0 PFOA: Wie das Pentagon und die bayerische Landesregierung die Vergiftung des Trink- und Grundwassers herunterspielt | connectiv.events
Seite auswählen

PFOA: Wie das Pentagon und die bayerische Landesregierung die Vergiftung des Trink- und Grundwassers herunterspielt

16. November 2018 | Gesundheit | Ernährung | Natur | Umwelt | Politik | Geo-Politik | Wirtschaft | Finanzen | connectiv.events

Der Stoff schien magisch zu sein, ein Wunder. Weder Wasser, Öl oder Flecken blieben an ihm haften. In den 1970er Jahren hatten DuPont und 3M die Stoffe zur Entwicklung von Teflon und Scotchgard verwendet. Bald war das Zeug in vielen Produkten des täglichen Bedarfs anzutreffen, von Gummiverkleidungen über Sofas, über Bratpfannenbeschichtung bis hin zu Teppichen. Bekannt als Perfluoralkylsubstanzen oder PFAS, waren sie auch ein Segen für das Militär, das sie als Schaumstoff verwendete, der explosive Öl- und Kraftstoffbrände löschte.

Es ist seit langem bekannt, dass die Verbindungen in bestimmten Konzentrationen gefährlich sein können, wenn sie ins Wasser geraten oder wenn Menschen den Staub einatmen oder damit kontaminierte Nahrungsmittel essen. Tests haben gezeigt, dass sie sich im Blut von Chemiearbeitern und Anwohnern in der Nähe ansammelten, und Studien haben einige der Chemikalien mit Krebs und Erbschäden in Verbindung gebracht. So auch geschehen in den Jahren nach 2012 im bayerischen Landkreis Altötting. Schon 2006 hatten dort Mitarbeiter der Umweltschutz-NGO „Greenpeace“ im Wasser des Flüßchens Alz erhöhte Werte einer Chemikalie gemessen, die offensichtlich aus dem nahe liegenden Chemiepark Gendorf stammte: Perfluoroktansäure (PFOA). Die Aktivisten fingen damals das Abwasser aus dem Chemiepark auf und pumpten es zurück in das Werk. Der Chemiepark ist ein wichtiger Arbeitgeber in der ländlichen Region. Viele Bürger gingen bisher vertrauensvoll davon aus, die dort ansässigen, großen Betriebe hielten sich schon gewissenhaft an Höchstwerte und niemand wollte sich mit unbotmäßigen Fragen irgendwelche Scherereien holen. (Wir berichteten)

 

 

Halbherzige Analysen, ungeeignete Verfahren

Neue Analysen von Trinkwasserdaten aus den USA und die zur Analyse verwendete Wissenschaft machen deutlich, dass die Environmental Protection Agency (EPA)  und das US-Verteidigungsministerium die Gesundheitsbedrohung, die von diesen Chemikalien ausgeht, massiv heruntergespielt haben, genau wie in Altötting. Wahrscheinlich sind weit mehr Menschen der Gefährdung ausgesetzt als berichtet, da die Kontamination wesentlich verbreiteter ist, als offiziell anerkannt.

Die erste unabhängige Analyse zeigte, dass die besagte Chemikalie – das PFAS, im öffentlichen Trinkwasser 24-mal häufiger vorkommt, als die EPA berichtet hat. Wahrscheinlich sind mittlerweile 110 Millionen Amerikaner gesundheitlich gefährdet, die mit PFAS-Chemikalien in Berührung kommen.

Noch bevor diese neuen, alarmierenden Informationen über PFAS aufkamen, hatte die Regierung doch noch eingeräumt, dass sich die Probleme mit PFAS ausbreiten. Bisherige EPA-Wassertests, auch wenn sie noch unvollständig waren, fanden Trinkwasser in 33 Staaten, in denen schätzungsweise 6 Millionen Menschen betroffen waren. Das Militär vermutete, dass das Trinkwasser an mehr als 660 US-amerikanischen Militärstandorten durch PFAS-Feuerlöschschaum verunreinigt wurde. Anfang des Jahres wurde bestätigt, dass eine Kontamination von 36 Trinkwassersystemen und 90 Grundwasserstandorten in oder in der Nähe dieser Militäranlagen festgestellt wurde. Die neuen Analysen deuten darauf hin, dass diese Befunde wahrscheinlich nur einen Bruchteil der tatsächlich betroffenen Personen und Trinkwassersysteme darstellen.

