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Wie die internationalen Rankings entstehen, die die Medien so gerne präsentieren

10. Mai 2020 | Allgemein | Familie | Soziales | Gesundheit | Ernährung | Politik | Geo-Politik | Psychologie | Gesellschaft | Wirtschaft | Finanzen | Wissenschaft | Forschung | Anti Spiegel

von Thomas Röper 

Zu allen möglichen Themen lesen wir in den Medien „Ranglisten“, in denen Staaten verglichen werden. Und natürlich sind die Staaten des Westens bei allen Rankings auf den oberen Plätzen zu finden. Aber wie entstehen solche Rankings eigentlich?

Wer sich ein solches Ranking anschaut, muss – wenn er es verstehen möchte – immer auch anschauen, wer es erstellt hat und von wem es finanziert wurde. Die Rankings sind in der Regel nämlich keineswegs objektiv, sie sollen vielmehr ein gewolltes Bild transportieren.

In Zeiten der Coronakrise ist ein Ranking interessant, das ausgerechnet 2019 zum ersten Mal erstellt wurde. Die Rede ist vom Global Health Security-Index. Das Ranking wurde von der John Hopkins University erstellt, und zwar mit freundlicher finanzieller Unterstützung der Bill und Melinda Gates Stiftung. Es sollte untersuchen, welche Länder am besten auf eine Pandemie vorbereitet sind.

Jetzt muss ich penibel sein, denn erstellt wurde das Ranking vom Johns Hopkins Center for Health Security, das Teil der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health ist. Den Namen von Bloomberg trägt das Center seit 2001, um seinen größten Finanzier zu ehren. Michael Bloomberg hat laut dem englischem Wikipedia über die Jahre insgesamt fast drei Milliarden Dollar gespendet.

Bloomberg glaubt daran, dass die Märkte alles richten und hat in seiner Zeit als New Yorker Bürgermeister das Gesundheitssystem der Stadt privatisiert. Und wo wütet die Coronakrise in den USA am schlimmsten?

Das Ranking des Global Health Security-Index wurde also zum größten Teil von Bloomberg und Gates finanziert. Und welches Land war demnach wohl am besten auf eine Pandemie vorbereitet? Natürlich die USA, die demnach das beste Gesundheitssystem der Welt haben.

 

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Bei seiner Veröffentlichung 2019 hat sich kaum jemand für das Ranking interessiert. Zu Beginn der Coronakrise konnte man davon aber ein paar Mal etwas in den Medien lesen. Der Spiegel zeigte dabei wieder einmal, dass er sich als Pressesprecher von Bill Gates versteht, was ja auch kein Wunder ist, schließlich wird der Spiegel still und heimlich mit Millionen von Bill Gates finanziert. Dafür wurde extra die Rubrik „Globale Gesellschaft“ beim Spiegel gegründet, um die Meinung von Bill Gates in die Welt zu tragen. Falls das für Sie neu ist, können Sie die Details und Quellen dazu hier nachlesen.

Und so hat der Spiegel am 4. April einen Artikel in der – Überraschung – Rubrik „Globale Gesellschaft“ veröffentlicht, der die Überschrift „Weltweiter Vergleich – Welche Länder am besten auf die Coronakrise vorbereitet waren trug. Aus heutiger Sicht kann man sehen, wie wertlos das Ranking ist, denn im Spiegel konnte man zum Beispiel lesen:

„Deutschland schneidet im Vergleich zu den USA, Kanada oder Frankreich nur mäßig ab“

Es liegt mir fern, das deutsche Gesundheitssystem zu loben, denn die Kürzungen der letzten Jahre haben es sicher nicht besser gemacht. Aber Corona hat gezeigt, dass das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich nicht schlecht dasteht und sich bisher gut geschlagen hat. Das sieht man auch im Vergleich mit Frankreich, das ja angeblich viel besser auf so ein Ereignis vorbereitet war.

