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Nicht sehr optimistisch: Das russische Fernsehen über die EU nach der Corona-Epidemie

31. März 2020 | Allgemein | Familie | Soziales | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Kultur | Kunst | Musik | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Wirtschaft | Finanzen | Anti Spiegel

von Thomas Röper

Das russische Fernsehen hat die vielleicht entscheidende Frage gestellt: Was wird aus Europa und der EU, wenn die Pandemie vorbei ist?

Die wirklich spannende Frage ist, wie die Welt nach der Corona-Pandemie aussehen wird. Welche Folgen haben die wirtschaftlichen Verwerfungen und wie schlimm werden sie? Was passiert, wenn alle Staaten sich Milliarden oder Billionen Dollar leihen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln? Wird es Inflation geben? Oder Staatspleiten und Schuldenkrisen? Was wird dann aus Gebilden wie der EU? Und wie kommen die Großmächte China, Russland und USA durch die Krise?

Nicht auf alle diese Fragen hat das russische Fernsehen am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ Antworten geliefert, aber es hat zumindest diese Fragen gestellt. In einem der Beiträge zu dem Thema ging es um die EU. Da ich den Beitrag über die EU sehr interessant fand, habe ich ihn übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

 

https://connectiv.events/referent/arthur-traenkle/

 

Das Schengenabkommen hatte 25. Geburtstag. Aber dieses Jubiläum ist eher wie eine Beerdigung. Ein schmerzhafter Abschied vom schönen Traum von einem vereinten Europa ohne Grenzen. Ich erinnere mich, wie sie begraben wurden und Reisen zwischen europäischen Ländern wurden nicht mehr gebremst, nur die wechselnden Schilder mit den Namen der Staaten standen am Straßenrand. Romantisch…

Doch die Utopie hielt nicht lange an. Jetzt ist es nicht mehr so. Neue Stacheldrahtzäune und Grenzposten zwischen EU-Ländern sind die neue Norm. Zuerst begannen sie sie zu bauen, um den Strom illegaler Migranten einzudämmen. Dann, um sich vor der Coronavirus-Pandemie zu schützen. Die Grenzen zwischen den Ländern sind gesperrt. Und jetzt steht jeder für sich selbst. Und böse aufeinander sind sie auch noch.

Gegenseitige Hilfe, gemeinsame Werte, Menschenrechte, die Bedeutung des menschlichen Lebens, die Redefreiheit, die Freizügigkeit – all diese erhabenen Konzepte sind in der Europäischen Union irgendwie verblasst. Und Schengen wird abgewickelt. Was ist die EU ohne das? Und woraus besteht dann das ganze europäische Projekt noch?

Wie hat ein kleines Virus das große Europa in die Knie gezwungen?

Aus Europa berichtet unser Deutschlandkorrespondent.

Am Nachmittag des 27. März haben Kameraleute, die am Eingang des Büros des britischen Premierministers in der Downing Street 10 im Einsatz waren, Boris Johnsons Mitarbeiter Dominic Cummings gefilmt. Der Assistent rannte davon. Die Ursache der Panik war schnell gefunden. Cummings Chef hat eine Videobotschaft gepostet.

„Ich habe leichte Symptome: Fieber und Husten. Der Coronavirus-Test war positiv“, sagte Johnson.

 

https://vita-system8.de/?ref=132

 

Politiker, Prinzen und Fürsten, Militärs, Schauspieler, Rockmusiker, Ärzte, Fußballer, Genies der Opernszene und junge Öko-Aktivisten werden der Reihe nach niedergemäht. Älteren Menschen wird immer öfter die Hilfe verweigert. Man lässt sie sterben. Behandelt werden die Jüngeren.

Die größte NATO-Übung „Defender 2020“ wurde abgesagt, letzte Woche wurde der Abzug spanischer Truppen aus dem Irak angekündigt, einen Tag bevor Frankreich beschlossen hat, seine Soldaten von dort nach Hause zu holen. In Italien gibt es knapp 90.000 Infizierte, in Spanien 70.000, in Deutschland über 50.000, in Frankreich fast 40.000. „Krieg!“, erklärte Macron.

Auf den Straßen der leeren Städte sieht man Zeichen des Krieges: die Polizei dreht denen die Arme auf den Rücken, die gegen die Quarantäne verstoßen, Patrouillen tragen Sturmgewehre und es werden Feldlazarette errichtet.

In Madrid verwandelte sich das Ausstellungszentrum in ein Krankenhaus, das Eishockeystadion in eine Leichenhalle. Die Särge werden mit Lastwagen dorthin gebracht. In Italien und Spanien starben Ende der Woche fast tausend Menschen pro Tag. In den Gängen spanischer Krankenhäuser liegen die Menschen auf dem Boden.

In Frankreich werden Patienten in Spezialzügen durch das ganze Land gefahren, dorthin, wo es noch Krankenhausbetten gibt.

Und nicht alle biologischen Bomben sind explodiert. Die, die am 10. März in Mailand während des Champions-League-Spiels zwischen dem italienischen Bergamo und dem spanischen Valencia gelegt wurde, tickt noch immer.

„Bleib zu Hause!“ flehen die Bürgermeister italienischer Städte ihre Landsleute an. Mehr als zwei Menschen dürfen sich nicht mehr versammeln und Experten schieben den Höhepunkt der Pandemie immer weiter nach hinten, irgendwo über den 20. April hinaus. Oft auch auf Mai.

