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Raben – Unterschätzte Genies

8. Juli 2018 | Geschichte | Kultur | Kunst | Musik | Natur | Umwelt | ARTE | connectiv.events

Unglücksrabe, Galgenvogel, Vogelmörder oder Lämmerkiller – Rabenvögel werden seit dem Mittelalter oft in einem negativen Licht dargestellt. Der Rabe (corvus corax) spielt in der Mythologie unserer Vorfahren eine besondere Rolle: Sie waren die Vögel Odins. Zwei Raben begleiteten ihn und flogen um ihn herum, und ihre Namen sind „Hugin“ und „Munin“, was soviel heißt, wie „Gedächtnis“ und „Gedanke“. Unsere Vorfahren wussten um die Intelligenz und Lernfähigkeit dieser Vögel.

 

 

Auch in der Kyffhäuser-Sage, in der Kaiser Barbarossa (der deutsche Kaiser Friedrich I.) im Berg schlafend und an seinem marmornen Tisch sitzend auf den Tag wartet, an dem er dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zur Hilfe kommen und es retten wird. Sein roter Bart, der ihm den Namen Barbarossa eingebracht hat, wächst unten durch den Marmortisch. Um ihn herum liegen schlafend seine Getreuen. Der Sage nach wird er erwachen, wenn das Heilige Römische Reich deutscher Nation in höchster Not ist. Als Friedenskaiser wird er dann aus dem Berg herauskommen und das alte Reich wiederherstellen, Frieden und  Gerechtigkeit walten lassen. Die Sage erzählt, dass der Sagenkaiser von Raben umflogen wird . Die Zeit zwischen seinem Tode (1190 n.Chr.) und seiner Wiederkehr nennt die Sage „das  Interregnum“.

 

„Barbarossa erwacht – die Raben fliegen davon“: Wandbild von Hermann Wislicenus im Bilderzyklus der Kaiserpfalz Goslar (um 1880).

 

Kaiser Barbarossa trägt einige Züge, die ihn mit dem höchsten germanischen Gott Odin /Wotan verbinden. Der Name des Berges „Kyffhäuser“ wird von dem Wortteil „Kyff“ (Streit, Krieg) abgeleitet, so dass Kaiser Friedrich Barbarossa in seiner „Kriegsburg“ auf den Tag der Wiederkehr wartet. (Eine andere Deutung des Namens leitet sich von der Bezeichnung „Cuffese“ = Kuppel) ab. Odin war der oberste Gott, der Herr über die Krieger und Schlachten, aber auch der Gott des Thingfriedens und des Lichtes und wurde immer mit fülligem Bart und seinen beiden Raben dargestellt. Das hängt auch zusammen mit dem Ruf der Raben als Totenvögel und Götterboten. Nach Kämpfen und Schlachten kamen zuerst die Raben als Aasfresser. Oft noch, bevor man die toten Krieger bergen und bestatten konnte.

 

 

Als Krähen und Raben werden sehr viele Vogelarten der Gattung corvus bezeichnet. Sie haben ein größeres Gehirn als andere Vögel. Krähen vollbringen geistige Leistungen, die nur Menschen und Affen zugetraut wurden.

 

Krähen und Raben gehören zu den intelligentesten Vögeln. Sie tauchen vielen in Sagen und Mythen auf. Viele Menschen jedoch sehen in der Krähe nur den düsteren Schwarzrock, der sich an verwesenden Tierkadavern zu schaffen macht. Für diese Dokumentation haben sich die Krähenspezialisten Professor John Marzluff und der vielfach ausgezeichnete Tierfilmer Keith Brust zusammengetan. Gemeinsam tauchen sie in die Welt der Krähen und Raben ein.

Als Krähen und Raben werden auf der Welt sehr viele Vogelarten der Gattung „corvus“ bezeichnet. Sie haben ein größeres Gehirn als andere Vögel, mit Ausnahme der Aras. Und im Verhalten ähneln sie eher Primaten als Vögeln. Krähen sind vernunftbegabt und verfügen über ein außergewöhnliches Gedächtnis. Sie leben in einem hoch entwickelten sozialen Verbund und haben sogar Bestattungsriten. Der Mensch sieht in der Krähe oft nur den düsteren Schwarzrock, der sich an verwesenden Tierkadavern zu schaffen macht.