Das Verteidigungsministerium antwortete auch schriftlich auf Anfragen, verteidigte darin seine Testmethoden als die besten verfügbaren und bezeichnete es als schwierig, die Risiken von PFAS vollständig einzuschätzen. Eine Sprecherin sagte, die Pentagon-Forschungsgruppe habe ein Programm zur Verbesserung der Testmethoden und zum Nachweis weiterer PFAS-Verbindungen in Arbeit. Bisher seien aber keine Alternativen für den Einsatz bereit.

 

 

 

Vertuschen, verschleppen, verschweigen, sich drücken …

„Die weit verbreitete Kontamination kann die Gesundheit von Millionen oder sogar von Dutzenden Millionen Amerikanern schädigen, und die Regierung vertuscht absichtlich Beweise“, sagte Erik Olson, leitender Direktor für Initiativen im Bereich Gesundheit, Ernährung und Landwirtschaft des Natural Resources Defense Council , in einem Interview. Die EPA und das Verteidigungsministerium haben alles in ihrer Macht Stehende getan, um alles zu verschleppen und wirkungsvolle, regulatorische Maßnahmen zu vermeiden die erhebliche Investitionen in die Bereinigung der Verschmutzung erfordern würden.

„Wenn man nicht darüber spricht, wird das Problem nicht verschwinden“, bemängeln Umweltexperten. „Und weil diese chemischen Verbindungen sehr stabil sind,  – sie werden sich nicht von alleine abbauen – wird es irgendwann einen Tag der Abrechnung geben.“

Teflon ist ein Laborunfall

Die PFAS-Verbindungen gäbe es gar nicht, wenn 1938 nicht ein Laborunfall stattgefunden hätte, als ein gefrorener Kältemittelblock zu einer unglaublich rutschigen, weißen, wachsartigen Masse wurde. Ein Jahrzehnt später stellte DuPont es als „Teflon“ her. Die Firma 3M entwickelte eine eigene Version, das vom Molekül her ganz ähnliche PFOA. Das entdeckten sie ebenfalls zufällig, als im Jahr 1954 eine Chemikerin versehentlich eine Mischung von solchen Chemikalien auf ihren Schuh verschüttete und feststellte, dass der Fleck für Wasser und Seife unempfindlich war. Sie nannten es Scotchgard.

Diese einmaligen Produkteigenschaften kommen daher, weil die enthaltenen Chemikalien aus einer der stärksten und widerstandsfähigsten molekularen Bindung bestehen, eine einzigartige Struktur, die verhindert, dass die Moleküle auseinanderbrechen oder sich in Wasser oder Flüssigkeiten auflösen. Es gibt Tausende von Variationen dieser Molekülfamilie, die alle aus extrem starken, sogenannten „Daisy-Chain-Ketten“ aus Kohlenstoff- und Fluormolekülen bestehen und sich hauptsächlich durch die Länge ihrer „Schwänze“ unterscheiden – eine Kette von Kohlenstoffmolekülen, die zwischen zwei und 14 Einheiten lang sein kann.

 

 

Die Alarmzeichen mehren sich

Ab Mitte der 70er Jahre begannen Dupont und 3M wegen der zunehmenden Verwendung von giftigen Chemikalien, das Blut ihrer Angestellten und anderer Personen privat zu testen. Die Unternehmen waren zunehmend besorgt über die Toxizität von PFAS-Verbindungen. Sie fanden heraus, dass die PFAS-Verbindungen sich in Lebensmitteln und Menschen „bio-akkumulieren“ und dass sie ernsthaften, gesundheitlichen Schaden anrichten können. Aber erst im Jahr 2000, als 3M das Produkt „Scotchgard“ vom Markt nahm, begann die EPA überhaupt erst, die potenziellen Schäden durch PFAS für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu untersuchen. Bald darauf wurden die Blutuntersuchungen öffentlich. Es stellte sich heraus, dass PFAS-Verbindungen „zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen können, einschließlich Entwicklungs- / Reproduktionstoxizität, Lebertoxizität und Krebs.“ Einige Jahre später gab es alarmierende Anzeichen dafür, dass Arbeiter in Fabriken, die PFOA herstellen, ein erhöhtes Risiko hatten, an Prostatakrebs zu sterben. Die EPA forderte daraufhin die Industrie auf, PFOA-Produkte, einschließlich des Feuerlöschschaums, bis 2015 freiwillig einzustellen.

