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Kolkrabe im Schnee, Bild: pixabay

Raben entwickeln sich weiter und nicht so, wie man es erwarten würde

19. März 2018 | Natur | Umwelt | Wissenschaft | Forschung | National Geographic

Eine neue Studie belegt, dass der gemeine Kolkrabe innerhalb seiner Evolution alles andere als gewöhnlich ist.

Die Untersuchung von DNS-Proben, die Raben vor fast 20 Jahren entnommen wurden, ergab, dass sich die Kolkraben an der Westküste Nordamerikas in drei genetisch unterschiedliche Gruppen aufteilen. Darüber hinaus scheinen sich gerade zwei dieser Erblinien wieder zu einer zu vereinen, haben Wissenschaftler kürzlich im Magazin Nature Communications veröffentlicht.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Evolution einer Tierart den Ästen eines Baumes gleicht. Neue Spezies entstehen, indem sie sich als eigene Äste abspalten, sagt Anna Kearns, eine Evolutionsbiologin am Smithsonian Conservation Biology Institute.

„Man sieht eine Gabelung und dann eine andere Gabelung und dann noch eine Gabelung. Selten sieht man jedoch, dass zwei Äste, die getrennt waren, wieder zusammengeführt werden“, sagt Kearns, die die neue Studie leitete.

Manchmal jedoch fügen sich die Äste eines Familienstammbaums – oder Variationen, die auf dem Weg waren, sich zu eigenständigen Unterarten weiterzuentwickeln – tatsächlich wieder zusammen. Wissenschaftler bezeichnen das als „vernetzte Evolution“, sagt Kearns. Dieses Phänomen ist nur in wenigen Tierarten dokumentiert, unter anderem Finken und zwei Fischarten. [ … ]

Seit alters her spielen Raben in den Sagen und Legenden eine Rolle. In der germanischen Mythologie waren zwei Raben die Begleiter Odins: Hugin und Munin („Gedanke“ und „Gedächtnis“). Lange Jahre war der Rabe in Europa selten geworden, doch jetzt sind die eindrucksvollen Vögel wieder auf dem Vormarsch.

Die Geschichte dreier Raben

Heutzutage ist der Kolkrabe ein großer, schwarzer Vogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,20 Metern. Er ist fast überall in der nördlichen Hemisphäre zu finden, was wahrscheinlich einer hohen Intelligenz und seinem Allesfressertum geschuldet ist. Neben kleinen Nagern und Insekten stehen auch Beeren und Abfälle auf seinem Speiseplan.

Aber der Rabe, den man heute unter anderem in Nordamerika sieht, war nicht immer dieser Vogel. Vor drei Millionen Jahren gab es eine Spezies von Raben im westlichen Nordamerika.  Diese sind die direkten Vorfahren der heutigen Raben. Diese Tierart hat sich über die Zeit in zwei verschiedene unterteilt: die holarktische und der Vorfahre des im westlichen Nordamerika vorkommenden Kolkraben.

Aber im Verlauf der letzten zwei Millionen Jahre haben sich die westlichen Nordamerika-Raben offenbar in den Weißhalsraben und eine kalifornische Linie aufgespalten, die zwar noch keine eigene Unterart darstellt, aber eine eindeutige genetische Variation innerhalb des Zweigs der westlichen Kolkraben in Nordamerika ist.

Des Weiteren geben DNS-Analysen darüber Aufschluss, dass die kalifornische Abspaltung genetisches Material mit der holarktischen Art vermischt, indem sie sich mit ihr fortpflanzt. Das führt dazu, dass sich dieser Ast der Rabenfamilie wieder zu einer Art zusammenfügt: dem Kolkraben – eine Zusammenführung, die offenbar bis heute andauert. [ … ]

Mit anderen Worten ist der Kolkrabe, der aus der kalifornischen und holarktischen Erblinie entstanden ist, nicht genau der gleiche Kolkrabe vor ihm.

„Das ist eine faszinierende Studie, die wieder einmal belegt, dass das, was wir als ‚Baum‘ des Lebens sehen, nur bis zu einem gewissen Punkt ein Baum ist“, sagt Adam Siepel, Genetiker am Cold Spring Harbor Laboratory auf Long Island.

Siepel untersucht den Genfluss zwischen Menschen und Neandertalern, der, laut Kearns und ihren Co-Autoren, dem Genfluss der Raben ähnelt.

NEUE TECHNOLOGIE, NEUE FRAGEN

Kaeli Swift, eine Doktorandin, die an der Universität von Washington das Verhalten von Krähen studiert, verbringt ihre Freizeit damit, den Menschen auf Twitter den Unterschied zwischen Raben und Krähen zu erklären. Aber selbst Fachleute wie sie könnten den Unterschied zwischen der kalifornischen und der holarktischen Rabenlinie nicht ohne genetische Analyse sehen. Und das zeigt eins der großen Probleme auf, das in der neuen Studie dargestellt wird.

Es beschreibt, wie unglaublich schwierig es ist, die scheinbar einfache Frage „Was ist eine Art?“ zu beantworten, sagt sie.

„Mit den neuen genomischen Untersuchungswerkzeu gen, die wir inzwischen zur Verfügung haben, können wir uns diese Fragen genauer als je zuvor anschauen“, sagt Swift. [ … ]

 

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Quelle:

National Geographic

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