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Nur 869 Mio. von 2 Mrd. verkauft: Warum bleibt Deutschland auf neuen Staatsanleihen sitzen?

26. August 2019 | Allgemein | Politik | Geo-Politik | Wirtschaft | Finanzen | Anti Spiegel

von Thomas Röper 

Deutschland hat am Mittwoch versucht, eine neue 30-jährige Staatsanleihe zu verkaufen, jedoch ist Deutschland auf den meisten Papieren sitzen geblieben. Wie konnte das passieren?

Das Finanzsystem steht am Abgrund. Nach der Finanzkrise von 2008 und der darauf folgenden, sogenannten, „Eurokrise“ war das Finanzsystem eigentlich schon am Ende. Es wäre komplett zusammengebrochen, wenn nicht die Zentralbanken Milliarden in die Märkte gepumpt, man muss sagen, regelrecht verschenkt hätten. Das Ergebnis spüren inzwischen die meisten Menschen der westlichen Welt: Dieses Überangebot an Geld bei den Banken und Fonds hat zu Blasen geführt. Die Aktienmärkte rennen von einem unbegründeten Allzeit-Hoch zum nächsten. Was die Menschen aber selbst spüren, sind die Preiserhöhungen bei Immobilien, egal ob man Käufer oder Mieter ist.

Diese Kombination aus praktisch unendlich viel Geld im System und daher zwangsläufig niedrigen Zinsen, hat dazu geführt, dass die Verschuldung in der Welt bei über 300 Prozent liegt.

Dass die Zinsen niedrig sind, hat einen einfachen Grund: Der Zins ist der Preis für einen Kredit (also für Geld). Wenn aber unendlich viel Geld da ist, wird niemand einen hohen Preis (Zins) dafür bezahlen. Auch wenn Ihre Bank mit Krediten geizig sein mag, wären Sie ein Fond, würde sie ihnen mit Wonne das Geld, also den Kredit, hinterher schmeißen. Das hat zu der weltweiten Überschuldung geführt und dazu, dass die Preise für Aktien und Immobilien sich von der realem Welt abgekoppelt haben. Das Geld musste irgendwo hin, also kaufte man „Werte“ wie Firmenanteile (Aktien) und Immobilien.

Das Thema der weltweiten Überschuldung habe ich hier einmal analysiert und auch die unweigerlich kommenden Folgen aufgezeigt. Keine Angst, das Thema ist nicht so kompliziert, wie die Medien einem vorgaukeln. Es ist am Ende einfache Mathematik, die jeder, der die vier Grundrechenarten beherrscht, mit einem Taschenrechner selbst nachrechnen kann.

Und diese Situation hat dazu geführt, Sie werden davon schon gehört haben, dass Deutschland, das noch als „sicherer Schuldner“ gilt, seine kurz- und mittelfristigen Staatsanleihen bereits seit einiger Zeit für Null-Zinsen oder sogar negative Zinsen platzieren kann. Die Investoren, also Banken und Fonds, haben so viel Geld, das irgendwo hin muss, dass sie es sogar weggeben, wenn sie hinterher weniger zurückbekommen. Hauptsache, sie finden überhaupt noch einen halbwegs sicheren Ort für ihr Geld.

 

https://misterwater.eu

 

Was seit dieser Woche neu ist, ist dass Deutschland am Mittwoch versucht hat, eine 30-jährige, also eine langfristige, Anleihe mit Null-Zins im Markt zu platzieren. Und das ging gewaltig in die Hose. Von zwei Milliarden, die man aufnehmen wollte, wurden nur 869 Millionen vom Markt angenommen. Der Rest liegt nun beim Finanzminister, der später versuchen wird, diese Anleihe Stück für Stück noch irgendwie loszuwerden.