Die Frage war damals – und bleibt bis heute – wieviel Kontakt mit PFAS-Chemikalien würde die Menschen ernsthaft krank machen?

PFOA im Altöttinger Landkreis

Versuche mit dieser Substanz an Nagetieren und Studien an Fabrikarbeitern, die PFOA in erhöhtem Maße ausgesetzt waren, haben gezeigt, dass der Stoff leberschädigend, reproduktionstoxisch (Fehlbildungen bei Embryonen) und krebserregend sein kann. DuPont, der Hersteller von Teflon, ist in den Staaten schon des öfteren zu Schadensersatz wegen der nachweislichen Verursachung von Gesundheitsschäden durch PFOA verurteilt worden. Das Gift sorgte für Nierenschäden, Schilddrüsenprobleme und Unfruchtbarkeit, allerdings in deutlich höheren Konzentrationen als im bayerischen Alztal.

 

 

Ab dem Jahr 2020 ist der Stoff durch EU-Richtlinien verboten

Im Chemiepark Gendorf in der Gemeinde Burgkirchen, dem größten Chemiepark Bayerns, wurde PFOA noch bis 2008 verwendet. Der Chemiepark hatte eine behördliche Genehmigung, die Chemikalie in einer Konzentration von 1000 Mikrogramm pro Liter in die Alz zu entsorgen. Dazu kommt noch das Verteilen von PFOA durch die Luft über den entstehenden Feinstaub. Aus der Luft und dem Fluss kam das Zeug in den Boden, sickerte ins Grundwasser und gelangte so über das Trinkwasser ins Blut der Tiere und Menschen im Landkreis Altötting.

Aber irgendwie war das niemandem so recht bewusst und erst drei Jahre später gab es in Haiming die ersten, einzelnen Bluttests, bei denen erschreckende Werte gemessen wurden. Das Umweltbundesamt hält 2 ɥg PFOA pro Liter Blut für unbedenklich, gemessen wurden Werte von 40 bis zu 100 ɥg/Liter. Das Zwanzig- bis Vierzigfache.

PFOA-Alarm im schönen Altötting – für die nächsten dreißig Jahre

Das Deutsche Rote Kreuz rückte an und ließ die Gemeinde Emmerting zur Nadel. In den Proben betrug die Konzentration der PFOA-Werte das Zwanzigfache dessen, was als unbedenklich gilt. Aber auch danach erfolgte weiter nichts in der Sache. Noch im Oktober 2016 hatte das Gesundheitsamt Altötting verlautbart, das PFOA im Blut der Alztalbewohner rühre von Goretex-Kleidung und der Verwendung von Teflonpfannen her, und nur minimalst von Trinkwasser.
Erst, als die Passauer Neue Presse einen Artikel darüber veröffentlichte, wurden die Leute wach.

Dann setzte das Herumschubsen der heißen Kartoffel „Verantwortung“ ein. Nichts sei vertuscht worden. Dr. Franz Schuhbeck, zuständig für Trinkwasserhygiene im Landratsamt, konnte beweisen, diesen Bericht schon im Dezember 2016, einen Tag vor Heiligabend, auf die Internetseite des Landratsamtes eingestellt zu haben, wo er nicht viel Beachtung fand. Dr. Schuhbeck fand diese Ergebnisse auch keineswegs überraschend, da es ja schon lange bekannt war, dass die Firma Dyneon Goretex-Stoffe produzierte, wozu man perfluorierte Tenside einsetzte und PFOA ganz offiziell in die Alz einleiten durfte. Schuhbeck wusste auch, dass sich PFOA im Blut der Leute ansammeln würde. Dafür war die Chemikalie bekannt.

 

 

Ein Dr. Hermann Fromme vom bayerischen Landesamt für Gesundheit versuchte sich in Beschwichtigung, allerdings ohne großen Erfolg. Erhöhte PFOA-Werte im Blut bedeuteten nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefahr, versuchte er zu beruhigen: „Mit einer Sicherheit von 99,9 Prozent können sie davon ausgehen, dass sie nicht mit gesundheitlichen Schäden rechnen müssen“ und dass die Krebsgefahr etwa so riskant sei, wie das Essen von rotem Fleisch. Als er aber gleichzeitig unmissverständlich klar machte, dass die Wasserversorger unter allen Umständen die PFOA-Konzentration unter 0,1 Mikrogramm pro Liter halten und dass dazu das Trinkwasser noch über Jahrzehnte gefiltert werden müsse, warfen ihm die Bürger Verharmlosung und Herunterspielen des Problems vor.

