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IS-Kämpfer in einem Video des ISlamischen Staates (Screenshot)

Niedergang oder Strategie? Wie der IS von der Bildfläche verschwindet

3. April 2018 | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | n-tv

2016 hält der IS Europa im Würgegriff des Terrors. Wöchentlich, manchmal täglich kommen Nachrichten über Anschläge und versuchte Attentate. Das ist vorbei. Der IS verschwindet aus dem Bewusstsein der Gesellschaft. Ein gutes Zeichen?

Von Benjamin Konietzny

Januar, Istanbul, 12 Tote. März, Brüssel, 39 Tote. Juli, Nizza, 86 Tote. Berlin, Dezember, 12 Tote. Bombe in Ansbach, Lkw-Anschlag in Stockholm, Messerattacke in London, Explosion in Manchester, 23 Tote. Die Opfer überrollt von Autos, Lkws, erstochen, erschossen, zerfetzt von selbstgebauten Bomben, durchlöchert von Schrapnellen: In den Jahren 2016 und 2017 rollt eine beispiellose Welle des islamistischen Terrors über Europa. Meldungen über Anschläge, verhinderte Anschläge, erschossene Attentäter gibt es fast wöchentlich. Manchmal vergeht kein Tag ohne neue Terrornachrichten.

Das hat sich inzwischen drastisch verändert. Der IS verschwindet nicht nur vom physischen Schlachtfeld in Syrien und dem Irak. Auch Europa scheint nicht mehr im Würgegriff des Terrors zu sein. Entgegen den Warnungen von Experten und Sicherheitsbehörden resultiert aus dem militärischen Niedergang des Kalifats nicht eine noch größere Terrorwelle im Westen. Laut der europäischen Polizeibehörde Europol starben 2015 noch 150 Menschen bei Terroranschlägen, 2016 waren es 135, 2017 weniger als 60. Zwar hat die Gruppe mit der Geiselnahme in Südfrankreich vergangene Woche bewiesen, dass sie auch in Europa noch auf Getreue zurückgreifen kann, die bereit sind, ihr Leben für ihre kruden Zielen zu geben. Doch die sinkende Zahl der Anschläge, der Anschlagstoten zeigt, dass das Potenzial des IS zusammengebrochen ist.

Den blutigen Auftakt der Terrorwelle in Westeuropa bildeten militärisch geplante Anschläge wie auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ oder die Anschläge von Paris mit 130 Toten, beide im Jahr 2015. Sie waren aus Sicht der Organisation zwar ein Erfolg, produzierten unfassbare Bilder und beherrschten die Nachrichten. Doch diese Attacken waren auch aufwendig und teuer. Die Mörder wurden im „Kalifat“ ausgebildet, dann nach Europa zurückgeschickt. Vor Ort mussten Waffen und Sprengstoff organisiert werden. Anfang 2016 nimmt der militärische Druck auf das Kernland, die Zentrale des IS immer weiter zu. Die Logistik für Massenmorde wie in Paris bereitzustellen, wird immer komplizierter für die Extremisten.

Wie der IS seine „Glaubwürdigkeit“ verspielte

Der IS wechselte seine Strategie. Radikalisiert wurden Attentäter jetzt nicht mehr in speziellen Camps in Syrien und dem Irak, sondern per Facebook, Telegram oder Whatsapp. Alltagsgegenstände wurden zu Waffen, der Crashkurs im Töten wurde über das Smartphone abgehalten. Wie im Fall des Berliner Attentäters Anis Amri gab es kurz vor der Tat einen Austausch mit Hintermännern in Nahost, ein Bekenntnis zum Chef-Islamisten Al-Baghdadi. Dann war die Instant-Radikalisierung abgeschlossen. Der Attentäter verrichtete sein Werk, der IS bekannte sich. „Einsame Wölfe“, wie sie von Sicherheitsbehörden genannt werden, verübten Dutzende Anschläge in Europa. Viele scheiterten, einige rissen viele Menschen in den Tod.

Im Laufe des Jahres 2016 und Anfang 2017 musste man die Bekenntnisse des IS sehr ernst nehmen. Wenn Behörden oder Medien Zweifel an der Echtheit aufkommen ließen, konnte die Gruppe oft mit Täterwissen oder bisher unbekannten Details über die Attentäter nachlegen. So auch im Fall von Anis Amri.

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Doch der militärische Druck auf das Kalifat veränderte nicht nur die Strategie, wie Anschläge verübt wurden. Immer mehr Gebiete verlor der IS im Laufe des Jahres 2016 und 2017 an die syrische und irakische Armee, an Kurden, russische Spezialeinheiten und iranische Milizen. Kurdische Kämpfer näherten sich immer weiter der „Hauptstadt“ des IS, Rakka. Der Druck änderte auch die Art, wie die Organisation kommunizierte.

