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Putin im O-Ton zum Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran

17. Oktober 2019 | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | Anti Spiegel

von Thomas Röper

Bei dem Interview, das Putin drei arabischen TV-Sendern vor seiner Reise nach Saudi-Arabien gegeben hat, ging es auch um die Krise rund um den Iran, zu dem Russland ein sehr gutes Verhältnis hat. Vor allem der saudische Journalist hatte dazu kritische Fragen.

Da die russische Sicht auf den Konflikt im Golf eine ganz andere ist, als die, die uns die deutschen Medien präsentieren, denke ich, dass es interessant ist, wie Putin zu dem Konflikt im Persischen Golf und zur ewigen Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran steht. Daher habe ich diesen Teil des Interviews übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Journalist: Herr Präsident, es gibt Bedenken hinsichtlich der Rolle des Iran nicht nur bei den jüngsten Anschlägen auf die saudische Raffinerie, sondern auch in anderen Ländern: Libanon, Jemen, Irak, Syrien und anderen.

Sind Sie auch in Russland besorgt, dass diese Aktivitäten des Iran, wie wir denken, destabilisierend wirken? Glauben Sie, dass Russland Einfluss nehmen kann, um dieses Verhalten zu ändern?

Putin: Ich habe schon gesagt, dass wir mit Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten eine beispiellos herzliche Partnerschaft und sogar freundschaftliche Beziehungen entwickelt haben. Aber Russland befreundet sich nie mit jemandem gegen jemand anderen. Wir bauen bilaterale Beziehungen auf, die auf positiven Trends in unseren Kontakten basieren, anstatt eine Allianz im Kampf gegen jemanden zu bilden, das ist die erste These.

Zweitens denke ich, und ich glaube, dass es von Ihnen, Ihren Zuhörern und Ihrem Publikum verstanden wird: Russland und der Iran sind Nachbarn, diesen Faktor können wir nicht ignorieren.

Drittens ist der Iran eine große regionale Macht, eine alte Nation mit einer alten Kultur. Und wenn wir gute Beziehungen zu jemandem aufbauen wollen, und ich gehe davon aus, dass alle Länder der Region gute Beziehungen zueinander haben wollen, dann strebt niemand nach Konfrontation und, Gott bewahre, nach Zusammenstößen. Ich weiß, dass das in Saudi-Arabien niemand will und auch in den Emiraten will das niemand. Aber wenn wir eine positive Agenda wollen, müssen wir die legitimen Interessen unserer Partner anerkennen. Ich möchte das betonen, ich spreche jetzt nicht darüber, welche Interessen berechtigt sind, und welche nicht, aber eine so große Macht, wie der Iran, der seit Tausenden von Jahren in diesem Gebiet ist – die Iraner, die Perser, leben dort seit Jahrhunderten – kann nicht anders, als eigene Interessen zu haben und die muss man resprektieren.

 

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Es ist klar, dass die Frage, welche Interessen berechtigt sind und welche nicht, natürlich Thema von Diskussionen ist. Aber um einander zu verstehen, um diese Nuancen, Feinheiten und problematischen Fragen zu verstehen, braucht man einen Dialog. Ohne Dialog lässt sich überhaupt kein Problem lösen. Daher kann ich mir vorstellen, dass ich die Bedenken sowohl der Arabischen Emirate als auch Saudi-Arabiens teilen kann, aber nur diese Staaten selbst können die Probleme zwischen den Staaten lösen.

Was Russland betrifft, so werden wir alles tun, um die notwendigen Voraussetzungen für eine solche positive Dynamik zu schaffen. Ich denke, dass Russland gute Beziehungen zum Iran und sehr gute Beziehungen zu unseren arabischen Freunden hat. Mit Saudi-Arabien gab es unter der Sowjetunion kein hohes Niveau der Beziehungen, aber mit der arabischen Welt waren sie ausgezeichnet, mit fast allen Ländern. Die Sowjetunion hatte ein sehr gutes Verhältnis zur gesamten arabischen Welt. Deshalb kehren wir jetzt nicht erst zu guten Beziehungen zurück, wir hatten sie immer. Wenn wir unsere guten Beziehungen, sowohl zum Iran als auch zur arabischen Welt, zu Saudi-Arabien, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten nutzen, können wir meiner Meinung nach etwas finden, das von gemeinsamem Interesse sein kann.

