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Unnötige Operationen? Das schulmedizinische Lottospiel

20. November 2017 | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Die Natur heilt

Vor nahezu langer Zeit (2011) veröffentlichte ich den Beitrag: In Deutschland wird zuviel geröntgt. In diesem Beitrag werden die Ursachen für die Röntgenflut diskutiert. Dabei fiel auf, dass die Entscheidung fürs Röntgen sehr häufig nicht auf medizinisch vertretbaren Gründen beruhte, sondern auf ökonomischen Interessen. Nichts Neues also in unserem Medizinbetrieb. Aber es geht noch toller…

Noch toller: Die Operationen

Für die Operationen der verschiedensten Art und Indikation gab es ebenfalls Vermutungen, dass hier mehr operiert wird, als medizinisch begründbar ist. Kniegelenkspiegelungen zum Beispiel sind eine Form der Operation, die von der evidenzbasierten Schulmedizin serienmäßig durchgezogen wird, für die es aber keine evidenzbasierten Studien für deren Wirksamkeit existieren: Kniegelenkspiegelung – eine unnötige Operation?

Seit dem Juli 2015 schlägt die schulmedizinische „Heilkunst“ (=Allopathie) eine besonders lustige Form von Kapriolen. Laut Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ hängt die Gesundheit vom Wohnort ab. Damit ist aber nicht gemeint, dass Menschen in einer mit Smog verseuchten Großstadt ungesünder leben als andere in frischer Luft hoch oben in den Bergen. Das wohl auch. Nein – es scheint das Phänomen zu geben, dass in verschiedenen Orten verschieden häufig operiert und nicht nur geröntgt wird…

Der Artikel weist gleich zu Beginn (wenn auch nicht explizit), darauf hin, dass dieses Phänomen kein typisch deutsches Phänomen ist. Denn der „Entdecker“ der ortsspezifischen Operationshäufigkeiten ist ein amerikanische Epidemiologe. Dem war nämlich aufgefallen, dass in dem Schulbezirk seiner Tochter nur ein Drittel der Kinder ihre Mandeln „opfern“ mussten im Vergleich zum Nachbarbezirk. Aber das war in Amerika und seinerzeit vor 40 Jahren (1973).

Heute sieht es nicht viel besser aus, in Amerika und in Deutschland. Denn der Artikel weiß zu berichten, dass in Bad Kreuznach 107 von 10.000 Kindern an den Mandeln operiert werden, in Coburg und im Unterallgäu dagegen nur 15. Ein gewisser Dr. Hasenfuß, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, macht fehlende Leitlinien für diese seltsamen Unterschiede verantwortlich. Leitlinien? So was hatten wir doch schon mal: Medizinische Leitlinien – Gefährliche „Leitplanken“ im Medizinverkehr. Warum brauchen die Chirurgen noch besondere Leitlinien, wo sie doch angeblich eine evidenzbasierte Medizin betreiben? Und was nützen Leitlinien, wenn nur 40 Prozent der Adressaten überhaupt wissen, dass es sie gibt?

Und danach kommt der unvermeidliche moralische Quark aus dem Märchenwald vom helfenden und sich aufopfernden Arzt, der nur für seine Patienten da ist und vor lauter Sorge alle Untersuchungen und Operationen gleich dreimal beim gleichen Patienten durchführt. Denn doppelt gemoppelt hält viermal so lang.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kassieren sie noch heute

Nachdem der Leser weiß, dass diese kleinen Fehlerchen nur ein Ergebnis überschwänglicher Sorge um den Patienten darstellen, kommt ein weniger zauberhafter Indikationskatalog auf den Tisch. Denn der Schreiber des Artikels mutmaßt, dass weniger die Sorge um die Patienten zu einer Entscheidung für eine OP führt, sondern „finanzielle Anreize und eingeschliffene chirurgische Rituale“.

Die Sache mit den „finanziellen Reizen“ habe ich ja schon immer als einen der realen Gründe für dieses Wirrwarr vermutet. „Rituale“ in der Chirurgie sind mir neu, was aber nicht heißen muss, dass es sie nicht gibt. Ich bin nur überrascht, dass Rituale eine Rolle spielen bei einer Entscheidung über Gesundheit und Leben und Tod von anderen Menschen.

So etwas kann im Hollywood Spielfilm vorkommen oder im Märchenwald, wo der liebe Oberförster den bösen Wolf operiert und ihm fürsorglich ein paar Wackersteine in den Magen legt. Und weil er so besorgt ist, macht er diese Operation auch gleich dreimal. Aber Rituale in der Medizin sind ein Beleg für die Abwesenheit wissenschaftlicher Grundlagen. Oder halten Sie Rituale für das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung? Dann wäre jeder Urwald-Stamm in Afrika nobelpreisverdächtig.

Weiter lesen auf:

http://naturheilt.com/blog/unnoetige-operationen/
Bildredakteur:

connectiv.event

Textredakteur:

connectiv.events

Quelle:

Die Natur heilt

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