Dabei ist dieser Vogel ausgesprochen begabt. Krähen können zum Beispiel dabei helfen, Verschollene wiederzufinden. Bei der amerikanischen Armee läuft derzeit ein Programm, das darauf abzielt, die besonderen Fähigkeiten dieser Vögel bei der Terrorismusbekämpfung einzusetzen.

Für diese Dokumentation haben sich der Krähenspezialist Professor John Marzluff und der vielfach ausgezeichnete Tierfilmer Keith Brust zusammengetan. Gemeinsam tauchen sie in die Welt der Krähen und Raben ein, die als die intelligentesten Vögel gelten und für ihre legendäre Frechheit bekannt sind.

 

Dohlen sind relativ kleine Rabenvögel. Sie sind findig und wendig, leben meist in Gruppen und Dohlenpaare sind sich ein Leben lang treu.

 

Außerdem lassen die Biologen vom Konrad-Lorenz-Institut in Österreich Thomas Bugnyar und Anna Braun an ihrem Forschungserkenntnissen teilhaben. Der Film beobachtet die Vögel in ihrem natürlichen Lebensumfeld – von Neukaledonien über Washington bis nach Tokio – und erläutert ihre Verhaltensweisen.

 

 

Für die, die den Schriftsteller Hermann Löns mögen, hier sein „Krähengespräch“.

Das Krähengespräch

Von Hermann Löns

Jeden Nachmittag um drei Uhr achtundfünfzig Minuten, wenn der Barsinghausener Zug über die große Bult bei Hannover keucht, kommt ein alter Herr mit einem alten Hunde den Fußweg entlang, der sich am Rande der Eilenriede nach der Bult hin zwischen dem Döhrener Turm und Bischofshol hinzieht. Auf der Höhe der Rüsterburg bleibt der alte Herr stehen, nimmt eine Prise, sieht gegen den hellen Abendhimmel und niest, und meistens niest sein Hund zur Gesellschaft mit. Dann gehen beide weiter.

Genau um diese Zeit kommt eine große graue Krähe angeflogen, die bei der Korndieme auf Mäuse lauerte, läßt sich auf einer der höchsten Eichen des Waldes zwischen dem Eisenbahndamm und der Rüsterburg nieder, schüttelt ihr Gefieder glatt und ruft dreimal laut: »Arrr!«

Wenn dann der Deister in dicken, rotgesäumten Abendwolken verschwimmt, wenn in dem Bultkrankenhause, im Heiligengeiststift und im Schwesternhause die ersten Lichter aufblitzen und die Sonne mit unheimlicher Behendigkeit an dem Schornstein der städtischen Bierbrauerei hinunterklettert, dann kommt von dem Komposthaufen eine zweite, aber schwarze Krähe her, nimmt neben der grauen Platz, schüttelt ihr Gefieder und ruft ebenfalls dreimal, aber in schwächerem Ton: »Aerr! «

Dann dauert es gar nicht mehr lange, und während der Wald zu einem violetten Gemussel zerfließt, aus dem nur das rote Laub der Buchenjugenden hervorleuchtet, um die Zeit, wenn die heimlich Verlobten, die da spazierengehen, anfangen, sich unterzuhaken, dann kommen von allen Seiten einzelne Krähen angeflogen, graue Nebelkrähen, schwarze Rabenkrähen und manchmal auch einige stahlblaue Saatkrähen.

Im ganzen sind es so fünfzehn bis fünfundzwanzig, die um die Schlummerstunde auf der hohen Eiche zusammenkommen; einige davon sind ausgebrütete Hannoveraner, zwei sogar Stadthannoveraner, da sie in der Eilenriede groß wurden, die andern stammen aus Brandenburg, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Posen und Ostpreußen. Die Ostelbier sind alle grau mit schwarzen Köpfen, Flügeln und Schwänzen, die andern schwarz. Die Ostelbier sind nur im Winter hier, wenn sie zu Hause nichts haben.