Die Handschrift von Bloomberg und anderen Privatisierungsfanatikern zeigt sich zum Beispiel bei der Bewertung von Großbritannien, wie sogar dem Spiegel aufgefallen ist:

„Großbritannien schneidet mit einem Index von 59 überdurchschnittlich gut ab. Durchaus überraschend, gilt doch das britische Gesundheitssystem NHS seit Jahren als marode.“

In dem Ranking ist Großbritannien trotzdem – direkt nach den USA – auf Platz zwei gelandet.

Heute wissen wir, dass Großbritannien große Probleme mit dem Coronavirus hat, von „überdurchschnittlich gut“ kann keine Rede sein. Aber dem Spiegel waren diese offenkundig fragwürdigen Aussagen des Rankings keine kritische Frage zu Methodik wert. Außer dieser:

„Wie leistungsfähig ein Gesundheitssystem ist, hängt meist eng mit den jeweiligen Ausgaben für das System zusammen. Mit Abstand am meisten Geld fließt in den USA ins Gesundheitssystem, mit 9870 US-Dollar pro Kopf und Jahr. Dazu muss man wissen: Das US-Gesundheitssystem ist im Grunde das beste System der Welt, leider aber nur für jene Bürger, die es sich leisten können.“

Auch andere Ergebnisse des Rankings haben sich im „Praxistest“ von Corona als komplett falsch erwiesen. Im Spiegel konnte man lesen:

„In Europa sind Spanien, Portugal und Frankreich mit einem Wert über 60 demnach recht gut aufgestellt, auf eine Pandemie zu reagieren. China, Russland, Deutschland oder Japan erreichen mittelmäßige Indizes.“

 

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Spanien und Frankreich sind neben Großbritannien und Italien heute die Sorgenkinder Europas, das Ranking lag also voll daneben. China hält sich sehr gut, wie wir heute wissen, Deutschland und Japan ebenfalls. Russland hat derzeit allerdings tatsächlich einige Probleme, nachdem es zu Beginn der Coronakrise noch sehr gut dastand. Dort steigen die Zahlen der Neuinfektionen derzeit ungebremst, obwohl seit Ende März auch in Russland „zu Hause sitzen“ angeordnet wurde.

Der Global-Health-Security-Index hat also den Praxistest nicht bestanden, vielmehr hat er gezeigt, dass er offensichtlich Interessen gesteuert erstellt worden ist. Er sollte der Welt zeigen, das privatisierte Gesundheitssysteme (wie in den USA) das Maß aller Dinge sind, was die Praxis aber deutlich widerlegt hat. Weitere Details zu dem Ranking finden Sie hier in einem lesenswerten Artikel bei den Nachdenkseiten.

Auch andere Rankings, die wir weit öfter in den Medien präsentiert bekommen, sind Interessen gesteuert, ohne dass uns das die Medien mitteilen würden. Ich habe das zum Beispiel an den Reportern ohne Grenzen und ihrem Ranking der weltweiten Pressefreiheit (Details finden Sie hier) und an dem Ranking der weltweiten Korruption von Transparency International (hier geht es zu den Details) aufgezeigt.

Man sollte also gewarnt sein, wenn die Medien uns etwas über internationale Rankings erzählen wollen.

Hierzu eigener Sache: Die in diesem Artikel erwähnten Artikel über die Reporter ohne Grenzen und Transparency International sind nur deshalb entstanden, weil Leser mir per Mail Fragen zu den Themen gestellt haben. Daher hier ein Bitte: Wenn Sie ein Ranking kennen, dass die Medien mehr oder weniger große herausbringen und über das ich nicht berichtet habe, schreiben Sie mir gerne eine Mail oder hinterlassen Sie hier einen Kommentar. Ich schaue es mir mit Vergnügen an und vielleicht wird daraus ein weiterer Artikel beim Anti-Spiegel.

 

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