0 Soziopathie als gesellschaftliche Herausforderung | connectiv.events
Seite auswählen

Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay

Soziopathie als gesellschaftliche Herausforderung

23. November 2019 | Bewusstsein | Spiritualität | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Psychologie | Gesellschaft | connectiv.events

Mit drei handlichen Ratgebern zum Thema Soziopathie wendet Melanie Stalner sich insbesondere an Frauen, die in das Netz eines Soziopathen geraten sind. „Umgang mit Soziopathen“, „Trennung vom Soziopathen“ und „Soziopathen-Prinzip“ lauten die Titel der zwischen 60 und 100 Seiten umfassenden Bücher. Das nächste Buch der Autorin „Glücklich leben trotz Umgang mit Soziopathen“ erscheint im Juni 2017.

 

Soziopathie – identifizieren, informieren, vorbeugen

Bei Soziopathie/Psychopathie handelt es sich um kein Thema, das sich nur auf düstere Filme reduzieren lässt. Soziopathie hat eine gesellschaftliche Relevanz von lange unterschätzter Bandbreite. Das zeigt sich in den letzten Jahren nicht zuletzt an den stark zunehmenden Publikationen in diesem Bereich.

Viele dieser Bücher stammen von Frauen, die selbst zum Zielobjekt eines Mannes mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen geworden sind. Zumindest haben diese Frauen überlebt. Andere sind vielleicht unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Oder sie sind psychisch und körperlich erkrankt. Oder aber sie zogen sich völlig zurück, um irgendwo noch einmal ganz neu anzufangen. In einem aber dürften sich die überlebenden Frauen, und gewiss auch die Männer, die es mit dieser „Spezies“ zu tun hatten, einig sein: „Danach“ entspricht das gewohnte Weltbild nicht mehr dem, für das es gehalten wurde.

https://goldgrammy.de

Soziopathie – Manipulation und Täuschung durch und durch

Sobald sich diese Männer sicher sind, beginnt jedoch eine schleichende Verwandlung zum Albtraummann. Frauen, die sonst durchaus lebenskompetent sind, werden buchstäblich einer Gehirnwäsche unterzogen. Verhalten und Signale eines solchen Mannes werden immer widersprüchlicher. Die bereits bestehende emotionale Bindung und die Hoffnung, „ihn heilen zu können“, hält die Frauen aber oft in ihrer Illusion gefangen, bis es entweder zu spät ist oder sie das Dilemma rechtzeitig erkennen.

Die „Dynamik“ in derartigen Konstellationen, und oft sind das ja Paarbeziehungen, scheint immer sehr ähnlich zu sein. Die Männer drängen sehr darauf, möglichst schnell in den Wohn- und Lebensbereich der anvisierten Frau zu gelangen. Die Frauen haben häufig ein ausgeprägtes Helfer-Syndrom. Sie gehen dem Soziopathen, der sich gegenüber der Frau und in der Öffentlichkeit als Traummann präsentiert, somit buchstäblich schnell in die Falle.

Die Beiträge in diesem Magazin, verbunden mit Buchempfehlungen, dienen der Aufklärung zu diesem heiklen Thema. Und eine solche Aufklärung ist wichtig, zumal nahezu alle mir bekannten Frauen bestätigen, bei Polizei und anderen Behörden auf wenig Verständnis gestoßen zu sein. Oftmals erleben sie dort sogar eine Täter-Opfer-Umkehr, denn die Behörden wollen sich mit Fällen wie diesen nicht gern befassen. Dazu kommt, dass die Ermittlungen problematisch sind, denn der Soziopath ist zumindest in zwei Bereichen ein Virtuose: In der Täuschung und der Manipulation.

FRIEDA im Gespräch mit Melanie Stalner

FRIEDA: Wie viele andere Frauen, mit denen ich inzwischen in Kontakt stehe, dürften auch Sie selbst mehr oder weniger mit einem Soziopathen zu tun gehabt haben, wenn Sie heute solche Bücher schreiben.