Die verursachenden Firmen würden die Kosten des Filterns bis 2050 übernehmen, erfuhren die Anwesenden. Beruhigend fanden sie das aber nur sehr bedingt. Denn dadurch wurde unmissverständlich klar, dass der Stoff mindestens bis zu diesem Zeitpunkt, also über 30 Jahre noch weiter im Grundwasser, Trinkwasser, Boden, Obst und Gemüse vorhanden sein und sogar noch weiter ansteigen würde. Und dass eine Filterung auf unter Höchstwert nur eine Verlangsamung des Anstiegs der Blutwerte auf weitere Höhen darstellt. Die Bevölkerung des Alztales wird also noch weit über 30 Jahre lang PFOA in ihrem Blut und ihren Körpern ansammeln. Auf welche Werte sie dabei kommen wird, und welche Gesundheitsschäden ihnen dadurch bevorstehen, ist noch gar nicht absehbar.

Eine echte Lösung des Problems ist das alles nicht, wurde den Bürgern klar. Das Problem wird noch die Kinder der jetzt geborenen Kinder betreffen.

Quellen:
https://connectiv.events/landkreis-altoetting-kunststoffhersteller-vergiftet-seit-12-jahren-trinkwasser-aber-die-behoerden-wiegeln-ab/

https://www.cnbc.com/2018/07/09/how-the-epa-and-the-pentagon-downplayed-a-growing-toxic-threat.html

 

Eure Spenden helfen uns, Euch noch bessere Artikel zu bieten. 
Unterstützt uns bitte mit einer Spende unter 
https://www.paypal.me/connectiv

DANKE!

 

________________________________________________________________________

Die Plattform von connectiv.events bietet Dir vielfältige und effektive Möglichkeiten, Dich, Deine Arbeit und/oder Dein Unternehmen bei einem thematisch breitgefächerten Publikum vorzustellen. Die Bekanntheit und auch die Beliebtheit von connectiv.events wächst von Tag zu Tag.

Im digitalen Zeitalter ist es besonders wichtig, einander real zu begegnen. Die Gelegenheit dazu hast Du bei unseren Events. Eine Termin-Übersicht findest Du im Event-Kalender.
Abonniere doch gleich unseren Youtube-Kanal. Damit unterstützt Du unseren Bekanntheitsgrad und verpasst keine neuen Produktionen mit spannenden Themen und Gästen.
Verpasse auch keine Informationen über kommende Events, sowie interessante Artikel, Beiträge und Menschen und melde Dich ebenfalls für unseren Newsletter an.
Wir entwickeln unsere Plattform ständig weiter und wünschen Dir viel Freude beim Stöbern auf connectiv.events

_________________________________________________________________________

Weiter lesen auf:

https://www.cnbc.com/2018/07/09/how-the-epa-and-the-pentagon-downplayed-a-growing-toxic-threat.html
Bildredakteur:

YouTube Unser Planet Qi-Technologies Niki Vogt Guido Grandt Eva Maria Griese connectiv.event Anti Spiegel

Textredakteur:

Zentrum für neuroregenerative Medizin Zentrum der Gesundheit YouTube Wolfgang H. Meyer Uta Faerber Unsere Kur Unser Planet Thomas Röper Tagesdosis sternenlichterblog2 Selbstheilung Online Russia Beyond RT Rainer Taufertshöfer Qi Technologies Pravda TV Pierre Kranz Peter Andres Oliver Janich Niki Vogt NachdenkSeiten Martin Strübin Kopp Jasinna Jakob Brand Impfen nein Danke HeilKräuterInfos Guido Grandt Gottfried Glöckner Giuseppe Nardi genesis pro life Freie Medien Eva Maria Griese Erich Hambach Eric Epenberger Dr. Reinhard Kobelt Dr. med. Maria Iliadou-Maubach Dr. Marcel Polte DAS HANFBLATT Daniel Prinz connectiv.events caltech ARTE Anna Maria August Airnergy

Quelle:

connectiv.events

WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Pin It on Pinterest

Share This