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Verborgene Gefahren – Der großflächige Einsatz von mikrokristalliner Cellulose auch in der Naturheilkunde

21. Juni 2019 | Gesundheit | Ernährung | Natur | Umwelt | Wissenschaft | Forschung | connectiv.events

Im Jahre 1838 wurde erstmals Cellulose vom französischen Chemiker Anselme Payen entdeckt. Im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklung entstand hieraus u.a. die mikrokristalline Cellulose. Bereits 1976 warnte Dr. J. Seidemann vor den Gefahren mikrokristalliner Cellulose: „Diese wird vom menschlichen und tierischen Organismus persorbiert. Bis zur Klärung der Probleme, ob es sich bei der Persorption um einen alltäglichen Normalvorgang oder um einen auf längere Sicht organschädigenden Prozess handelt, sollte die Angabe über die vollkommene Unbedenklichkeit von mikrokristalliner Cellulose beim Einsatz für Lebensmittel und pharmazeutischen Zubereitungen in größeren Mengen sorgfältig geprüft werden.“[1]

von Rainer Taufertshöfer,
freier Medizinjournalist, Heilpraktiker und Referent

Das Anliegen meines Artikels ist es, dem Endverbraucher, speziell dem biologisch wie auch lebensmittelchemisch orientierten Publikum das Verständnis der Gefahren von Mikrofeststoffen zu erleichtern. Dabei sind zwangsläufig biochemische, toxikologisch-pharma­kologische, ernährungswissenschaftliche, ökologische sowie teilweise medizinische Aspekte zu berücksichtigen, um dem Leser die Vielschichtigkeit der Problematik zu verdeutlichen. Vielfach liegen auch physiologische und toxikologische Aspekte so eng beieinander, dass ihre Trennung schon aus logischen Gründen wenig sinnvoll erscheint.

Zunächst muss festgestellt werden, dass seit der Warnung von Dr. J. Seidemann im Jahre 1976 seine Bedenken zu mikrokristalliner Cellulose nicht wiederlegt wurden. Das Gegenteil trat sogar ein – in unbehandelten Produkten sowie in Baby- und Kleinkindnahrung darf mikrokristalline Cellulose (MCC) nicht eingesetzt werden.[2]

Trotz aller Bedenken wird MCC in großen Mengen von der Lebensmittel- und pharmazeutischen Industrie verarbeitet und selbst die Naturheilmittelhersteller scheuen sich nicht vor dem großflächigen Einsatz dieser gesundheitlich äußerst bedenklichen Substanz.

Die Funktion von MCC kann als „Füllstoff“, „Stabilisator“, „Trennmittel“ oder „Trägerstoff“ beschrieben werden. MCC fällt wie alle Cellulosederivate in die Kategorie der technologischen Zusatzstoffe. Die Dosierung erfolgt nach Belieben – eine Beschränkung der Höchstmenge liegt zudem nicht vor. Es wurde kein ADI-Wert definiert. Dieser definiert die erlaubte Tagesdosis (ETD) (englisch Acceptable Daily Intake, ADI), die Dosis einer Substanz, wie etwa eines Lebensmittelzusatzstoffs oder eines Medikaments, die bei lebenslanger täglicher Einnahme als medizinisch unbedenklich betrachtet wird.

Die Gefahren liegen auch darin begründet, dass MCC ein nicht resorbierbarer und unverdaulicher Ballaststoff ist und nicht am Stoffwechsel des menschlichen oder tierischen Organismus teilnimmt. Bei diesen kleinen Partikeln und Molekülgrößen besteht die Möglichkeit der Persorption[3], das heißt des mechanischen Durchtritts durch den Darm in den Organismus mit noch ungeklärter Bedeutung und Folgen für den menschlichen Körper und seiner Gesundheit.

Als Persorption bezeichnet man eine besondere Form des interzellulären[4] Transportes, bei der die Penetration größerer suspendierter Feststoffpartikel aus dem Darmlumen unter Umgehung des Lösevorganges erfolgt.

 

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Die Partikel der MCC wandern im Bereich der apikalen[5] Desquamationszone der Dünndarmzotten zwischen den einschichtig angeordneten Schleimhautzellen hindurch und gelangen aus der Subepithelialregion[6] in die Lymphgefäße und von dort weiter in den Blutstrom. Die Bedeutung der Persorption für die Aufnahme von Xenobiotica[7] ist noch weitgehend ungeklärt.[8] Doch trägt ausschließlich die industrielle Verarbeitung von Lebens- und Heilmitteln dazu bei, dass solche Xenobiotica dem Menschen zugeführt werden.

Der wissenschaftlich-, technologische Fortschritt hat es nicht geschafft, dass der menschliche Organismus anders funktioniert, als es ihm die Natur vorgibt. Hieraus kann die Schlussfolgerung abgeleitet werden, dass ausschließlich 100% natürliche Substanzen als eine sinnvolle Ergänzung angesehen werden dürfen – Xenobiotica sind hier sicherlich nicht hinzu zu zählen.

Eine Erklärung für die unverständliche Verabreichung solcher Substanzen, trotz der benannten Bedenken, könnte in der Ausführung von Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Dörner im Deutschen Ärzteblatt zu finden sein.

„Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um „gesund leben“ zu können. Das gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut…“[9]

Da ein organschädigender Prozess bei der Anhäufung mikrokristalliner Cellulose (Xenobiotica) im gesamten Organismus befürchtet wird, spreche ich meinen Patienten stets eine entsprechende Warnung hierzu aus.

Ich hege zudem die Vermutung, dass eine Anhäufung der MCC im Organismus zu Gefäßschäden, Fibromyalgie, verschlackten Subepithelialregionen des Darmes (mögliche Folgen u.a. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) und Lymphsystems, und zu multiplen Primärtumoren der Leber führen kann. Diese Krankheitsbilder häufen sich derzeit in meiner Praxis, als mögliche Spätfolgen von MCC gaben?

Wer sich vor der Einnahme von MCC in Lebensmitteln oder auch schulmedizinischen- und naturheilkundlichen Medikamenten schützen möchte, sollte wissen, dass MCC nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung als „Mikrokristalline Cellulose“ oder mit der E-Nummer E460 (i) deklariert wird.

[1] Molecular Nutrition & Food Research, Volume 20, Issue 5, 1976, Pages 495–498
[2] Cellulose und Cellulosederivate, Wüstenberg, Tanja, Verlag: Behr Jun 2013 (2013)
[3] Persorption w [von latein. persorbere = einschlürfen], Aufnahme feinster unlöslicher Partikel über das Darmepithel.
[4] Zwischen den Zellen
[5] Apikal bedeutet „die Spitze eines Organs betreffend“, „an der Spitze befindlich“ oder einfach „spitzenwärts“. Der Begriff wird auch benutzt, um die Seite einer Struktur zu bezeichnen, die zur Oberfläche oder zu einem Lumen hin liegt.
[6] Unterhalb des Epithels
[7] Xenobiotika (griechisch für dem Leben fremde Stoffe) sind chemische Verbindungen, die dem biologischen Stoffkreislauf eines Organismus oder natürlichen Ökosystemen fremd sind.
[8] Lebensmitteltoxikologie, herausgegeben von Prof. Dr. Rainer Macholz, Dr. Hans-Jochen Lewerenz, 1989, Springer Berlin (Verlag),
978-3-642-73270-6 (ISBN)
[9] Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2462 / B-2104 / C-1970

 

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Rainer Taufertshöfer

Quelle:

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