In Ihrem ersten Buch „Umgang mit Soziopathen“ schreiben Sie: „Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für solche Menschen, aber jede einzelne umfasst nur einen Teilaspekt der Persönlichkeit, mit der du es vermutlich zu tun hast. Und es ist schwer, einen Begriff zu finden, der einerseits alle Aspekte seiner gestörten Persönlichkeit umfasst und andererseits doch trennscharf und konkret ist…!“

https://qi-technologies.com

Die Fachliteratur unterscheidet zwischen Soziopathie und Psychopathie. In allen drei Titeln der erwähnten Bücher sprechen Sie hingegen von Soziopathie. Worin liegt aus Ihrer Sicht der Unterschied?

Melanie Stalner: Das ist eine gute Frage. Zu beiden Begriffen gibt es zahlreiche, oft widersprüchliche Definitionen. Der Begriff „Psychopath“ ist schon längst zum „Klischee“ geworden, eine Worthülse, in die bei Bedarf alles Mögliche gepackt wird.

Ich persönlich finde es problematisch, eine individuelle Persönlichkeit einfach mit einer bestimmten Bezeichnung zu etikettieren und in eine Schublade zu stecken. Andererseits gibt es aber auch bestimmte wiederkehrende Verhaltensmuster, die man definieren muss, um Persönlichkeitsstörungen zu erfassen, und so kommt man leider nicht um die Verwendung dieser Begriffe herum.

Soziopathischem und psychopathischem Verhalten ist sicher eine krankhafte Egozentrik, die wiederum an fehlende emotionale Empathie gekoppelt ist, gemeinsam. Den Soziopathen zeichnet aus, dass er von seiner Umgebung oft als charismatisch und „nett“ wahrgenommen wird, und sein antisoziales Verhalten eher in einer verborgenen, oft familiären Grauzone auslebt, die ihm stets eine Rückzugsmöglichkeit bietet.

Soziales Ansehen ist ihm sehr wichtig. Er ist in der Regel nach außen hin sehr kontrolliert, ein Meister der Manipulation und ein pathologischer Lügner. Psychopathisches Verhalten dagegen geht meiner Meinung nach noch darüber hinaus. Ein Psychopath durchbricht die verkleidende Oberfläche, ist noch zerstörerischer – manchmal auch sich selbst gegenüber.

FRIEDA: Unabhängig von einer diagnostischen Differenzierung dieser beiden Störungen – haben wir es dabei eher mit einem neueren Phänomen zu tun, das inzwischen durch die Medien nur mehr ins öffentliche Bewusstsein dringt oder gab es Ihrer Ansicht nach schon immer Soziopathen/Psychopathen?

https://connectiv.events/referent/arthur-traenkle/

Melanie S.: Ganz bestimmt! Soziopathen/Psychopathen gab es schon immer. In unserer modernen Informationsgesellschaft haben diese Menschen jedoch, meiner Meinung nach, heutzutage eine geringere Rückzugsebene und treten dadurch inzwischen auffälliger hervor.

Ein Beispiel: Wenn früher Frauen mit Depressionen oder ähnlichem zum Arzt kamen, so hat man die Gründe für diese Symptomatik meist ausschließlich bei ihnen selbst gesucht. Wer hätte einen offensichtlich „fürsorglichen Ehemann“ verdächtigt, die Ursache dafür zu sein? Die Problematik wurde ja auch schon vor Jahrzehnten filmisch umgesetzt, etwa in Filmen wie „Gaslight“.

Heute bieten soziale Medien und Foren jedoch mehr und mehr Möglichkeiten, um sich miteinander auszutauschen. Das Weltwissen nimmt also ständig zu, und so wird auch das Versteckte mehr und mehr aufgedeckt. Langsam erkennen wir, dass das Charisma mancher Menschen häufig ihre Abgründe verdeckt. Etiketten wie „Genie“ oder „Ausnahmepersönlichkeit“ entschuldigen viel, doch mittlerweile sind wir zum Glück in eine Zeit eingetreten, in der auch die Persönlichkeiten von Unternehmern und Staatsoberhäuptern immer genauer analysiert werden

FRIEDA: Eine Betroffene sagte vor einer Weile zu mir, ihr ehemaliger soziopathischer Partner habe gleichzeitig Verhältnisse mit mehreren Frauen gepflegt. Das diene diesen Männern wohl dazu, ihre multiplen Persönlichkeitsanteile auf verschiedene Frauen zu „verteilen“, wobei es sein könne, dass „er“ durchaus über längere Phasen eine konstantere „Beziehung“ zu einer Frau habe, ohne dass diese überhaupt auf die Idee käme, mit wem sie es zu tun hat und womöglich nicht ahne, dass ihr Partner parallel Affären zu weiteren Frauen pflege. Wie sind Ihre Erfahrungen da?

