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Streitkräfte der venezolanischen Armee. Sie stehen (bisher) fest hinter Nicolás Maduro.

Venezuela – Ein unglaublicher Polit-Thriller: Abstiegskampf der USA?

3. Februar 2019 | Geschichte | Kriege | Revolutionen | Politik | Geo-Politik | Wirtschaft | Finanzen | connectiv.events

von Niki Vogt

Der rechtmäßige, venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat am letzten Montag eine Rede an den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump persönlich gerichtet. Die Rede wurde im Fernsehen übertragen. Sie war spanisch gehalten, was ihrer Wirksamkeit keinen Abbruch tut, denn auch in den USA gibt es einen sehr großen hispanischen Bevölkerungsanteil, deren Interesse an Mittel- und Südamerika sehr groß ist, und man konnte diese Rede gut in den USA empfangen.

„Hände weg von Venezuela!“ wies er den US-Präsidenten Trump zurecht. „So nicht!“ Er kritisierte die Sanktionen der USA als eine einseitige, illegale, weil an der UN vorbei verhängte, amoralische, kriminelle Maßnahme. Denn nur mit Rückendeckung der UN sind Sanktionen möglich.

 

 

Der Auslöser der Rede war die ebenfall am Montag verkündete Absicht der USA, ohne Rücksprache mit der UN, Sanktionen gegen Venezuela und insbesondere gegen die Ölgesellschaft CITGO, eine Tochter der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA zu verhängen. Die Politiker, die dahinterstehen, sind der nationale Sicherheitsberater John Bolton und Finanzminister Steven Mnuchin.

Vorwand und Anlass ist das Gezerre um das venezolanische Präsidentenamt. Die USA haben beschlossen, den Leiter der Nationalversammlung und Amerika-Freund  als „Interimspräsident“ Venezuelas anzuerkennen. Herr Guaidó hat sich nie einer Präsidentenwahl gestellt. Präsident Nicolás Maduro ist erst letztes Jahr mit 67,8 % der Stimmen gewählt worden. Und zwar in einer nicht beanstandeten, demokratischen Wahl. Dennoch sehen sich die USA aus „moralischen Gründen“ verpflichtet, der Demokratie in Venezuela zur Geltung zu verhelfen. Hier einmal zur Orientierung eine Aufstellung der demokratischen Legitimation diverser Staatsoberhäupter:

 

 

Also, so richtig illegitim ist Nicolás Maduro offensichtlich nicht Präsident und so wirkt der Anspruch von Herr Juan Guaidó angesichts dessen, dass er sich noch keiner Wahl gestellt hat, eher wenig überzeugend.

Warum sind die USA dann so entschlossen, Präsident Nicolás Maduro wegzuputschen? Kommuniziert wird ein weiterer Grund: Den Venezolanern geht es unglaublich schlecht, die Inflation galoppiert, die Menschen verhungern, die Geschäfte sind leer, niemand kann etwas zu essen kaufen. Das ist die Schuld dieser an dem Sozialisten Hugo Chavez ausgerichteten Politik und daher muss man schon aus humanitären Gründen und dem Volke zuliebe den Präsidenten Maduro stürzen. Der Neoliberale und US-freundliche Herr Guaidó würde als Präsident das Land wieder nach vorne bringen. Heißt es.

In der Tat leiden die Venezolaner unter einer Hyperinflation. Es gab auch viele Wochen, in denen die staatlichen Supermärkte, die zu subventionierten Preisen verkaufen, leergefegt waren. Das lag an Hamsterkäufen, aber auch an der Inflation, weil das Geld jeden Tag weniger wert war und jeder losrannte, um noch so viel wie möglich an Vorräten oder Tauschbarem zu ergattern.

 

 

Die Politik Venezuelas verließ sich zu sehr auf den Diamanten-, Gas- und Ölreichtum, vernachlässigte die Entwicklung einer eigenen Produktion und Industrie zu sehr und wurde dann natürlich von einem sinkenden Ölpreis plus den US-Sanktionen kalt erwischt. Wenn man mit seinem Ölreichtum immer fröhlich in der Welt einzukaufen gewohnt ist, wird es schwierig, wenn das dann mal nicht mehr so gut funktioniert. Die unfairen US-Sanktionen haben dennoch einen großen Anteil daran.

Andererseits sieht man an Saudi-Arabien, dass ein richtig ölreiches Land gar nicht so schlecht wirtschaften kann, dass es bankrott geht, egal, wie sozialistisch es ist. Ohne die dauernden US-Sanktionen wäre Venezuela wahrscheinlich wohlhabend und eines der angenehmsten Länder zum Leben in Südamerika.

Dass man in Venezuela nichts mehr zu essen kaufen kann, ist allerdings nicht zutreffend. Russische Reporter waren vor Ort in dem südamerikanischen Land und machten ihre Beobachtungen. Sie suchten diverse Supermärkte und Läden auf und stellten fest, dass die Geschäfte gut gefüllt sind, allerdings zu recht hohen Preisen.

