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Anti Spiegel

US-TV-Debatte: Inhalte und Reaktionen

30. September 2020 | Allgemein | Politik | Geo-Politik | Anti Spiegel

von Thomas Röper 

Die Debatte war sicher ein Tiefpunkt in der Fernsehgeschichte, trotzdem waren die Reaktionen teilweise überraschend.

Ich habe mir die Debatte Life angeschaut und meine ersten Eindrücke direkt danach veröffentlicht. Die Debatte war unsachlich und geprägt davon, dass Trump laufend nicht nur Biden, sondern auch den Moderator unterbrochen hat, der zeitweise völlig die Kontrolle über das Geschehen verloren hatte. Zwar hat auch Biden Trump ab und an unterbrochen, aber er wirkte insgesamt souveräner. Das zumindest war mein Eindruck. Aber wie wir hier noch sehen werden, muss mein Eindruck nicht dem entsprechen, was die Amerikaner bei der Debatte empfunden haben.

Was in der Debatte fehlte, war eine sachliche Diskussion, in der die Kandidaten ihre Standpunkte und Argumente austauschen. Biden sonderte unbeirrt seine auswendig gelernten Parolen ab und Trump versuchte Biden zu provozieren, damit dieser Fehler macht. Aber Biden blieb – mit vielleicht einer Ausnahme, als es um seine Söhne ging – eiskalt und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Das wiederum schien Trump aus der Ruhe zu bringen. Biden verhaspelte sich zwar einige Male und brachte Zahlen und Gesetze durcheinander, aber er korrigierte sich dabei immer sofort selbst.

Hier will ich nun auf die Ergebnisse der Blitzumfragen eingehen, wer nach Ansicht der Amerikaner gewonnen hat. Und danach schauen wir uns an, was in der Debatte inhaltlich gesagt wurde. Es war nicht viel, aber das Wenige ist trotzdem einen näheren Blick wert.

 

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Blitzumfrage: Nur ein knapper Sieg für Biden

Das hat mich überrascht, denn in meinen Augen hat Trump verloren. Aber es zeigt, dass die Menschen in den USA gar nicht mehr auf Inhalte schauen, sie wollen eine Show sehen. Und die haben die Kandidaten geliefert. Im Spiegel konnte man lesen:

„Bei einer Umfrage von CNN gaben sechs von 10 Zuschauern an, dass Biden den besseren Job bei der Debatte gemacht habe. Nur 28 Prozent sagten, Trump habe besser abgeschnitten.“

Das stimmt. Allerdings sollte man den CNN-Artikel genau lesen. Dort steht nämlich, dass sich 39 Prozent der befragten Zuschauer als Anhänger der Demokraten bezeichnen und nur 25 Prozent als Anhänger der Republikaner. Entsprechend kann es nicht überraschen, dass Biden von diesen Zuschauern fast doppelt so viel Zuspruch erhalten hat, wie Trump. Wenn man das berücksichtigt, hat Biden zwar trotzdem gewonnen, aber nur sehr knapp. Das allerdings überrascht mich, denn in meinen Augen hat Biden deutlich gewonnen. Aber die Amerikaner scheinen in diesem Punkt anders zu ticken, als ich.

Trotzdem ist das Ergebnis bemerkenswert, denn eigentlich ist Trump als Favorit in die Debatte gegangen, denn die Erwartungen an Biden waren gering. Das war wohl auch Trumps Fehler, er hat Biden unterschätzt. Biden wirkte souveräner und hat Trumps Angriffe an sich abperlen lassen, was Trump offenbar fast zur Weißglut gebracht hat. Er hat es sich offensichtlich leichter vorgestellt, Biden vorführen zu können. Am Ende wurde Trump vorgeführt.

 

Die Themen der Debatte

Die Debatte war so aufgebaut, dass sechs Themen jeweils 15 Minuten diskutiert werden sollten. Jeder Themenblock begann mit einer Frage des Moderators, auf die jeder Kandidat zwei Minuten antworten durfte, danach sollten sie etwa zehn Minuten über das Thema diskutieren. Leider gab es für die Diskussion offensichtlich keine Regeln. Es wäre gut gewesen, wenn jeder Kandidat insgesamt fünf Minuten gehabt hätte und sie damit jeweils abwechselnd Zeit zum Sprechen gehabt hätten, ohne einander ins Wort zu fallen. Aber leider lief hier alles aus dem Ruder und teilweise haben alle drei – Moderator und beide Kandidaten – gleichzeitig laut durcheinander geredet.

Nun will ich auf die sechs Themen eingehen und die wichtigsten Aussagen zusammenfassen.