Ich habe über unsere positive Arbeit in Syrien gesprochen. Ja, wir – die Türkei, der Iran und Russland – sind im Rahmen dieser Troika sehr aktiv und erzielen Ergebnisse. Aber ohne die Unterstützung Saudi-Arabiens wäre das absolut unmöglich, dessen sind sich alle bewusst. Ohne die entsprechende Begleitung aus den Arabischen Emiraten ginge es auch nicht. Daher gibt es schon etwas, das uns alle trotz der akuten Gegensätze zwingt, unsere Kräfte zu bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Wir müssen solche Ziele finden und gemeinsam an ihnen arbeiten. Das wird die Voraussetzungen für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Ländern in der Region schaffen.

Journalist: Was den Iran betrifft, Herr Präsident, so sprechen sie heute von der Notwendigkeit, die Verhandlungen im Rahmen der „Fünf plus Eins“ wiederzubeleben. (Anm. d. Übers.: Gemeint die das Format aus Deutschland, Frankreich, Russland, China, den USA plus Iran, bei dem das iranische Atomabkommen ausgehandelt worden ist) Und jetzt reden alle über die Notwendigkeit, das Abkommen mit dem iranischen Programm für ballistische Raketen zu verknüpfen. Wie steht die Russische Föderation zur Wiederbelebung dieses Formats, um vielleicht das Abkommen zu modellieren und andere Themen in dieses Abkommen einzubauen?

Putin: Es gibt den Vertrag über das iranische Atomprogramm, über die entsprechenden Beschränkungen. Der Iran hat festgelegte Zusagen gemacht. Lassen Sie mich ganz offen sprechen, sonst wird das Gespräch uninteressant, es wäre fade. Es gibt Gegensätze in den Ländern der Region, die Sie gerade erwähnt haben. Es gibt Gegensätze zwischen dem Iran und Israel, dem Iran und den Vereinigten Staaten. Ich glaube, dass wir uns bemühen sollten, diese Gegensätze zu lösen, nach Lösungen aus diesen schwierigen Situationen zu suchen. Aber wenn wir davon ausgehen, dass es Gegensätze zwischen den Ländern der Region mit dem Iran gibt, wer kann dann Schiedsrichter sein, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob der Iran seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen nachkommt oder nicht? Der Schiedsrichter muss neutral sein, richtig? Das ist das Erste. Und er muss professionell und qualifiziert sein, das ist das Zweite. Und er muss von der internationalen Gemeinschaft anerkannt sein, das ist das Dritte. Und es gibt einen solchen Schiedsrichter: die IAEO, die Internationale Atomenergiebehörde. Und sie sagt öffentlich, direkt und ohne jede Zurückhaltung ausdrücklich, dass der Iran alle seine Verpflichtungen vollständig erfüllt hat.

 

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Es ist einfach nicht sehr zielführend, gar nicht davon zu reden, dass es unfair ist, dem Iran Vorwürfe für Dinge zu machen, die er gar nicht tut. Das ist nicht sehr zielführend. Denn wenn eine Person oder ein Land mit einer solchen Ungerechtigkeit konfrontiert wird, beginnt sie sich anders zu verhalten, nicht so, wie es in dem Papier geschrieben steht. Wenn die anderen ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, warum sollte es sie dann selbst erfüllen? Dennoch bin ich der Meinung, dass es besser wäre, wenn der Iran sich an die Buchstaben und den Geist des Abkommens halten würde. Aber das ist eine andere Frage.

Was das Raketenprogramm betrifft, so ist es wahrscheinlich auch möglich und notwendig, darüber zu sprechen. Ich denke, dass die Vertreter des Islam diese russische Redensart auch verstehen werden, in Russland sagt man: „Verwechseln Sie Gottes Geschenke nicht mit Rührei“. (Anm. d. Übers.: Das deutsche Äquivalent zu der russischen Formulierung ist „Äpfel mit Birnen vergleichen“) Das sind völlig verschiedene Themen. Das Raketenprogramm ist das eine, das Atomprogramm das andere. Das bedeutet nicht, dass es nicht notwendig ist, über dieses Thema zu sprechen, vor allem, wenn es Sorgen hervorruft. Natürlich ist das notwendig, aber man darf das eine nicht mit dem anderen vermischen. Damit würde man die bereits erzielte Errungenschaft mit der Wurzel ausreißen und sie töten.

Daher glaube ich, dass solche Gespräche möglich sind, aber sie sollten nicht zur Zerstörung der Ergebnisse führen, die bereits beim ersten wichtigen Thema – der Begrenzung der nuklearen Aktivitäten des Iran – erzielt wurden.

Ende der Übersetzung

 

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