 

Aufnahme aus einem x-beliebigen venezolanische Supermarkt, (für Quelle: Bild anklicken)

 

Venezuelas Öl ist den USA ein Dorn im Auge. Und ganz besonders, dass die Ölgesellschaft, die früher texanisch war, verstaatlicht wurde. Der Ölreichtum Venezuelas ist sehr viel größer, als die meisten glauben. Hier einmal eine Übersicht, welche Länder über wie große Ölreserven verfügen. Venezuela ist blau markiert. Es hat die mit Abstand größten Erdölreserven der Welt und überdies noch Gas. Mit 302 Milliarden Barrels liegt es noch weit vor dem zweit-ölreichsten Land Saudi Arabien. Die USA sind mit 50 Milliarden Barrel weit abgeschlagen. Eingedenk der Tatsache, dass die USA seit über zehn Jahren ein Land nach dem anderen in Nordafrika und dem nahen Osten umstürzen, um dort Marionettenregimes einzusetzen, um Herr über die Bodenschätze und die Energieressourcen dieser Region zu sein und zu bleiben, muss man sich nicht fragen, welches Interesse die USA haben, in Venezuela einen „ihrer Männer“ auf den Präsidentenstuhl zu hieven.

 

 

Das ist aber noch nicht alles. Venezuela hat einen starken Freund und Verbündeten, der auch mitgeholfen hat, die Wirkung der Sanktionen abzumildern. Russischer Weizen und andere Grundnahrungs- und Lebensmittel, aber auch Waffen der neuesten Generation wurden nach Venezuela geliefert. In einem Exklusiv-Interview mit Sputnik bestätigte Präsident Nicolás Maduro die tatkräftige Hilfe Russlands in jeder Hinsicht. Sowohl Venezuela als auch Russland betonen, ohne nähere Angaben, in vielerlei Gebieten zusammenzuarbeiten. „Russland ist bereit, auf jede Weise zur Lösung beizutragen“, sagt ein Kreml-Sprecher. Das lässt Raum für Interpretationen.

 

 

Angeblich wird Präsident Maduro von russischen Leibwächtern beschützt, wozu er aber keinen Kommentar abgibt. Es ist auch eine russische Boeing 777 auf dem Flughafen von Caracas, Venezuelas Hauptstadt gelandet, Mission unbekannt. Es heißt allerdings, dass damit 20 Tonnen Gold außer Landes gebracht worden sein sollen. Diese Information stammt von dem Oppositionsabgeordneten und ehemaligen venezolanischen Zentralbankchef José Guerra. Er gilt als ein Unterstützer Juan Guaidós. Der jetzige Zentralbankpräsident ist ein enger Vertrauter des Präsidenten Nicolás Maduro.

Der Machtkampf um Venezuela wird inzwischen mit allen Mitteln geführt und gerät zum Thriller. Denn die russische Hilfe ist natürlich nicht nicht ganz für umsonst. Dass die USA Venezuela als eine Art Hinterhof ihrer ganz und gar „außergewöhnlichen Nation“ sieht, war schon immer so. Die Dissonanzen zwischen den USA und Venezuela gibt es schon lange, insbesondere, seit der Sozialist und Volksheld Hugo Chavez Venezuela zu einer Art südamerikanischem Schweden gemacht hat. Seitdem gibt es andauernd Sanktionen und Versuche seitens der USA, das Land in die Knie zu zwingen. Das ist alles nicht neu.
Woher also plötzlich all die Aufregung?

 

 

Ende 2018 brachte Russland zum ersten Mal in der Geschichte Venezuelas strategische Bomber in das Land, das ganz oben rechts, also im Nordosten des Südamerikanischen Kontinents liegt und daher Küste an Küste mit den USA. Dazwischen liegen Kuba und die Dominikanische Republik.

Russland verhandelt mit Venezuela über den Bau einer russischen Militärbasis an der Nordküste des Landes. Auf dieser russischen Militärbasis sollen strategische Bomber und Kriegsschiffe stationiert werden. Das ist die Kubakrise reloaded. Das werden die USA auf keinen Fall hinnehmen.

So gesehen ist der von den USA gelenkte Putschversuch gegen Präsident Maduro noch die sanfteste Vorgehensweise. Vorher hatte man allerdings schon die direktere Methode versucht: Im August letzten Jahres gab es während einer Militärparade einen Mordanschlag auf den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro, bei dem mehrere mit Sprengstoff gefüllte Drohnen benutzt wurden. Aber die Scharfschützen der Polizei schossen die fliegenden Bomben ab. Das Problem ist erstens Maduros Rückhalt in der Bevölkerung und vor allem, dass das Militär hinter ihm steht.