Das zeigte sich erstmals bei einem Vorfall in Deutschland: Am 16. Oktober 2016 wurde in der Hamburger Innenstadt ein 16-Jähriger niedergestochen. Im Krankenhaus starb der junge Mann wenig später an seinen Verletzungen. Seine Begleitung, ein 15-jähriges Mädchen, warf der Angreifer in die Alster, sie konnte sich retten. Die Ermittler stehen noch heute vor einem Rätsel. Zwei Wochen nach der Tat meldete sich plötzlich Amaq zu Wort. Ein „Soldat“ des Kalifats, habe die Tat begangen und zwei „Kufar“, Ungläubige, ermordet. Zum ersten Mal präsentierte Amaq kein Täterwissen, sondern verbreitete sogar falsche Informationen.

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Der IS beansprucht Taten für sich, die er nicht begangen hat. Verschuldete Finanzbeamte, russische Neonazis, US-Waffennarren – ganz gleich, wer da mordet – der IS versucht, so scheint es, über Amaq irgendwie im Gespräch zu bleiben. Seine düstere Glaubwürdigkeit hat die Miliz jedoch verloren und sie verschwindet allmählich aus dem Alltags-Bewusstsein. Der frühere US-Heimatschutzminister Peter Vincent sprach kürzlich von einem „Zeichen schierer Verzweiflung“. Der IS sei auf dem Weg, zu einer „Organisation von Angebern“ zu werden. Eine gigantische Niederlage für die Miliz, die einst angetreten ist, den „Ungläubigen“ in Europa und überall auf der Welt das Leben zur Hölle zu machen. Ist es das wirklich?

Niedergang oder Umstrukturierung?

„Natürlich wirkt es erst einmal wie ein Verlust, dass der IS nicht mehr im Gespräch ist“, sagt Yann St. Pierre. Er warnt jedoch davor, daraus zu schließen, dass die Organisation am Ende sei. „Eine Terrororganisation wie der IS hat auch manchmal Bedarf nach weniger Aufmerksamkeit. Das ermöglicht, Kapazitäten neu zu sortieren, Kämpfer in Stellung zu bringen. Es ermöglicht mehr Bewegungsfreiheit.“ Die geringere Aufmerksamkeit, die dem IS derzeit zuteilwird, habe ganz deutliche „strategische und taktische Vorteile“, sagt St. Pierre.

Und der Nachwuchs? Nach dem rasanten Aufstieg des IS und der Expansion des Kalifats bis an die Grenze der Türkei machten sich Tausende auf dem Weg nach Syrien und den Irak. Der IS strotzte vor Kraft, nahm Schätzungen zufolge bis zu drei Millionen Dollar täglich mit Erdöl-Verkäufen ein, hortete gigantische Mengen Militärequipment, verfügte 2015 womöglich über mehr als 50.000 Kämpfer.

Das ist vorbei. Territorial beschränkt sich das Herrschaftsgebiet, einst fast so groß wie Italien, auf einige Dörfer am Ufer des Euphrat in Syrien und ein paar unwirtliche Wüstengebiete. „Jeder mag den Gewinner“, sagt Yann St. Pierre. „Aber der IS scheint im Moment nicht der Gewinner zu sein.“ Dementsprechend sei der Nachwuchsstrom abgerissen. Vor allem, was terroristisches Fachpersonal anginge – Personen also, die etwa vorher für Al-Kaida tätig waren und wegen dem großen Erfolg des IS wechselten.

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Möglicherweise ist die vermeintliche Niederlage des IS auch eine Umstrukturierung. Die zentralistische Struktur mit einem Kernland und einer Hauptstadt, Rakka in Syrien, wurden vernichtet. Zentral geplante Anschläge gelingen dem IS schon lange nicht mehr. Die zentrale Kommunikation ist ebenfalls zusammengebrochen. Doch in den Provinzen, den sogenannten Wilayaten, konnte die Organisation in der Vergangenheit ihre Macht ausbauen – in Westafrika, im Jemen, in Afghanistan oder in Südostasien. „Die Zentrale hat fast alle Macht verloren. Aber die Provinzen des IS werden immer stärker“, sagt Antiterror-Berater St. Pierre. „An vielen Stellen hat die Organisation Nachwuchsprobleme“, sagt St. Pierre. Er sagt aber auch: „Für viele bleibt der IS die wahre Interpretation des Islam. Es gibt einen harten Kern, der wird der Idee des Kalifats treu bleiben.“

 

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