Und bis zu einem gewissen Grad wird das funktionieren. Die EZB kauft zwar momentan offiziell keine Staatsanleihen der Mitgliedsstaaten mehr, aber die Tochterinstitute, die Zentralbanken, wie die Bundesbank, tun es immer noch. Das Handelsblatt schreibt dazu:

„Die EZB hat zwar ihre Nettoanleiheläufe vorerst beendet. Doch in ihrem Auftrag erwirbt die Bundesbank weiter Anleihen, um fällige Papiere zu ersetzen. Im September könnte die Notenbank zudem verkünden, dass sie das Anleihekaufprogramm wieder anschiebt. (…) Sie darf zudem höchstens ein knappes Drittel aller ausstehenden Anleihen einer Emission halten. Das wären im Fall des nun ausgegebenen Bonds knapp 670 Millionen Euro. Die lang laufenden Bundespapiere dürften sich auch bei anderen Notenbanken trotz der geringen Rendite einiger Beliebtheit erfreuen.“

Wir haben also bereits einen Finanzmarkt, in dem die eigentlichen Geldgeber, also die Banken und Versicherungen, trotz der Geldschwemme kein Interesse mehr an Staatspapieren haben:

„Vor allem Versicherungen und Pensionskassen, die regelmäßige Auszahlungen leisten müssen, setzen auf Zinspapiere mit positivem Kupon. „Sie sind auf eine positive Rendite angewiesen, um ihren Verpflichtungen gegenüber Anlegern und Kunden nachzukommen“, sagt DZ-Bankanalyst Lenz. „Eine negative Rendite und ein Null-Prozent-Kupon ist die ungünstigste Kombination, die dafür zusammenkommen kann.““

Also springen die Zentralbanken ein und drucken Geld, dass sie dem Staat leihen. Das ist das berühmte Prinzip „rechte Tasche, linke Tasche“ und ein weiteres Zeichen dafür, dass das System an seine Grenzen stößt.

Auch wenn man Staaten und private Haushalte nicht zu hundert Prozent vergleichen kann, hilft ein solcher Vergleich beim Verständnis: Stellen Sie sich vor, am 20. des Monats geht Ihnen das Geld aus. Und sie könnten dann einfach ein Stück Papier bemalen und damit beim Bäcker einkaufen gehen. Im richtigen Leben funktioniert das nicht. Aber bei Staaten und im Finanzsystem funktioniert es genauso, solange andere Staaten, Firmen und so weiter (also der „Bäcker“) daran glauben, dass das bedruckte Papier etwas wert ist.

 

http://www.goldgrammy.de

 

Darum nennt man das heutige Geldsystem auch „Fiat-Money“. Das Wort kommt aus dem Latein und bedeutet „es geschehe“ (Fiat lux – „Es werde Licht“). „Fiat-Money“ bedeutet also „Es werde Geld“. Man malt sich sein Geld selbst und solange alle daran glauben, funktioniert das System. Wenn aber dieses selbstgemalte (oder in diesem Fall von der Zentralbank aus dem Nichts geschaffene) Geld so wenig wert ist, dass es außer der Zentralbank, die es geschaffen hat, niemand mehr haben will, wird die Sache problematisch.

Sicher, hier spielen heute auch die niedrigen Zinsen eine Rolle, aber wie gesehen, sind die ja Teil des Problems und Teil des Systems. Würde Deutschland Zinsen anbieten, wäre es seine Anleihen losgeworden.

Aber das Problem im System wird immer sichtbarer: Die Gelschwemme führt zu niedrigen Zinsen, die niedrigen Zinsen führen dazu, dass immer weniger Investoren noch an Geld oder Staatsanleihen interessiert sind. Andererseits sind aber alle anderen Geldanlagen wegen der jahrelangen Geldschwemme inzwischen hoffnungslos überteuert. Darum kaufen manche Anleger diese negativ verzinsten Staatspapiere sogar: Sollte die Blase bei Aktien oder Immobilien platzen, können sie schnell die Hälfte des eingesetzten Geldes verlieren. Da verzichtet mancher auch schon mal auf Zinsen, Hauptsache das angelegte Geld bleibt erhalten.

Das ist die verrückte Situation im heutigen Finanzsystem: Niemand weiß mehr, wohin noch mit dem vielen, selbst gemalten Geld.

Wer heute die Frage beantworten kann, wie lange das noch gut gehen kann, würde wohl den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen.

Die Frage ist nicht, ob das System auseinander fliegt, sondern die Frage ist nur noch wann. Und Meldungen, wie die vom Mittwoch, sind eine weitere Bestätigung dafür.

 

https://baden.jungbrunnen.tips

 

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Textredakteur:

Thomas Röper

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