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ADN-ZB/Archiv II.Weltkrieg 1939-45 Flüchtlingstransport aus den umkämpften Gebieten im Osten Deutschlands treffen im Februar 1945 in Berlin ein. Das Gepäck der Flüchtlinge wird aus dem Zug geladen. Bundesarchiv, Bild 183-R77448 / CC-BY-SA 3.0

Spiegel wütet gegen Wehrmacht: Ein antideutscher Propagandakrieg

28. Juni 2018 | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Psychologie | Gesellschaft | Die Unbestechlichen

Von Niki Vogt

Geschichte hat zwei Gesichter. Eines ist die Geschichte als Wissenschaft. Wissenschaft muss immer wieder neu prüfen, denken, erforschen. Sonst wird sie zum Dogma, das neue Fakten ignoriert und beharrlich an verkrusteten Denkmustern festhält. Die Erkenntnisse von heute sind die Irrtümer von morgen.

Geschichte – Propagandamaschine und Wissenschaft

mmer wieder gibt es archäologische Funde, die dazu zwingen, das Bild der Menschheitsgeschichte wieder neu zu bewerten, bisher für gesichert gehaltene Erkenntnisse zu überdenken. Zum Beispiel der Fund von bronzezeitlichen Keltenmumien und ihren Siedlungen vor über 3000 Jahren in der heutigen, chinesischen Taklamakan Wüste. Für uns Europäer ist das spannend und wirft ein neues Licht auf die Wege frühgeschichtlicher Völkerwanderungen, menschlicher Abenteuerlust und das Beibehalten eigener Traditionen, Kultur und Sprache auch am anderen Ende der Welt. Für China war das ein Faktum, was man lange verschwiegen hat. Die ersten Keltenmumien waren „skurrile Einzelfunde ohne Bedeutung“, denn das chinesische Selbstbild ging immer davon aus, eine vollkommen monoethnische, autochton aus sich selbst heraus entstandene, rein chinesische Kultur zu sein, ohne Berührung und Einflüsse von außen.

Damit sind wir beim zweiten Gesicht der Geschichte, dem Propagandainstrument. China wollte die Bedeutung der Funde erst nicht wahrhaben, hat sich aber jetzt daran gemacht, diese Region wissenschaftlich zu erkunden und aufzuarbeiten.

Dieses „Nicht-wahrhaben-wollen“, was nicht ins eigene Weltbild passt, ist die größte Hürde für die Wissenschaftlichkeit im Fach Geschichte. Jedes Volk und jede Nation interpretiert die eigene Geschichte mehr oder weniger stark zu eigenen Gunsten. Die jeweils herrschenden Eliten benutzen die nationale Geschichte gern für die eigene Agenda und um das Denken und Handeln ihre Untertanen zu steuern.

Das ist nicht neu. Bis 1945 hörten die Deutschen von ihrer Tüchtigkeit und ihrem Erfindergenie, dem von den germanischen Ahnen ererbten Kampfgeist und deren Tapferkeit. Hermann, der Cherusker, war ein Held, der Germanien befreite und unseren Vorfahren ihre Freiheit und Würde wieder schenkte. Germanentum, Heldentum, Mannesmut und -ehre, alle deutschen Männer waren Siegfried. Die SS-Uniformen wurden mit Runenzeichen versehen, eine eindeutige Verpflichtung. Die Nationale Geschichte wurde benutzt, um den Deutschen im „Titanenkampf“ das Äußerste abzufordern.

Geschichtsinterpretation als Mittel antideutscher Propaganda

Nach 1945 lernten die Deutschen, dass sie ein Mördervolk, grausam, hunnisch-heimtückisch und verachtenswert sind. Unsere germanischen Vorfahren waren zottelige Barbaren, denen – außer andere Völker niederzumetzeln – nichts Sinnstiftendes einfiel. Hermann, der Cherusker war ein fieser Verräter und metzelte die großartigen Römer nieder, die dem versumpften, verschissenen Germanien überhaupt erst Kultur nahegebracht haben.

Der Zweite Weltkrieg war, typisch deutsch, ebenfalls eine – allein den Deutschen anzulastende – Vernichtungsorgie, in der wieder einmal die ausschließlich deutschen Kriegsbestien alles aus reiner Mordlust und Zerstörungswut niedermachten. Alle deutschen Männer sind seitdem brutale Mörder und Rassisten. Die nationale Geschichte wird seitdem benutzt, um alles, was deutsch ist, niederzuhalten und unter Scham und Schande zu begraben. Schon das Wort „Nazi“ oder „Rassist“ lässt jeden Deutschen zusammenzucken wie ein Peitschenhieb. Mit Peitschenhieben züchtigt man Sklaven und treibt ihnen jeden Selbstbehauptungswillen aus.