 

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Das Oberste Gericht

Hier ging es um die Nominierung der neuen Richterin Amy Coney Barrett. Die Diskussion war nicht erhellend. Trump erklärte, er habe in Wahlen die Mehrheit im Senat gewonnen und sei Präsident und damit sei es sein Recht, die Richterin vorzuschlagen. Biden hingegen, der befürchtet, dass mit dieser Ernennung im Obersten Gericht eine konservative Mehrheit von sechs zu drei zementiert wird, verlangte, dass die US-Amerikaner gefragt werden, dass diese Frage also quasi ein Nebenthema der Präsidentschaftswahl sein solle.

Ganz objekt gesagt hat Trump hier recht. Umgekehrt würden die Demokraten auch nicht die Wahl abwarten, sondern den in den USA so wichtigen Posten besetzen, solange sie die nötigen Mehrheiten haben. So sind eben die Gesetze in den USA, aber davon wollte Biden ablenken, als er über das „Recht der Amerikaner“ sprach, bei dieser Entscheidung mitzureden. Das klingt zwar gut, aber solange Obama und Biden im Weißen Haus waren, habe sie auch Richter ernannt, wenn sie konnten und keine Wahlen abgewartet, um die Amerikaner nach ihrer Meinung zu fragen.

 

Die Coronakrise

Auch hier gab es wenig Neues. Beide attackierten sich gegenseitig. Trump meinte, unter einem Präsidenten Biden wären Millionen Amerikaner an dem Virus gestorben und er habe das verhindert. Und überhaupt: Corona sei Chinas Schuld.

Biden hingegen beschuldigte Trump, am Tod von über 200.000 Amerikanern Schuld zu sein. Das Thema Corona ist den Demokraten wichtig, sie brauchen es, um die pauschale Briefwahl zu begründen und Biden kam mehrmals bei anderen Gelegenheiten auf Corona zurück.

Trump machte sich noch darüber lustig, dass Biden selbst dann für die Kameras eine Maske trage, wenn er dutzende Meter von anderen Menschen entfernt stehe und auf die Frage, ob er gegen die Masken sei, sagte Trump, er sei dafür, wenn es nötig ist und er trage dann auch selbst eine Maske. Aber eben nicht für die Kameras. Zum Beweis holte er seine Maske aus der Innentasche seines Jackets.

Biden hingegen setzte auf die Corona-Panik und sagte, einer von 1.000 Schwarzen sei in den USA an Corona gestorben und wenn Trump so weiter mache, würde es bald einer von 500 sein.

 

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Die Wirtschaft

Auch hier nichts Neues. Trump rühmte sich seiner Wirtschaftsdaten, die vor Corona tatsächlich so gut waren, wie kaum je zuvor in der Geschichte der USA. Biden hingegen meinte, Trump habe von Obama eine blühende Wirtscbaft übernommen und danach nichts für die Wirtschaft getan.

Es folgten auch hier Corona-Anschuldigungen, in denen Trump Biden vorwarf, das Land wieder schießen und die Wirtschaft so endgültig abwürgen zu wollen, während er – Trump – mit dem Lockdown eine schwere Entscheidung getroffen habe und nun die Wirtschaft besser aufbauen werde, als sie vorher war. Biden hingegen sprach von seinem Wirtschaftsprogramm, mit dem er Millionen neue Jobs schaffen wolle.

 

Die Rassenfrage und die Unruhen in den USA

Hier wurde es interessant. Beide beschimpften sich gegenseitig als Rassisten, Trump erinnerte an Äußerungen über „Super Predators“ (Superraubtiere), als die Clinton schwarze Gangs in den 1990ern beschimpft hatte und eine ähnliche Formulierung hatte seinerzeit auch Biden benutzt.

Beide beschuldigten sich gegenseitig, nichts gegen die Unruhen in den USA zu tun. Trump kam hier auf sein Lieblingsthema „Law and Order“ und forderte Biden auf, einfach nur zu sagen, dass er für Recht und Ordnung sei. Biden ging dem aus dem Weg und sagte, er sei für friedliche Demonstrationen und das Gesetz. Trump forderte, dass die Nationalgarde in den betroffenen (von Demokraten regierten) Städten die Ordnung wieder herstellen solle. Biden wies darauf hin, dass es auch in republikanisch regierten Städten Unruhen gegeben hat. Allerdings, das vergaß hinzuzufügen, sind die von der Nationalgarde schnell beendet worden.

Dann forderte Trump, dass Biden sich von der Antifa distanzieren solle, was Biden abgelehnt hat. Im Gegenzug wollte der Moderator von Trump wissen, ob dieser sich von den als rechtsextrem geltenden „Proud Boys“ distanzieren wolle, was Trump wiederum wortreich umschifft hat.

 

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Trumps und Bidens Errungenschaften

Das war ein im Grunde nichtssagender Teil. Trump lobte sich in gewohnter Manier über den grünen Klee und Biden lobte die Obama-Regierung in gleicher Form.