Melanie S.: Dazu kann ich leider, oder zum Glück, nichts sagen. Es scheint mir aber nahe liegend. Der Soziopath schafft sich auf diese Weise mehrere verschiedene Rückzugsräume, in denen er sich von den jeweiligen Facetten seiner verschiedenen Verkleidungen erholen kann.

FRIEDA: In Ihren Büchern postulieren Sie, dass die Ursachen für die Neigung, antisoziale Persönlichkeitsstörungen zu entwickeln, vorwiegend in einer problematischen Kindheit zu suchen seien. Dass das keineswegs immer so sein muss und es viele Fälle gibt, in denen Soziopathen/Psychopathen durchaus behütet aufgewachsen sind, wird in der Fachliteratur häufig bestätigt.

Auch einige der mit mir in Kontakt stehenden Frauen sagten, dass „ihre“ Psychopathen nicht aus dysfunktionalen Familien stammten. Mit anderen Worten: Die Störung kann womöglich angeboren sein; einige dieser „Persönlichkeiten“ verfügen anscheinend über die Fähigkeit, ihr Umfeld schon von kleinauf zu täuschen und zu manipulieren. Was sind Ihrer Ansicht nach, grob beschrieben, die Merkmale, an denen Soziopathen zu erkennen sind?

https://www.lebenskraftpur.de/Canna-Komplett?produkt=91

 

Melanie S.: Das, was zunächst ein Widerspruch zu sein scheint, ist bei näherem Hinsehen gar keiner. Ich denke nicht, dass es zwingend dysfunktionale Familien sind, in denen Soziopathen aufwachsen. Es ist im Gegenteil eher das Wort „behütet“, das in mir ein ungutes Gefühl hervorruft.

Häufig sind es gerade diese „behüteten“ Kinder, die früh lernen mussten zu funktionieren, damit das Außenbild der Familie keine Risse bekam. Oft haben sie dabei nie gelernt, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. „Behütet“ könnte man in diesem Fall also auch durch das Wort „unmündig“ ersetzen. Ein Kind, das so aufwächst, kann nur schwerlich Selbstbewusstsein entwickeln. Solch ein Kind hat von früh an gelernt, die Täuschung als einzige Möglichkeit der Selbstbehauptung anzusehen.

Wenn in der Familie stets alles unter den Tisch gewischt wird, wenn es nach außen hin heißt „Wir haben keine Probleme!“, genau dann werden diese Probleme beständig größer und größer. Die „behütenden“ Eltern trainieren also prinzipiell ihre Kinder systematisch darauf, sich als Erwachsene soziopathisch zu verhalten. Unbedingter Zwang zur Anpassung erzeugt Heuchelei und Lüge.

FRIEDA: Der polnische Psychiater Dr. Andrezej Łobaczewski schrieb vor Jahrzehnten das Buch Politische Ponerologie, das 1984 in polnischer Erstauflage erschien. Das Buch wirft unter anderem die Frage auf, ob unsere Demokratien tatsächlich getarnte, von Psycho- und Soziopathen geführte Pathokratien seien. Ihr Buch Soziopathen-Prinzip trägt den Untertitel …oder wie sich unsere Gesellschaft von Innen zerstört. Anscheinend schätzen Sie die Tragweite der Problematik ähnlich schwerwiegend ein wie Dr. Łobaczewski?

 

https://baden.jungbrunnen.tips

 

Melanie S.: Ich bin keine Theologin, aber die Faszination des kompromisslosen Handelns ist etwas, dem wir uns schon als Kind kaum entziehen können. Kinder sind nicht böse oder grausam, doch einige lieben es, im Spiel miteinander die kompromisslosen „Helden“ zu spielen. Vielleicht, weil „kompromisslos“ zu sein von ihnen mit Freiheit gleichgesetzt wird. Was verboten ist, was abgelehnt wird, das ist für Kinder oft besonders interessant.

Ich bin eigentlich vorsichtig mit solchen Verallgemeinerungen, doch ich denke, man kann sagen, dass die Faszination, die kompromisslose Heldenfiguren seit jeher auf uns ausüben, es gerade soziopathischen Persönlichkeiten immer wieder ermöglicht, exponierte Positionen zu erlangen.