Den Tag über treiben sie sich auf der großen Bult herum, die eine bei der Tierärztlichen Hochschule, die andere vor dem Schlachthause, wieder andere in den Ländereien der Stadtgärtnerei, oder in den Stiftsgärten, auf den Fußballspielplätzen, bei den Bahnwärterhäusern, der Dieme und den Komposthaufen. Dort stochern sie ruhig und besonnen, ob sie nicht einen Wurm, einen vor Kälte lahmbeinigen Käfer, einen Knochen mit noch einem bißchen daran, eine Wurstschläue, ein Stück Brot oder dergleichen finden oder eine Maus oder einen Maulwurf übertölpeln.

Die Graue, die zuerst kommt, ist eine Ostpreußin. »Känigsbarg« ist ihr drittes Wort. Die Schwarze, die immer gleich nach ihr kommt, stammt aus der Eilenriede; die beiden kennen sich seit drei Wintern: »Guten Aabend mei Härzche«, schnorrt die Graue; »was haben Sie heit gemacht de ganze Tag? War’s Assen gut?« Die Schwarze macht vergnügte Augen: »’n Aeöbend, das will ich maanen; ich waaß doch hier Beschaad. Ich häöb‘ ’n angeschossenen Häösen gefunden. Delikäöt, säöge ich Ihnen.«

 

 

» Einen Hasen«, plärrt eine graue Sächsin, die eben ankommt, »ach nee, was Se sagen? Hären Se mal, meine Kuteste, den genn‘ Se mir mal zeigen. Ich hab‘ Se nämlich noch nie ’n doten Hasen kesehen, wissen Se. Wo liegt er denn, der Hase, wenn ich so frei sein darf?« Die Schwarze meint: »Da is jetzt nich mehr viel anne«, was die Ostpreußin, die die Sächsin nicht leiden kann, veranlaßt, laut aufzulachen: »Hulla, hulla, hullahahaha, salba assan macht fatt; nicht wahr, mei Härzche?«

Eine schwarze Kalenbergerin erscheint und mit ihr eine graue Polin. Der steht der Schnabel lose: »Gutten Abbend, Frau Schwarzhals, gutten Abbend, Frau Dickkopf, gutten Abbend, Frau Blänkersteert, habben Se sich Guttes gefunden zu essen heite? Habe ich mich gefunden Knochen großiges mit Fleisch vielliges drran, serre guttes Fleisch, gar nicht stinkiges, von Schaff hammliges.«

Die Kalenbergerin sieht sie von der Seite an: »Da süht Sei ook gerade na ut! Man mächtig lökrig is Jue Buuk! Awer eck, eck hebbe ’ne ganße Wost estohlen von ’n Schlachterkerl ut de Molle. Dat freut meck noch drei Dage nah minen Dode. Watt hebbe eck meck ehöget. Un wat hett de Kärel eßchimpet. Höhöhö!«

»Is sich serre selten«, fällt ihr die Polin in die Rede, »hierr zu finden Wurst schweinerrne. Is sich vill besserr bei uns zu Hause in Wongrowitz, wo man findett serr oft Wurrst odder Knochenn. Sind sich Pollen nicht so ängstlich mit Eingrabben von alles Abfall, wie Leite hannovverrsches.«

»Ohle Döllmer«, krächzte sie die Kalenbergerin an, »worümme blivst denn nich to Huse? Tatternvolk! Erst hier rümmetobetteln un denn ßchimpen! Dat is de rechte Art von so’n Volk. Wat meinst‘, Nahwersche?« fragt sie dann die Eilenriedekrähe.

»Hast recht, hast recht« antwortet die, und fährt dann leiser fort, »äöber das stimmt schon, anstellen tun sie sich heute, die Leute, da ist das Ende von weege. Alles einkuhlen und des-, na, wie heißt das olle vermuckte Wort doch, so, desinfizieren, das wird immer dummerhaftiger. Und mit der Raanlichkeit häöben se sich! Raanlichkeit muß sein, äöber was zu viel ist, ist zu viel. Auf ‚m Schlachthofe, glauben Sie, daß sie däö ein Priepelchen Fleisch liegen lassen? I bewäöhre, jeden Fetzen fäöhren Se raus und roden ihn bei.«

»Sa’n Se mal«, fällt eine Berlinerin ein, »ob dett woll wahr is, wat ick heite jeheert habe, dat de Rennbahn hier uff de jroße Bult kommen dhun soll! Na, dett wär ’ne scheene Pleite für uns. Ick pfeife uff den janzen Sport: Rasse is Mumpitz, ’ne Abdeckerei is mich ville lieber. Det wird iberhaupt immer dammlicher uff de Welt!«

