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Wie der Spiegel pro-saudische Kriegspropaganda betreibt

2. Oktober 2019 | Allgemein | Geschichte | Politik | Geo-Politik | Anti Spiegel

von Thomas Röper

Heute hat der Spiegel in einem bemerkenswerten Artikel pro-saudische Propaganda gebracht. Jede Behauptung der Saudis wurde unkommentiert übernommen, es gab kein kritisches Wort. Wie der Spiegel sich zum Sprachrohr einer der unmenschlichsten Diktaturen der Welt macht, will ich an diesem Artikel einmal aufzeigen.

Der Spiegel heult ja bei jeder Gelegenheit auf, wenn irgendwo seiner Meinung nach Menschenrechte verletzt werden. Aktuell können wir das in Hongkong beobachten, wo der Spiegel die Gewalt der Demonstranten verschweigt und kürzlich auch in Moskau, wo der Spiegel von angeblicher Polizeigewalt gegen Demonstranten gefaselt hat, ohne auch nur ein Beispiel zu zeigen. Von der angeblichen Unterdrückung von Homosexuellen in Russland (die es gar nicht gibt, hier finden Sie die Details) gar nicht zu reden.

Aber wenn es um Saudi-Arabien geht, wo eine absolutistische Monarchie herrscht, wo ein Land durch die Vetternwirtschaft einer Großfamilie regiert wird, wo Homosexuelle öffentlich enthaupten werden, wo schon kleinste Vergehen durch öffentliches Abhacken von Gliedmaßen bestraft werden, wo Frauen keinerlei Rechte haben und als Eigentum der Männer gelten, dann ist der Spiegel erstaunlich unkritisch und hat wenig zu meckern. Das bestätigt heute wieder ein Artikel über ein Interview mit dem saudischen Kronprinz, über das der Spiegel berichtet.

Über die Zustände in dem Land verliert der Spiegel kein Wort, während kein Artikel über China und Russland ohne die übliche Kritik an den dortigen Regierungen und der angeblichen Unterdrückung der Menschen auskommt. Bei Saudi-Arabien dazu kein Wort, erst recht keine Kritik. Dafür werden Aussagen des Kronprinzen ausführlich zitiert und nicht hinterfragt.

Der Kronprinz Mohammed bin Salman, der das Land regiert, warnte vor einer Verschärfung des Konfliktes mit dem Iran und sagte mit Blick auf den Angriff auf eine saudische Raffinerie laut Spiegel:

„Wenn die Welt keine starken und entschlossenen Maßnahmen ergreift, um Iran abzuschrecken, dann werden wir weitere Eskalationen sehen, die die Interessen der Welt bedrohen werden“, sagte der Kronprinz in einem am Sonntag vom US-Sender CBC News ausgestrahlten Interview. „Die Ölversorgung wird unterbrochen, und die Ölpreise werden auf unvorstellbar hohe Zahlen steigen, die wir in unserem Leben noch nicht gesehen haben.“

Da könnte er durchaus recht haben, das Problem ist nur, dass wir diese Probleme gar nicht hätten, wenn die USA sich an ihre Verpflichtungen aus dem Atomabkommen gehalten hätten, anstatt es zu brechen. Die USA verschärfen aber seit eineinhalb Jahren die Spannungen am Golf durch ihren Vertragsbruch und die illegalen Sanktionen gegen den Iran und Saudi-Arabien hilft dabei fleißig mit. Daher ist es verlogen, dem Iran daran die Schuld zu geben. Vor dem Vertragsbruch der USA gab es dort keine Gefahr für die Ölversorgung der Welt.

 

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Aber Hintergrundinformationen verheimlicht der Spiegel ja gerne, damit die gewünschte Message beim Leser ankommt. Zusammenhänge, die das gewünschte Bild stören, sind unerwünscht. Ein solches Vorgehen nennt sich per Definition übrigens „Propaganda“.

Und so kann man im Spiegel weder etwas über die Zustände in Saudi-Arabien lesen, noch findet man irgendetwas über die Vorgeschichte der aktuellen Spannungen in der Region. Stattdessen kann mal dort lesen:

„Mitte September war in Saudi-Arabien eine wichtige Ölanlage angegriffen worden. Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren vergangene Woche der US-Einschätzung gefolgt, dass Iran für die Attacke Verantwortung trage. (…) Ursprünglich hatten sich die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen zu dem Angriff bekannt, was von den USA allerdings als falsches Bekenntnis gewertet wurde. Die Regierung in Teheran jedoch weist die Vorwürfe zurück.“

Schon die Formulierung „ursprünglich“ hätten sich die Huthis dazu bekannt, ist suggestiv und unwahr, denn sie impliziert, dass die Huthis das Bekenntnis zurückgezogen hätten, was aber nicht stimmt. Geschickt formuliert vom Spiegel, er erweckt einfach einen falschen Eindruck beim Leser, ohne gleich nachweisbar lügen zu müssen.