Allerdings kam hier auch das Thema Klimawandel vor und Trump wurde wegen der Waldbrände in Kalifornien scharf angegangen. Das ist aus meiner Sicht unverständlich, selbst wenn es einen menschengemachten Klimawandel gibt, so ist der nicht von Trump ausgelöst worden, sondern ist ein Jahrzehnte altes Thema. Und für den Schutz des Waldes und eine nachhaltige Forstwirtschaft ist nicht Washington, sondern Kalifornien verantwortlich.

Aber dass die Debatte nicht sachlich war, ist ja inzwischen allgemein bekannt.

 

Die Anerkennung der Wahlen

Hier gab es wieder die schon hinreichend bekannten Thesen. Trump warf den Demokraten vor, mit der Briefwahl die Wahl fälschen zu wollen und erinnerte daran, dass bereits ausgefüllte pro-Trump-Wahlzettel in Körben in Gruben bei Autobahnen gefunden worden sind. Biden hingegen verteidigte die pauschale Briefwahl.

Auf die Frage an jeden Kandidaten, ob er den Sieg des Gegners akzeptieren werde, blieben beide eindeutige Antworten schuldig. Trump wies darauf hin, dass man das Ergebnis der Briefwahl abwarten müsse und ob es dabei zu massivem Betrug komme. Biden sagte zwar, er werde es akzeptieren, wenn er verliert, aber darüber könne man erst nach eine endgültigen Auszählung der Stimmen sprechen.

Dass es am Wahltag kein Ergebnisse geben wird, galt im Studio als ausgemacht und Moderator und Kandidaten stimmten das Publikum auf einen wochenlangen oder sogar monatelangen Auszählungsprozess ein. Und wie dann am Ende das Ergebnis sein wird und wer es akzeptieren wird, steht in den Sternen.

Beide Kandidaten haben sich mit dem Hinweis auf die endgültige Auszählung der Briefwahlstimmen eine Hintertür aufgehalten, das Ergebnis nicht anzuerkennen.

 

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Was nur am Rande vorkam

Als es um Trumps angebliche Beleidigungen von gefallenen US-Soldaten ging, ging Biden in die Offensive und sprach von seinem Sohn Beau, der ein Jahr im Irak gedient hat. Trump konterte mit Bidens anderem Sohn, Hunter Biden, der unehrenhaft aus der Armee geflogen ist, weil er Kokain abhängig war und erst einen Job gefunden habe, nachdem Papa Biden Vizepräsident geworden ist. Bei der Gelegenheit erwähnte Trump mehrmals die Millionen, die Hunter Biden aus China, der Ukraine und sogar von der Frau des ehemaligen Moskauer Bürgermeistets bekommen hat.

Biden räumte die Drogenprobleme von Hunter Biden ein, aber die Familie sei stolz darauf, das er das überwunden habe. Die Anschuldigungen bezüglich der Millionenzahlungen an seinen Sohn nannte er widerlegte Lügen.

Auch wenn Trump in meinen Augen das schlechtere Bild abgegeben hat, indem er Biden ständig in Wort gefallen ist, hat Biden die verbalen Tiefpunkte gesetzt, als Trump mal aufforderte, die Schnauze zu halten („shut up“) oder den Präsidenten als „Clown“ bezeichnete.

Übrigens gab es auch Hinweise darauf, dass Biden tatsächlich einen Knopf im Ohr gehabt haben könnte, über den ihm die Antworten vorgesagt wurden.

 

 

Fazit und Ausblick

https://www.j-k-fischer-verlag.de/J-K-Fischer-Verlag/SPIEGLEIN-SPIEGLEIN-in-der-Hand-wer-luegt-am-meisten-im-ganzen-Land--9700.htmlAls Fazit kann man sagen, dass Trump nun unter Zugzwang ist, denn er muss in den Umfragen aufholen und offenbar ist es nicht so leicht, Biden bei den Debatten vorzuführen, wie Trump sich das gedacht hat.

Andererseits darf man nicht vergessen, dass Trump auch die letzten Wahlen gewonnen hat. Dazu hat Putin mal einen Kommentar abgegeben, der sich auch dieses Mal wieder als wahr erweisen könnte. In einer Podiumsdiskussion mit einer US-Journalistin wurde Putin 2017 dazu befragt und Putin sagte über Trumps Wahlkampf von 2016:

„Das Team von Trump hat sich im Wahlkampf als effektiv erwiesen. Ich habe selbst manchmal gedacht, „jetzt überspannt der Mann den Bogen aber wirklich!“ (Lachen im Saal) Nein, ehrlich. Aber wie sich gezeigt hat, hatte er Recht. Er hat den Nerv der Menschen, der Teile der amerikanischen Wählerschaft getroffen, auf die er gesetzt hat. Und die sind aufgestanden und haben für ihn gestimmt.“

Von daher bleibt abzuwarten, ob Trumps Rechnung auch dieses Mal aufgeht und ob er wieder den Nerv seiner Wähler trifft und sie mobilisieren kann.


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Anti Spiegel

Textredakteur:

Thomas Röper

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