 

Ostpreußen, bei Braunsberg.- Treck mit Flüchtlingen und Wehrmachtssoldaten auf einem Waldweg / Landstraße durch einen Wald, ca. Februar – März 1945, Bundesarchiv, Bild 146-1976-072-09 / CC-BY-SA 3.0

 

 

„Die Wehrmacht wütete in Ostpreußen“: Der Deutsche war’s!

Der Spiegel, vom „Sturmgeschütz der Demokratie“ zum Sprachrohr der antideutschen Linken verkommen, veröffentlichte vor ein paar Tagen einen kurzen Artikel von Klaus Wiegrefe unter der geschichtlichen Rubrik „Eines Tages“: Der niederländische Historiker Bastiaan Willems präsentiere neue Fakten zu der Zeit des Rückzuges der Wehrmacht 1945 aus Ostpreußen. Der Tenor des Beitrags: Nicht die Rote Armee, sondern die Deutsche Wehrmacht habe aus Rache oder Kalkül die Menschen verhungern lassen. Die Wehrmacht habe auf ihrem Rückzug die Landwirtschaft Ostpreußens zerstört und eine Hungerkatastrophe verursacht, der Zehntausende zum Opfer fielen.

Nun, wahrscheinlich war es nur ein Frage der Zeit, wann auch das letzte dunkle Fleckchen vom Soldatenrock der Siegermächte geputzt werden musste und der Deutschen Wehrmacht angelastet.

Sehr hübsch schon der Satz am Anfang des Artikels: „Überlebende und manche deutsche Historiker glaubten lange Zeit, die sowjetischen Sieger hätten aus Rache oder Kalkül die Menschen verhungern lassen.“

Überlebende – damit sind Menschen gemeint, die den ganzen Schrecken des Krieges in Ostpreußen miterlebt und überlebt haben, korrekt? Es sind also Zeitzeugen erster Klasse, die alles selbst erlebt haben. Alle diese Zeitzeugen sollen überhaupt nicht mitbekommen haben, dass die Wehrmacht in Ostpreußen „wütete“ und flächendeckend die Landwirtschaft zerstörte? Stattdessen glaubten und berichteten alle unisono und ohne jeden Grund, die Rote Armee sei das gewesen?

Genau jener Historiker Bastiaan Willems äußert sich in seiner Rezension des Buches „Ostpreußen1944/45“ von Richard Lakowski wesentlich differenzierter„For many soldiers of the Wehrmacht, „Berlin“ was far away, and survival was the only imminent concern. To understand the fighting in the different parts of Germany, these notions should be considered.“

(Übersetzung: Für viele Wehrmachtssoldaten war Berlin weit weg, und es ging nur noch um’s Überleben. Um das Kämpfen in den verschiedenen Teilen Deutschlands zu verstehen, sollten diese Auffassungen mit einbezogen werden.)

Willems schätzt die Herangehensweise des Autors Lakowski, der das „Standard-Narrativ des von der Nazi-Partei angeführten Untergangs in Chaos und Gewalt“ verlässt, sondern vielmehr die vielschichtige Natur der Geschehnisse um die Wehrmacht, die Kriegsmarine und die Spannungen zwischen dem deutschen Militär und der Bevölkerung beleuchtet. Das Buch berichtet über die erbitterten und zähen Kämpfe auf ostpreußischem Boden: „Lakowski correctly places the Wehrmacht in close proximity to the population, drawing attention to its place in the Total War, which „auf seinem Höhepunkt in Ostpreußen auf Heimatboden geführt wurde.

(Übersetzung: Lakowski verortet korrekterweise die Wehrmacht in der direkten Umgebung zur Bevölkerung und lenkt so die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung hiervon in einem totalen Krieg, der auf seinem Höhepunkt in Ostpreußen auf Heimatboden geführt wurde.)

Betrachten wir die Fakten und Daten

Im zweiten Halbjahr 1944 war die Deutsche Wehrmacht auf dem Rückzug. Die Rote Armee vertrieb sie von sowjetischem Territorium und jagte sie vor sich her in deutsches Gebiet. Die Kämpfe waren erbittert, die Verpflegung schlecht, überall und ständig gab viele, einzelne, kleinräumige Gefechte an der Memel-Weichsel-Front, bisweilen in deutsches Gebiet hinein, von denen der Chef des Oberkommando des Heeres, Generaloberst Heinz Guderian, entnervt sagte, dass das „Studium der Tagesmeldungen der Heeresgruppen mühseliger war als die Lösung eines Kreuzworträtsels“.  Die Gefechte hinterließen natürlich furchtbare Schäden auf den Feldern und Wiesen der ostpreußischen Landwirtschaft – schon wenn ein Dutzend Panzer darüber preschen, schießen und vielleicht auch noch im Feld Wendemanöver fahren, ist die Ernte des Feldes verloren, das weiß jeder Bundeswehrsoldat, der auf einer Übung war. Wieviel davon sowjetischen oder deutschen Panzerketten anzulasten war, wird kaum auszumachen sein.