 

 

»Besser wird es überhaupt nicht«, meint die aus der Eilenriede. »Wenn ich noch daran denke, vor zehn Jäöhren, als die hohen Fuhren noch vor der Seelhorst standen! Was wäör däö wintertags für ein Leben; an die Tausend von uns schliefen däö. Aber die Leute, die Leute! Erst schmissen sie Giftbrocken hin, und als wir die nicht mehr näöhmen, da trieben sie das Holz ab. Ich häöbe denn bis vor zwei Jäöhren immer in dem Holze von Misburg geschläöfen, äöber da käömen die Jäger und schossen nach uns. Und seitdem gehe ich nach dem Aäöhltener Holze. Es ist däö jäö ’n bißchen gemischt, zu viele Sääötkrähen und sogäör Dohlen, äöber was soll ’n machen? Hier in der Eilenriede ist an einen ruhigen Schläöf doch nicht mehr zu denken. Noch bei nachtschläöfender Zeit läuft das Volk in ’n Holze herum, und überall sind Laternen. Die Welt wird immer dümmer!«

»Da haben Sie wieder recht, mein Süßing«, schnarrt die dicke graue Pommerin, »auch bei uns wird es immer schlechter«, und die Ostpreußin stimmt bei: »Bei uns da oben bei Känigsbarg ist es noch nicht so schlimm; aber weiter hinauf, auf der Nahrung, bei Rossitten, da assen die Manschen Krähenfleisch, und jetzt sitzt da ein Kärlche, Thienemann heißt er, der fängt die Krähen und macht ihnen Ringe um die Beine mit dem Datum darauf und bittet, daß man überall Krähen totschieße und ihm die Füße einschicke, der Wissenschaft wagen. Nu‘ bitt‘ ich Sie, was hat die Wissenschaft mit unsern Beinen zu tun. Der Mensch kommt jeden Tag auf neue Dummheiten.«

»Is sich serr rrichtig«, meint die Polin, »setzen sich bei uns in Pollen feeine Herren in Errdheiser, machen sich Uhu grroßes auf Pfahl; kommen sich Krähen an, um zu beißen Uhu dickköpfiges, schießen sich Herren feine dann mit Gewehrre auf Krähen, Hundsblutt gemeines niddertrrächtiges!«

»Dat dauet se hiertolanne ook«, meint die Kalenbergerin, »up de Vahrenwohler Heide und hier dichte bi-e, in der Seelhorst, da kümmt ook jümmerst so’n Vogelutstopper ut de Slägerstraate, Wiegand heit dat Lork, de kruppt in’n Busch, sett da so ’ne olle utstoppte Kattuhle henne, und wenn ’n denn antofleigen kümmt und will de Uhle einen wischen, pardautz, dann ballert de Kerl los. Awer eck falle up den Swindel nich mehr rin.«

»Wat eck awer noch seggen wullt: dat mit de Rennbahn hier up de grote Bult, dat drafft wi üsch nich gefallen laaten. Wenn eck man nich min Haus bi Degersen hätte, denn wüßt eck schon, wat eck dohn deihte. Laat se man koomen met öhre smächtrigen Päre! Eck wollt‘ se all ball up den Drab bringen. Mit den Snabel den Pären gegen die Oogen, wenn se öwer de Hürden wult, dat se dat Genick bräken! Ja! Dat wör dat Richtige! Dann schallt se hier woll wegblieb’n. Laat se doch wo anners herümmejöckeln. Meint Sei nich ook so?«

Die Eilenriedekrähe, an die sie sich wandte, nickt; sie weiß, daß gegen die Menschen nicht viel auszurichten ist. Und dann antwortet sie einer guten Bekannten, die aus hoher Luft ihr einen rauhen Gruß herunterschreit, macht die Flügel auseinander, läßt sich drei Fuß von ihrem Sitz fallen, steigt in die Luft und fliegt krächzend fort.

Und die andern alle krächzen und folgen ihr, über die Bahn, über Bischofshol bis zum Ahltener Holze, wo jeden Abend vom November bis zum März Tausende von Krähen schlafen.

 

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