Was der Spiegel verschweigt ist, dass die USA diese Behauptung zwar aufgestellt, aber keine überprüfbaren Belege vorgelegt haben. Es geht wieder einmal um die berühmten „Geheimdiensterkenntnisse“. Sie erinnern sich an die Massenvernichtungswaffen von Sadam Hussein? Das waren auch solche „Geheimdiensterkenntnisse“. Und wieder glaubt der Spiegel denen, anstatt Fragen zu stellen, wie es sich für kritische Medien gehören würde. „Wenn die USA es sagen, wird es schon stimmen“ scheint der durchschnittliche Spiegel-Redakteur zu denken.

Hinzu kommt, dass die Erklärung der europäischen Staaten eine ziemlich dreiste Propaganda-Aktion ist. Sie haben nämlich keineswegs gesagt, der Iran habe den Angriff durchgeführt. Sie haben ausdrücklich von „Verantwortung“ gesprochen und die kann man in diesem Fall sehr weit fassen.

Wenn zum Beispiel der Iran den Huthis, die sich zu dem Angriff bekannt haben, unterstützt, dann kann man ihm bereits eine (Mit-) Verantwortung für den Angriff geben. Und genau so muss man die Erklärung der europäischen Staaten verstehen. Die USA haben Druck gemacht, damit die europäischen Staaten etwas sagen, was die US-Vorwürfe stützt und sie haben sich auf diese schwächste aller möglichen Erklärungen eingelassen, die nun aber von den Medien überall zitiert werden kann und so beim Leser den falschen Eindruck erweckt, Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden behaupten, der Iran habe den Angriff durchgeführt.

 

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Auch das ist Propaganda, denn dem Leser werden solche Feinheiten der hohen diplomatischen Kunst nicht erklärt, beim Leser wird einfach ein falscher Eindruck erweckt. Aber niemand kann dem Spiegel hier eine Lüge vorwerfen, er hat die korrekten Formulierungen benutzt und kann immer sagen: „Wir können nichts dafür, dass unsere Leser zu blöd sind, das richtig zu verstehen, unsere Formulierung war korrekt.“

Genau so funktioniert Propaganda: Es geht nicht um offene Lügen, das ist sehr plump und wird nicht oft getan. Es geht vielmehr um geschickte Formulierungen, Suggestionen und Weglassen von für das Verständnis wichtigen Informationen, um beim Leser den gewünschten Eindruck zu erzeugen.

Offene Lügen sind plump und riskant, denn sie können aufgedeckt werden, wie ich es vor einigen Tagen bei einer Lüge des Spiegel gezeigt habe. Der Spiegel hat – warum auch immer – kurz nach der Veröffentlichung meines Artikels über seine Lüge, seinen eigenen Artikel still und heimlich umgeschrieben und die offene Lüge durch eine Formulierung ersetzt, die durch Weglassen dann aber den gleichen falschen Eindruck beim Leser wecken sollte, wie die Lüge vorher. Eine Richtigstellung vom Spiegel gab es hingegen nicht.

Aber zurück zu dem Spiegel-Artikel über Saudi-Arabien. Weiter schreibt der Spiegel über das Interview mit Kronprinz Mohammed bin Salman:

„Er fügte hinzu: „Eine politische und friedliche Lösung ist viel besser als eine militärische.“ Alle wollten einen neuen Deal mit Iran, dessen Regierung aber wolle nicht an den Verhandlungstisch. Wenn Iran damit aufhören würde, die Huthis im Jemen zu unterstützen, wäre eine politische Lösung viel leichter zu erreichen – lieber heute als morgen.“

Wieder eine geschickte Aktion des Spiegel. In einen Satz werden gleich mehrere Suggerierungen ohne die nötigen Hintergrundinformationen gepackt. Der Leser kann gar nicht verstehen, worum es tatsächlich geht. Das will ich nun zeigen.

Angeblich wollen alle einen Deal mit dem Iran, sagt der Kronprinz. Was der Spiegel aber verschweigt ist, dass den Deal schon gibt. Es ist das Atomabkommen, dass die USA gebrochen haben. Und wenn der Spiegel sagt, der Iran „wolle nicht an den Verhandlungstisch„, dann stimmt das sogar. Nur verschweigt der Spiegel die Gründe und die sind einfach: Der Iran fragt, warum er mit den USA verhandeln soll, wenn die sowieso jeden Vertrag nach zwei Jahren brechen. Daher fordert der Iran, dass die USA das Atomabkommen wieder einhalten, die illegalen Sanktionen wieder aufheben, danach kann man dann gerne miteinander über weitere Abkommen reden oder das bestehende Abkommen nach verhandeln. Aber solange die USA vertragsbrüchig sind und bleiben, sieht der Iran keinen Grund über neue Verträge zu verhandeln.