Laut dem Spiegelartikel habe das IX. Armeekorps der Wehrmacht den Soldaten befohlen, ihren Bedarf aus den Erzeugnissen des Landes zu decken. Und sie durften „Geräte“ jeder Art mitnehmen, wenn diese für die „Kampfführung und zum alsbaldigen Gebrauch“ benötigt wurden.

Der Artikel weiter: „Die Soldaten bauten Molkereien ab, zerstörten Wasserleitungen, schlachteten fast den gesamten Vieh- und Pferdebestand. ‚Die Truppe scheint sich noch keinesfalls darüber im Klaren zu sein, dass sie jetzt wieder auf deutschem Boden steht und deutsche Volkswerte zu verteidigen hat‘, klagte ein Militär. Der Bahnhof des kleinen Rautenberg war nach einem Bericht ‚übervoll‘ mit landwirtschaftlichen Maschinen und Getreide. Der Präsident des Oberlandesgerichts Königsberg notierte schon vor dem Einmarsch der Roten Armee aus den damaligen Tilsit und Ragnit, die Häuser dort seien ‚furchtbar geplündert worden‘.“

Wenn der Feind kommt und Menschen fliehen

Hier stellen sich Fragen, über die in diesem Artikel anscheinend einfach hinweggegangen wird: Als die Rote Armee im Herbst 1944 an der deutschen Reichsgrenze stand und der Einmarsch drohte, begann bereits die erste Massenflucht der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen. Die Menschen hatte große Angst vor Vergeltung und einer wütenden Soldateska. Die Bevölkerung begann, sich aus Ostpreußen und Schlesien nach Westen abzusetzen. Der Exodus war ganz und gar nicht im Sinne der Reichsregierung. Man wollte natürlich die Ernten noch einbringen und das System – auch zur Unterstützung und zum Nachschub an die Front – am Laufen halten. Doch viele Ostpreußen ahnten, was ihnen bevorstand und so musste die Reichsregierung drakonische Strafen für den Versuch der Flucht verhängen. Überdies ging man in Berlin davon aus, dass die Wehrmacht härter um die Ostgebiete kämpfen würde, wenn es um deutsche Zivilisten und deutschen, bewohnten Boden ging.

Gerade die, die etwas begüterter waren – darunter auch Besitzer von Landgütern und Höfen –, hatten Vermögenswerte und auch Transportwägen und Pferde, um sich und einiges von ihrem Hab und Gut in den Westen zu retten. Auch diese frühen Fluchtbewegungen trugen dazu bei, dass Höfe, Felder und Ställe im Stich gelassen wurden und Ernten ausfielen.

 

 

Als aber die Rote Armee direkt vor dem Einmarsch stand, und am 12. Januar 1945 in einer Großoffensive die deutsche Front entlang der Memel und Weichsel durchbrach, gab es kein Halten mehr. Riesige Trecks von Menschen zogen zu Fuß mit Pferden und Bollerwagen und ein bisschen Hab und Gut nach Westen. Es waren 12 Millionen Deutsche, die da auf der Flucht vor den Sowjets loszogen, bei klirrender Kälte, im tiefsten Winter und der Hoffnung, es irgendwie zu überleben.

 

Ostpreussische Bauern, die versuchen über das Kurische Haff vor dem russischen Einmarsch im Jahre 1945 auszuweichen und über die Kurische Nehrung bisher unbesetztes Gebiet zu erreichen. Bundesarchiv, Bild 146-1990-001-30 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

 

Flucht durch die Hölle und ein Massensterben Deutscher

An vielen Stellen überrollte die schnell vorrückende Sowjetarmee die Trecks, zermalmten mit ihren Panzern über Menschen und Pferde, die nicht schnell genug aus dem Weg konnten. Millionen Flüchtlinge starben an Kälte, Krankheit und Hunger, wurden von den Sowjets ermordet, misshandelt, vergewaltigt. Den Flüchtlingen wurde der Landweg über das vereiste „Frische Haff“ versperrt. Großadmiral Karl Dönitz startete im Januar 1945 das „Unternehmen Hannibal“, die größte Evakuierungsmaßnahme der Weltgeschichte. 700 Schiffe der Kriegsmarine brachte zwei Millionen Flüchtlinge nach Mecklenburg und Schleswig Holstein. Darunter das Schiff „Wilhelm Gustloff“, was von drei sowjetischen Torpedos versenkt wurde. Bis zu 9000 Menschen ertranken bei diesem Angriff auf deutsche Zivilisten auf einem gekennzeichneten Rettungsschiff (Bei der „Titanic“ waren es ca. 1600 Menschen).

