißen sie Ásatrúarmen (Ása= Asen, trúar= glauben, men=Männer, Leute, also „die Asengläubigen). Ob der anwesende Priester (Gode, Gothi) allerdings ein offizieller Priester der Religion war, ist nicht bekannt. Aber er sah wirklich beeindruckend aus:

 

Bild: The Gothi reading a pagan blessing (PA Real Life/ Patrick Aguilera) Das Buch, aus dem er den Segensspruch rezitiert ist allerdings nicht originalgetreu, sowas hatte man damals nicht, das musste der Gode alles auswendig wissen.

 

Am Tag der Hochzeit, als alle Gäste sich am See versammelt hatten, wurde das alte Horn geblasen, um dem Bräutigam zu signalisieren, dass er nun mit dem Boot herbeizukommen hat, und so segelte Rune nach altem Brauch mit seinen 10 Freunden über den See zur Versammlungsstelle. Bevor das Paar das Treuegelübde ablegt, wird das „Blot“-Ritual (Blutritual) begangen: Ein Kessel mit Blut wird auf einen Steinhaufen gelegt. Darum herum liegen kleine Götterfiguren, die die Anwesenheit der Götter symbolisieren. Der Gode tröpfelt das Blut über über die Götterfiguren und über die Stirn als Zeichen der Verbundenheit zwischen Göttern und Menschen. Dann gab es den traditionellen „Brautlauf“, den „Brullaup“, in dem die Verwandten der Braut und des Bräutigams in einem Wettrennen gegeneinander antreten müssen. Die Familie, die verliert, muss der Siegerfamilie den ganzen Abend Bier bringen. Keine schlechte Idee, was?

Manches war anders auf dieser Hochzeit. Der übliche Hochzeitsmarsch wurde ersetzt durch den tiefen, archaischen, nordischen Männerkehlgesang mit den schwirrenden Stimmen der Frauen darüber. Es gab keine Tanzkapelle mit Walzern oder Popmusik, sondern die ganz alten, wild-feierlichen Bauern- und Kriegergesänge und ausgelassene Tänze, wie sie die rauhen Vorfahren vor tausend Jahren getanzt haben. Statt Sektempfang gibt es Met und statt Häppchen ein Schwein am Spieß. Statt Rosenstrauß ein Blutopfer und statt sich die Eheringe gegenseitig anzustecken bindet knotet der Gode die Hände des Brautpaaren zusammen um das Schwert des Mannes.

 

Rune und Elisabeth’s Hände werden um ein Schwert zusammengeknotet, während der Gode die Treueformel spricht und beide für immer verbindet. (PA Real Life/ Patrick Aguilera)

 

Braut Elisabeth hat den gemeinsamen, kleinen Sohn Ragnar bei der Mutter daheimgelassen. Sie hatte einen Schönheitssalon, während ihr Bräutigam und nun Ehemann Rune ein Schreiner ist. Kennengelernt haben sie sich in einer Bar. Sie leben gerne in ihrer Wikinger-Identität und mögen es nicht, wenn damit immer nur Raubfahrten, Plünderung, Brandschatzung und Gewalt verbunden wird. Nicht, dass das nicht auch zu den gefürchteten Nordmännern gehörte, aber sie waren auch eng mit der Natur, den Tieren, dem Land und dem Wald verbunden.

 

Die Wikinger waren gefürchtete Krieger und Eroberer – und auch Plünderer. Wurden Drachenboote am Horizont gesehen, brach an den Küsten Irlands und Englands Panik aus. Klöster wie Lindisfarne wurden ausgeraubt und dem Erdboden gleichgemacht. Sogar nach Paris gelangten die Wikinger 886 und belagerten die Stadt. Kaiser KArl II. kaufte die Stadt mit Silber frei. Die dänischen Wikinger zogen zufrieden ab.(Bild: Shutterstock)

 

Die Wikinger sind nach wie vor ein Faszinosum und prägten eine ganze Epoche. Sie waren Seeräuber, Eroberer, Krieger, Plünderer und ganz Nord-, West- und Mitteleuropa zitterte vor ihnen. Aber auch begnadete, faire Händler, die bis weit nach Russland hineinzogen und Handel trieben. Grönland erhielt seinen Namen von den Wikingern, die hier eine Weile siedelten. Damals war Grönland noch wärmer und grün, daher der Name. Aber es war nicht warm und fruchtbar genug und die Wikinger verließen es wieder. Sie sind unter Leif Erikson bis Neufundland gesegelt und entdeckten so Amerika lange vor Kolumbus. Sie nannten es „Vinland“, Weinland, und unterhielten dort lange eine Siedlung. Sie gerieten natürlich mit den Indigenen Völkern aneinander, die sie „skraelingar“ nannten, die „Scheußlichen“. In Konstantinopel waren sie die blonden Löwen und die Palastwache des Kaisers. Die Wikinger waren sehr weltoffen und nahmen gern Neues von jedem Ende der Welt nach Hause. Daheim waren die wilden Gesellen allerdings eher friedliche Bauern und die Frau hatte zu Hause das Sagen. Das ist auch heute noch so in Skandinavien. Nicht selten waren Frauen unter den Kriegern dabei und sie waren nicht weniger gefürchtet.

Wer ein bißchen den Geist der Zeit der Wikinger schmecken will, der kann sich ja mal den Trailer von „Vikings“ ansehen. Ein bißchen sehr düster zum Teil, aber ziemlich authentisch.

 

 

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