 

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Das war die eine Suggerierung, die andere betrifft den letzten Satz über die iranische Unterstützung der Huthis, womit der Iran laut Saudi-Arabien „aufhören“ solle. Hier benutzt der Spiegel eine bewährte Technik: Er dreht in seinem Artikel einfach die Chronologie der Ereignisse um.

Der Mensch ist so gestrickt, dass er das Gelesene chronologisch aufnimmt. Indem der Spiegel also zuerst über den saudischen Vorwurf der iranischen Unterstützung für die Huthis berichtet, entsteht beim Leser der Eindruck, das wäre zuerst geschehen, weil er es zuerst gelesen hat. Das sind unterbewusst ablaufende Prozesse beim Menschen, die die Medien gerne nutzen.

Und nachdem der Spiegel dem Leser zuerst ins Unterbewusstsein gepflanzt hat, das Problem wäre die iranische Unterstützung für die Huthis, kommt im Spiegel folgendes:

„Saudi-Arabien war im März 2015 mit weiteren arabischen Staaten in den Krieg im südlichen Nachbarland Jemen eingetreten. Das sunnitische Königreich will den Einfluss seines schiitischen Erzrivalen Iran, der die Huthis unterstützt, zurückdrängen.“

Tatsächlich kam nämlich zuerst der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Saudis gegen den Jemen, in dem die „Koalition“ der Saudis fast täglich Zivilisten abschlachtet und erst danach kam die iranische Unterstützung für die angegriffenen Huthis. Aber der Spiegel-Leser nimmt das durch den kleinen Trick der verdrehten Chronologie anders herum wahr. Geschickt gemacht, oder? Diese Methode kann man in westlichen Medien immer wieder beobachten.

Und es kommt noch besser: Der Spiegel schreibt, Saudi-Arabien wäre „in den Krieg im südlichen Nachbarland Jemen eingetreten„, dabei hat Saudi-Arabien den Krieg begonnen. Diese Formulierung des Spiegel ist eine glatte Lüge. Vorher gab es zwar im Jemen Unruhen und separatistische Bewegungen, aber keinen Krieg. Den hat Saudi-Arabien angefangen. Vor Saudi-Arabiens Angriff gab es keinen Krieg, in den irgendjemand hätte „eintreten“ können.

Saudi-Arabien hat einen illegalen Angriffskrieg gegen seinen Nachbarn vom Zaun gebrochen, was der Spiegel seinen Lesern nicht nur verschweigt, sondern worüber der Spiegel mit solchen Formulierungen sogar offen lügt.

Der Spiegel verbreitet hier ungefiltert eins zu eins die saudische Kriegspropaganda und hat gleichzeitig die Frechheit, sich als „Qualitätsmedium“ zu bezeichnen und einen Herrn Relotius öffentlich zu verurteilen. Relotius wird für das, was er getan hat, zu recht verurteilt. Aber der Spiegel macht auch ohne Relotius weiterhin Artikel, die den Eindruck erwecken, Relotius sei nicht gefeuert, sondern zum Chefredakteur befördert worden.

 

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Dann kommt in dem Artikel noch der Fall „Khashoggi“. Sie erinnern sich? Der saudische Journalist Khashoggi wurde im saudischen Konsulat in der Türkei von einem extra angereisten Kommando des saudischen Geheimdienstes buchstäblich geschlachtet und Saudi-Arabien, namentlich der hier interviewte Kronprinz Mohammed bin Salman, haben das Offensichtliche fast drei Wochen abgestritten.

Der Spiegel zitiert hierzu völlig unkritisch:

„In dem Interview äußerte sich bin Salman auch zum Fall des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr. Auf die Frage, ob er die Ermordung angeordnet habe, antwortete der Kronprinz: „Absolut nicht.““

Anstatt das nun zu kommentieren oder zu hinterfragen, geht es im Spiegel so weiter:

„Den Mord an dem regierungskritischen Journalisten bezeichnete er als „abscheulich“. Angesichts dessen, dass die Tat von Mitarbeitern der Regierung verübt worden sei, übernehme er aber „volle Verantwortung“, fügte bin Salman hinzu.“

Sorry, aber das ist nur noch geil! Jeder Journalist müsste nun fragen, worin denn diese Verantwortung besteht, die der Herr Kronprinz zu übernehmen gedenkt. Tritt er zurück? Lässt er eine unabhängige Untersuchung (auch zu seiner eigenen Rolle dabei) zu? Da fallen mir ganz viele Fragen zu der Verantwortung des Herrn Prinzen ein.

Aber nicht dem Spiegel. Keine Frage, kein kritisches Wort. Nichts. Null. Niente.

Und das nennt der Spiegel kritischen „Qualitätsjournalismus“ und wirbt für sich mit dem Slogan „Sagen, was ist“.

Ich nenne es „Propaganda“.

 

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