Drei ganze Generationen haben sich inzwischen darüber echauffiert, wie die Menschen in den zwanziger und dreißiger Jahren den Aufstieg von menschenverachtenden Diktaturen haben zulassen können und ignorieren dabei vollkommen die Mechanik soziopathologischen Verhaltens. Vor 5.000 Jahren gab es Soziopathen, die einen Stamm von ein paar hundert Kriegern anführten. Heute gibt es leider welche, die die Zukunft des Weltklimas bestimmen und zudem noch über Atomwaffen verfügen.

FRIEDA: Was die „Faszination des kompromisslosen Handelns“ angeht – bietet die patriarchal-imperialistisch-strukturierte Gesellschaft ja m.E. auch geradezu einen Nährboden dafür, dass Kinder, besonders Jungen, in eine Ellenbogenmentalität hineinwachsen. Jungen werden zudem oft geschont, während bei der Erziehung von Mädchen häufig ganz andere Kriterien gelten. Um zu veranschaulichen, was ich damit meine, zwei Beispiele aus dem eigenen Erleben:

Vor Jahren erzählte mir eine befreundete Mutter, deren Tochter sehr talentiert beim Schachspielen war, dass in der Schule ein Schachturnier stattfinden sollte. Auf die „Schach-AG“ war die Schule sehr stolz. In den Vorjahren hatte ein Junge stets die Turniere gewonnen, doch dessen „Thron“ war nun in Gefahr durch das Mädchen, ich nenne sie an dieser Stelle mal Lisa. Einen Abend vor dem Turnier rief der Vater des „Sieger-Sohnes“ bei Lisas Vater an und bot ihm eine stattliche Summe Geldes, nur damit Lisa seinen Sohn entweder gewinnen lassen oder aber selbst nicht am Turnier teilnehmen würde.

Zum Glück ließ sich Lisas Vater nicht auf dieses Angebot ein. Für mich stellte sich aber die Frage, welche Werte der Mann seinem Sohn vermittelte, wenn er ihn mit der Botschaft aufwachsen ließ, für Geld könne man alles kaufen und von Frauen habe man sich nicht besiegen zu lassen. Übrigens handelte es sich um eine Schule in einem für das Bildungsbürgertum bekannten Stadtteil.

 

—> hier weiter lesen

https://goldgrammy.de

 

Eure Spenden helfen mir, Euch noch bessere Artikel zu bieten, sie sind wichtig, damit ich Autoren, Graphiker, Cutter u.v.m. bezahlen kann. Ich habe keine Sponsoren oder Investoren. 

via Überweisung:

Konto Inhaber: CONNECTIV EVENTS S.L.
IBAN: ES95 001901 82564 01001 4565
BIC: DEUTESBBXXX

Bitte immer Spende als Zweck angeben!
DANKE!

________________________________________________________________________

Die Plattform von connectiv.events bietet Dir vielfältige und effektive Möglichkeiten, Dich, Deine Arbeit und/oder Dein Unternehmen bei einem thematisch breitgefächerten Publikum vorzustellen. Die Bekanntheit und auch die Beliebtheit von connectiv.events wächst von Tag zu Tag.

Im digitalen Zeitalter ist es besonders wichtig, einander real zu begegnen. Die Gelegenheit dazu hast Du bei unseren Events. Eine Termin-Übersicht findest Du im Event-Kalender.
Abonniere doch gleich unseren Youtube-Kanal. Damit unterstützt Du unseren Bekanntheitsgrad und verpasst keine neuen Produktionen mit spannenden Themen und Gästen.
Verpasse auch keine Informationen über kommende Events, sowie interessante Artikel, Beiträge und Menschen und melde Dich ebenfalls für unseren Newsletter an.
Wir entwickeln unsere Plattform ständig weiter und wünschen Dir viel Freude beim Stöbern auf connectiv.events

________________________________________________________________________

Weiter lesen auf:

https://frieda-online.de/soziopathie-als-gesellschaftliche-herausforderung/
Bildredakteur:

connectiv.event

Textredakteur:

connectiv.events

Quelle:

connectiv.events

WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Pin It on Pinterest

Share This