Diese kurze Beschreibung illustriert recht gut, dass die tatsächlichen Geschehnisse die Darstellung des Spiegel-Redakteurs Klaus Wiegrefe doch relativieren. Vor einem solchen Hintergrund zu titeln „Die Wehrmacht wütete in Ostpreußen“, ist einfach absolut unangemessen.

 

Ostpreußen, Pillau.- Angehörige der Marine am Bug eines vereisten Schiffes, Im Hintergrund Flüchtlinge am Kai im vereisten Hafen. Bundesarchiv, Bild 146-1989-033-35 / Budahn, H. / CC-BY-SA 3.0

 

Kriegsland, Überlebenswille und der Zusammenbruch der Ordnung

Es soll hier nicht bestritten werden, dass deutsche Wehrmachtssoldaten durchaus auch skrupellos Beute gemacht haben. Doch auch aus Schilderungen von Flüchtlingen aus Ostpreußen wissen wir, dass verlassene Häuser und Höfe, wo die Bewohner schon 1944 geflohen waren, sowohl von Zivilpersonen als auch von Soldaten ausgeräumt wurden. Warum hätte man es auch zurücklassen und „dem Russen“ in die Hände fallen lassen sollen? Niemand glaubte noch an den „Endsieg“ und jeder überlegte, wie er davonkommen könnte und was er noch brauchen kann. Die öffentliche Ordnung löste sich langsam auf.

Die Versorgungslage war ausgesprochen schlecht, weil die Infrastruktur zu zerfallen begann. Selbstverständlich requirierte die Deutsche Wehrmacht Nahrungsmittel, Decken, Getränke, Diesel, Kohle etc. für ihre Soldaten und genauso selbstverständlich war das furchtbar für die Bewohner.

Die Rote Armee nahm die deutschen Ostgebiete ein. Die Deutschen wurden überall brutal vertrieben, es kam zu entsetzlichen Verbrechen an der deutschen Zivilbevölkerung. Man sollte einmal Begriffe wie „Nemmersdorf“  oder „Gumbinnen“ googeln. Wer dann noch schlafen kann, hat gute Nerven.

Dämonisierung der Wehrmacht als antideutsche Propaganda

Soziale Umwälzungen, Verwüstungen, Greueltaten, Kriegsverletzungen, Traumatisierung, Vergewaltigungen, Massaker, Kriegswitwen und -waisen, Zerstörung der Infrastruktur und Hunger sind immer Folgen eines längeren und massiven Krieges. Das war zum Beispiel auch in Vietnam so, wo ausnahmsweise mal nicht die Deutschen für verantwortlich gemacht werden können.

Es geht hier nicht darum abzustreiten, dass auch deutsche Wehrmachtsangehörige im Chaos und Untergang der Endzeit in Ostpreußen zum Hunger und Zerstörung der Landwirtschaft beigetragen haben. Es geht darum, dass solche Fälle jetzt als neues, historisches Narrativ hier in Deutschland eine Propaganda-Aufgabe erfüllen sollen. Anders kann die völlig überzogene Überschrift „Die Wehrmacht wütete in Ostpreußen“ nicht verstanden werden.

 

Ostpreußen, Nemmersdorf.- Leichen ermordeter Deutscher, Bundesarchiv, Bild 101I-464-0383I-26 / Kleiner / CC-BY-SA 3.0

 

Der Deutschen Wehrmacht wurde immer noch zugestanden, die deutsche Armee zu sein, in der unsere Großväter selbstlos und tapfer für ihr Land, Ihr Volk, ihre Heimat gekämpft und ihr Leben gegeben haben. Bisher wurde ihnen nicht vorgeworfen, alle Nazis oder alle Massenmörder gewesen zu sein. Mit dieser Darstellung im Spiegel wird der Deutschen Wehrmacht der Stempel der Terrorarmee, der entfesselten Soldateska angehängt, sozusagen eine Art durchgeknallten Nazi-IS darzustellen, der brutal unter der eigenen Zivilbevölkerung haust und ganze Regionen verwüstet.

Wieder ein schönes Lehrstück antideutscher Propaganda, um die Deutschen klein und beschämt und stumm zu halten, damit sie in sklavischer Duldungsstarre alles über sich ergehen lassen. Man will das schon dutzendfach gebrochene Rückgrat der deutschen Männer noch ein dreizehntes Mal brechen.

 

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Die Unbestechlichen

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