Was bleibt nach dem Sturm, außer den frischen Gräbern? Danach kommt keine Verlangsamung des Wachstums, kein Nullwachstum, sondern eine echte wirtschaftliche Depression. Wie tief sie wird, hängt von der Dauer der Quarantäne ab. Für Deutschland könnte es ein Rückgang um 5, 7 oder 20 Prozent des BIP sein. Wer drei Experten fragt, bekommt vier Antworten.

 

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„Europa wird langsam aus der Krise herauskommen. Natürlich liegt, wie immer in den letzten dreißig Jahren, alle Hoffnung auf der deutschen Wirtschaft. Ich fürchte, Deutschland wird nur sich selbst retten können“, sagte der Politikwissenschaftler Alexander Rahr.

Und ob es das kann, ist eine Frage, deren Antwort auch davon abhängt, was mit den Volkswirtschaften Chinas und der Vereinigten Staaten geschehen wird, die nach wie vor wichtige Märkte für die Produktion und Vermarktung deutscher Hightech-Produkte sind. Alles hängt von der Nachfrage ab. Und die gibt es vielleicht nicht mehr.

Soll man ein iPhone oder ein Samsung zu kaufen? Nehmen wir einen Kredit auf, um einen Mercedes oder einen BMW zu kaufen? Machen wir Urlaub in Italien oder eine Mittelmeer-Kreuzfahrt? Das sind Probleme aus einem vergangenen Leben. Heute fragt sich der Durchschnittseuropäer: Werde ich morgen noch einen Job haben, um die Miete meiner Wohnung und meine Kranken- und Rentenversicherung zu bezahlen?

Die Bundesregierung hat 156 Milliarden Euro für die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bereitgestellt. Dieses gigantische Geld – die Hälfte des Staatshaushalts – kann sich als Peanuts herausstellen.

Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, ein paar Flaschen italienischen Weißwein, das kaufte Angela Merkel, bevor sie in Quarantäne ging. Es stellte sich heraus, dass ihr Arzt infiziert ist. Die Kanzlerin hat zwei Tests hinter sich, Gott sei Dank waren beide negativ. Aus der Selbstisolation nahm sie an dem virtuellen EU-Gipfel teil. Das Ganze endete in einem Skandal.

Wie 2011, auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise, stritten die reichen Ländern mit den armen Ländern. Mit Macrons stillschweigender Unterstützung forderte der italienische Ministerpräsident Conte mit harten Worten Geld. Er meint, dass es notwendig ist, gesamteuropäische Schuldverschreibungen herauszugeben.

 

https://www.youtube.com/watch?v=Zw3AmmFFA1k

 

Frankreich, Spanien, Griechenland und Portugal hat die Idee sehr gut gefallen. Aber die Niederlande, Österreich, Finnland und Merkel mochten sie nicht, weil diese Länder sich zu einem niedrigen Zinssatz Geld leihen können, aber zusammen mit den Außenseitern wird das teurer. Sie waren sich einfach über gar nichts einig. Zwei Dinge, die in den Medien häufig zitiert werden: Macrons Bemerkung und der Tweet des italienischen, Euroskeptikers Salvini. „Das Überleben des europäischen Projekts steht auf dem Spiel. Das Risiko, dem wir ausgesetzt sind, ist das Ende des Schengen-Raums.“, sagte Macron. „Das ist keine Union, es ist ein Nest von Schlangen und Schakalen. Zuerst besiegen wir das Virus und dann denken wir über Europa nach. Und wenn es sein muss, verabschieden wir uns, ohne uns zu bedanken.“

Das Ende des europäischen Projekts ist vielleicht nicht das Ende der liberalen politischen Idee, aber ihre Werte verlieren angesichts der Pandemie an Unterstützung in der Bevölkerung. Liberale Medien schreiben mit Sorge darüber.

Aber welche Modelle staatlicher und sozialer Organisation unter den neuen Bedingungen lebensfähig sein werden, da gibt es viel Raum für Phantasie.

„Ich denke, solange die Europäer nicht wissen, was sie tun sollen, während sie nur Löcher stopfen, während das Haus in Flammen steht, muss es gelöscht werden. Und wie man es später wieder aufbaut, wie die Fenster und das Dach aussehen werden, daran denkt heute noch niemand“, sagte Alexander Rahr.

Die Reserven werden nicht ausreichen, um das Feuer zu löschen. Allein Italien braucht Hunderte von Milliarden. Sie müssen sich nicht nur Geld leihen, sondern sie müssen es auch drucken. Schon weil die Vereinigten Staaten bereits die Druckmaschinen angeworfen haben und die Europäische Zentralbank wahrscheinlich eine übermäßige Stärkung des Euro gegenüber dem Dollar nicht zulassen kann. Es wird um große Mengen gehen. Die Hauptsache ist, keine Hyperinflation zuzulassen, in das Geld weniger wert ist, als das Papier, auf dem es gedruckt ist. Die Druckmaschine ist im Prinzip ein normales wirtschaftliches Werkzeug, Hauptsache, man druckt nicht so lange, bis man Lebensmittelkarten drucken muss.

Ende der Übersetzung

 

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