Doch auch hier versucht die USA, den Hebel anzusetzen und verbreitet schlichtweg Fake-News vom Feinsten. Da es vor der Weltöffentlichkeit zur Zeit nicht so gut zu verargumentieren wäre, einfach in Venezuela einzumarschieren, muss eine andre militärische Strategie her. Da greift man doch gern auf die gute, alte „demokratische Rebellenmasche“ zurück. Genau, wie in Syrien mit der „Freien Syrische Armee“, versucht man es jetzt in Venezuela. Innerhalb des Militärs, so berichtet der US-Fernsehsender CNN, gebe es eine große Bewegung, die es begrüße, dass die USA den schrecklichen Präsidenten Maduro stürzen wolle und diese „demokratisch gesinnten“ Militärs sollen die USA offiziell um Hilfe und Waffen gebeten haben, um den sozialistischen Diktator Maduro zu stürzen.

CNN berichtet also, Überläufer der venezolanischen Armee und Rebellen gegen Präsident Maduro bäten die USA um Waffenhilfe:

„Als venezolanische Soldaten bitten wir die USA, uns logistisch mit Kommunikation und Waffen zu unterstützen, damit wir die Freiheit Venezuelas verwirklichen können“, sagte einer der angeblichen Überläufer, Guillen Martinez, gegenüber CNN.

Ein anderer, Hidalgo Azuaje, fügte hinzu: „Wir sagen nicht, dass wir nur die Unterstützung der USA brauchen, sondern auch Brasilien, Kolumbien, Peru und alle Bruderstaaten, die gegen diese Diktatur sind.“

 

 

Aufmerksamen und sachkundigen Zuschauern ist aber nicht entgangen, dass die auf CNN gezeigten Rebellenhelden nicht echt sein können. Auf den in rot eingekreisten Abzeichen stehen die drei Buchstaben „FAN“ die für „Fuerza Armada Nacionales“, das ist aber ein altes Abzeichen, das es seit vielen Jahren nicht mehr gibt. Die heutigen Uniformen haben hier das Abzeichen „FANB“ das für „Fuerza Armada Nacional Bolivariana“ steht – mit Bezug auf Simon Bolivar.

 

Auf den rot eingekreisten Abzeichen steht „FAN“

 

 

So sehen die Abzeichen heute aus.

 

 

Entweder haben sie für CNN Statisten mit alten Uniformen aus dem Theaterfundus auftreten lassen, oder es handelt sich um Veteranen oder schon länger aus dem venezolanischen Armeedienst ausgeschiedene Soldaten, die vielleicht tatsächlich gegen Präsident Maduro kämpfen wollen… was auch immer. Aber das, was CNN hier weismachen will, dass es aktive Teile des Militärs sind, die gegen Nicolás Maduro und die venezolanische Armee kämpfen wollen, sich gerade von dieser abgespalten haben und die USA um Waffenhilfe bitten, das ist offensichtlich eine Falschdarstellung (aka Fake News). Man sollte meinen, dass die CIA und der Sender CNN ihre Lügen etwas sorgfältiger vorbereiten.

Was die EU in dieser Sache betrifft: Sie folgt hier brav der von den USA vorgegebenen Linie und beeilte sich, den von den USA zum „Interimspräsidenten“ ernannten Putschisten Juan Guaidó ebenfalls zu bestätigen. Maduro nannte sie wenig schmeichelhaft die „Stiefellecker“ der USA.

 

 

Der 35jährige Parlamentspräsident Juan Guaidó ist ein talentierter Jungpolitiker, ausgebildet, geschliffen und in Position gebracht von den USA. Er war anscheinend von Anfang an für diesen „Job“ vorgesehen, denn seine Beziehungen funktionieren tadellos. Er rief sich selbst zum Präsidenten aus und appellierte an seine Anhänger, auf die Straße zu gehen. Dass das Ganze orchestriert war, zeigte sich daran, dass Trump sofort den rechtmäßig gewählten Präsidenten ohne weitere Erläuterungen für illegitim erklärte und Juan Guaidó als rechtmäßigem Staatsoberhaupt seine Anerkennung aussprach.

Präsident Nicolás Maduro veröffentlichte auf seinem Facebook-Account Fotos von mehreren Pro-Maduro Demonstrationen. So, wie die Bilder aussehen, sind das riesige Massendemonstrationen. Dies soll keine Stellungnahme für oder gegen den Präsidenten Maduro sein. Ob es mit diesen Demonstrationen sich so verhält, wie auf Maduros Facebook dargestellt, ist unbekannt.

 

 

 

 

 

Wenn alles nicht funktioniert, steht den USA ja immer noch das bewährte Einmarschieren aus demokratisch-humanitären Gründen offen. Einen humanitären Grund könnte ja auch der willkürlich in einem venezolanischen Gefängnis festgesetzte deutsche Journalist Billy Six liefern.

 

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